Weiß
Bewertung (rating): +1+x

Der Doktor war nervös. Er ließ sich es nicht anmerken, doch er hatte das Gefühl, dass derjenige der ihm gegenüber saß die Nervosität des Doktors schon längst gemerkt hatte. Ein Schweißtropfen lief über das Gesicht des Doktors herunter. Das ekelige Weiß der Wände machte es auch nicht besser, doch er musste weiter machen. Er wusste ganz genau was passieren würde, wenn er sich weigert. Er wusste ganz genau dass er gerade von mehreren seiner Vorgesetzten beobachtet wird, er wusste ganz genau dass diese Haie nichts lieber tun würden, als ihn hier mit diesem Ding einzusperren. Doch er musste weitermachen.

"… Haben Sie denn irgendwelche Fähigkeiten?", die Worte konnte Dr. Bram nur mit Schwierigkeit herauszerren.

"…", der Gegenüber blieb ruhig, doch Dr. Bram merkte etwas. Etwas mit den Augen von dem Ding, etwas Weißes, etwas Helles. Er wusste nicht was es ist, also blickte er in dieses tiefe und unendliche Weiß.

Die Zeit blieb stehen. Dr. Bram erstarrte in seinem Sitz, er versuchte sich nicht zu wehren. Auf ein Mal merkte er wieder etwas. Er schaute immer noch in die Augen der Figur, jedoch fehlte das Weiß in ihnen. Stattdessen kam nun das Weiß von überall. Das Weiß der Wände blendete Dr. Bram, doch er blinzelte nicht. Er merkte nun eine Spannung, eine noch größere als beim Anfang des Gesprächs.

Die Spannung war wie eine Presse.

Bram hörte etwas. Eine Trommel. Im fortbestehendem Lauf erklang eine laute Trommel im Raum. Der Doktor schaute sich im fast leerem Raum um und entdeckte eine Wanduhr. Eine normale Wanduhr. Stand die Zeit also doch nicht still? Dr. Bram verlor das Zeitgefühl.

Der Interviewer erkannte einen starken Geruch von Ammoniak. Der Duft war stark, doch komischerweise machte es Bram nichts aus. Die Luft war sehr schwer geworden, das Atmen wurde langsam immer lästiger. Dr. Bram rührte seinen Finger, er wollte den Beobachtern zeigen, dass er nicht mehr konnte. Jedoch war es ihm nicht möglich, die Hand ist viel zu schwer geworden. Er bemerkte mit seinen Fingern den weißen Tisch vor ihm. Der Tisch bestand aus kaltem Metall und kam im Vergleich zum Raum ziemlich klein rüber.

Dr. Bram befand sich auf ein Mal in einem Garten mit einem einzigen Baum. Dieser besaß elf dicke Zweige, von diesen gingen weitere, kleinere Zweige ab, und wiederum an diesen befanden sich die verschiedensten Früchte. Äpfel, Birnen, Orangen. Sogar Pflaumen und Zitronen. Der Doktor fühlte einen Drang seine Hand auszustrecken und eine Frucht vom Baum zu reißen, doch sein Arm wollte nicht. Bram konnte sich immer noch keinen Zentimeter bewegen. Er erkante ein dickes aufgeschlagenes Buch vor dem Baum mit fremden Schriftzeichen, doch er erkannte die Schrift. Hebräisch. Nur ein einziges Wort konnte er entziffern, "לדעת", "Wissen". Ausgesprochen als "Daath".

Die Szene kam Dr. Bram so unwirklich vor. Er konnte sie nur mit weit offenen Augen beobachten, doch sie gefiel ihm nicht. Zu unnatürlich war es. Zu ungewohnt.

Der Garten verschwand, die Trommel wurde leiser, der Tisch wurde wärmer, die Muskelkraft kam wieder zu Dr. Bram zurück. Es war vorbei.

"W-Was war das?"

Das Gespräch ging weiter.

Sofern nicht anders angegeben, steht der Inhalt dieser Seite unter Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License