Sic Transit Gloria Mundi
Bewertung: 0+x

Standort-122 automatisierte, optische Erkennungsaufzeichnung von Beobachtungen von Erscheinungen durch SCP-1322

Zeitstempel: 24.08.2016 05:33.06.00803244Z
Referenz: Vorfall 50738C
Erscheinung: 2300 (± 150) Projektil-förmige, metallische Objekte, typische Masse 575g (± 100g) über einem Zeitraum von 3.6 Sekunden mit Geschwindigkeiten zwischen 80 m/Sek und 110 m/sek.

Zeitstempel: 24.08.2016 05:33.09.20982120Z
Referenz: Vorfall 50738D
Ereignis: Explosion von mindestens 70% der Vorfall 50738C Objekte und Emission einer Gaswolke. Automatische Analyse ergibt, das es sich mit 88,4% Wahrscheinlichkeit um miniaturisierte, komprimierte Gaskanister handelt. Miniaturisierte Drohnen wurden zur Sammlung von Proben und zur Gasanalyse entsandt.

Zeitstempel: 24.08.2016 05:33.10.18232811Z
Referenz: Vorfall 50738F
Erscheinung: 850 (± 70) metallische Objekte von verschiedener Größe mit Geschwindigkeiten zwischen 10 m/Sek bis 18 m/sek.


Vijay Patel starrte aus dem Bullauge von Standort 9 und trommelte mit seinen Fingern lustlos auf die Glasscheibe. Dort war nichts zu sehen. Er nippte an einer Plastikflasche voll Wasser. Es schmeckte leicht nach Urin. Die Filter im Recyclingsystem haben ihr brauchbares Alter wahrscheinlich schon längst überschritten.

"Computer?" , murmelte er.

Nach ein paar Minuten reagierte dieser. "Ja, Dr. Patel?" Der Agent der Systemsoftware wurde gestaltet um Computeraufgaben über ein großes Netzwerk aus miteinander verbundenen Computersystemen auszuführen. Aber nur mit dem lokalen Computernetzwerk von Standort 9, lief das System bei weitem langsamer.

"Gib mir einen Statusbericht von allen lebendigen Foundationsmitarbeitern."

Ein paar Sekunden unangenehmer Stille. "Bit-t-t-t-te Wa-a-a-a-rte-en", zwitscherte der Computer. Patel wartete und nahm noch einen ordentlichen Schluck vom Pisse-Wasser. Er schaute sich um, um zu sehen ob noch eine Flasche Schnaps in der Kabine war. Es gab keine. Er hat wahrscheinlich während seinem letzten Besäufnis die letzte Flasche Whiskey des Universums leergetrunken. Die Stille währte fort. Ab und an gab es Momente subtilen Rauschens, als wenn Lautsprecher mit einem offenen Mikrofon verbunden wären, aber niemand etwas sagte. Schließlich antwortete der Computer.

"Sie sind der ranghöchste Foundationsmitarbeiter auf dieser Station. Sie sind der einzige Foundationsmitarbeiter auf dieser Station. Keine Foundationseinrichtungen reagieren zur Zeit auf Kommunikation."

Es war die gleiche Antwort die er auf diese Frage erhielt, genau wie davor und davor und davor. Es ist mindestens zwei Wochen her seit… seit er das letzte mal mit einer menschlichen Seele gesprochen hat.

"Gib mir… gib mir einen Statusbericht… einen Statusbericht aller lebenden Menschen."

"Bitte-itte-itte-tte wa-a-arten-en.", stotterte es unmenschlich. Patel drückte seine Hände gegen die Wand und driftete müßig zur anderen Seite der Kabine. Bei der geringen, lunaren Schwerkraft viel es ihm leicht in Faulheit zu verfallen und er driftete eher durch den Raum als das er ging. Doch er vergaß den Schwung und verstauchte sich sein Handgelenk als er versuchte anzuhalten. "Scheiße." Er grinste ironisch und fragte sich ob der Computer das als Anweisung interpretieren würde.

"Die menschliche Population beläuft sich auf fünf. Neben Ihnen, Dr. Patel, befinden sich noch vier Crewmitglieder an Bord der internationalen Raumstation."

Wieder keine Änderung. Und es gab keine Möglichkeit die ISS zu kontaktieren, selbst wenn er es wollte. Nach dem Vorfall driftete die Station mehr oder weniger in einer geraden Linie davon und befindet sich jetzt irgendwo im Raum auf der falschen Seite des Mondes.

"Hast du deine Analyse der Daten vom letzten Vorfall in Standort 122 beendet?"

"Ja, Dr. Patel. Wü-ü-ürden Sie gerne meinen Bericht hör-ör-ör-ör-en?"

"Ähm, sicher."

"Die Analyse zeigt eine 72 prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die 50738F Objekte Stimmgabeln waren, welch selbige das SCP-1012 Ereignis in der Eindämmungskammer erzeugten."

Wieder eine lange Stille. Patel atmete aus. Hartle hat einen Weg gefunden den Krieg zu gewinnen, genau wie sie es vorher gesagt haben.

"Computer, schätze die Dauer der, äh, verbleibenden Verfügbarkeit atembaren Gases, ähm, basierend auf den momentanen Vorräten und, äh, die bestmögliche Wartungssituation."

Er ließ ihn für gut eine Stunde warten bevor er antwortete. Zweiundzwanzig Tage, mehr oder weniger. Es wäre nicht einmal mehr die Hälfte, wäre Garcia nicht mittlerweile schon gegangen in dem er sich selbst mit den meisten, im Universum noch vorhandenen Schmerzmitteln eingeschläfert hatte. Vielleicht dachte er daran die Außenluken zu öffnen, die Luft herauszulassen und so mit dem Ganzen schneller fertig zu sein.

Patel schaute wieder durch das Bullauge, auf die leere Stelle wo einst die Erde und alles worüber er sich Sorgen machte eigentlich sein sollte. Die Sonne verschwand hinter dem westlichen Horizont. Es war nicht wie die Sonnenuntergänge zu Hause- kein Spektakel aus Pink, Rot, Orange und Purpur in ihrem Wettstreit mit dem Blau des Himmels, kein Decrescendo des Zwielichts. Hier, als der letzte Rest der solaren Scheibe hinter dem Horizont verschwand, bildete sich ein Zebrastreifen-Muster aus Knochenweißem Mondstaub, kontrastierend mit Schatten und sofort danach war alles tief schwarz.

Die Zeit verging, still.

Sofern nicht anders angegeben, steht der Inhalt dieser Seite unter Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License