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SCP-8080
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Versuch: Freundschaft
Forscher von Areal-22 Dr. ELEANOR ELLORY und Dr. DEAN WALKER liegen Seite an Seite auf einem großen Stück Stoff. Ihre Finger sind nah beieinander, aber berühren sich nicht. Ein dreibeiniges Teleskop steht etwas zu ihrer Linken und eine rote Thermoskanne mit Kaffee steht daneben.
Sie schauen nach oben auf einen riesigen Ozean aus hellen Sternen, die wie polierte Edelsteine leuchten. Um sie herum scheint sich ein Feld aus weichem, grünem Gras endlos zu erstrecken.
Die Luft ist frisch und ruhig. Es ist nach Mitternacht, aber die Jahreszeit ist warm und keiner der beiden Forscher zittert unter dem Kittel.
Ellory: Verdammt. Das ist schön.
Walker: Sie sind nicht allzu schlecht, oder?
Ellory: Ja, das muss ich dir lassen. Du hast dich diesmal wirklich übertroffen.
WALKER lacht.
Walker: Mensch, ich wünschte, ich könnte dafür die Lorbeeren einheimsen.
Ellory: Ach, komm schon, das kannst du schon zum Teil. Du hast uns hierhergebracht.
Walker: Der Trick ist keine Lichtverschmutzung. Geh weit weg von den Städten und Gebäuden und es ist jede Nacht so.
Ellory: Ich schätze, dann sollte ich mehr weggehen.
Walker: Das ist für mich in Ordnung. Du bist hier immer willkommen, Eleanor.
Sie lächelt. Eine Weile lang liegen sie still zusammen.
Ellory: Danke, übrigens. Dass du mich eingeladen hast, meine ich. Ich weiß nicht, ob ich es bereits gesagt habe.
Walker: Du hast mir buchstäblich tausendmal gedankt!
Ellory: Pff, du übertreibst.
Walker: Nur ein wenig. Du dankst oft Leuten, Eleanor. Das letzte Mal, als ich dir einen Joghurt gebracht habe, hast du mir im Grunde nach jedem zweiten Bissen gedankt. Und du hast mir ständig versichert, wie lecker er wäre. Ich meine, das hätte ich nachvollziehen können, wenn ich ihn zuhause gemacht hätte oder so, aber es war aus der Kantine unseres Areals.
Ellory: Hey, schau mal, Mister. Ich bin nicht hierhergekommen, um akkurat beschuldigt zu werden, okay?
WALKER grinst.
Walker: Ach ja? Warum bist du hierhergekommen, Eleanor?
Ellory: Weil du mich wieder und wieder eingeladen und mich allmählich überzeugt hast, bis ich nachgegeben habe. Wie ein guter Freund.
Walker: Ein bester Freund.
Ellory: Mein allerbester Freund.
Es ist einen Moment lang still.
Ellory: Mein einziger Freund.
Walker: Hey, sag das nicht.
Ellory: Es stimmt aber. Oder nicht?
Walker: Nun, falls dem so sein sollte, und das ist ein großes Falls, dann heißt das nur, dass es mehr von dir für mich gibt, nicht wahr?
Ellory: Oh, pst. Wenn du solche komischen Sachen sagst, könnte ich anfangen, zu denken, dass du mit mir flirtest.
WALKER wackelt mit den Augenbrauen.
Walker: Vielleicht tue ich das ja.
ELLORY lacht.
Ellory: Sei nicht albern. Das würde nicht funktionieren zwischen uns.
Walker: Warum nicht?
Ellory: Nun, die Leute würden uns anstarren.
Walker: Was gibt es zum Anstarren?
Ellory: Nun, da ist zum einen der Größenunterschied. Und mein …
ELLORY legt verlegen eine Hand auf ihren Bauch.
Ellory: … und so. Hübsche Männer landen nicht bei … Du weißt schon.
Walker: Nein, ich weiß es nicht.
ELLORY rollt unbehaglich mit ihren Schulterblättern.
Ellory: Schau mal, lass uns jetzt nicht darüber reden, bitte.
Walker: Natürlich. Kein Problem. Was auch immer du willst.
Es ist wieder still.
Walker: Wir könnten das hier auch nächstes Wochenende wiederholen, wenn dir danach ist. Wenn heute Nacht gut läuft, meine ich.
Ellory: Ich genieße es ja bisher.
WALKER bewegt seine Hand ganz leicht und streicht seine Fingerspitzen nur einen Moment lang über ELLORYs.
Walker: Es ist schön, mit dir außerhalb des Büros zu reden. Es fühlt sich mehr wie dein wahres Ich an.
Ellory: Ja. Es fühlt sich … Ich weiß nicht, hier draußen leichter an, ich selbst zu sein. Weg von der Arbeit.
Walker: Weißt du, ich habe nie das Gefühl, dass ich wirklich von der Arbeit weg bin, außer ich bin inmitten eines Feldes ohne ein Gebäude in Sicht. Es ist nicht wirklich die Art von Arbeit, die du mit deinem Laborkittel an- und ablegen kannst.
Ellory: Nein. Das ist es nicht.
Sie hält inne.
Ellory: Ich weiß genau, was du meinst. Da ist diese Art von … schrecklicher klinischer Atmosphäre, die sich überall ausbreitet. Genau in deinen Verstand. Du hast nie wirklich Feierabend. Du hast nie wirklich eine Pause. Nicht, während du dort bist.
Walker: Ich schwöre, dass das flackernde Deckenlicht in der Kantine insgeheim ein wahrnehmungsstörendes Gefahrgut ist, um uns fügsam am Arbeitsplatz zu halten.
ELLORY lacht.
Ellory: Ich würde ihnen das zutrauen.
Walker: Oh, ich meine das nur halb als Witz. Ich meine, kann man eine effektive, geheime, globale Supermacht sein und keine gottverdammte Glühlampe reparieren können?
Ellory: Nicht wahr? Wo ist das regierungsstürzende Budget, wenn man es braucht?
Es gibt eine lange Pause.
Ellory: Die Foundation ist … seltsam.
Walker: Junge, das ist die Untertreibung des Jahrhunderts.
Ellory: Nein, ich meine, seltsam im Sinne von … ach, vergiss es. Wir sollten von der Arbeit wegkommen. Ich würde dich nur langweilen.
Walker: Nein, rede weiter. Du könntest mich nie langweilen, Eleanor.
Eleanor: Nun, du siehst diese Menschen in der Pause und beim Mittagessen. Gewöhnliche, normale Menschen - nun, ziemlich normal - und dann gehen sie und die Hälfte von ihnen tut diese schrecklichen, grausamen Dinge. Sie machen Notizen und unterschreiben Zettel und beantragen Tests und dann werden andere Menschen gefoltert oder getötet oder für immer in einen Glaskasten gesperrt. Und du bist immer nur eine Zuweisung davon entfernt, einer von ihnen zu sein.
Walker: Ja, ich glaube, ich verstehe, was du meinst. Es ist nicht immer ein leichter Job, schätze ich. Ich schätze, ich bin irgendwie froh, dass ich nicht in der Position bin, Entscheidungen zu treffen. Ich wüsste nicht, was ich tun soll.
ELEANOR richtet sich zu einer Sitzposition auf und beginnt, mit ein paar Grashalmen zu spielen und sie um ihre Finger zu wickeln. Schließlich schaut sie auf WALKER hinunter.
Eleanor: Dean, gefällt dir, was du tust?
Walker: Mir gefällt, was ich jetzt gerade tue.
Ellory: Benimm dich. Ich meine … Du weißt, was ich meine.
Walker: Für die Foundation zu arbeiten? Ich kann nicht sagen, dass ich jeden Tag vor Freude aus dem Bett springe und aus der Tür tanze. Es ist ein Job. Manchmal ein sehr seltsamer Job, aber immer noch ein Job.
Ellory: Warum bist du beigetreten?
Walker: Nun, es wirkte damals wie ein ziemlich guter Deal. Ich hatte Fähigkeiten, die sie brauchten, sie hatten Geld, das ich brauchte, und die Option, nicht mein Gehirn auszuwaschen und mich … auf die Straße zu werfen. Außerdem dachte ich mir, dass es ein wenig interessanter als die Art von Sachen wäre, die ich in der Außenwelt machen würde. Aber hey, nicht das erste Mal, dass ich falsch lag. Und was ist mit dir? Was hat dich dazu gebracht, die Welt der Sterblichen zu verlassen und der mächtigen und glorreichen Foundation beizutreten? Der Glanz? Der Glamour? Diese leckeren Kantinenjoghurts?
ELLORY lacht.
Ellory: Du würdest mich auslachen, wenn ich es dir sage.
Walker: Das würde mir im Traum nicht einfallen. Ich schwöre bei meinem Leben.
Ellory: Ich wollte die Welt zu einem besseren Ort machen. Ist das eine dumme Antwort?
Walker: Es ist eine Antwort, die sehr nach dir klingt.
Ellory: Ich weiß, dass es sich wie ein Widerspruch anhört, wenn man bedenkt, wo wir arbeiten, aber als mir der Job angeboten wurde, dachte ich … Nun, hier ist es. Worauf ich gewartet habe. Ein Ort, an dem ich tatsächlich persönlich etwas bewirken kann. Das wird als sehr egoistisch rüberkommen, aber ich hatte immer das Gefühl, als gäbe es etwas, wofür ich bestimmt war. Ich hatte eine ziemlich beschissene Kindheit. Mein Vater ist nicht lange geblieben und so, wie meine Mutter war, bin ich mir unsicher, ob ich ihn wirklich dafür verurteilen kann. Ich war immer … am Rand. Das dumme, hässliche, fette Mädchen. Die Streberin. Diejenige, die sich bei Tests tatsächlich Mühe gegeben hat. Niemand mag diese Art von Mädchen. Die einzigen, die mit dir abhängen, sind die Mädchen, die sich selbst hübscher aussehen lassen wollen. Und es fühlte sich immer so an, als … als ob es einen Grund geben muss, warum ich das alles ertragen musste. Einen Sinn. Einen Weg, etwas Gutes und Wichtiges zu tun.
Walker: Und hast du etwas gefunden? Einen Sinn, meine ich? Einen Weg, etwas zu bewirken?
Ellory: Ich glaube schon. Kürzlich, denke ich … Ja. Ich glaube, das habe ich. Und das ist auch gut so, weil ich schließlich nicht mehr Freunde bei der Arbeit als in der Schule gefunden habe.
Walker: Eleanor, du bist viel, viel zu streng mit dir selbst.
Ellory: Es stimmt aber! Ich habe über ein Jahrzehnt lang in Areal-22 gearbeitet - dreizehn verdammte Jahre - und ich glaube nicht, dass ich eine einzige Person bei mir zuhause hatte oder je zu jemand anderem gegangen bin.
Walker: Hey, ich bin mir sicher, so geht es vielen Menschen. Es ist wirklich nicht gut, dir darüber so viele Gedanken zu machen, weißt du? Du machst dich nur immer verärgerter. Warum konzentrierst du dich nicht auf das Positive? Du sagtest, du hast kürzlich etwas gemacht, was dir ein Gefühl der Erfüllung gab. Was war das?
Ellory: Nein, aber, also … Okay, kann ich dir etwas Persönliches erzählen?
Walker: Immer.
Ellory: Bist du dir sicher?
Walker: Wirklich, Eleanor, du kannst mir absolut alles erzählen.
Ellory: Es lässt mich so dumm und schwach fühlen, dass es mich so aufregt. Aber kennst du Sarah? Dr. Holbrook? Ihr Geburtstag liegt zwei Tage vor meinem. Und jedes einzelne Jahr wird sie mit Karten überflutet, individuellen, persönlichen Karten, und Blumen, und dann ist direkt danach mein Geburtstag. Und die einzige Karte, die ich immer bekomme, ist die große Gruppenkarte von der Abteilung, bei der die Hälfte vergisst, sie zu unterschreiben. Jedes einzelne Jahr. Ich kann es nicht einmal über mich bringen, sie auf meinen Schreibtisch zu stellen, weil ihrer mit Karten bedeckt ist, und es macht es so viel … so viel deutlicher, dass …
ELLORY schnieft laut und holt ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche, um sich die Nase zu schnauben.
Walker: Hey, es ist okay. Es ist okay.
WALKER nimmt ihre Hand und drückt sie.
Walker: Das bedeutet nichts. Du bist eine unglaubliche Person, Eleanor. Du bist klug und lustig und du machst großartige Sachen. Und du sitzt hier mit mir unter den Sternen, nicht Sarah Holbrook.
ELLORY stößt ein kurzes Lachen aus und wischt sich über die Augen.
Ellory: Ja, das stimmt. Es ist ein schöner Ort.
Sie lehnt sich gegen ihn.
Ellory: Danke. Tut mir leid. Danke.
Walker: Hey, nichts zu danken.
Ellory: Ich weiß nicht, was zur Hölle ich ohne dich machen würde.
Walker: Nun, darüber musst du dir nie Sorgen machen, Eleanor.
Ellory: Wie zum Teufel habe ich einen Freund wie dich ergattert, hm?
Walker: Nur unglaubliches Glück, schätze ich.
Sie lacht und drückt WALKERs Arm. Sie sitzen eine Weile lang still.
Ellory: Hey, Dean … Wie sind wir eigentlich Freunde geworden?
Walker: Oh, Gott, keine Ahnung. Wir waren schon ewig Freunde.
ELLORY richtet sich auf.
Ellory: Du weißt es nicht?
Walker: Ich - Hm? Eleanor, was ist los?
Ellory: Also, du weißt es wirklich nicht? Denn ich weiß es auch nicht. Wir sind Freunde, solange ich mich erinnern kann, aber - Gott, Dean, wann haben wir uns überhaupt getroffen?
Walker: Ähm … Ist das wichtig?
Ellory: Natürlich ist das wichtig! Bereitet es dir keine Sorgen, dass wir eine ganze Unterhaltung darüber geführt haben, wie ich keine Freunde bei der Arbeit hatte, aber wir waren Freunde, aber keiner von uns beiden kann sich erinnern, wie wir uns getroffen haben? Ich habe keine … Du warst nie bei mir zuhause, oder? Wir verbringen buchstäblich ständig miteinander Zeit, aber niemand von der Arbeit hat je meine Wohnung besucht.
Walker: Eleanor -
Ellory: Dean … Warum hast du mir nie eine Geburtstagskarte geschenkt? Wir sind schon ewig beste Freunde, aber ich weiß, dass mir niemand jemals eine Geburtstagskarte schenkt.
Walker: Ja, ich schätze, das war ein kleiner Flüchtigkeitsfehler.
Eleanor: Was?
Walker: Kontrolle, kannst du die Sequenz pausieren?
Eleanor: WAS!?
Sicherheitsmaßnahmen
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███████ Die sofortige Bergung ist unerlässlich.
Beschreibung
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Aufzeichnung der Therapiesitzung - E. Ellory
Auszug 1
Foundation-Therapeutin: Dr. Olivia Carrigan (via Fernverbindung)
Name der Patientin: Eleanor Ellory
BERECHTIGUNGSSTUFE: LEVEL 5
Die Patientin hat Sorgen bezüglich kürzlichen ungewöhnlichen Träumen ausgedrückt, die mit Stress am Arbeitsplatz und Erschöpfung zusammenhängen könnten. Die Patientin leidet an sich wiederholenden depressiven Episoden und einem extrem negativen Selbstbewusstsein.
DR. CARRIGAN: Guten Nachmittag. Ist alles klar zu verstehen?
E. ELLORY: Hi. Ähm, ja. Guten Nachmittag. Ich meine, ja, alles ist klar.
DR. CARRIGAN: Gut. Also, mein Name ist Doktorin Olivia Carrigan. Sie können mich Doktorin oder Doktorin Carrigan nennen. Und wie soll ich Sie nennen?
E. ELLORY: Nur Eleanor. Eleanor ist in Ordnung.
DR. CARRIGAN: Danke, Eleanor. Und würdest du es bevorzugen, diese Sitzung mit oder ohne eingeschalteten Webcams zu führen?
E. ELLORY: Ohne. Ähm, ich meine, wäre es in Ordnung, sie ohne zu führen, bitte?
DR. CARRIGAN: Natürlich. Womit auch immer du dich am wohlsten fühlst. Hast du etwas Warmes zu trinken?
E. ELLORY: Ähm, nein. Sollte ich das?
DR. CARRIGAN: Nur wenn du magst. Bei längeren Sitzungen finden einige es hilfreich, etwas zu haben, um ihre Kehle feucht zu halten.
E. ELLORY: Stimmt. Das ist schlau. Tut mir leid. Daran hätte ich denken sollen. Tut mir leid.
DR. CARIGAN: Du musst dich nicht entschuldigen, Eleanor. Würdest du dir gerne etwas Tee oder Kaffee machen?
E. ELLORY: Nein, nicht - Nicht nötig. Ich möchte nicht Ihre Zeit verschwenden. Ich habe hier sowieso irgendwo Halsbonbons.
DR. CARRIGAN: Wie du möchtest.
E. ELLORY: Also, ähm … Wo fangen wir an?
DR. CARRIGAN: Wo würdest du gerne anfangen?
E. ELLORY: Ähm … Ich bin mir nicht sicher. Tut mir leid.
DR. CARRIGAN: Ich habe gehört, dass du über ein paar Träume sprechen wolltest, die du hattest?
E. ELLORY: Ja. Ähm. Tut mir leid. Das ist eine wirklich dumme Sache, mit der man zum Therapeuten geht, oder?
DR. CARRIGAN: Überhaupt nicht. Es gibt keine dummen Sachen, über die man in der Therapie redet, wenn du das Gefühl hast, dass sie deine mentale Gesundheit beeinträchtigen. Und sehr viele Menschen haben Träume, die sie verwirrend oder besorgniserregend finden und gerne professionelle Hilfe dabei hätten, sie zu verarbeiten.
E. ELLORY: Stimmt. Danke. Haben Sie mit vielen Menschen über ihre Träume geredet?
DR. CARRIGAN: Ich fürchte, ich kann nicht über meine Interaktionen mit anderen Patienten reden.
E. ELLORY: Stimmt. Stimmt. Natürlich. Tut mir leid. Dumm von mir, das zu fragen.
DR. CARRIGAN: Warum fängst du nicht an, mir von einem deiner Träume zu erzählen, den du kürzlich erlebt hast?
E. ELLORY: Nun, ich kann mich nicht an alles erinnern.
DR. CARRIGAN: Das ist vollkommen normal. Erzähl mir einfach alles, was du kannst.
E. ELLORY: Nun … Es gab einen, wo ich Sterne beobachtet habe. Ich war in diesem riesigen Feld unter dem Nachthimmel. Nur waren da viel zu viele Sterne, als dass es real gewesen sein könnte, aber man bemerkt so etwas nicht in einem Traum, nicht wahr?
DR. CARRIGAN: Wir können oft auf seltsame und unsinnige Dinge in unseren Träumen stoßen, über die wir uns erst bewusst werden, sobald wir aufwachen.
E. ELLORY: Und ich war neben einem Mann. Er hat hier gearbeitet. In der Foundation, meine ich, in meiner Abteilung. Ich meine, er arbeitet nicht wirklich hier. Aber ich träumte, dass er dies tat. Ich träumte, dass wir zusammengearbeitet haben und er mich zu einem Ausflug auf … ein Feld irgendwo einlud, ich kann mich nicht erinnern, wo, um den Himmel anzuschauen. Und wir redeten und redeten und es war perfekt. Wir redeten über die Arbeit und die Foundation und all das, was wir nicht an ihr mochten, und warum wir hier waren. Er war sehr hübsch. Und er … Also, ich glaube, er, ähm, hat ein paar Mal mit mir geflirtet.
DR. CARRIGAN: Das hört sich nach einem sehr normalen Traum an.
E. ELLORY: Ja. Aber dann ging alles irgendwie schief. Ich habe … Ich glaube, ich habe gemerkt, dass mein Traum keinen Sinn ergab? Dass der Typ, den ich mir erträumt habe, nicht echt sein konnte, weil sich meine Erinnerungen an ihn widersprachen. Und es war ein schreckliches Gefühl. Als ob der untere Teil meines Bauchs herausgefallen wäre.
DR. CARRIGAN: Du wurdest dir bewusst, dass es ein Traum war?
E. ELLORY: Nein, nicht einmal das. Es war nur dieser eine Typ, der … Und er hat etwas gesagt, dass mir so, so viel Angst gemacht hat, aber ich kann mich nicht daran erinnern, was es war.
DR. CARRIGAN: Gibt es einen Kollegen in deiner Abteilung, bei dem du denkst, dass er vielleicht von dieser Gestalt repräsentiert wurde?
E. ELLORY: Nein. Ich meine, ich denke nicht. Ich bin nicht wirklich mit jemandem in meiner Abteilung befreundet. Mit irgendjemandem hier, eigentlich.
DR. CARRIGAN: Ich verstehe. Glaubst du, es ist möglich, dass ein Teil deines Traums eine Reflektion deiner Sorge über dieses Fehlen von engen Beziehungen am Arbeitsplatz und vielleicht eine Angst sein könnte, dass sich Beziehungen zu deinen Kollegen irgendwie als falsch oder unwürdig herausstellen könnten, wenn du sie mit ihnen eingehen würdest?
E. ELLORY: Ja, ich … Ja, das würde Sinn ergeben.
DR. CARRIGAN: Ich sehe in den Notizen deines vorherigen Therapeuten, dass du in früheren Sitzungen darüber geredet hast, dass du Probleme mit deinem Selbstbewusstsein hattest. Ist das etwas, womit du immer noch zu kämpfen hast?
E. ELLORY: Ja. Das ist … Das ist definitiv etwas, womit ich viele Probleme habe.
DR. CARRIGAN: Nun, dieser Traum könnte definitiv von einigen dieser Emotionen beeinflusst worden sein.
E. ELLORY: Ja.
DR. CARRIGAN: Aber er könnte genauso gut andere Interpretationen haben. Es schien zum Beispiel einen Fokus auf deinen Job zu geben. Hast du kürzlich mit irgendwelchen zusätzlichen Stressoren oder Herausforderungen am Arbeitsplatz zu tun gehabt?
E. ELLORY: Da gab es … ein paar Sachen, die passiert sind, ja.
Versuch: Fantasy
Sonnenblut-Meisterin ELEANOR ELLORY beginnt, die großen Kristallstufen vom Glyzan-Turm hochzusteigen. Sie ist erst siebzehn Jahre alt, das jüngste Sonnenblut des Jahrhunderts. Und bereits eines der erfolgreichsten.
Unter ihr flüstern die Lehrlinge in der Eingangshalle verschwörerisch und zeigen auf sie, aber sie schenkt ihnen keine Beachtung. Dies ist ihr Moment des Triumphes und nicht einmal die Buhrufe des schwarz gekleideten Rye Blacksong kann ihr die Laune verderben.
Sie läuft zuerst über die Amethysttreppe, dann die Smaragd- und die Rubintreppe. Sie zittert, als sie über die Onyxtreppe geht und das verführerische Pulsieren ihrer dunklen Macht spürt, bevor sie schließlich das Ende der Topastreppe erreicht. Großmagus DEAN WALKER wartet auf sie, strahlend vor Stolz. Er sieht prächtig aus mit seiner zeremoniellen goldenen Krone. Seine prunkvollen Gewänder in Purpur und Türkis scheinen mit ätherischer Schönheit im Licht der Hunderten von Kerzen zu schimmern, die an den Wänden hängen.
Walker: Nun, nun, nun, meine liebe Eleanor Ellory. Es gab Zeiten - dunkle Zeiten, tückische Zeiten - in denen nicht einmal ich daran glaubte, dass du hier vor mir stehen würdest. Dein Vater wäre so stolz auf das, was du erreicht hast.
ELLORY verbeugt sich tief vor ihm, zieht ein goldenes Schwert heraus und legt es auf den Boden vor ihr.
Ellory: Es ist mir eine Ehre, Euch meine Treue anzubieten, Großmagus Walker. Und meine ewige Ergebenheit.
Walker: Und diese Ergebenheit ist großartig, junges Sonnenblut. Die Prüfungen, die du durchmachen musstest, sowohl als ein Lehrling unseres Ordens als auch darüber hinaus … Nicht einmal unsere besten Lichtweber haben halb so viel in doppelt so viel Zeit geschafft. Die Welt schuldet dir sehr viel, Eleanor.
ELLORY lächelt schüchtern, während sie ihre Klinge aufhebt und sie wieder in ihre Silberscheide steckt.
Ellory: Und ich hätte nicht einmal ein Viertel davon ohne meine Freunde geschafft, Großmagus. Oder eigentlich auch nicht ohne Euch.
Walker: Das stimmt. Mutig sind wir zusammen und zerbrochen sind wir getrennt. Du hattest sehr viel Glück bei deinen Verbündeten und warst ihrer Begleitung äußerst würdig. Aber deine Prüfungen heute sind für dich und dich allein. Bist du bereit, dich ihnen zu stellen, Eleanor?
Ellory: Das bin ich. Aber Ihr habt Unrecht, Großmagus. Meine Freunde sind immer bei mir, selbst wenn sie nicht an meiner Seite stehen. Selbst jene, die ins sonnenlose Land übergetreten sind. Alles, was ich bin, kommt aus ihrer Kraft und ihren Opfern. Ich bin niemals allein, Großmagus.
WALKER stößt ein knarrendes Zaubererlachen aus und klatscht mit seinen Händen.
Walker: In der Tat, ja! Weißt du, Eleanor, es braucht ein sehr mutiges Mädchen, um einem alten Zauberer direkt in seine Schnurrhaare zu sagen, dass er Unrecht hat. Ich hoffe, ich werde noch viele weitere mit dieser Eigenschaft treffen, bevor meine Zeit um ist.
Nur einen kurzen Moment lang bildet sich eine kleine Falte auf ELLORYs Stirn.
Ellory: Ihr habt keine Schnurrhaare.
WALKER ignoriert sie.
Walker: Aber die Zukunft hat lange gewartet und kann noch ein wenig länger warten. Heute ist dein Tag, Eleanor. Und ich weiß, dass du uns stolz machen wirst. Beschwöre deinen Mut, junge Meisterin. Deine Abschlussprüfung beginnt gleich.
WALKER führt ELLORY zum Zentrum eines großen Kreises, der in den dunklen Steinboden geritzt wurde. Wunderschön geschwungene Linien verlaufen über seine Oberfläche in einem komplexen Spiralmuster. Über ihnen lassen die klaren Kristallfenster das bezaubernde Morgenlicht rein.
Walker: Zuerst die Prüfung des Geistes. Drei hinterhältige Fragen, um dein Wissen, deine Weisheit und List zu testen. Bist du bereit?
Ellory: Das bin ich, Großmagus.
Walker: Gut. Gut. Dann sage mir, Kind … Was wird nasser, während es trocknet?
Ellory: Hm? Ich … Ich meine, das ist … ein Handtuch?
WALKER wirft seine Hände erstaunt hoch.
Walker: Natürlich! Brillant, mein Mädchen, ziemlich brillant! Und nun, ähem, warte kurz. Ähm … Der Schrein ohne Deckel, Schlüssel, Scharnier birgt einen goldenen Schatz, glaub es mir. Was ist der Schrein?
Ellory: Das … Das kommt nicht aus Sonnenblut.
Walker: Aber du kennst die Antwort, nicht wahr?
Ellory: … Es ist ein Ei.
Walker: Wunderbar! Fantastisch! Ein Wunderkind! Mein Gott, wie macht sie das nur? Und nun, Eleanor, für dein letztes und wichtigstes Rätsel sage mir das: Wo genau ist SCP-8080?
Ellory: Ich … Was?
Walker: Du kennst die Antwort. Eleanor. Wo ist SCP-8080? Es ist deine letzte Prüfung. Komm schon. Sag es und du wirst ein vollständiges Mitglied unseres glorreichen Ordens!
Ellory: Aber … Warte, was ist mit den anderen Abschlussprüfungen? Die Prüfungen des Mutes und der Stärke?
Walker: Vergiss die anderen Prüfungen, Eleanor. Nur das hier zählt. SCP-8080 wird vermisst und nur du bist mutig und schlau und besonders genug, um herauszufinden, wo es hin ist.
ELLORY weicht langsam zurück und schüttelt ihren Kopf.
Ellory: Das hier ist falsch.
Walker: Eleanor -
Ellory: Das hier ist alles falsch! Gott … Nichts hiervon ist real, oder?
WALKER verdreht die Augen und seufzt genervt.
Walker: Ach, scheiß drauf. Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich schon beim ersten Rätsel versagt habe. Kontrolle, haben sie hier überhaupt Handtücher? Wann wurden Handtücher erfunden?
Kontrolle: Hm … Weißt du, ich habe tatsächlich keine Ahnung. Aber es ist Fantasy und nicht historisch, also denke ich nicht, dass das so wichtig ist.
Ellory: Was zur Hölle ist hier eigentlich los und MIT WEM REDEST DU?
Walker: Kontrolle, stoppe die Sequenz. Ich habe die hier eh nie gemocht. Obwohl ich anscheinend einen verdammt guten Zauberer spielen kann.
Aufzeichnung der Therapiesitzung - E. Ellory
Auszug 2
Foundation-Therapeutin: Dr. Olivia Carrigan (via Fernverbindung)
Name der Patientin: Eleanor Ellory
BERECHTIGUNGSSTUFE: LEVEL 5
Die Patientin hat Sorgen bezüglich kürzlichen ungewöhnlichen Träumen ausgedrückt, die mit Stress am Arbeitsplatz und Erschöpfung zusammenhängen könnten. Die Patientin leidet an sich wiederholenden depressiven Episoden und einem extrem negativen Selbstbewusstsein.
DR. CARRIGAN: Erzähle mir vom nächsten Traum, an den du dich erinnern kannst.
E. ELLORY: Der war … ehrlich gesagt viel seltsamer.
DR. CARRIGAN: Träume können oft sehr seltsam sein. Die Menschen haben fast seit ihrer Existenz über sie geredet und geschrieben und sie untersucht und wir haben immer noch kaum ein Verständnis darüber, warum sie existieren und wozu sie, wenn überhaupt, dienen.
E. ELLORY: Vielleicht finden wir eines Tages heraus, dass sie insgeheim die ganze Zeit irgendeine Anomalie sind.
DR. CARRIGAN: Vielleicht werden wir das. Aber bis dahin kannst du mir ja erstmal erzählen, was in deinem Traum passiert ist.
[ Eleanor spielt mit ihrem Ärmel herum. ]
E. ELEANOR: Es ist … ehrlich gesagt ein wenig peinlich.
DR. CARRIGAN: Alles, was wir hier besprechen, ist vollkommen vertraulich. Du kannst so viel oder so wenig preisgeben, wie dir lieb ist.
E. ELLORY: Nun, ähm, haben Sie je die Sonnenblut-Reihe von Lilly Wu gelesen?
DR. CARRIGAN: Nein.
E. ELLORY: Also, es ist eine Jugendliteratur-Reihe, die, na ja, es ist nicht mein Liebling oder so. Aber als ich versucht habe, wieder zeichnen zu lernen, habe ich oft versucht, Dinge aus diesen Büchern zu skizzieren. Charaktere und Objekte und so. Ich meine, da ist sehr viel kitschige Sprache drinnen, aber, wissen Sie, sie haben sich immer irgendwie wohltuend angefühlt. Also schätze ich, dass ich viel an sie gedacht habe.
DR. CARRIGAN: Es ist vollkommen in Ordnung, etwas zu mögen, Eleanor. Fahre fort.
E. ELLORY: Nun, der Traum war einfach … irgendwie das. Als wäre es sozusagen ein Teil des siebten Buchs. Außer dass ich die Hauptfigur war.
DR. CARRIGAN: Das ist eine sehr verbreitete Fantasie. Viele Menschen träumen davon, eine Figur aus einem Medium zu sein, mit dem sie eine starke Verbindung haben.
E. ELLORY: Ich nicht! Ich meine, ich habe buchstäblich noch nie in meinem Leben so einen Traum gehabt. Ich meine, wenn ich Bücher lese, assoziiere ich mich nicht einmal wirklich mit den Hauptfiguren. Ich mag es, die Geschichten über andere Leute zu hören, aber nicht, wissen Sie, mich in sie hineinzuprojizieren.
DR. CARRIGAN: Nun, vielleicht gibt es irgendwo in deinem Unterbewusstsein einen Teil von dir, der sich so fühlt, als wolle er der Held seiner eigenen Geschichte sein.
E. ELLORY: Ich denke schon. Vielleicht. Aber um ehrlich zu sein, fühlt sich das nicht wirklich wie … ich an.
DR. CARRIGAN: Du könntest dich selbst überraschen. Aber vielleicht bedeutet das, dass du dich aus einem anderen Grund zu dieser Welt hingezogen gefühlt hast. Du sagtest, es sei eine Buchreihe, die dir ein Wohlgefühl gegeben hat, wenn du am Zeichnen warst. Manchmal können wir uns an Orte träumen, die wir mit Sicherheit oder Glück assoziieren, entweder als eine Form von Schutz vor etwas Unangenehmem oder als eine Art von Belohnung für uns selbst, wenn wir das Gefühl haben, dass wir etwas Gutes getan haben.
E. ELLORY: So etwas hatte ich auch noch nie zuvor. Haben Sie diese Art von Träumen?
DR. CARRIGAN: Gelegentlich.
E. ELLORY: Wovon handeln Ihre? Wenn es Ihnen nichts ausmacht, dass ich frage, tut mir leid.
DR. CARRIGAN: Überhaupt nicht. Ich träume davon, auf einer großen Yacht inmitten des Ozeans zu liegen, während meilenweit nichts zu sehen ist. Sanft in den Wellen hoch und runter zu schaukeln. Es lässt mich ruhig und friedlich fühlen.
E. ELLORY: Also, dieser Traum ließ mich nicht sehr ruhig oder friedlich fühlen. Er fühlte sich …
DR. CARRIGAN: Ja?
[ Eleanor runzelt die Stirn. ]
E. ELLORY: Da stimmte etwas nicht! Er war vollkommen durcheinandergebracht. Der Großmagus war falsch! Er vermasselte ständig die Wörter und er war viel zu jung. Und da waren Rätsel, aber eines davon war aus Der Hobbit. Und … sie haben aus irgendeinem Grund über Handtücher geredet? Welchen Sinn hat das denn?
DR. CARRIGAN: Träume sind kein Ort, an dem der Sinn in Kontrolle ist, Eleanor. Träume vermischen oft alles und nehmen Ideen und Gedanken aus unterschiedlichen Teilen deines Lebens und werfen sie zusammen. Manchmal sieht dein Unterbewusstsein mehr Verbindungen als dein Bewusstsein. Und manchmal ist es nur ein zufälliger Haufen.
E. ELLORY: Und dann … Das war das Seltsamste. Der Großmagus fragte nach SCP-8080.
Versuch: Angst
Kommandantin ELEANOR ELLORY, die Anführerin von MTF Alpha-99 "Sterbendes Licht", überprüft ihre Waffe und zählt, wie viel Munition sie noch hat. Ihre Hände zittern, während sie das Patronenlager auffüllt.
Um sie herum steht der Rest ihres Teams mit gezogenen Waffen in einem Schutzring und wartet auf ihre Anweisungen. Ihre Spitznamen sind Raucher, Klicker, Bummjunge und DEAN WALKER.
Der Raum, in dem sie stehen, ist dunkel und verfallen und wird nur vom staubigen, flackernden Licht der schmutzigen, antiken Lampen beleuchtet. Die Wände und der Boden bestehen aus knorrigen Holzbrettern, die die eisige Kälte der Nachtluft nicht fernhalten können. Es gibt keine Fenster. Es gab keine Fenster in irgendeinem der Räume, durch die sie gelaufen sind, seitdem sie das Haus betreten haben, obwohl draußen Fenster zu sehen gewesen waren. Eine Reihe von abgenutzten Holztüren, deren rote Farbe verblasst ist und sich ablöst, befindet sich auf jeder Seite des Raumes. Der Teppich unter ihren Füßen ist auch rot, aber es ist ein frisches Rot. Ein klebriges Rot.
In der Ecke des Raumes steht eine Schneiderpuppe mit dem Gesicht zur Wand.
Von unten kommt ein Geräusch wie das Starten einer Kettensäge und dann durchbricht ein ohrenbetäubender, heulender Schrei die Luft. Raucher senkt seine Waffe und macht das Kreuzzeichen, während er etwas Unverständliches murmelt.
Ellory: Haben wir noch Scrantons über?
Klicker: Keinen einzigen.
Ellory: Scheiße.
Walker: Höhlenmensch hat den Reserve-Rucksack getragen.
Bummjunge: Gottverdammt.
Walker: Nicht, dass er etwas gebracht hat. Ich glaube nicht, dass er sie überhaupt verlangsamt hat. Sie mochten es einfach, mit uns zu spielen.
Es ist ein langsames, zaghaftes Klopfen hinter der Tür zu hören, durch die sie gerade gekommen sind.
Unsichtbare Stimme: Mami, warum willst du nicht mit mir spiiiielen?
Die Gruppe erzittert. ELLORY sieht so aus, als wäre sie kurz davor, sich zu übergeben.
Unsichtbare Stimme: Mamiiiii, habe ich etwas falsch gemacht? Hat es dich wütend gemacht, als ich deinen Freund gegessen habe? Tut mir leeeid, er sah scho lecker aus. Bitte sei nicht wütend auf mich, Mamiiiii.
Klicker: Was zur Hölle machen wir jetzt?
Walker: Nun, wir können uns entweder den Weg zurück freikämpfen und versuchen, einen Ausgang zu finden, oder den Weg tiefer ins Haus vorkämpfen und versuchen, das zu neutralisieren, was auch immer hierfür verantwortlich ist. Das muss die Kommandantin entscheiden. Was möchtest du tun, Eleanor?
Ein Ausdruck des absoluten Grauens breitet sich auf ELLORYs Gesicht aus und sie ist einen Moment lang unfähig, zu antworten.
Bummjunge: Wir brauchen Befehle, Kommandantin. Wir zählen auf Sie.
ELLORY schluckt und schließt einen Moment lang ihre Augen, woraufhin sie sich dazu zwingt, sich von der Tür mit der Stimme dahinter abzuwenden und zu der am anderen Ende des Raumes zu schauen.
Ellory: Wir … gehen weiter. Der Weg zurück wird nicht sicherer sein und wir sind in der Nähe des Herzens von diesem Ding. Ich weiß es. Ich kann es irgendwie fühlen. Wie ein Druck in meinem Schädel.
Bummjunge tritt die Tür auf und schaut in den dahinterliegenden Gang. Er scheint leer zu sein.
Bummjunge: Alles gesichert, Kommandantin.
Raucher: Ähm, hey, Kommandantin? Sie sollten sich das besser ansehen.
Die Mitglieder von MTF Alpha-99 drehen sich um. Raucher ist nun im Zentrum des Raumes und seine Füße hängen ein paar Zentimeter über dem Boden. Der linke Arm der Schneiderpuppe ist durch seine Brust gerammt. Blut sickert durch seine Uniform und tropft auf den bereits feuchten Boden. Rauchers Augen sind leer und leblos, aber seine Lippen bewegen sich weiter.
Raucher: Hey, Kommandantin, Sie sollten sich das besser ansehen. Hey, Kommandantin -
Ellory: Scheiße!
Die Mitglieder der Task Force reagieren mit einer Schusssalve in die Puppe. Sie zittert und wackelt durch den Aufprall, aber die Kugeln scheinen sonst keinen Effekt zu haben. Mit einem summenden Klickgeräusch zieht die Puppe den Zeigefinger ihrer rechten Hand über Rauchers blutige Vorderseite und malt ein großes, kindliches Lächeln auf sein ausdrucksloses Gesicht.
Raucher: Hey, Kommandantin, Sie sollten sich das besser ansehen. Sieh, wie schön das ist. Sieh, wie wunderschön es ist, Mami.
Ellory: Feuer einstellen! Durch die Tür! Los, los, los!
Alpha-99 rennt durch die Tür, während sich die Puppe ein Auge auf sich selbst malt. Rauchers Körper hat angefangen, zu lachen.
Die Gruppe betritt einen langen Gang aus Holz, an dessen Ende eine weitere Tür ist.
Ellory: Behaltet den Abstand zu dem Ding! Bewegt euch schnell, aber mit offenen Augen.
Die Wände des Ganges sind mit grauenhaften arkanen Sigillen dekoriert, die abwechselnd mit Blut und Fäkalien gemalt worden sind. In der Mitte wurde ein Paar menschlicher Hände an die Wand genagelt, umgeben von einem Kreidekreis. "Der Schöpfer ist unwürdig" wurde darüber geschrieben. Das Geräusch eines schluchzenden Mannes ist zu hören, während sie daran vorbeigehen.
Sie laufen in den nächsten Raum und schauen sich mit gezogenen Waffen um. Er sieht wie eine düstere Parodie einer Kinderkrippe aus. Ein Dutzend alter Kinderbetten aus Holz wurden auf dem Boden platziert und in jedem davon liegt ein blutiges, abgetrenntes Körperteil. ELLORY windet sich vor Ekel, als sie Höhlenmenschs abgetrennten Kopf in einem von ihnen erblickt.
Im gesamten Raum sind Regale mit Puppen mit weißen Porzellangesichtern. Hässliche, braunrote Bluttropfen fließen aus ihren Augenhöhlen.
Als die Gruppe den Raum betritt, drehen sich die Puppenköpfe in ihre Richtung. Sie kichern unheimlich.
Puppe 1: Mamas und Papas!
Puppe 2: Sie kamen, um mit uns zu spielen!
Puppe 3: Sie ließen uns scho lange warten!
Bummjunge hebt seine Waffe und schießt eine Kugel durch den Kopf der dritten Puppe. Sie fällt mit einem schrecklichen, hohen Schrei vom Regal und windet sich auf dem Boden.
Puppe 3: Ich mag dieses Spiel nicht, Papi!
Die erste Puppe wirft sich vom Regal. Als sie auf dem Boden landet, platzen sechs spinnenartige hydraulische Extremitäten aus ihrem Rumpf. Die Metallbeine sind uneinheitlich und verleihen den Eindruck, dass sie aus Schrott zusammengeklebt wurden. Die Puppe huscht zu Bummjunge mit einem verstörenden Schleifgeräusch.
Puppe 1: Schau, Papi! Ich bin ein Hündchen! Vorsicht, Papi, oder ich esse all deine Zehen!
Die untere Hälfte ihrer Maske zerbricht in zwei Hälften und offenbart einen mechanischen Mund, der mit gezackten, rostigen Nägeln gefüllt ist. Bummjunge versucht, auf sie zu schießen, aber seine Waffe ist leer. Zwei weitere Puppen fallen vom Regal und beginnen, hinter ihr zu kriechen und ihre eigenen zusätzlichen Beine zu wachsen.
Puppe 5: Oh, Papi, du hast schöne Augen! Darf ich sie behalten? Darf ich, darf ich, darf ich?
Puppe 6: Ich will deine Zähne, Papi! Bitte sag, dass ich sie haben darf, Papi, ich werde dich für immer und immer und immer lieben!
Alle Puppen haben begonnen, sich zu bewegen, während metallische Spinnenbeine aus ihnen herauswachsen. Sie springen massenhaft auf Bummjunge und ihr Gewicht drückt ihn zu Boden. Er schreit.
ELLORY versucht, ihre Waffe zu heben, aber WALKER drückt sie wieder nach unten.
Walker: Du hast nicht genügend Munition, um einen Kratzer zu machen! Wir müssen weiter! Geh zum nächsten Raum!
ELLORY zögert einen Moment lang, beißt auf ihre Lippe und folgt dann WALKER zur Tür mit Klicker neben ihr. Alle drei verbliebenen Task Force-Mitglieder laufen durch sie hindurch und WALKER knallt die Tür hinter sich zu.
Ellory: Wie konnten wir einfach -
Walker: Keine Zeit. Schau mal.
Ein Ritualkreis wurde mit Blut auf den Boden des Raumes inskribiert. Die verrottende Leiche eines Mannes liegt darin mit ausgestreckten Extremitäten. Beide Hände wurden entfernt. Ein dumpfes, rotes Licht pulsiert aus seinem offenen Mund, zusammen mit einem ununterbrochenen, gurgelnden Stöhnen. Das rötliche Leuchten erhellt die Worte, die in Großbuchstaben auf die Wand hinter ihm geschrieben worden sind. SCP-8080 IST DER SCHLÜSSEL ZU ALLEM.
Ellory: SCP-8080 …
Walker: Eleanor, weißt du etwas über SCP-8080? Es muss die Lösung dafür sein, wie wir diese Dinger aufhalten können.
Ellory: Nein … Ich meine, ja, tue ich, aber … Aber hier stimmt etwas nicht. SCP-8080 hat nichts mit alldem hier zu tun.
Walker: Aber das muss es! Das steht genau da.
Ellory: Das ist nicht möglich.
Walker: Das wurde buchstäblich auf die verfluchte Wand geschrieben, Eleanor! Es ist nicht wirklich ein subtiler Hinweis.
ELEANOR steht kurz vor den Tränen.
Eleanor: Aber ich … Ich verstehe nicht, wie SCP-8080 involviert sein könnte?
Walker: Ist okay, ist okay. Hey, wir können das zusammen herausfinden. Du und ich. Wir sind ziemlich schlau, nicht wahr? Erzähl mir einfach alles über SCP-8080. Wo ist es jetzt gerade, Eleanor?
ELLORY hält inne und ringt um Worte.
Ellory: In … Areal-22.
Walker: Nein, du dum- Da war es. Wo ist es jetzt, Eleanor? Du musst es mir sagen oder wir werden alle sterben. Wir werden in Stücke gerissen. Dein gesamtes Team, Eleanor. Nachdem wir dir alle vertraut haben. Willst du das? Willst du das hier?
Mit einem kreischenden Geräusch zerbricht einen Teil des Holzbodens zu einem Haufen aus Splittern. Eine riesige mechanische Hand in einem zerrissenen und schmutzigen weißen Handschuh greift durch das Loch nach oben und nimmt Klicker wie ein Kind, das ein Spielzeug aufhebt. Sie zieht sie rückwärts. Sie schreit verängstigt und schmerzerfüllt, als ihre Rippen hörbar knacken.
Ellory: NEIN!
ELLORY läuft nach vorne und weg von WALKER und nimmt einen von Klickers Armen in dem Versuch, sie von der Hand wegzuziehen.
Walker: Hey, lass los!
Aber ELLORY tut dies nicht. Klicker wird in das Loch gezogen und ELLORY mit ihr. WALKER starrt ihnen nach.
Walker: Oh, verdammt nochmal.
Er tritt wütend gegen die Leiche im Kreis. Sie zerfällt zu Staub.
Walker: Schalte es ab, Kontrolle. Gottverdammt. Gottverdammt. Ich war dieses Mal so kurz davor! Verdammte Heldentat. Was für eine dumme Hu-
Aufzeichnung der Therapiesitzung - E. Ellory
Auszug 3
Foundation-Therapeutin: Dr. Olivia Carrigan (via Fernverbindung)
Name der Patientin: Eleanor Ellory
BERECHTIGUNGSSTUFE: LEVEL 5
Die Patientin hat Sorgen bezüglich kürzlichen ungewöhnlichen Träumen ausgedrückt, die mit Stress am Arbeitsplatz und Erschöpfung zusammenhängen könnten. Die Patientin leidet an sich wiederholenden depressiven Episoden und einem extrem negativen Selbstbewusstsein.
E. ELLORY: Und, nun, dann wachte ich auf.
DR. CARRIGAN: Als du in das Loch gezogen wurdest?
E. ELLORY: Ja. Es gab Rufe über mir und dann nur … Dunkelheit. Und ich wachte auf.
DR. CARRIGAN: Ich verstehe. Du warst nie Teil einer Mobile Task Force, oder?
E. ELLORY: Oh, gütiger Gott, nein. Ich war noch nie in der Nähe von einer. Ich meine, also, schauen Sie mich an. Ich glaube nicht, dass ich wirklich die … Statur habe. Oder die Qualifikationen. Oder die Widerstandsfähigkeit.
DR. CARRIGAN: Und doch hast du die Chance ergriffen, dein eigenes Leben zu riskieren, um zu versuchen, jemand anderem zu helfen.
E. ELLORY: Ich meine, das war in einem Traum. Ich denke nicht, dass das wirklich zählt. Es gab keine wirkliche Gefahr.
DR. CARRIGAN: Vielleicht. Aber dein Traum-Selbst könnte das nicht gewusst haben.
E. ELLORY: Das stimmt wohl.
DR. CARRIGAN: Siehst du dich als eine äußerst selbstlose Person?
[ Eleanor senkt merklich ihren Blick und reibt ihre Füße gegeneinander. ]
E. ELLORY: Ich … Ich weiß es nicht wirklich. Ich versuche eine zu sein, schätze ich. Mir ist es wichtig, zu versuchen, das Richtige zu tun. Selbst wenn es schwierig ist. Ich mag es nicht, wenn andere Menschen verletzt werden. Oder belästigt. Ich schätze, manchmal nehme ich … viel auf mich, weil ich weiß, dass jemand es tun muss. Handelt der Traum davon?
DR. CARRIGAN: Ich kann keine eindeutigen Aussagen darüber machen, wovon ein Traum handelt und wovon nicht. Es könnte ein Element davon sein und gleichzeitig auch nicht. Die Psychologie von Träumen ist keine genaue Wissenschaft. Tatsächlich würden viele meiner Kollegen vehement behaupten, dass es überhaupt keine Wissenschaft ist.
E. ELLORY: Natürlich. Entschuldigen Sie.
DR. CARRIGAN: Es gibt nichts, wofür du um Entschuldigung bitten musst, Eleanor. Wir führen nur eine Diskussion.
E. ELLORY: Welche anderen Sachen könnte es Ihrer Meinung nach geben? Im Puppentraum, meine ich.
DR. CARRIGAN: Alles, was ich sage, wird höchstens eine fundierte Vermutung sein.
E. ELLORY: Das verstehe ich, versprochen. Ich würde nur gerne … Ihre Meinung hören.
DR. CARRIGAN: Nun, eine sehr verbreitete Interpretation von Träumen, die Gewalt oder Körperverletzungen involvieren, ist die, dass sie die Strategie des Gehirns sind, hohe Level von nicht physischer Beanspruchung zu verarbeiten. Sorgen. Stress. Nervosität.
E. ELLORY: Ich verstehe.
DR. CARRIGAN: Hört sich das für dich nachvollziehbar an?
E. ELLORY: Ja. Ich meine, ich schätze, es ist für viele Menschen nachvollziehbar, aber … Ja. In letzter Zeit war es ziemlich stressig.
DR. CARRIGAN: Du hast erwähnt, dass SCP-8080 ein wiederholt auftretendes Merkmal in bisher zwei deiner Träume war. Hast du irgendwelchen Stress oder Sorge in Bezug auf genau diesen Fall gefühlt?
E. ELLORY: Ja, das habe ich. Das würde viel Sinn ergeben, schätze ich. SCP-8080 wurde in Areal-22 gehalten, wo ich arbeite. Ich war einer der dem Projekt zugewiesenen Forscher.
DR. CARRIGAN: War?
E. ELEANOR: Es gab einen Eindämmungsbruch. SCP-8080 ist verschwunden.
Versuch: Belohnung
Dr. ELEANOR ELLORY läuft unter Jubel und Applaus in den Eingangsbereich von Areal-22. Die Foundation-Mitarbeiter drängeln sich vor Stolz strahlend vor dem Eingang und versuchen verzweifelt, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie winkt der Menge kurz und unsicher zu und der Applaus verstärkt sich.
Während sie vorwärtsläuft, beginnen Kollegen, sich aus der Menge zu schieben, um ihr die Hand zu schütteln und sie zu beglückwünschen. Eine quiekende Dr. Sarah Holbrook umarmt sie liebevoll.
Holbrook: Oh, Eleanor! Ich bin so, so froh, dass du es warst! Mir fällt niemand ein, der es mehr verdient hätte!
Ellory: Ich, äh, danke.
Holbrook: Ich kann nicht glauben, dass ich den Leuten sagen kann, dass ich in derselben Abteilung wie die Frau gearbeitet habe, die SCP-8080 gefangen hat!
Ellory: Gefangen?
Holbrook: Du warst so unglaublich schlau und clever und ahhh! Ich behalte dich für mich! Schau mal, du musst später zum Pausenraum der Abteilung zurückkommen - Ich meine, natürlich nur, wenn du willst! Offensichtlich wirst du nicht mehr lange bei uns sein, aber wir dachten uns, dass wir ein paar Flaschen Champagner öffnen und, nun ja, auf deinen Erfolg anstoßen. Es wäre einfach fantastisch, dich dort zu sehen, okay?
Ellory: Ähm, okay. Ich meine, ja. Ja, natürlich. Ich werde da sein. Liebend gern.
Holbrook: Super! Oh, und zieh dich gut an, ich habe gehört, dass der Boss mit dir reden möchte. Vielleicht will er dein Autogramm!
Holbrook lässt ELLORY lachend los und geht den Gang zu ihrer geteilten Abteilung runter. Sie hüpft fast vor Aufregung. ELLORY beobachtet sie dabei verblüfft.
Dann teilt sich die Menge und Arealdirektor DEAN WALKER tritt aus ihr heraus, um sie mit ausgestreckten Armen zu begrüßen. Seine markanten Gesichtszüge formen sich zu einem perfekten Lächeln der Freude.
Walker: Eleanor Ellory! Wenn das nicht die Frau der Stunde höchstpersönlich ist! Was rede ich da? Eher die Frau des Jahrtausends! SCP-8080 ganz allein aufzuspüren, mein Gott. Weißt du, hier sind Mitarbeiter, die ihr ganzes Leben hier gearbeitet haben und nicht so viel für die Welt getan haben wie du.
Er legt eine Hand neben seinen Mund und spricht in einem übertriebenen Bühnenflüstern.
Walker: Ich bin vielleicht einer davon.
Die Menge krümmt sich vor Lachen. Dr. Marcus Cook, der Leiter von ELLORYs Abteilung, hält ein Schild hoch, auf dem DANKE, ELEANOR steht.
Walker: Jetzt komm, komm! Weg von diesem Gesindel, das unwürdig ist, deine Stiefel zu lecken. Wir haben wichtige Dinge, die wir in meinem Büro besprechen müssen.
WALKER legt behutsam, aber bestimmt eine Hand auf ELLORYs Rücken und beginnt, sie einen Gang entlangzuführen.
Walker: Ich bin mir sicher, du denkst bereits darüber nach, was du tun wirst, wenn du diese Bruchbude hier verlässt, oder?
Ellory: Ähm …
WALKER blinzelt ihr verschwörerisch zu.
Walker: Ich glaube nicht, dass ich zu viel vorwegnehme, wenn ich sage, dass mir mehrere kleine Vögelchen gezwitschert haben, dass eine große Beförderung auf dich zukommt, sobald dein Bericht über SCP-8080 angenommen wird. Zum Ethikkomitee.
Ellory: Das Ethikkomitee? Wird man … Kann man für Forschungsarbeit zum Ethikkomitee befördert werden?
WALKER klopft ihr fest auf die Schulter.
Walker: Nun, es scheint, dass du es kannst. Aber was kannst du denn nicht? Natürlich kann das Aufspüren von SCP-8080 wohl kaum als bloße Forschungsarbeit bezeichnet werden. Dafür braucht man Intelligenz. Mut. Einen großen Sinn für Humor und eine wundervolle Persönlichkeit. Und, Eleanor, du hast das alles.
Ellory: Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Walker: Sag nichts! Stell es dir einfach nur vor, Eleanor. Du als Leiterin des Ethikkomitees -
Ellory: Leiterin?
Walker: Du stellst sicher, dass die Foundation auf dem richtigen Weg bleibt, so wie du es magst. Du hilfst Menschen. Du siehst zu, dass all diese SCPs hochwertiges Essen und ihren eigenen Garten bekommen. Freiraum-Anomalien!
Ellory: Ich … Ich meine, ich habe mir nie vorgestellt …
Walker: Nun, das ist natürlich nur eine Möglichkeit. Dir werden jetzt viele Positionen offenstehen. Du könntest eine Standortdirektorin sein! Du könntest meinen Job bekommen! Das hier, Eleanor, könnte alles dir gehören!
WALKER führt ELLORY in das Büro des Arealdirektors und zu seinem Schreibtisch. Dahinter zeigt eine lange Reihe aus vom Boden bis zur Decke reichenden Fenstern einen weitläufigen Garten unter einem perfekt babyblauen Himmel.
Er setzt sich hin und zeigt auf einen Stuhl.
Walker: Also, Eleanor, es gibt da nur eine kleine Sache. Ich wollte es nicht vor dem Personal erwähnen, da es ein wenig peinlich ist.
Er legt einen großen Dokumentenordner auf den Schreibtisch, der auf der ersten Seite geöffnet ist. Die Überschrift ist "SCP-8080" und sie enthält ein lächelndes Foto von ELLORY. Sie sieht strahlend aus. Der Großteil der Seite ist mit technischen Details gefüllt, aber es gibt eine große leere Stelle in der Mitte nach den Worten "Derzeitiger Standort:"
Walker: Dein Bericht zu SCP-8080. Du hast ihn mit einem winzigen Fehler eingereicht. Du hast vergessen, aufzuschreiben, wo SCP-8080 tatsächlich ist. Natürlich wäre es katastrophal für deine zukünftigen Karrierepläne, wenn jemand herausfände, dass du so einen elementaren Fehler gemacht hast. Aber ich bin dein Freund, Eleanor. Und ich mag dich. Ich möchte, dass du den Erfolg hast, den du verdienst. Also werde ich es dich jetzt einfach ausfüllen lassen und wir müssen niemandem von deinem kleinen Missgeschick erzählen, in Ordnung?
WALKER wirft ihr ein gewinnendes Lächeln zu, während er ihr den Stift reicht. ELLORY nimmt ihn zögernd und hält ihn über der Seite.
Ellory: Ich habe das hier eingereicht?
Walker: Ja, Eleanor, nun fahre fort. Du hast nicht vergessen, wo SCP-8080 ist, oder? Meine Güte, stell dir mal vor, wie all diese Menschen, die so viel von dir gehalten haben, reagieren würden, wenn sie hören, dass du so inkompetent warst.
Ellory: Nein, nein, ich habe es nicht vergessen.
Walker: Gut. Gut. Jetzt schreib es einfach hierhin und es ist alles erledigt.
ELLORY senkt den Stift zum Papier und versucht, zu schreiben, aber nichts kommt aus der Spitze.
Ellory: Tut mir leid, ich glaube, er ist kaputt.
Walker: Kein Problem, kein Problem.
WALKER gibt ihr einen zweiten Stift. Sie versucht es noch einmal mit demselben Ergebnis.
Walker: Kein Problem!
WALKER zieht den Stift aus ihrer Hand und wirft ihn gewaltsam durch den Raum.
Walker: Hier, nimm einen Stift.
Er gibt ihr einen und beginnt, ungeduldig mit den Fingern auf den Schreibtisch vor ihm zu klopfen. ELLORY beginnt, zu schreiben. Dann hebt sie nach ein paar Sekunden den Stift und schaut entsetzt auf das Papier. Sie versucht, den Ordner vom Tisch zu ziehen.
Ellory: Das ist nicht -
Walker: Gib her!
WALKER zieht den Ordner gewaltsam aus ihren Händen und inspiziert ihn sorgfältig. ELLORY hat vierzehnmal "FICK DICH" in die leere Stelle geschrieben.
Walker: Großartig. Einfach großartig. Danke, Eleanor.
Ellory: Tut mir leid, ich verstehe nicht, was passiert ist!
Walker lehnt sich in seinem Drehstuhl zurück und tritt auf den Boden. Er macht zwei vollständige Drehungen, bevor er anhält und sich über den Schreibtisch lehnt.
Walker: Weißt du, was ich nicht verstehe, Eleanor? Warum du so ein undankbares Miststück bist.
Ellory: Was?
Walker: Ich habe dir alles gegeben, was jemand wie du haben wollen könnte. Ich habe dich beliebt gemacht. Ich habe Menschen, die dich nicht mit einer Bootsstange berühren würden, dir Loblieder singen lassen. Ich habe dir erlaubt, zu glauben, dass es tatsächlich Menschen auf der Welt gibt, die sich für dich interessieren. Und was ist meine Belohnung für meine unermüdliche harte Arbeit und Nettigkeit?
Er hält das Deckblatt des Ordners hoch und knüllt sie langsam zu einem Ball.
Walker: Ehrlich gesagt, Eleanor, ist das hier an diesem Punkt eindeutig deine Schuld und nicht meine. Ich bin sehr gut bei dem, was ich tue. Ich bin tatsächlich der Beste. Also ist hier das offensichtliche Problem, dass etwas mit dir falsch ist. Ich bin mir sicher, dass hast du schon oft gehört.
ELLORY steht auf.
Ellory: Du bist nicht der Direktor. Wer zur Hölle bist du?
WALKER wirft seine Hände in gespieltem Schock hoch.
Walker: Das bin ich nicht? Mein Gott! Weißt du, deine ständige Dummheit könnte fast schon niedlich sein, wenn sie von einer ein wenig attraktiveren Person kommen würde. Na ja, vielleicht viel attraktiver.
Ellory: Du bist … Wir haben uns schon einmal getroffen. Ich kenne dich.
Walker: Kontrolle, pausiere die Sequenz und besorge mir einen großen Drink. Warte, zwei große Drinks. Warte, Kontrolle, vergiss die großen Drinks, es gibt noch etwas anderes, das ich versuchen möchte.
Aufzeichnung der Therapiesitzung - E. Ellory
Auszug 4
Foundation-Therapeutin: Dr. Olivia Carrigan (via Fernverbindung)
Name der Patientin: Eleanor Ellory
BERECHTIGUNGSSTUFE: LEVEL 5
Die Patientin hat Sorgen bezüglich kürzlichen ungewöhnlichen Träumen ausgedrückt, die mit Stress am Arbeitsplatz und Erschöpfung zusammenhängen könnten. Die Patientin leidet an sich wiederholenden depressiven Episoden und einem extrem negativen Selbstbewusstsein.
E. ELLORY: Oh Gott, was für ein Arschloch. Warum habe ich von so jemandem geträumt?
DR. CARRIGAN: Viele unangenehme Sachen können in unseren Köpfen leben. Manchmal sind unsere Träume ein Weg, um diese Ängste zu erkennen und zu bekämpfen.
E. ELLORY: Es ist so seltsam. Ich weiß, dass ich den Typen nicht wirklich im echten Leben getroffen habe, ich würde mich an das Gesicht erinnern, aber … Am Ende des Traumes hatte ich das starke Gefühl der Wiedererkennung. Als würde ich ihn von irgendwoher kennen und hätte gerade herausgefunden, wer er war. Das war das Letzte, bevor ich aufgewacht bin. Dieses gute Gefühl, dass ich herausgefunden habe, wo ich ihn schon einmal gesehen habe.
DR. CARRIGAN: Er könnte eine zusammengesetzte Figur sein. Eine Mischung aus Männern, die dich in der Vergangenheit missbräuchlich behandelt haben oder für die du negative Gefühle empfindest. Und du könntest auf einer Bewusstseinsebene eines der Individuen identifiziert haben, das er repräsentiert. Das würde definitiv ein Durchbruch sein. Aber im Moment bin ich eher an der Rolle interessiert, die SCP-8080 in deinen Träumen spielt.
E. ELLORY: Warum?
DR. CARRIGAN: Eleanor, Eleanor, im letzten Traum, den du mir beschrieben hast, hat sich SCP-8080 von einem Motiv deiner Psyche zu einer Besessenheit entwickelt. Wie ich bereits sagte, sind Träume selten unkompliziert und man kann nicht mit Sicherheit sagen, was ein Traum versucht, dir zu sagen. Aber ich glaube, es ist extrem unwahrscheinlich, dass so ein spezifisches Element so oft auftaucht, wenn es nicht etwas wäre, was dir sehr wichtig ist.
E. ELLORY: Stimmt wohl.
DR. CARRIGAN: Könntest du mir vielleicht ein wenig mehr über deine Arbeit mit SCP-8080 erzählen?
E. ELLORY: Es hat eine ziemlich hohe Berechtigungsstufe …
DR. CARIGAN: Ich habe dieselbe Berechtigungsstufe wie meine Patienten. Du kannst so viel preisgeben, wie du möchtest, Eleanor. Es ist vollkommen dir überlassen, aber ich denke, nach allem, was du mir bisher erzählt hast, wäre es förderlich, darüber zu reden.
E. ELLORY: Alles klar. Ich kann es versuchen.
DR. CARRIGAN: Nur so lange wie du dich wohl dabei fühlst.
E. ELLORY: SCP-8080 ist … eine humanoide Person mit dem Erscheinungsbild eines weiblichen Kindes, die … Schauen Sie, sie ist ein kleines Mädchen, okay? Gott, ich hasse diese widerwärtige, entmenschlichende Sprache. Sie ist ein kleines Mädchen. Sie ist acht Jahre alt. Und sie ist das schönste, perfekteste Kind, das Sie je sehen werden. Oder Sie eher nicht sehen werden, weil sie ihr ganzes Leben in einer Zelle eingesperrt war.
DR. CARRIGAN: Du hattest das Gefühl, die Standards ihrer Isolierzelle waren nicht ausreichend?
E. ELLORY: Sie sollte nicht in einer Isolierzelle sein. Sie sollte in einem Zuhause sein. Ich - Wir haben unser Bestes gegeben. Alle Forscher, die ihr zugewiesen waren, haben sie vollkommen geliebt. Sie war so süß und höflich und so voller Leben. Und wenn nur wir gewesen wären, die sich um sie kümmern, wäre das vielleicht in Ordnung gewesen. Aber sie wurde direkt ins Programm für anomale Assets gesteckt. Wissen Sie, wer die sind?
DR. CARRIGAN: Erkläre es mir doch in deinen eigenen Worten.
E. ELLORY: Sie machen Menschen zu Dingen. Sie nehmen Menschen mit anomalen Fähigkeiten und machen sie zu Waffen oder Werkzeugen oder Batterien. Für das Allgemeinwohl.
[ Eleanor holt ein Taschentuch heraus und schnäuzt sich die Nase. ]
E. ELLORY: Sie war für sich genommen nicht gefährlich. Sie musste nicht so leben. Sie hielten sie so, weil sie sie benutzen wollten.
[ Eleanor steckt das Taschentuch in ihre Hosentasche zurück und sucht ein anderes. ]
E. ELLORY: Wissen Sie, dass sie uns verboten haben, ihr einen Namen zu geben? Es würde das Bildungsprogramm des PAAs stören. Also musste es SCP-8080 sein. Wir haben es trotzdem. Die Forscher, meine ich. Nicht in ihrer Nähe, aber privat. Wir nannten sie Chloe. Und es brach mir das Herz, ihr das nicht sagen zu dürfen. Ihr nicht ihren eigenen Namen sagen zu dürfen.
DR. CARRIGAN: Und dann gab es einen Eindämmungsbruch in Areal-22. Und sie entkam.
E. ELLORY: … Ja.
DR. CARRIGAN: Du sorgst dich offensichtlich sehr um sie.
E. ELLORY: Das tue ich. Ich liebe sie. Ich liebe sie sehr.
Versuch: Liebe
ELEANOR ELLORY wird in Handschellen aus dem Polizeiauto geführt. Ihre Schultern sind gebeugt und ihre Augen auf den Gehweg gerichtet. Ihre Atmung ist niedrig und flach. Sie zittert.
Auf beiden Seiten von ihr, die mit Polizeiband abgesperrt sind, steht eine Gruppe von Aktivisten und ruft. Sie tragen T-Shirts und halten Plakate mit Bildern von SCP-8080s Gesicht. "Gib sie zurück", brüllt ein Mann. "Abschaum!", schreit eine Frau. Eine Flasche fliegt aus der Menge und zerbricht vor ELLORYs Füßen.
Zwei große Polizisten, einer an jeder Seite, führen ELLORY schnell eine Steintreppe hoch und in das Polizeirevier. Innen ist es still. Polizisten und Zivilisten starren sie mit stummer Abscheu an, während sie an ihnen vorbeigeführt wird. Die Wände im Revier sind mit hunderten Postern beklebt, die das gleiche verschwommene Foto von SCP-8080 zeigen. ENTFÜHRT steht in schwarzen Großbuchstaben unter den Bildern.
ELLORY wird in einen Befragungsraum geschubst, wo Kriminalkommissar DEAN WALKER bereits auf sie wartet.
Walker: Hinsetzen.
ELLORY gehorcht. Sie schaut nicht hoch.
WALKER zeigt auf die Handschellen.
Walker: Die sind nicht nötig. Ich glaube nicht, dass uns die hier irgendwelche Probleme macht.
Einer der Polizisten legt ihr schroff die Handschellen ab. ELLORY starrt weiter auf den Tisch.
Walker: Also.
WALKER schiebt eines der ENTFÜHRT-Poster über den Tisch, sodass das Bild direkt unter ELLORYs Blick ist.
Walker: Wo ist sie, Eleanor?
ELLORYs Stimme kommt als ein tiefes Halbflüstern heraus.
Ellory: Ihr habt keine Hinweise. Keine festen Belege.
Walker: Belege kümmern mich gerade nicht, Eleanor. Ehrlich gesagt kümmerst du mich nicht. Es kümmert mich nicht, ob du für den Rest deines Lebens im Gefängnis verrottest oder wieder rauskommst. Alles, was mich gerade kümmert, ist, dass ein kleines Mädchen verschwunden ist, und ich möchte sie sicher nach Hause bringen.
ELLORY windet sich in ihrem Stuhl und verschränkt ihre Hände.
Walker: Und wenn du überhaupt in der Lage wärst, dich um sie zu sorgen, würdest du mir helfen.
Ellory: Ich sorge mich um sie. Ich liebe sie.
Walker: Du wolltest sie, Eleanor. Das ist nicht dasselbe. Wenn du sie wirklich lieben würdest, würdest du das wollen, was für sie am besten ist, nicht für dich.
Ellory: Ich weiß, was für sie am besten ist, und es ist nicht dieser … dieser Ort!
Walker: Es ist ihr Zuhause, Eleanor. Da gehört sie hin. Es ist der einzige Ort, wo sie je hingehören wird.
Ellory: Das stimmt nicht.
Walker: Du bist so grausam zu ihr, Eleanor. So herzlos. So selbstsüchtig.
Ellory: Bin ich nicht!
WALKER lehnt sich nach vorne und senkt seine Stimme.
Walker: Du glaubst nicht wirklich, dass sich jemand wie du tatsächlich um ein Kind kümmern könnte, oder? Du kannst dich nicht einmal um dich selbst kümmern.
ELLORYs Hände zittern.
Walker: Willst du, dass sie dein Leben hat, Eleanor? Willst du sie wirklich so bestrafen?
ELLORY vergräbt die Fingernägel ihrer rechten Hand in der Haut ihrer linken.
Walker: Denk an deine Kindheit. Kein Vater, der dich liebt, und eine Mutter, die, na ja … Man kann sehen, warum er ging. Und lass uns den Tatsachen ins Auge schauen, du wirst genau so enden, nicht wahr?
Es sind Tränen in ELLORYs Augen. Sie versucht, sie wegzublinzeln.
Walker: Sie ist so ein süßes, hübsches, kleines Mädchen, nicht wahr, Eleanor? So rein. Was in aller Welt hat sie getan, um es zu verdienen, mit einem nutzlosen, verkrüppelten, alten Klumpen wie dir belastet zu sein?
Ellory: Sei ruhig! Sei ruhig!
Walker: Sie muss jetzt nach Hause. Zu ihrer wahren Familie. Zu Leuten, die sich tatsächlich um sie kümmern können.
Ellory: Hör auf ….
Walker: Dieses arme, kleine Mädchen … Ganz allein da draußen, während du hier drinnen bist. Was wird sie nur tun, wenn du nicht zurückkommst?
Ellory: Sie ist nicht allein! Ich würde sie nie allein lassen!
Walker: Oh? Dann beweise es mir, Eleanor. Bei wem ist sie? Verrate uns ihre Namen. Lass uns sicherstellen, dass sich gut um sie gekümmert wird.
Ellory: Nein. Nein, nein, nein, nein, nein!
Walker: Du musst jetzt aufgeben, Eleanor. Ihretwegen.
Ellory: Nein …
Walker: sie gehört nicht dir, Eleanor. Sie gehört uns.
ELLORY erwidert nichts. Sie nimmt das ENTFÜHRT-Poster vor ihr und starrt es an.
Walker: Du möchtest, dass sie in Sicherheit ist, oder?
ELLORY: Ja …
Walker: Dann sag mir, wo SCP-8080 ist.
Ellory: … Alles klar. In Ordnung. Du hast recht. Sie braucht … Sie braucht das.
WALKER lächelt wohlwollend.
Walker: Da haben wir's. Sag mir, wo sie ist.
Ellory: Sie ist in … Ich kann … Ich kann mich nicht erinnern …
Walker: Denk einfach gründlich nach, Eleanor. Versuch, es dir vorzustellen.
Ellory: Es ist kalt und … Da ist ein großes Gebäude. aus Steinen. Es ist in einer Stadt, die … Ich kann nicht wirklich den Namen sehen … Ich kann nicht … Ich kann nicht … Oh Gott, ich kann mich nicht erinnern! Darf … Darf ich fünf Minuten in der frischen Luft bekommen?
Walker: Ich muss es JETZT wissen, Eleanor!
Ellory: Bitte! Nur fünf Minuten. Ich kann es nicht sehen! Es ist alles so verschwommen. Ich muss mich nur beruhigen. Ich bin fast so weit.
Walker: … In Ordnung. Ja, klar, sicher. Fünf Minuten.
ELLORY steht auf, legt das Poster mit der Vorderseite nach unten auf den Tisch und geht wackelnd zur Tür. Niemand hält sie auf.
Nach ein paar Momenten atmet WALKER kräftig aus.
Walker: Puh! Nun, ich denke, die Mission ist so gut wie erfüllt, Kontrolle. Machen wir drei unverschämt große Drinks mit so vielen Schirmchen und Wunderkerzen draus, wie da reinpassen.
Kontrolle: Du hast noch nicht die Info.
Walker: Ja, aber das werde ich. Ich weiß, wie es läuft, wenn sie bis hierhin kommen. Sie ist gebrochen. Die Traumsequenz stört wahrscheinlich nur mit ihren echten Erinnerungen. Das passiert manchmal.
Kontrolle: Wenn du das sagst.
WALKER beginnt, mit seinen Fingern auf dem Tisch zu trommeln und zur Melodie von Africa von Toto zu summen. Nach etwas über einer Minute greift er nach vorne, zieht das Poster zu sich und dreht es um.
Walker: und ich hoffe, sie sind verdammt dankbar. All diese Arbeit für eine rotznäsige kleine - Oh, was zum verdammten Fick - Scheiße!
WALKER springt hoch und stößt den Befragungstisch um. Das Wort ENTFÜHRT ist vom Poster verschwunden und an dessen Stelle steht in ELLORYs Handschrift "Das hier ist nicht real. Sag ihnen nichts. Verschwinde."
WALKER läuft zur Tür und drückt den Griff nach unten, aber sie bleibt geschlossen.
Walker: Warum ist die verdammte Tür verschlossen, Kontrolle?
Kontrolle: Also, ich war das nicht.
Walker: Dieses gottverdammte MISTSTÜCK!
WALKER tritt gewaltsam gegen die Tür, bis sie zersplittert und aufbricht. Draußen hat sich jedes Poster mit SCP-8080 verändert. Das Wort ENTFÜHRT wurde mit RETTE SIE ersetzt.
Walker: Wo zum Teufel ist sie?
Kontrolle: Keine Ahnung! Warum haben die Polizisten sie nicht aufgehalten?
Walker: Weil ich sie so geschaffen habe, dass sie sie in ominöser Stille anstarren, nicht so, dass sie entkommene Gefangene schnappen! Verdammt!
WALKER läuft durch das Polizeirevier und sucht. Während er gegen Polizisten stößt, zerfallen sie zu nichts.
Kontrolle: Pausiere ich die Sequenz?
Walker: Nicht, wenn wir sie nicht im Blick haben, Idiot. Es wird Tage dauern, alles zurückzusetzen.
Kontrolle: Wie hat sie die Poster verändert? Und das Schloss beeinflusst?
Walker: Offensichtlich beeinflusst sie den Traum. Sie entwickelt eine Widerstandsfähigkeit gegen das System.
Kontrolle: Ich dachte, dass schafft man erst, wenn man dieselbe Sequenz immer wieder ausführt?
Walker: Ja, nun, ich schätze, da hast du falsch gedacht, Dummkopf.
Kontrolle: Das ist nur, was du mir gesagt hast.
Walker: ICH WEIẞ, WAS ICH DIR VERDAMMT NOCHMAL GESAGT HABE, DU STÜCK - Oh, verdammte Scheiße.
Es ist eine Tür in einer Wand, wo keine sein sollte. Sie steht offen und dahinter ist das fiktionalisierte Büro von DEAN WALKER, Direktor von Areal-22.
Walker: Kontrolle, du hast den Datenstapel nicht geleert, oder?
Kontrolle: Nein.
Walker: Sie gräbt. Nun, das ist kein Problem. Viel Ungeziefer tut das.
WALKER schreitet durch die Tür ins Büro. Auf der gegenüberliegenden Seite wartet eine weitere Tür, die in einen blutigen Gang aus Holz führt. WALKER geht weiter. Aus der Dunkelheit ruft etwas "Papi!" zu ihm. Er streckt einen Mittelfinger aus.
Walker: Nicht in der Stimmung.
WALKER tritt durch noch eine Tür in einen mit Kristallen gefüllten Saal. Rye Blacksong wirft ihm ein unheimliches Lächeln zu und tritt vor ihn. WALKER verwandelt ihn zu Staub.
Walker: Nicht in der verdammten Stimmung.
Er läuft durch eine letzte Tür auf eine Wiese unter einem überfüllten Sternenhimmel. ELLORY steht dort von ihm weggewandt und atmet schwer.
Walker: Endstation, Eleanor.
ELLORY dreht sich plötzlich um und wirft eine rote Thermoskanne auf ihn. Sie prallt harmlos an ihm ab, aber der Kaffee springt aus ihr heraus und bedeckt sein Gesicht und seine Haare und befleckt seine Polizeiuniform.
Walker: Gottverdammt!
Ellory: Verschwinde aus meinen Träumen, du Freddy Krueger-Möchtegern-Arschloch.
WALKER hebt eine Faust, um sie zu schlagen, aber hält im letzten Moment inne. Er spuckt Kaffee aufs Gras und blickt finster.
Walker: Siehst du nicht, wie vollkommen sinnlos das alles ist? Es gibt keinen Ausweg, Eleanor. Keine Escape-Taste. Keinen Sinn, zu kämpfen. Alles, was passieren wird, ist, dass wir dasselbe Lied und denselben Tanz wieder und wieder und wieder haben, bis du mir sagst, wo sich SCP-8080 versteckt.
Ellory: Fick dich. Ihr Name ist Chloe und sie ist ein Kind. Sie ist acht Jahre alt. Ist dir das vollkommen egal? Kümmert es dich nicht, was mit ihr passiert, wenn sie gefunden wird?
Walker: Ganz ehrlich? Nicht wirklich. Ja, es ist ein Kind. Davon gibt es rund eine Milliarde. Es ist kümmert mich nicht wirklich, ob sie es zur Waffe machen oder wegsperren oder in kleine Stücke schneiden wollen. Es ist nicht mein Job, mich darum zu kümmern. Es war nicht dein Job, dich zu kümmern, Eleanor. Es ist mein Job, Schädel aufzubrechen und zu sehen, welche saftigen kleinen Geheimnisse herausströmen, und ich bin sehr gut darin. Ich habe eine fast makellose Erfolgsbilanz, die du nicht ruinieren wirst. Also bitte, erspare uns beiden etwas Zeit und sag mir, wo es ist.
ELLORY lehnt sich nach vorne und spuckt in sein Gesicht.
Ellory: Sie ist in Sicherheit und ihr werdet sie nie finden.
WALKERs Gesicht wird vor Zorn purpurrot. Er hebt wieder eine Faust, aber lässt sie fallen.
Walker: In Ordnung. Wir spielen es weiter auf deine Art, Eleanor. Das wird sowieso mehr Spaß machen. Kontrolle, stoppe diese Sequenz und bereite die neue vor, an der ich gearbeitet habe. d925c51b.
Kontrolle: Ähm, die war eigentlich nicht auf unserer genehmigten Liste für die heutige Sitzung, also glaube ich nicht, dass sie bereits eine offizielle Freigabe hat.
Walker: Kontrolle, ich habe heute keinen guten Tag. Und schon bald muss ich das an jemandem auslassen. Lass nicht dich dieser Jemand sein.
Aufzeichnung der Therapiesitzung - E. Ellory
Auszug 5
Foundation-Therapeutin: Dr. Olivia Carrigan (via Fernverbindung)
Name der Patientin: Eleanor Ellory
BERECHTIGUNGSSTUFE: LEVEL 5
Die Patientin hat Sorgen bezüglich kürzlichen ungewöhnlichen Träumen ausgedrückt, die mit Stress am Arbeitsplatz und Erschöpfung zusammenhängen könnten. Die Patientin leidet an sich wiederholenden depressiven Episoden und einem extrem negativen Selbstbewusstsein.
E. ELLORY: Und dann, ne, und dann war es, als würde ich den Traum tatsächlich steuern. Oder eine Art von Ich. Wie ein unterbewusstes Ich. Oder ein unbewusstes Ich. Das mir Nachrichten von mir hinterlässt.
DR. CARRIGAN: Du hattest einen luziden Traum?
E. ELLORY: Nein, weil, schauen Sie - Irgendwie? Aber hören Sie, okay, hören Sie. Ich bin durch die anderen Träume gegangen. All die anderen seltsamen Träume, die ich hatte. Sie sind buchstäblich alle miteinander verbunden.
DR. CARRIGAN: Wir können oft innerhalb desselben Traums von einem Szenario zum nächsten wechseln, häufig, ohne dass eine wirkliche Logik dahintersteckt.
E. ELLORY: Ohhh, aber da hat eine Logik dahintergesteckt. Eine richtige Logik. Denn ich habe realisiert, dass es derselbe Typ war! In jedem Traum war es derselbe Typ. Den Typen, den ich erkannt habe. Das Arschloch.
[ Eleanor schnippt frustriert mit den Fingern. ]
E. ELLORY: Gott, es liegt mir auf der Zunge. Ich kann mich nicht an seinen Namen erinnern, aber er ist da, er ist immer da. Und ich habe ihn mit einer Thermoskanne geschlagen.
DR. CARRIGAN: Eleanor, du wirst ziemlich aufgeregt. Ich bin froh, dass du gerade guter Laune bist, und ich schätze deinen Enthusiasmus wert, aber glaubst du, dass du dich etwas beruhigen könntest? Träume können ein faszinierendes Thema sein, aber es sind nur Träume.
[ Eleanor klatscht mit kleinen, schnellen Bewegungen in die Hände. ]
E. ELLORY: Nein, aber sehen Sie, das ist es ja. Ich glaube nicht, das sind nur Träume. Ich glaube nicht, dass es überhaupt Träume sind. Oder zumindest keine echten Träume. Ich glaube, dieses Arschloch ist wirklich in meinem Kopf. Weil er SCP-8080 will. Weil er Chloe finden will. Aber er wird Chloe nicht finden, oh nein, nein, nein. Ich habe diesen Bastard mit einer Thermoskanne geschlagen und ich werde es wieder tun!
DR. CARRIGAN: Eleanor, bitte beruhige dich. Wir können deine Gedanken gleich im Detail besprechen, aber ich glaube, es wäre gut, wenn wir beide eine kleine Pause einlegen. Könntest du bitte ein paarmal tief ein- und ausatmen?
E. ELLORY: Dafür habe ich keine Zeit! Ich muss … Ähm … Ich muss …
DR. CARRIGAN: Eleanor? Eleanor? Geht es dir gut?
Versuch: d925c51b
ELEANOR ELLORY läuft aus dem warmen Sonnenschein des Nachmittags in die Kunstgalerie. Sie sieht sich fasziniert um. Sie kennt alle Werke hier. Die meisten davon stammen von ihrem Moodboard, der Wand ihres Raumes, wo sie Bilder von Kunstwerken hängen hat, von denen sie hofft, dass sie sie zum Zeichnen inspirieren.
Sie wandert eine Weile lang durch die Galerie, bis sie sich auf eine Bank setzt. Ihr gegenüber ist ein Bild, das sie zittern lässt. Es ist Eleanor Ellory von Eleanor Ellory und sie hat es zuletzt gesehen, als sie es von ihrem Zeichenblock in den Mülleimer geworfen hat.
Es sieht schlimmer aus als sie es in Erinnerung hat und es wurde mindestens zehnmal vergrößert, sodass es die gesamte Wand einnimmt. Sie schaut auf die unregelmäßigen, unebenen Zähne, das schiefe Lächeln, die Art und Weise, wie die amateurhafte Linie ihres Kinns es so aussehen lässt, als wäre es durch eine starke allergische Reaktion geschwollen. Das Haar sieht wie ein einziger, lebloser Block aus. Sie verzieht das Gesicht bei den zweidimensional aussehenden Brüsten, die sie hinzugefügt hat, weil sie sich eingeredet hat, dass Nacktheit und Verwundbarkeit etwas künstlerischer machten.
Eine Frau in der Nähe zieht ELLORYs Aufmerksamkeit auf sich. ELLORY starrt sie mit weit geöffnetem Mund an. Die Frau war viel jünger als sie es sein sollte, und auch dünner, und sie trägt ein atemberaubendes schwarzes Abendkleid mit Diamanten um ihren Hals. Aber es ist unverkennbar ihre Mutter, Pam.
Pam betrachtet das Gemälde mit einem unverhohlenen Lachen. ELLORYs Vater Michael tritt neben sie und reicht ihr einen Drink. Er sieht genau so aus wie in dem einen Foto, das sie von ihm hat, bevor er sie verließ. Aber jetzt trägt er einen Smoking.
ELLORY sieht sich um und bemerkt, dass es Nacht geworden ist und jeder in der Galerie nun teure Abendkleidung trug. Sie versteckt ihre mit Sandalen bekleideten Füße unter der Bank und zieht unbehaglich an ihrem dicken Strickpullover. Die Vorderseite ist mit Eiflecken bedeckt.
Es bildet sich eine kleine Menge um ihr Gemälde. Es ist das murmelnde Geräusch vieler übereinander gelegter Flüstertöne zu hören, die wiederholt von deutlichem Kichern unterbrochen werden.
Sarah Holbrook steht vor dem Gemälde in einem überwältigenden blauen Kleid, das mit Saphiren bedeckt ist. Der Rest ihrer Abteilung in Areal-22 ist auch in der Menge. Marcus Cook sieht in seinem luxuriösen weißen Anzug sehr elegant aus. Er zeigt einem Nachwuchsforscher ELLORYs Bild mit einem Blick vorgetäuschter Abscheu.
"Heutzutage stellen sie alles in einer Galerie aus", sagt jemand, gefolgt von Gelächter. "Vielleicht dient es nur dazu, zwischen den eigentlichen Kunstwerken für ein wenig Abwechslung zu sorgen?", fügt ein anderer hinzu. "Vielleicht Comic relief", scherzt ein Dritter. Jeder lacht.
Holbrook: Wissen Sie, an wen mich das erinnert? Eleanor. Die pummelige Eleanor.
Cook: Natürlich! Kein Wunder, dass es uns so erschreckt hat.
Die Besucher von Areal-22 nicken und drücken ihre Zustimmung aus.
Holbrook: Wissen Sie, ich dachte, dieses groteske Kinn wurde nur schlecht gemalt, aber wenn es Eleanor ist, haben sie es genau richtig getroffen.
Das Gelächter schwillt an. ELLORYs Mutter nimmt eine Zigarette aus ihrem Mund und schaut sich nach einem Aschenbecher um. Als sie keinen findet, drückt sie sie stattdessen auf ELLORYs Bild aus. Das Gelächter wird immer lauter.
ELLORY schnieft laut. Sie sucht nach einem Taschentuch, um sich ihre laufende Nase abzuwischen, aber kann keines finden.
Walker: Davon gibt es noch viel mehr.
DEAN WALKER, der fabelhafte, geliebte und äußerst hübsche Kunstkritiker, sitzt neben ihr.
Walker: Erinnerst du dich daran, wer ich bin?
Ellory: Ja, du bist Dean Walker.
Walker: Gut gemacht.
Ellory: Du bist dieses grässliche Arschloch, in dessen Gesicht ich gespuckt habe.
Ein Ausdruck kaum gezügelter Wut breitet sich auf WALKERs Gesicht aus, aber er wird schnell durch ein reumütiges Lächeln ersetzt.
Walker: Ich habe dich gewarnt, Eleanor. Ich habe mich wirklich bemüht, nett zu sein, weißt du? Ich habe versucht, dein Freund zu sein. Ich habe versucht, dein Held zu sein. Ich habe versucht, es auf die einfache Art zu machen, mit minimaler Störung für den pinken Klumpen zwischen deinen Ohren. Aber die arme, dumme Eleanor war damit nicht zufrieden.
Das Bild von ELLORY ist durch die Zigarette ihrer Mutter in Flammen aufgegangen. Feuer breitet sich zum Jubel der Galeriebesucher über die Leinwand aus. Hinter den Flammen wird das Kunstwerk lebendig, krallt sich kläglich ins Gesicht und weint fette, karikaturartige Tränen. Das Gesicht verzerrt sich und ihm wachsen Furunkel und Blasen. Sein Kinn wird immer größer. Auf der Bank sind ELLORYs Augen und Wangen feucht.
Walker: Also versuche es einmal hiermit. Du kannst mir sagen, wo SCP-8080 ist, oder ich kann dich hierlassen. Ich werde es zu einer Schleife machen, damit du es wieder und wieder und wieder durchmachen musst. Du wirst dich nicht daran erinnern können, was los ist, und du wirst dich nie daran gewöhnen, aber im Innern wirst du immer noch das nagende Gefühl haben, dass du hier viel zu lange gewesen bist. Ich kann es sich wie Jahre anfühlen lassen, Eleanor. Oh, ich werde dich alle paar Jahrzehnte oder so besuchen kommen, um zu sehen, ob noch alles gut funktioniert, und ob du zur Vernunft gekommen bist und mir SCP-8080s Standort verraten möchtest. Oder du könntest das Klügste tun und wir können es jetzt sofort hinter uns bringen. Was sagst du?
ELLORY wendet sich zu ihm, immer noch mit herunterlaufenden Tränen, und lacht ihm ins Gesicht.
Ellory: Damit möchtest du es versuchen? Wow. Und du jammerst die ganze Zeit, dass du gut in deinem Job bist. Mein Gehirn stellt an einem typischen Freitag Abend schlimmere Sachen mit mir an.
WALKERs Lippen kräuseln sich.
Walker: Ich kann es schlimmer als das hier machen. Viel, viel schlimmer. Ich kann es für immer machen. Ich kann es zur Hölle machen.
ELLORY schüttelt ihren Kopf.
Ellory: Du hattest bisher noch kein Kind, oder, Dean? Zumindest keines, das du liebtest. Wenn du nämlich auch nur eine einzige Sekunde lang denkst, dass ich lieber ein Leben lebe, in dem ich Chloe an dich ausgeliefert habe, als für Ewigkeiten hier zu sitzen und ein paar Fantasiegebilden zuzuhören, die mein Gewicht und meine Kunst beleidigen, dann bist du noch dümmer, als ich dachte.
WALKER presst seine Kiefer aufeinander. Seine Wangen werden rot.
Walker: Nein, ich habe keine Kinder, Eleanor, aber du ja auch nicht. Darum hast du eins von der Arbeit gestohlen. Wenigstens kaufen die normalen alten Säcke nur eine Katze.
ELLORY kichert und wischt sich die Augen trocken.
Walker: Was ist so lustig, du Miststück?
Ellory: Du. Du magst es wirklich nicht, wenn man dir nein sagt, oder?
Walker: Das nächste Mal, wenn das Wort aus deinem Mund kommt, wirst du es schreien.
WALKER streckt seine Hand zu ihrer Kehle aus, als wolle er sie erwürgen, aber zögert.
Ellory: Komm schon. Versuch es. Ich werde nichts fühlen, oder? Man kann in diesen Träumen nicht wirklich Schmerzen fühlen. Angst und Panik und Stress und Erschöpfung, ja, aber keine wirklichen, physischen Nervenschmerzen. Und darum hältst du dich die ganze Zeit auf, mich zu schlagen, und hast den Puppentraum beendet. Wenn ich nämlich realisiert hätte, dass ich nicht verletzt werden kann, hätte es nichts gegeben, wovor ich mich hätte fürchten müssen. Du kannst mir nichts wirklich antun. Alles, was du hast, sind Tricks und Schulhofmobbing. Und tatsächlich waren die meisten Kinder an meiner Schule dabei viel besser als du.
WALKER schlägt die Bank, auf der sie sitzen. Sie wackelt und bildet Risse auf der Oberfläche.
Walker: Ich werde dich leiden lassen, Eleanor. Ich werde zusehen, wie du um Freiheit bettelst, und dann werde ich dich trotzdem wegsperren und den Schlüssel wegwerfen.
Ellory: du bist anomal, oder? Ich meine, dieses Traumzeugs ist nicht nur ein Stück Technologie, das die Foundation hat, oder? Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass sie dich als Agenten einsetzen würden, wenn sie irgendjemand anderen zur Verfügung hätten.
Walker: Du weißt gar nichts. Kontrolle, beende die Sequenz.
Ellory: Hey, jetzt, wo ich so drüber nachdenke, siehst du wirklich so aus? Das gute Aussehen, die strahlenden Zähne, die perfekten Haare, etwas ruiniert durch die hervorquellenden Augen und die Speichelflecken am Mund. Oder ist dieser Job nur eine Möglichkeit, um zu fantasieren?
Walker: Beende diese gottverdammte Sequenz, Kontrolle!
Aufzeichnung der Therapiesitzung - E. Ellory
Auszug 6
Foundation-Therapeutin: Dr. Olivia Carrigan (via Fernverbindung)
Name der Patientin: Eleanor Ellory
BERECHTIGUNGSSTUFE: LEVEL 5
Die Patientin hat Sorgen bezüglich kürzlichen ungewöhnlichen Träumen ausgedrückt, die mit Stress am Arbeitsplatz und Erschöpfung zusammenhängen könnten. Die Patientin leidet an sich wiederholenden depressiven Episoden und einem extrem negativen Selbstbewusstsein.
[ Eleanor lacht leise vor sich hin. ]
DR. CARRIGAN: Hat dich etwas amüsiert, Eleanor? Würdest du das gerne mit mir teilen?
E. ELLORY: Nein, nein, alles gut. Sie würden wahrscheinlich sowieso nicht den Witz dahinter verstehen.
DR. CARRIGAN: Alles klar, wie du möchtest. Ich glaube, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um noch mehr über deine Beteiligung bei SCP-8080 zu reden.
E. ELLORY: Mmmmm, nein.
DR. CARRIGAN: Eleanor, ich denke -
E. ELLORY: Nein! Nein, ich glaube Sie haben genug getan für einen Tag. Ich werde jetzt denken und wissen Sie, was ich denke? Ich glaube, Dean Walker ist anomal. Und dass er der Einzige ist, der tatsächlich physisch in meinen Träumen auftauchen kann. Und darum sind Sie nur eine Stimme im Computer und nicht wirklich im Raum anwesend.
DR. CARRIGAN: Eleanor, ich stehe an vielen Einrichtungen der Foundation für therapeutische Unterstützung zur Verfügung. Leider kann ich nicht an allen gleichzeitig stationiert sein.
E. ELLORY: Wissen Sie, es ist irgendwie erstaunlich, der vollkommene Unsinn, den du als normal hinnimmst, wenn du träumst, nicht wahr? Wie zwischen verdammt seltsamen Träumen und einer Therapiesitzung über deine verdammt seltsamen Träume hin und her zu wechseln, ohne dass irgendwas dazwischenkommt. Wann hätte ich diese Träume gehabt haben sollen, Doktorin? Ich habe diesen Ort hier nicht verlassen, seit ich angefangen habe, zu träumen.
DR. CARRIGAN: Eleanor, ich glaube nicht, dass es dir wirklich gut geht. Könntest du mir einen Gefallen tun und dir ein warmes Getränk machen, während ich jemanden kontaktiere, der sich um dich kümmert?
E. ELLORY: Tut mir leid, Doktorin, aber das muss ich auf einen anderen Zeitpunkt verschieben. ich habe Dinge, die ich tun muss, Orte, an denen ich sein muss.
[ Eleanor steht auf, streckt sich und verlässt dann den Raum durch die Tür. ]
DR. CARRIGAN: … Scheiße. Ähm, hey, Walker? Wir haben hier ein kleines Problem.
D. WALKER: Welches, Kontrolle? Ich bin gerade beschäftigt.
DR. CARRIGAN: Sie ist dahintergekommen. Könntest du bitte zum Therapieraum kommen?
[ Eine neue Tür erscheint in der Wand des Raumes und Dean Walker tritt durch sie hindurch. ]
D. WALKER: Nun? Wo ist sie?
DR. CARRIGAN: Sie ist gegangen.
D. WALKER: Sie kann nicht gehen. Es gibt nichts, wohin sie gehen kann.
[ Walker öffnet die Tür, durch die Eleanor gegangen ist. Auf der anderen Seite ist eine feste schwarze Leere. ]
D. WALKER: Mist.
DR. CARRIGAN: Ist sie in den Sequenzstapel zurückgekehrt?
D. WALKER: Nein. Viel nerviger. Ich glaube, sie ist tatsächlich in ihren eigenen Verstand gegangen. Verdammt, sie passt sich schnell an.
DR. CARRIGAN: Walker, vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, wo wir -
D. WALKER: Klappe, Kontrolle. Es ist kein Problem. Sie ist eine schleichende, huschende kleine Troglodytin, die Glück hatte, und ich bin, nun ja, ich. Ich kann sie finden. Schau mal, tu mir einen Gefallen. Beende die Therapiesequenz und schalte dann die Schmerzreplikatoren des Systems ein.
DR. CARRIGAN: … Ich habe keine Erlaubnis dafür.
D. WALKER: Ich gebe dir die Erlaubnis.
DR. CARRIGAN: Walker, du hast nicht die Autorität, um mir die Erlaubnis zu geben. Wir müssen den Direktor konsultieren und eine schriftliche Genehmigung des Ethikkomitees einholen, bevor -
D. WALKER: Oh, scheiß aufs Ethikkomitee. Ich warte nicht wie viele Stunden es auch immer dauert, einen impotenten, Scheiße fressenden, schreibtischbumsenden Anzugträger dazu zu bringen, ein Stück Papier durchzuwinken, damit ich meinen verdammten Job machen kann.
DR. CARRIGAN: Aber wir können es nicht. Es wird ein Disziplinarverfahren geben.
D. WALKER: Wer sagt, dass sie davon erfahren müssen, hm? Ich brauche nur ein paar Stunden. Die Foundation möchte ihre Göre wiederhaben. Ihnen wird es egal sein, wie es passiert ist, sobald sie es haben.
DR. CARRIGAN: Wenn ich einfach anrufen kann bei -
D. WALKER: Wenn du jetzt nicht genau das machst, was ich dir verdammt nochmal befehle, werde ich ihnen sagen, es wäre deine Schuld, dass sie entkommen ist, und deine Schuld, dass sie ihr wertvolles SCP-8080 nicht wiederbekommen haben. Ich werde mich sogar weigern, einen weiteren Job durchzuführen, während du bei der Foundation arbeitest. Ich werde dafür sorgen, dass du auf der Straße sitzt und absolut nichts besitzt. Ich werde dafür sorgen, dass jedes Stück Arbeit, das ich hier mache, davon abhängt, dass ich regelmäßige Updates darüber bekomme, wie absolut beschissen dein Leben ist. Wen, glaubst du, werden sie wohl eher zufrieden halten wollen, hm? Ihren einzigartigen goldenen Jungen, der das Gehirn ihrer Feinde und Verräter zerpflückt und Unmengen an Leben rettet, oder irgendein wertloses Versuchskaninchen, das morgen ersetzt werden könnte?
[ Es ist still. ]
D. WALKER: Ja, das dachte ich mir. Oh, und Kontrolle? Sei so lieb und sorge dafür, dass diese Drinks für mich bereitstehen.
Versuch: {{Undefiniert%;Fehler_%;Fehler_%;Fehler_%;Fehler_%;Fehle
DEAN WALKER betritt einen Traum.
Er steht in einem abstoßend weißen Raum in einem abstoßend klinischen Gebäude, das er sofort wiedererkennt. Es ist Areal-22, aber eine deutlich detailgetreuere Nachbildung als seine eigene Version.
Hier ist keine jubelnde Menge aus Mitarbeitern. Hier ist überhaupt niemand. Niemand außer …
Er schließt seine Augen und spürt das leicht zitternde Summen von ELLORYs Bewusstsein. Seine Lippen bilden ein breites Lächeln.
Walker: Hab dich.
WALKER lässt seine Stimme in das Fundament der Welt um ihn herum fließen. Wenn er redet, kommt sie von überall und nirgends gleichzeitig und hallt durch jeden Teil von Traum-Areal-22. Er möchte, dass sie das hier hört.
Walker: Nun, nun, nun, Eleanor, was tut ein Mädchen wie du an einem Ort wie diesem hier, außer die Szenerie zu ruinieren?
Er beginnt, mit federnden Schritten durch die Einrichtung zu laufen.
Walker: Weißt du, die meisten Menschen, die nach einem sicheren Ort suchen, würden sich zu ihrer Familie oder ihren Freunden träumen, aber - Meine Güte! Natürlich, du hast ja nichts davon, nicht wahr? An diesem Ort Papierkram zu erledigen ist so ziemlich das, was deinem Leben am nächsten kommt.
Er spaziert fröhlich pfeifend einen Gang entlang.
Walker: Mannomann, wie sehr wünschst du dir, du wärst wieder unter diesem Sternenhimmel mit dem guten alten Agenten Walker, hm? Du hättest dort glücklich sein können, Eleanor. Aber ich schätze, selbst du bist schlau genug, um zu wissen, dass du das nicht verdienst, oder?
WALKER betritt die Kantine von Areal-22 und beginnt, Tische umzuwerfen. Er lacht.
Walker: Hey, Baby, wie wär's mit einem Joghurt? Du weißt, du liebst sie!
Er geht in die Küche und nimmt ein großes Küchenmesser. Er spielt mit ihm herum, schneidet damit in die Luft und schätzt sein Gewicht ab.
Walker: Oh! Du hattest übrigens recht. Mit den Schmerzen. Schrecklich unvollständig von mir, nicht wahr? Dir die komplette Erfahrung zu verwehren. Aber mach dir mit deinem nicht gerade hübschen Köpfchen mal keine Sorgen, Eleanor. Wir nehmen dein Feedback hier sehr ernst und ich habe Schritte unternommen, um diesen ärgerlichen Defekt zu beheben. Also sei bloß vorsichtig, wenn du dir den Zeh stößt.
Walker bleibt kurz stehen, als er die Kantine verlässt und sieht, wie der Raum beginnt, zusammenzubrechen. Risse breiten sich in den Wänden und Möbeln aus, während sie zu Staub zerfallen und nur eine Leere aus fester Dunkelheit zurücklassen.
Walker: Ich möchte ein Spiel spielen, Eleanor. Du rennst und ich nehme alle Orte weg, an denen du dich verstecken kannst.
WALKER beginnt, gemächlich einen mit Türen gefüllten Gang entlangzulaufen, während er sein Messer schwingt.
Walker: Komm raus, komm raus, wo auch immer du bist.
Er öffnet jede Tür, an der er vorbeigeht, schaut hinein und läuft dann weiter. Sie zerfallen hinter ihm.
Walker: Ich kann dich fühlen, weißt du? Ein kleiner Druck auf meinem Hinterkopf. Wie ein Floh. Oder ein nerviger Furunkel.
Er streift weiter im Gebäude umher. Die Welt hinter ihm löst sich auf, das Mauerwerk kollabiert ins Nichts, der Raum stürzt in die Leere.
Walker: Mir reicht's langsam, Eleanor. Warum kommst du nicht raus und wir reden über alles wie vernünftige Erwachsene?
WALKER tritt gegen einen Mülleimer. Er fliegt in die Luft und bleibt dort, von der Schwerkraft unbelastet.
Walker: Weißt du, vielleicht war die Galerie der falsche Ansatz. Von Leuten umgeben sein, die dich hassen? Pff, das ist bloß dein normales Leben.
Er drückt eine Doppeltür auf. Sie sackt zusammen wie ein feuchtes Taschentuch.
Walker: Aber ich kann dich an andere Orte bringen. Schönere Orte.
Während WALKER an einer Reihe von Büros vorbeigeht, wechseln die Computermonitore zu einem Bild von SCP-8080.
Walker: Du gibst mir, was ich will, und ich kann dir … alles geben, Eleanor. Jeden kleinen Traum, den dein Herz begehrt.
Die Büroausstattung beginnt, sanft in der Luft zu schweben. Die Fensterscheiben lösen sich zu Schlammpfützen auf.
Walker: Vielleicht eine Geburtstagsfeier, zu der die Leute tatsächlich gehen. Oder eine Welt, in der du ein paar Pfund leichter bist.
Ellory: Fick dich!
WALKER dreht seinen Kopf von Seite zu Seite und versucht, den Ursprung der Stimme zu finden. Aber sie kommt aus dem Traum, von überall und nirgends.
Walker: Das könntest du tun! Wir sind uns unter diesen Sternen wirklich nahegekommen, bevor du alles ruiniert hast, nicht wahr? Gab es nicht einen kleinen Funken zwischen uns im Direktorenbüro? Und mein Gott, selbst in der Galerie konntest du nicht damit aufhören, über mein umwerfend gutes Aussehen zu reden. Magst du meine Haare wirklich so sehr? Das lässt einen Traumwanderer ja schon fast erröten.
Ellory: Warte, hast du dich darum Dean Walker genannt?1 Oh Gott, ist das schrecklich.
ELLORYs Lachen hallt durch das Gebäude. WALKERs Gesichtszüge verzerren sich zu Wut. Er spricht durch zusammengebissene Zähne.
Walker: Das ist die beste Vereinbarung, die du in diesem Leben bekommst, weißt du? Da draußen gibt es nichts mehr für dich, Eleanor. Habe ich es dir noch nicht gesagt? Sie haben dich bereits gefoltert, als du zu mir gebracht wurdest. Sie haben alle möglichen Teile abgeschnitten. Mensch, wenn du dich schon vorher für einen unattraktiven Klotz gehalten hast -
WALKER tritt die Tür zu einem Badezimmer auf.
Walker: Wirklich, da sind nur noch der Kopf und ein paar faserige Stücke übrig. Wir wollten damit Piñata spielen, wenn wir mit dir fertig sind.
Das Lachen hört nicht auf. WALKER tritt wütend gegen die Wand neben ihm. Sie zerfällt zu Pulver.
Walker: Du machst einen Fehler, Eleanor. Den größten Fehler deines Lebens. Womöglich auch der letzte. Aber du hast immer noch Zeit, eine Abmachung mit mir auszumachen, bevor ich dich fange. Du kannst immer noch auf die Gewinnerseite.
WALKER erreicht eine Gabelung mit zwei Türen. Er läuft zu einer, hält inne und geht dann mit einem Lächeln zur anderen.
Walker: Hey, wenn dir ein Traum nicht gut genug ist, können wir vielleicht etwas finden, was dir draußen gefällt.
Er stürzt sich durch die Tür und schwingt sein Messer um sich, aber da scheint niemand zu sein. Er hat einen weiteren Gang betreten, der mit Türen von Isolierzellen für Humanoide gefüllt ist. Er beginnt, ihn mit gehobenem Messer langsam entlangzugehen.
Walker: Du hast diese Geschichte darüber, dass du aufgeschnitten wurdest, nicht geglaubt, oder? Du bist viel zu schlau, um auf einen meiner kleinen Witze hereinzufallen. Vielleicht können wir -
ELLORY erscheint hinter WALKER und schwingt einen Baseballschläger gegen seinen Hinterkopf. Aufgrund des Größenunterschieds wird ein Teil der Energie vom Schlag von WALKERs Oberkörper aufgefangen, aber er stolpert trotzdem mit einem qualvollen Schrei vorwärts.
Ellory: Hey, Hübscher. Ich schätze, ich bin nicht die Einzige, die Schmerzen fühlen kann, hm?
ELLORY versucht, nach vorne zu gehen, und hebt den Schläger, um wieder zuzuschlagen, aber der Gang neigt sich zu einer Rutsche und ELLORY ist gezwungen, wieder einen Schritt zurückzumachen, um ihr Gleichgewicht zu erhalten. WALKER dreht sich um und der Gang wird wieder normal.
Walker: Hin und wieder ein paar Schmerzen sind völlig in Ordnung. Das erinnert einen daran, dass man lebt. Natürlich wird das, was du durchmachen wirst, Eleanor, viel mehr als nur ein paar Schmerzen sein.
WALKER schwingt sein Messer.
Walker: Netter Schläger, Eleanor. Er scheint aber nicht wirklich zur Ästhetik von diesem Ort hier zu passen. Wo hast du sie her?
Ellory: Ich habe viel Baseball gespielt, als ich ein Mädchen war. Ich war ehrlich gesagt ziemlich gut darin. Ich träumte davon, eine professionelle Spielerin zu werden, bis meine Mutter aufgehört hat, mich zu den Spielen mitzunehmen.
Walker: Ich wette, du wünschst dir, deine Mama hätte dich stattdessen zum Schießstand mitgenommen.
WALKER versucht, sein Messer in ELLORYs Brust zu rammen. Sie hebt den Schläger, um die Klinge zu blockieren, aber er weicht aus und gibt ihr stattdessen einen flachen Schnitt auf ihrem rechten Arm. WALKER tritt lächelnd zurück.
Walker: Weißt du, Eleanor, ich mag dich nicht wirklich. Ich bin mir sicher, du hast bei vielen Menschen diesen Effekt.
WALKER führt ein paar schnelle Täuschungsmanöver aus, springt nach vorne und tänzelt zurück, und beobachtet, wie ELLORY sich verteidigt.
Walker: Ich würde wirklich, wirklich gerne dieses Messer durch deine Kehle jagen und dich aus deinem Elend erlösen, aber weißt du, was ich viel mehr will? Ich möchte SCP-8080 der Foundation geben.
ELLORY schwingt den Schläger und versucht, WALKERs rechten Arm, dessen Hand das Messer hält, zu treffen. Er weicht aus und schneidet ihren linken Arm.
Walker: Damit sie sie in einen winzigen, leblosen Raum sperren können, wo die netten Leute vom Programm für anomale Assets an ihr herumtesten und ihr beibringen können, wie sie Käse aus einem Labyrinth bringt.
WALKER macht noch ein Täuschungsmanöver und ELLORY weicht zurück.
Walker: Sie können sie zu einer Waffe oder einem Werkzeug oder einer Batterie erziehen. Und sie wird dich gaaaaanz vergessen. Sie wird sich nicht einmal an deinen Namen erinnern.
WALKER macht wieder ein Täuschungsmanöver und ELLORY weicht noch einmal zurück. Sie stolpert, aber fängt sich. WALKER grinst und nähert sich ihr.
Walker: Oder vielleicht erzählen sie ihr Gute-Nacht-Geschichten über die böse, alte Hexe, die versucht hat, sie zu entführen, und wiederkommen wird, wenn sie ihr Gemüse nicht aufisst. Du kannst ihr Monster unter dem Bett sein!
WALKER stürzt sich nach vorne und schwingt nach oben. ELLORY kann die Klinge mit dem Schläger abwenden und weicht wieder zurück.
Walker: Und dann wird sie eines Tages zum loyalen kleinen Hilfsmittel für die Foundation. So wie ich. Ist das nicht ein schöner Gedanke?
WALKER schwingt die Klinge wild nach vorne und ELLORY schlägt den Schläger auf seinen rechten Arm. Er schreit und lässt das Messer fallen, aber führt seinen Angriff fort, indem er seinen Impuls nutzt, um seinen linken Ellbogen in ELLORYs Magen zu rammen. Sie fällt rückwärts auf den Boden.
Walker: Verdammtes Miststück!
WALKER versucht, seinen Fuß in ELLORYs Magen zu treten, aber sie rollt sich nach links, um auszuweichen. Er versucht es noch einmal, aber ELLORY schlägt ihren Schläger gegen seinen Schritt. Es steckte nicht viel Kraft in dem Schlag, aber WALKER stolpert mit einem schmerzerfüllten Schrei zurück. ELLORY versucht, aufzustehen, und nutzt ihren Schläger dabei als Stütze, aber der Gang neigt sich wieder und hebt WALKER und senkt ELLORY, welche fällt und den Schläger loslässt. Er beginnt, wegzurollen. WALKER geht noch vorne und zielt mit dem Fuß auf ihren Kopf, aber der Gang neigt sich plötzlich in die andere Richtung.
Ellory: Mein Traum, Arschloch!
Sowohl WALKER als auch ELLORY beginnen, die Rampe runterzurutschen. Der Baseballschläger rollt an ELLORY vorbei. Sie streckt ihren Arm danach aus, aber ihre Hand greift stattdessen die Kante von einer der Türen der Isolierzellen.
Das Messer schlittert an WALKER vorbei. Er nimmt es.
Der Boden kehrt in den Normalzustand zurück. WALKER beginnt, aufzustehen. ELLORY nutzt die Tür, um sich hochzuziehen, und beginnt, verzweifelt einen Code in deren Tastenfeld einzugeben. WALKERs Messer schiebt sich an ihre Kehle.
Walker: Du meine Güte, was in aller Welt tust du …
WALKER schaut auf die Tür und fängt an, zu lachen. Auf der Tür ist ein Schild, auf dem steht: SCP-8080.
Walker: Oh. Oh, das ist gut. Oh, Eleanor, ich könnte dich küssen, wenn du nicht so vollkommen abstoßend und ekelhaft wärst. Darum warst du also in diesem Drecksloch. Du hast gelernt, deinen Verstand zu manipulieren, und du hast all deine kleinen Erinnerungen an sie hier versteckt, nicht wahr? Sehr raffiniert.
ELLORY zittert sichtbar und als sie redet, kommt es als Schluchzen heraus.
Ellory: Ich wollte nur … wieder bei ihr sein.
WALKER beißt auf seine Unterlippe mit einem Ausdruck der Glückseligkeit.
Walker: Oh, das gefällt mir.
Ellory: Auch wenn es nur meine Erinnerungen an sie sind. Ich dachte … Als ich die Galerie verließ, wusste ich, dass ich hier nie wieder herauskommen würde. Dass es hoffnungslos wäre.
Walker: Vollkommen hoffnungslos. Es gibt nichts, was auch nur im Entferntesten an einen Funken Hoffnung erinnert.
Ellory: Es stimmte, was du gesagt hast. Ich hätte nie gewinnen können.
Walker: Nicht in einer Million, einer Milliarde Jahre, meine liebe Eleanor. Ich respektiere aber deinen Versuch. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so schnell mit Träumen umgehen konnte. Geschweige denn einen Niemand wie dich.
Ellory: Aber ich … Ich wusste, wenn ich einfach alles an einen Ort bringen könnte, wie ich sie befreite, wo sie ist, wer sich um sie kümmert … dann könnte ich sie beschützen. Ich könnte … hineingehen und die Tür so verschließen, dass niemand sie je wieder öffnen könnte. Und dann könnte ich die Zeit, die mir noch geblieben wäre, in diesen Träumen verbringen … mit ihr.
ELLORY blinzelt schnell, als würde sie Tränen zurückhalten.
Ellory: Walker … Du musst es doch jetzt verstehen, oder? Wie viel sie mir bedeutet. Ich halte … Ich halte das nicht mehr aus. Bitte, bitte, könntest du mich einfach … durchgehen lassen? Sag ihnen einfach, ich wäre entkommen. Dass du mich nicht rechtzeitig erreichen konntest. Bitte … Lass mich sie beschützen.
Walker: Oh, Eleanor, Eleanor, Eleanor. Aber natürlich! Was kann ich sagen? Ich verstehe jetzt alles. Was für ein Schuft ich gewesen bin. Deine tragische Geschichte hat mein steiniges Herz erwärmt und ich bin mit der Milch menschlicher Nettigkeit erfüllt. Wie könnte ich diesen großen Hundeaugen Nein sagen?
Er lehnt sich vor, bis seine Lippen fast an ihrem Ohr sind, und spricht leise flüsternd.
Walker: Na los. Öffne deine Tür und ich werde dich hindurch schlüpfen lassen.
ELLORY hebt eine zitternde Hand und drückt auf eine letzte Taste. Es gibt ein leises Zischen und die Tür schwingt auf. Dahinter befindet sich statt einer Isolierzelle ein schlecht beleuchteter, fensterloser Raum mit einem verstaubten roten Teppich. Die Gestalt eines kleinen Mädchens mit langem, glattem, schwarzem Haar sitzt darin mit dem Rücken zur Tür. Sie bewegt einen kleinen Spielzeugzug vor und zurück.
Walker: Danke, Eleanor. Bis zum Ende eine vollkommene Versagerin. Eine fette Dumpfbacke, im wahrsten Sinne der Worte.
WALKER wirft ELLORY achtlos zur Seite und sie fällt zusammengekauert auf den Boden.
Ellory: Aber … Aber -
WALKER ahmt sie mit schriller Stimme nach.
Walker: Aber, aber, aber! Schau mal, ich würde es lieben, hier zu sitzen und jedes einzelne Wimmern zu genießen, aber ich fürchte, ich habe den Standort eines abtrünnigen SCPs aufzuzeichnen, damit viele gruselige Leute mit großen gruseligen Waffen sie aufspüren können.
Er grinst.
Walker: Und große gruselige Löcher in alle schießen können, die sie beschützen. Du bist wirklich eine hoffnungslose Idiotin, Eleanor. Bleib jetzt aber genau hier. Sobald die Foundation nämlich die Informationen hat, die sie braucht, glaube ich, dass sie so zufrieden mit mir sein werden, dass sie sich nicht wirklich die Mühe machen, darauf zu achten, wie ich meine Zeit hier drinnen verbringe. Und ich habe immer noch so wundervolle Albträume, die ich dir zeigen muss.
WALKER knackt nacheinander mit seinen Fingerknöcheln.
Walker: Ich muss los, aber kurz bevor ich gehe, möchte ich dich wissen lassen, dass ich sicherstellen werde, dass SCP-8080 hört, wie du es warst, die sie aufgegeben hat, wenn sie sie fangen. Dass du sie bei der ersten Gelegenheit verraten hast. Dass du irgendwo auf einer weit entfernten Insel mit dem Geld lebst, das du dafür bekommen hast, sie der Foundation zu übergeben. Und meine Güte, ich hatte gerade noch einen Einfall. Ich bin mir sicher, sie hat Unmengen an Verrätern der Foundation auf ihrem kleinen Ausflug mit dir in die Freiheit getroffen. Leute, die identifiziert werden müssen. Ich könnte sogar so nett sein, umsonst in ihrem Gehirn herumzustochern. Tschüss, Eleanor. Sei nicht zu wütend. So hätte es immer geendet. Du warst nur dumm genug, es hinauszuzögern.
WALKER winkt spöttisch und geht durch die Tür. Die alten Bodenbretter knarzen unter seinen Füßen. Die Gestalt des Mädchens erstarrt.
Walker: Nun, kleine Erinnerung, wie wär's, wenn du mir sagst, wo genau du denn bist?
Der Kopf der Gestalt dreht sich um 180 Grad und ein Porzellangesicht lächelt ihn an. Hässliche, braunrote Blutflecken laufen aus seinen Augenhöhlen. WALKER springt schreiend zurück.
Walker:* Oh, verdammt. Oh Gott. Oh, verdammte Scheiße!
Er greift sich an die Brust, atmet mehrmals tief ein und aus und blickt dann finster.
Walker: … Oh, verdammt nochmal.
Er dreht sich um. Hinter ihm hat sich die Tür geschlossen. Von dieser Seite ähnelt sie gewöhnlichem Holz mit uralter roter Farbe, die sich ablöst. Er drückt den Türgriff runter, aber sie öffnet sich nicht.
Walker: Scheiße. Dieses teuflische, hinterhältige Stück Scheiße. Wenn ich sie wieder in die Finger bekomme, werde ich sie in winzig kleine Stücke schneiden und sie alle in Brand setzen. Verdammt. VERDAMMT!
Die Puppe stößt ein gespenstisches Kichern aus.
Puppe: Papi! Willst du mit mir spielen?
Walker: Und du kannst dich auch verpissen.
WALKER winkt abweisend in ihre Richtung, aber nichts passiert. Sechs mechanische, spinnenartige Beine kommen aus dem Rumpf der Puppe und heben sie langsam hoch. Sie kichert weiter.
Walker: Kontrolle, stoppe die Sequenz. Es war ein Trick. Das Miststück hat mich wieder ins Puppenhaus geführt.
Die untere Hälfte des Puppengesichts bricht entzwei und offenbart rostige, metallische Sägeblattzähne. Die Marmoraugen in ihren Augenhöhlen fallen auf den Teppich und kleine Maden kriechen heraus.
Walker: Kontrolle, stoppe die verdammte Sequenz.
Mit dem Geräusch einer aufheulenden Kettensäge beginnen die Zähne der Kreatur, sich zu drehen. Sie kriecht langsam vorwärts und ihr Kichern wird immer lauter.
Walker: Kontrolle? Kontrolle!? Hörst du mich? KONTROLLE!! Verdammt -
WALKER dreht sich um und versucht, die Tür zu zerschlagen. Sie geht nicht kaputt. Er versucht es wieder und wieder. Das Holz bleibt makellos, aber die Fingerknöchel an WALKERs Hand sind geplatzt und blutig.
Die Puppe bewegt sich weiter vorwärts und ihr Körper verdreht sich unnatürlich auf ihren spitzen, uneinheitlichen Beinen.
WALKER schaut von seinen blutigen Knöcheln zur Puppe. Seine Augen sind weit aufgerissen.
Walker: KONTROLLE! KONTROLLE, SCHALTE DIE GOTTVERDAMMTEN SCHMERZREPLIKATOREN AB!!
Puppe: Hey, Papi, du hast escht schöne Haut. Darf ich sie haben, biiiiiiiitte?
Anhang
Doktorin OLIVIA CARRIGAN ist auf einer Yacht.
Es ist eines dieser großen Deluxe-Modelle mit drei großzügig dimensionierten Stockwerken, die sich über das Deck erheben, aber es sieht so aus, als hätte es seine Blütezeit schon sehr lange hinter sich. Rost hat sich ungehindert über die knochenweiße Außenseite ausgebreitet, wodurch sie pockennarbig und entstellt war. Dreck und Ruß trüben die bereits abblätternde und rissige Lackierung. Die meisten Fenster und Buglöcher sind zerbrochen und offenbaren flüchtige Einblicke in ein dunkles, verrottendes Inneres.
CARRIGAN sitzt komplett gekleidet auf einer weißen Metall-Sonnenliege an der Spitze des Bugs. Es ist Nacht und über ihr ist ein riesiger Ozean aus hellen Sternen, die wie polierte Edelsteine leuchten. Viel zu viele Sterne, um real zu sein.
Unter ihr ist auch ein Ozean. Das Wasser um die Yacht herum ist ein tiefes, glattes, öliges Schwarz, das sich in jede Richtung unendlich zu erstrecken scheint. Die Flüssigkeit wellt sich sanft in der stillen Luft, wodurch die in ihrer Oberfläche gespiegelten Sterne leicht hin und her tanzen, wie flackernde Kerzen.
Am Rande des Horizonts ragen riesige, blauweiße Eisberge aus der tintigen Schwärze wie ein großer Kreis aus verformten Zähnen. CARRIGAN zittert und versucht, ihre Jacke enger zu ziehen.
Die Welt ist totenstill. Die einzigen Geräusche sind das Plätschern des Wassers gegen den Rumpf und das entfernte Knirschen von Metall, während das Boot friedlich hin und her schwankt. Die Yacht scheint vollkommen verlassen zu sein, außer CARRIGAN und ihr Gast.
Neben ihr liegt ELEANOR ELLORY in einer zweiten Sonnenliege. Sie trägt eine große Sonnenbrille, weite Shorts und ein Hawaiihemd mit bunten Blumen.
Langsam setzt sie ihre Sonnenbrille ab, streckt ihre Arme mit einem zufriedenen Seufzen über sich und verschränkt sie dann hinter ihrem Kopf.
Ellory: Verdammt. Immer noch schön.
CARRIGAN starrt geradeaus. Sie sagt nichts.
Ellory: Keine schlechte Nacht dafür, hm?
CARRIGAN starrt weiter nur geradeaus und dreht nicht ihren Kopf.
Ellory: Der Trick ist keine Lichtverschmutzung. Und eine gute Vorstellungskraft.
CARRIGAN schaut sie immer noch nicht an.
Carrigan: Du kannst nicht hier sein.
Ellory: Nun, ich konnte nicht für immer nur in meinem Kopf bleiben. Versteh mich nicht falsch, es ist viel angenehmer als erwartet, aber es kann ein bisschen eintönig werden. Du wirst der Gesellschaft mit dir selbst irgendwann überdrüssig.
Carrigan: Ich meine … Du kannst nicht hier sein. Das System sollte nicht aktiv sein.
Ellory: Ah, nun, Sie müssten das am besten wissen. Ich schätze, dann kann ich nicht hier sein. Also nehme ich an, dass ich nur ein Phantom deines von Schuldgefühlen geplagten Unterbewusstseins sein muss. Wussten Sie, Doktorin, dass viele Psychiater glauben, dass Träume über eine kleine Frau auf einer Yacht, die dich ein totales Arschloch nennt, ein sicheres Zeichen für Probleme am Arbeitsplatz sind?
CARRIGANs Lippen zittern. ELLORY schaut sie eine Weile lang still an.
Ellory: Haben sie ihn je aus seinem Loch holen können?
Carrigan: … Noch nicht.
Ellory: Ich nehme an, dass sie Probleme dabei haben, einen ausreichend großen Ausgang zu finden, um sein riesiges Gehirn durchzuquetschen.
ELLORY nimmt einen Schluck von einem Getränk, das nun in ihrer Hand aufgetaucht ist. Es ist eine Tasse Kakao. In ihr ist ein Schirmchen. Und eine Wunderkerze.
Ellory: Ich würde sagen, "Ich kann nicht glauben, dass er darauf reingefallen ist", aber wissen Sie was, das kann ich vollkommen. Ich habe bereits egoistische Scheißkerle wie ihn getroffen. Tief im Inneren glauben sie wirklich, dass du nur ein schwaches, verängstigtes, leichtgläubiges kleines Mädchen bist, das in Tränen ausbricht und tut, was auch immer sie wollen, wenn sie dich hart genug herumschubsen. Wenn du also mitspielst, sind sie viel zu arrogant, um es zu hinterfragen.
ELLORY beobachtet die Wunderkerze, bis sie erlischt. CARRIGAN beobachtet sie auch. Sie redet nicht.
Ellory: Ich wollte fragen - Das geht mich natürlich nichts an - aber die ganze Sache mit dem Puppenraum, war das irgendwie eine verlorene Verbindung oder …?
CARRIGAN bleibt still.
Ellory: Stimmt. Das hier wird wahrscheinlich alles aufgezeichnet, hm? Vergessen Sie's.
Carrigan: Was willst du, Eleanor?
Ellory: Nun, Doktorin, Sie baten mich, mir ein warmes Getränk zuzubereiten, und ich versprach, das auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Da sind wir nun.
Sie leckt sich einen Schokoladenschnurrbart von der Oberlippe.
Ellory: Da unsere letzte Sitzung verkürzt wurde, dachte ich außerdem, Sie könnten daran interessiert sein, zu hören, wie es bei mir so läuft.
ELLORY nimmt einen langen, langsamen Schluck von ihrem Kakao. CARRIGAN zögert.
Carrigan: … Und wie läuft es bei dir so, Eleanor?
Ellory: Wissen Sie, ganz ehrlich? Nicht allzu schlecht. Es stellt sich raus, einen totalen, unbegrenzten Zugriff auf ein ganzes Leben aus Träumen und Erinnerungen zu haben kann tatsächlich eine bereichernde Erfahrung sein. Sie sollten es in der Therapie empfehlen.
ELLORY nimmt einen weiteren Schluck. CARRIGAN antwortet nicht.
Ellory: Ich habe viele Bücher, die ich da drinnen noch einmal lesen kann. Und Musik, die ich wieder hören kann. Und Fernsehsendungen, die ich wieder schauen kann. Viele davon sind ehrlich gesagt schrecklich, aber ich kann niemand anderem die Schuld dafür geben.
ELLORY trinkt ihr Getränk aus. Die leere Tasse hört auf, zu existieren.
Ellory: Ich lerne immer noch all die Dinge, die ich in Träumen tun kann. Die Schwerkraft war recht einfach, sobald ich den Dreh raushatte. Die Zeit ist viel komplizierter, aber ich werde definitiv besser. Ich kann ein Baseballspiel einen Tag dauern lassen oder eine Woche im Sonnenschein eines einzigen Nachmittags verbringen. Dinge zu erschaffen macht aber am meisten Spaß. Es ist eigentlich ein wenig wie zeichnen. Nur dass ich anscheinend darin viel besser bin.
Carrigan: Ich bin … froh, dass du glücklich bist.
ELLORY kneift ihre Augen zusammen.
Ellory: Nur um das klarzustellen, Doktorin, ich erzähle ihnen nichts davon, um ihr Gewissen zu beruhigen. In einer Traumwelt zu leben ist nicht das schlimmste Schicksal, das ich mir hätte vorstellen können, aber es ist trotzdem nicht etwas, was ich mir aussuchen konnte. Ich vergebe Ihnen oder der Foundation für nichts, was ihr mir angetan habt.
CARRIGAN senkt ihren Blick.
Carrigan: Eleanor … Du hast SCP-8080 gestohlen.
Ellory: Du kannst eine Person nicht stehlen. Sie gehört niemandem. Aber du kannst sicherstellen, dass sie nicht in einem Käfig leben müssen.
Carrigan: Es ist -
CARRIGAN hält inne und beißt sich auf die Unterlippe. Ihr Atem kommt in kleinen Wolken aus weißem Nebel aus ihrem Mund.
Carrigan: … Sie ist gefährlich, Eleanor.
Ellory: Viele Dinge können gefährlich sein. Auch viele Menschen. Schalte ab und zu mal die Nachrichten ein.
Carrigan: Du weißt, dass das nicht das Gleiche ist. Sie hat … einzigartige Eigenschaften. Sie war aus gutem Grund in der Eindämmung.
Ellory: Und was wird Chloe Ihrer Meinung nach genau tun, Doktorin.
CARRIGAN: rutscht unruhig hin und her und schaut zur Seite. Blasse Gänsehaut hat sich auf ihrer Haut gebildet.
Carrigan: Du hast mir nie wirklich erzählt, was sei- was ihre anomalen Eigenschaften waren.
ELLORY starrt sie an.
Ellory: Hat es dir die Foundation nicht gesagt?
CARRIGAN wirkt leicht verlegen.
Carrigan: Es … Es wurde nicht als eine essenzielle Information für die Mission angesehen.
ELLORY beginnt, zu lachen. Das Geräusch hallt über die endlose Weite des Wassers hin und her und hört sich kalt und seltsam an.
Ellory: Dieser Ort …
Sie richtet sich auf und erhebt sich von der Sonnenliege, wobei sie CARRIGAN anlächelt.
Ellory: Nun, das hier hat Spaß gemacht und so, aber ich schätze, es ist an der Zeit, dass ich gehe. Ich kann hier nicht die ganze Nacht sitzen und reden. Sie müssen Ihre Ruhe bekommen, Doktorin. Morgen wird wahrscheinlich ein großer Tag.
Eine hellblaue Tür wartet in der Mitte des Vordecks. Sie steht leicht offen und ein Streifen aus grellem, weißem Licht scheint durch den Spalt. ELLORY beginnt, zu ihr zu laufen.
Ellory: Machen Sie sich übrigens keine Sorgen. Ich werde Sie nicht wieder kontaktieren. Ich habe heutzutage viel Besseres zu tun.
Carrigan: Warte!
ELLORY hält mit ihrer Hand auf dem Türgriff inne. Sie wartet.
Ellory: Ja?
Carrigan: Eleanor … Warum bist du hierhergekommen? Was soll ich tun?
ELLORY schaut zu ihr zurück, während sie die Tür öffnet. Das Licht verdeckt ihren Gesichtsausdruck.
Ellory: Was auch immer Ihr Gewissen erlaubt, Doktorin. Ich schätze, das ist im Grunde das Einzige, was wir alle tun können.
Sie tritt in das Licht.
Ellory: Schlaf gut, Olivia.

