Willkommen im neuen Leben
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Ein Kilometer südlich von Standort-DE4, 23:01 Uhr
Sie standen zwischen drei großen, mit Tarnnetzen überspannten, Lastern in einem Waldstück. Neben ihnen rollte gerade der letzte Panzer von seinem Transporter auf die kleine Lichtung.
Von dem Fahrersitz sprang ein junger Mann herab. Unter seinem schwarzen Barett schauten braune Locken hervor. Er selbst beschrieb sich als normalen Menschen. Andere würden ihn als Magier bezeichnen.
"Okay, gehen wir das ganze nochmal durch."
Seine Mit­strei­ter saßen in einem Halbkreis auf dem trockenem Grasboden. Er hockte sich vor sie, legte einen großen Kristall vor sich und murmelte etwas in einer antiken Sprache. Über dem Stein erschien ein blau leuchtendes holographisches Abbild vom Standort.
"Also: Die Grizzlys fahren zusammen mit sechs Alphas1 nördlich vom Standort und schießen auf das Hauptlager."
Neben ihm begann Zacharias zu husten. Der junge Mann sah nicht besonders gut aus. Nicht dass er hässlich wäre, aber seine ungesund wirkende Blässe, die bernsteinfarbenen Augen und die trübe Farbe seiner Haare sahen einfach ungesund aus. Obwohl es schon recht warm war, entwich seinem Mund eine türkis schimmernde Nebelschwade.
"Tschuldigung Ludwig"
Ein großer Berg Muskelmasse, der den Namen Mischa trug und mit russischem Akzent sprach, schüttelte den Kopf und deutete dem Magier mit der Hand an, dass er fortfahren solle.
"Wir gehen gleichzeitig mit den restlichen Alphas an die Südseite, also den Büroräumen, und gehen mit meiner Raummagie rein."
Er drehte den Kristall um 180 Grad und die Außenwände des Gebäudes verschwanden in der Simulation.
"Als nächstes gehen ich und Thomas…"
"Thomas und ich."
"Leck mich Zacharias."
Der Nachzehrer2 lachte in sich hinein und schob ein Magazin in seinen Plasmakarabiner.
"Wie auch immer: Wir bleiben mit einer Alpha-Klasse an dem Punkt, an dem wir reinkommen. Das ist übrigens die Stelle die gerade aufleuchtet. Gleichzeitig geht Mischa mit den restlichen Alphas in die Stufe-3 Büros und lässt den Foundationabschaum denken, dass dort unser eigentliches Ziel liegt. Tatsächlich aber ist unser Ziel, also Dr. Geiger und die Antimeme, bei diesem Schutzraum."
Er deutete auf einen Raum, der relativ nah an ihrem Eintrittspunkt lag.

"Dann schnappen wir uns die beiden, kommen zu euch zurück und hauen ab", beendete Kora, eine junge Frau und außerdem eine Werwölfin, seine Rede.
"Exakt. Haben das alle verstanden?"
Ein allgemeines Bejahen ging durch die Runde.
"Gut."
Er hob den Stein auf und erhob sich.
"Dann lasst uns der Foundation in den Arsch treten."

Thomas trat hinter ihm hervor und fuhr sich über seinen schwarzen Schnauzbart.
"Könnten wir bitte jetzt losgehen?"
"Du hast gerade meine theatralische Ansprache ruiniert!"

Kurz vor Standort-DE4, 45 Minuten später
Der Untote und die Lykantrophin lagen in einem Busch und lauschten.
"Und, wie geht's dir so?", dachte der Psioniker in Koras Verstand.
"Lass es Zacharias. Es geht jede Sekunde los."
"Bin ja schon ruhig."
In diesem Moment hörten sie eine Explosion auf der anderen Seite der Anlage. Die Panzer hatten anscheinend irgendetwas explosives erwischt. Einen Moment später ging ein Alarm los. Sie schlichen sich langsam an die Außenmauer heran. Ganz zufällig waren die Überwachungskameras so verschoben worden, dass sich ein kleiner toter Winkel bildete. An der Wand angekommen holte Ludwig einen weiteren Kristall hervor. "In Ordnung, ab hier kann ich's ohne Empfangskreis." Er zerbrach den Stein an der Wand und kurz verschwamm ihre Sicht. Im nächsten Moment standen sie in einem weiß gestrichenem Gang.
"Wir sind drin."

Zacharias zog ein Blatt aus seiner beigen Kappe, musterte die Alpha-Klasse und überprüfte ihr Bewusstsein.
"Ähm, dir ist bewusst, dass alle, die dich hören können neben dir stehen?"

"Wir haben gerade wichtigeres zu tun. Bewegt euch!" Mischa hob sein Maschinengewehr und lief, mit ein dutzend Alpha-Klassen im Schlepptau, den Gang hinunter.

"Wir gehen dann auch mal."
Zusammen mit Kora trat Zacharias durch die nächstgelegene Tür und befand sich in einem Treppenhaus. Kora sah ihn fragend an.
"Sollte der Treffpunkt nicht eigentlich in diesem Stockwerk sein?"
"Dachte ich auch…"
Sie stiegen die Treppe herab, nur um sich vor einer weiteren, nach oben führenden Treppe vorzufinden.
"Wer zum Teufel hat das gebaut? Und warum?"
Zacharias trat auf die erste Stufe.
"Das hier ist ein Memetik-Standort. Hier sind wahrscheinlich alle irgendwie ein wenig seltsam."
Kora ging an ihm vorbei.
"Zum Glück sind wir hier gleich raus."
Am oberen Ende angekommen lugte der Untote am Türrahmen vorbei und sah, wie zwei Agenten der RTF mit dem Rücken zu ihm durch den Gang rannten. Er zielte und feuerte zwei Plasmabolzen auf die Soldaten. Kora schob sich neben ihm vorbei und stupste eine der Leichen an.
"Jap, die sind tot."
"Die beiden haben hochkalibrige Plasmabolzen in den Kopf bekommen. Wenn die noch leben würden, hätten sie ein gewaltiges Problem."
Die Werwölfin schnaubte auf und wollte die Panzertür am Ende des Ganges öffnen.
"Scheiße! Das Teil ist verriegelt."
Zacharias fuhr sich durch seine schulterlangen, dunkelbraunen Haare und sah sich um.
"Ääh… Und wie kommen wir da jetzt vorbei?"

In diesem Moment öffnete eine Frau die Tür und stand den beiden Insurgents gegenüber. Sie trug einen Laborkittel und erstarrte mit furchterfülltem Blick. Kora schlug der Forscherin mit ihrer Maschinenpistole gegen den Kopf.
"So."

Mittlerweile waren sie an einer Kreuzung angelangt.
"Und… jetzt? Links oder Rechts?"
Zacharias wühlte in seinem Gedächtnis.
"Wo zur Hölle hab ich die Scheiße abgespeichert? Ah, hier!"
"Nach rechts", sagte er laut.

Sie schritten durch einen schmalen, sich endlos ziehenden Korridor.
"Du, Zacharias?"
"Mh?"
"Du bist doch Psioniker?"
"Ja? Was ist damit?"
"Wie fühlt sich das eigentlich an?"
"Ganz normal eigentlich; nur dass ich alle Erinnerungen und Gedanken kontrollieren kann."
"Wow, das… das hört sich cool an."
"Ist es auch. Aber jetzt hab ich auch eine Frage an dich."
"Ja?"
"Eigentlich sind es zwei Fragen. Erstens: Wieso fragst du mich das? Wir haben über dieses Thema schon gesprochen, als wir uns kennengelernt haben! Und du wusstest davor auch schon was Psioniker sind!"
Kora stockte.
"Zweitens: Wir sind hier auf einer hochwichtigen Mission in einem Standort der Foundation. Und wir schlendern hier einfach so durch einen Korridor und plaudern."
"Das, das ist richtig. Ist hier ein Mem oder sowas?"
"Bei einem Memetik-Standort ist sowas anzunehmen. Und wenn du die Wände ganz genau ansiehst, kannst du ein Farbmuster sehen. Mach einfach die Augen zu und nimm meine Hand."
Die Lykantrophin tat wie ihr geheißen und ließ sich führen.
"Wie hast du das eigentlich gewusst?"
"Ich hab irgendwie damit gerechnet, dass sowas kommt und hab seit wir hier drin sind die Signale der Farbrezeptoren in meinen Augen blockiert. Ich seh hier alles nur schwarz-weiß."
"Und was hättest du gemacht, wenn es nichts mit Farben zu tun hätte?"
"Dann wären wir ziemlich am Arsch gewesen."

Nach wenigen Metern erreichten sie eine weitere Tür und standen auf einem Balkon, von dem sie ins Atrium sehen konnten.
"Du kannst deine Augen übrigens wieder öffnen."
"Danke… Warte mal. Wie sind wir ein Stockwerk höher gekommen?"
"Das vorhin war wahrscheinlich nicht die einzige Wahrnehmungsstörung. Vielleicht war nicht nur die Farbkombination an den Wänden wahrnehmungsstörend, sondern auch das Muster selbst. Wie auch immer…"
"Ziel gesichtet". Sie zeigte hinab auf einen jungen Mann, der in Begleitung von zwei Wachmännern über den Hof lief. Sein Blick wirkte kalt. Nein, es wirkte nicht nur so, es war kalt.

Zacharias gelbe Augen glimmten auf, als er einen telepathischen Kanal öffnete.
"Na? Wie geht's so Doc?"
Der Forscher blieb vollkommen ruhig. Die meisten Menschen erlitten einen Schock bei einem plötzlichen telepathischen Gespräch.
"Lassen sie die Scherze und machen sie schon."
Er nickte Kora still zu und sprang hinab. Am Boden rollte er sich ab und schlug einen der Männer mit seinem Gewehrkolben nieder. Hinter ihm ertönte ein seltsames Würgen. Die Sorte Würgen, die entstand, wenn ein Messer in einem Hals steckte. Der Psioniker richtete seine Waffe auf den am Boden Liegenden. Das letzte was dieser sah, war der grüne Mündungsblitz.

Kora zog ihre Waffe aus dem Mann heraus und richtig sich auf.
"So… Wir sollten jetzt verschwinden."
Dr. Geiger nickte und ging stumm auf eine Tür zu.
"Der Typ ist ja noch schlechter drauf als wir ihn das erste Mal getroffen haben."
"Was hast du erwartet? Der Mann hat seine…"
Zacharias hatte noch während Kora redete den Schützen im Hintergrund erkannt und ließ seine optische Wahrnehmung mit sämtlichen verfügbaren Teilen seines Verstandes verarbeiten. Das war zwar eine tolle Zeitlupe, tat aber seinem Kreislauf nicht sehr gut. Er "riss" seinen Pistolenkarabiner hoch, wartete bis das Zielvisier auf der Brust des Mannes lag, und drückte den Abzug durch. Bevor der Heckenschütze überhaupt erst anlegen konnte, durchlöcherte ihn schon das Plasma. Der Psioniker taumelte, als er seine Wahrnehmung wieder normalisierte.
"Was zum- Oh. Danke." Kora stützte ihn und lief auf Dr. Geiger zu, welcher an der Tür wartete und das Geschehen still beobachtete.
"Sind sie jetzt fertig?"
"Sie können froh sein, dass sie gerade überlaufen und ich sie nicht umbringen kann."
Der Wissenschaftler drehte sich wortlos um und ging in den Korridor hinein.
"Arsch…"
Sie rannten ihm hinterher. Zacharias hustete eine Nebelschwade aus, und fragte leise:
"Haben sie die Daten bei sich?"
Geiger hob einen kleinen schwarzen Plastikkoffer hoch.
"Hier drin."

"Gut…"
Der Nachzehrer löste sich von seiner "Stütze".
Das Trio, wenn man sie so nennen konnte, bogen in einen Gang ab, dessen Boden mit Leichen und Brandspuren übersät war.
"Ich nehme an, dass ist ihnen zu verschulden?"
"Jap." Kora stupste eine Leiche mit dem Fuß an.
Zacharias hingegen stand einige Meter hinter ihnen und starrte auf den Boden.
"Alles in Ordnung mit dir?"
"…Neun, Zehn, Elf…"
Auf dem Boden vor ihm lag ein Häufchen Münzen, die einem der Soldaten aus der Tasche gefallen waren.
"Ach, komm schon. Nicht jetzt."
Sie packte ihn am Kragen und riss ihn nach hinten.
"Aaaahhh!"

Sie schleifte ihn aus dem Raum.
"Hast du dich jetzt beruhigt?"
"J- Ja…"
Sie schloss ihn kurz in ihre Arme.

Dr. Geiger räusperte sich.
"Wohin müssen wir eigentlich gehen?"
Kora drehte sich zu ihm um.
"Puh… Da wir den falschen Rückweg genommen haben, bin ich da überfragt.
"Wo sind sie reingekommen?"
Zacharias legte eine neue Energiezelle in seine Waffe und antwortete ihm gleichzeitig.
"Südseite."
"Das ist zwar nicht sehr präzise, aber dann sind wir trotzdem auf dem richtigen Weg."

In diesem Moment stürmte eine Gruppe aus drei Soldaten in den Raum. Auf ihren Ärmeln war ein beiges Psi abgebildet. Das Psi-Corp also. Eigentlich logisch, sie waren schließlich in diesem Standort stationiert. Im ersten Moment realisiert sie anscheinend nicht, dass sie Insurgents waren. Wahrscheinlich wegen Dr. Geiger. Spätestens aber nachdem sie den Kreis der Entropie, also das Logo der Insurgeny, auf ihrer Kleidung bemerkten, reagierten sie.
"Chaos Insurgents! Fe-"
Der Plasmabolzen brannte sich durch seinen Schädel. Die anderen MTF-Agenten erhoben ihre Sturmgewehre und wollten feuern, erlitten aber ein ähnliches Schicksal wie ihr Anführer.

Dr. Geiger trat wortlos über die Leichen hinweg.
"Öhm, Dr. Geiger? Es ist glaub ich schlauer, wenn Kora oder ich vorne gehen."
Der Angesprochene zuckte mit den Schultern und trat zur Seite, um Kora an ihm vorbeizulassen.

Sie kamen an einer Kreuzung an und sahen wie Mischa mit fünf Alphas im Schlepptau von rechts auf sie zu lief.
"Hätte nicht gedacht dich hier zu treffen."
"Правда?"
Zacharias wollte etwas erwidern, stockte aber, als ihm sein Abendessen hochkam.
"Scheiße… Warum muss es genau heute so schlimm sein?"

Kora gluckste.
"Telepathie und Döner vertragen sich nicht so…"
Bevor der Nachzehrer reagieren konnte, schob sich Dr. Geiger zwischen den beiden durch.
"Wir haben wichtigeres zu tun. Ich muss hier schließlich raus."

"Arrogantes Arschloch…"
"Дa."
Der Wissenschaftler ging wieder an der Spitze der Gruppe und riss die Tür am Ende des Flurs auf. Dahinter stand ein Wachmann mit einer Pistole im Anschlag.
"Puh, sie sind das Dr. Geiger… Hinter ihnen!" Er gab einen einzelnen Schuss ab, der einen der Alpha-Klassen in der Schulter traf.

Geiger packte die Waffe mit beiden Händen und richtete sie auf den Boden.
"Was machen sie da! Aaaah!"
Der ehemalige Forscher rang dem Sicherheitsbeamten die Pistole ab und schoss ihm ins Bein.
Er fiel um und landete auf seinem Rücken.
"Warum arbeiten sie mit Insurgents zusammen?"

Vor ihm beugten sich zwei Meter ex-sowjetische Muskelmasse auf, die ihn mit einer Hand am Hals packte und in der Luft baumeln ließ.
"Weil er verstanden hat, was für Monster ihr seid."
Mit einem lauten Knacken zerdrückte Mischa ihm den Hals.

Wenige Meter entfernt lehnte Ludwig an der Wand und klatschte langsam.
"Sehr theatralisch."
"Meine Herren…" Thomas stand vor der gegenüberliegenden Wand.
"…wir sind hier nicht zum Vergnügen."
Der Magier stieß sich von der Wand ab.
"Wo er recht hat, hat er recht."

"Eine Frage zur Güte: Wie sollen wir hier rauskommen? Ich sehe hier keinen Durchgang, und die offiziellen Ausgänge sind nicht in diesem Sektor."
"Wo wir rauskommen, brauchen wir keine Durchgänge."
Kora fasste sich gegen die Stirn.
"Dein Humor in aller Ehren, Ludwig… Aber der war schlecht."
"Ich weiß."

Er nahm einen Kristall aus seiner Jacke und schleuderte ihn gegen die Wand.
"Spatio ducere destinatum."

Bayrischer Wald, 600 Kilometer entfernt
Der Raum um sie herum verbog sich und plötzlich standen sie auf einem Feld. Auf dem Boden um sie herum war eine metallene Kette in Form eines Kreises gelegt worden.
Zacharias übergab sich unter lautem Husten. Statt seinem Mageninhalt spie er eine große türkisen Nebelschwade aus. Kora klopfte ihm auf den Rücken.
"Besser jetzt?"
"Ja…"
Geiger fuhr mit der Hand durch die langsam verschwindende Wolke.
"Was ist das…?"
"Spektrale Energie. Ich blute metaphysisch aus…"
Ohne auf die Antwort einzugehen kehrte der Doktor ihm den Rücken zu und sah sich um.
"Und jetzt? Wie ich sehe, haben sie uns mit anomalen Mitteln hierher gebracht, aber ich sehe hier keine Transportmöglichkeit oder Einrichtung."
Thomas rückte sein Jackett gerade.
"Kommen Sie bitte mit."

Ein paar Meter entfernt begann ein Waldstück.
"Hilfst du mir bitte Mischa?"
"Natürlich."
Gemeinsam zogen die beiden Männer eine mit Blättern gespickte Plane von einem Geländewagen.

Nachdem sie alle eingestiegen waren, fuhr Ludwig langsam auf den nahen Feldweg und gab Gas.
"Nicht so schnell…"
Der Nachzehrer erlitt noch einen Hustenanfall. Kora streichelte ihn am Hinterkopf.
"Is es jetzt besser?"
"Ja…"
Er lehnte sich an ihrer Schulter an.

"Wo fahren wir eigentlich hin?"
Mischa nahm einen Schluck aus einer Flasche Wasser, die im Handschuhfach lag.
"Stützpunkt V."
"Und… Was ist Stützpunkt V?"
"Ein Stützpunkt."

Der Wagen fuhr in den Wald hinein. Nach vielleicht zweihundert Metern endete die Straße in einem mit Gestrüpp überzogenem und umgekipptem Baumstamm.
"Das wars dann wohl mit der gemütlichen Autofahrt."
Dr. Geiger wollte aufstehen, wurde aber von Thomas wieder auf seinen Sitz gezogen.
"Warten Sie es ab."
Statt in das Stück Flora zu krachen, fuhr der Wagen einfach hindurch. Als wäre der Stamm nur eine Nebelwolke.
"Was war das? Ein Mem?"
Ludwig rückte den Rückspiegel gerade.
"Unter Anderem. Wie glauben Sie, können wir hier einen Stützpunkt haben, ohne entdeckt zu werden?"

Sie fuhren durch einen dunklen und stark heruntergekommenen Tunnel einen Hang hinauf. Plötzlich fiel der Motor aus.
"Warum halten wir?"
Thomas deutete auf ein Gebüsch.
"Deswegen."
Zwei Soldaten mit Tarnnetzen auf ihren Helmen und Schultern kamen aus dem Gebüsch. Auf ihren Uniformen prangte das Logo der Insurgency. Ludwig hob grüßend die Hand.
"Abend Bruno."
"Abend, Sir. Ich nehme an die Mission war erfolgreich?"
"Natürlich. Wenn du uns entschuldigst: Wir müssen den hier…"
Er zeigte auf Dr. Geiger.
"…beim Oberst abliefern."
"Dann will ich sie nicht weiter aufhalten. Günther! Mach die Motorsperre aus!"
Der Motor heulte wieder auf und sie konnten weiterfahren.
"Lang lebe die Entropie!", rief Bruno ihnen hinterher.
"Lang lebe die Entropie!", antwortete der Magier.

"Durch wie viele Kontrollen müssen wir jetzt noch, Herr…?"
Er sah Thomas fragend an.
"Licht. Und zu ihrer Frage: Durch gar keine mehr. Wir sollten jeden Moment im Stützpunkt ankommen."
Als er das sagte erreichten sie ein großes, metallenes Tor. Eine Kamera an der Mauer schwenkte kurz zu ihnen und das Tor öffnete sich soweit, dass sie hindurch fahren konnten.
Dahinter lag ein großer Hof mit zertrampeltem Boden. Bis auf ein paar Wachen und ein KIB war er leer. Was bei dieser Uhrzeit auch verständlich war. Ludwig bremste in der Mitte und stieg aus. Geiger sah sich um, während er abstieg. Sie waren am Fuß einer kleinen Klippe, unter die man anscheinend eine Bunkeranlage gebaut hatte. Die Betonwände waren schmucklos und reichten auch in den Fels hinein. Er blickte nach oben. Aus dem Gestein ragten in schwindelerregender Höhe die Läufe von MG-Stellungen heraus.
"Wenn sie das hier verstecken konnten, hat die Foundation ein riesiges Sicherheitsleck oder die Insurgeny ist besser ausgerüstet als gedacht."

Kora stieg ab und lief Zacharias stützend auf eine nahe Tür zu, gleichzeitig stieg einer der Wachmänner in den Wagen und fuhr ihn auf ein, in diesem Moment öffnendes, Stahltor zu, hinter dem der Wagen bergab fuhr. Ähnlich wie bei einer Tiefgarage.
"Willkommen, Dr. Geiger!"
Hinter ihm stand ein etwas älterer Mann. Er trug keine Uniform der Insurgency, sondern eine altmodische, grüne Militäruniform. Er streckte dem Wissenschaftler seine Hand entgegen.
"Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle: Mein Name ist Roth. Oberst Roth. Ich bin der Leiter dieser Einrichtung."
Dr. Geiger ergriff die Hand.
"Sehr erfreut."
Roth deutete mit der Hand an, ihm zu folgen. Sie traten durch ein großes, gepanzertes Tor in einen hell beleuchteten Flur. An den Wänden waren in regelmäßigen Abständen das Logo der Insurgency aufgesprüht.
"Ich könnte ihnen jetzt die Geschichte von Stützpunkt V und der Hel-Zelle erzählen…"
Sie erreichten einen großen Raum, der mit Lagerkisten und Fässern gefüllt war und bis auf die allanwesenden Wachen auch leer war.
"…stattdessen werde ich das erst morgen tun. Jetzt geben sie mir bitte die Anti-Meme."
Geiger hielt ihm den kleinen Koffer hin. Der Oberst öffnete die Verschlüsse, klappte den Deckel auf und blickte auf eine einzelne CD.

"Es wundert mich, dass der O4-Rat seine kompletten Anti-Meme so schlecht schützt. Aber ich will mich nicht beschweren."
Er legte die CD zurück und schloss den Koffer.
"Haben sie überhaupt eine Ahnung wie schwer das war?"
Roth wand sich um und bewegte sich auf eine Treppe zu.
"Ich habe nie gesagt, dass es leicht gewesen wäre."

Er war schon fast am oberen Treppenabsatz angelangt, drehte sich dann aber doch um.
"Ach, und bevor ich es vergesse: Willkommen in Ihrem neuen Leben!"


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