Herman Fuller Präsentiert: Der Unzerstörbare Mann
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Der Unzerstörbare Mann

Weder Feuer

Noch Gift

Noch Hieb

Noch Stich

Können den

Mann In

Sein Grab Schicken!



Seht Zu,

Wie Er

Vor Euren

Augen

Gevatter

Tod

Spottet

Wie der Wandernde Jude und andere widernatürliche Unglückselige vor ihm wurde auch der Unzerstörbare Mann wegen seiner unaussprechlichen Blasphemie vom Himmelstor verbannt und gezwungen, für immer auf dieser gefallenen Erde zu wandeln. Seht mit Erstaunen zu, wie er eine Qual nach der anderen erduldet in dem vergeblichen Bemühen, seine sterbliche Hülle endlich abzuschütteln!

NUR FÜR EINEN TAG
7 Uhr nachmittags, diesen Freitag in Gorky Park.
Eine Vorstellung, eine Gelegenheit! Kommt her, kommt alle her!!

Es folgen Seiten aus einer Publikation mit dem Titel To the Circus Born: Herman Fullers Menagerie of Freaks. Es konnten weder die Identität des Verlegers noch des Autors festegestellt werden. Auf der ganzen Welt wurden in Bibliotheken verstreute Seiten gefunden, die in Bücher mit dem Schwerpunkt Zirkus eingefügt wurden. Die Person(en) hinter dieser Verbreitung sind unbekannt.

Der Unzerstörbare Mann

To the Circus Born

Zoltan war nicht mal der erste Alchemist, den Fuller wegen des Unsterblichwerdens konsultierte. Der erste lag eigentlich schon weit zurück, in neunzehn-fünfzehn oder -sechzehn. Während des Ersten Weltkriegs beschloss Fuller, mit dem Zirkus auf eine europaweite Tournee zu gehen. Ich kann mich nicht vollständig daran erinnern, was seine Logik war. Jedenfalls gelang es Fuller, während wir in Frankreich waren, einen Alchemisten zu finden, der einen echten Stein der Weisen herstellen konnte und praktisch unsterblich war. Der Name des Kerls war … nicht Peter, sondern eine europäische Variante von Peter. Ich werde ihn einfach Peter nennen.
Zuerst ist Fuller ganz zuckersüß zu dem Kerl und bot ihm Geld, das er nicht hat, und Gefälligkeiten, die er nicht erbringen konnte, an, wenn er ihn unsterblich mache. Peter war jedoch hartnäckig. Das Letzte, was er wollte, war einen unsterblichen Tyrannen zu schaffen, und er würde nur denen Unsterblichkeit gewähren, die er für würdig hielt. Und Fuller, der war nicht würdig. Wie ihr euch vorstellen könnt, hat Fuller das nicht so gut aufgenommen.
Er ließ Manny den Armen knebeln und fesseln, und wir nahmen ihn mit auf unsere Tournee. Jede Nacht, eine Woche lang, hörten wir Peter aus dem Zelt des Ringmasters schreien, die Art von Schreien, die die Phantasie vor Angst schäumen lässt. Ich schäme mich, sagen zu müssen, dass keiner von uns versucht hat, dem Kerl zu helfen, aber so war es eben damals. Man erwartete nicht, dass jemand seinen Hals riskieren würde, um dich vor Fullers Zorn zu retten, und man würde es auch nicht von dir erwarten. So schrecklich diese Schreie auch waren, wir waren alle erleichtert, dass Fuller jemanden hatte, dem er seinen Zorn so vollständig widmen konnte, und uns in Ruhe ließ.
Aber Peter, er knickte nicht ein, und schließlich wurde Fuller es leid, so viel Arbeit aufzuwenden, ohne etwas dabei rauszuholen. Also beschloss er, ihn zu einer Nummer zu machen. Er packte ihn genau in die Mitte der Manege und warf alles, was ihm einfiel, auf ihn. Peter wurde mit 50 Schwertern aufgespießt, lebendig verbrannt, von Elefanten zerquetscht, was auch immer. Und dies geschah allabendlich. Das ist die schlimmste Art, ewig zu leben. Alles, was Peter tun musste, war Fuller sein Geheimnis des ewigen Lebens zu verraten, aber egal, was er auch tat, er gab einfach nicht nach. Er war ein zäher Teufelskerl, das sage ich dir. Aber seine Flucht, das war was. Wir waren in Minsk untergebracht, als niemand anderes als Rasputin selbst unseren kleinen Wanderzirkus besuchen sollte. Ja, der russische Mystiker. Er war anscheinend an Peters Geschenk des ewigen Lebens genauso interessiert wie Fuller. Er schlich nachts in sein Zelt und benutzte etwas von seinem Voodoo, um seine Fesseln zu zerbrechen. Die beiden versuchten, in aller Stille herauszuschleichen, aber Manny hat sie gehört, gesehen oder gespürt und schlug Alarm. Er griff Rasputin direkt an, aber beide erstarrten in der Sekunde, in der sie Augenkontakt hergestellt hatten. Rasputin versuchte, eine Art Hypnose auf ihn auszuüben, und Manny, obwohl ich sehen konnte, dass er sich mit allem, was er hatte, wehrte, erlag dem Zauber und fiel zu Boden. Zu diesem Zeitpunkt gab es viele Schaulustige, und Rasputin fing an, über seine gottgegebenen Kräfte zu schwadronieren und darüber, was er uns antun würde, wenn wir es wagten, Hand an seine heiligen Schultern zu legen. Fuller ist der einzige, der sich mächtig fühlte, diese Behauptungen auf die Probe zu stellen. Er schlenderte zu Rasputin und begann dann, sein eigenes beeindruckendes Repertoire anomaler Fähigkeiten aufzulisten und fügte hinzu, dass Rasputin "sich nicht auf einen Schwanzvergleich einlassen" wolle. Rasputin lachte nur und holte dann seinen Kolben heraus. Er war 30 Zentimeter lang. Mindestens. Schlaff.
Dann fing er an, ihn zu bearbeiten, versuchte, ihn zu erigieren und schrie Fuller die ganze Zeit entmannende Obszönitäten entgegen. Fuller war davon völlig verblüfft und starrte nur mit diesem seltsamen Gesichtsausdruck. Als ob er von all den seltsamen Dingen, die der Mann in seinem Leben gesehen hat, dies nicht fassen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war Peter schon längst weg, und Rasputin rannte ihm nach, stolperte, zog seine Hose wieder hoch und rannte weiter. Wir verbrachten den Großteil der Nacht damit, die Stadt zu durchsuchen, aber wir sahen keinen der beiden wieder. Zumindest nicht in einem Stück. Falls ihr jemals in Sankt Petersburg sein solltet, tut euch selbst einen Gefallen und schaut im Erotikmuseum vorbei. Es wird das Nächstbeste sein, den Schlagstock eines Mitglieds lebendig und zappelnd zu sehen.

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