SCP-8043

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Objekt-Nr.: SCP-8043

Klassifizierung: Keter

Sicherheitsmaßnahmen: Öffentliche Aufzeichnungen sind auf Hinweise von möglichen Vorkommen von SCP-8043 zu überprüfen. Wird ein Fall bestätigt, ist wie folgt vorzugehen:

  • Wenn die Zeit, in der das Opfer SCP-8043 erlebt, kurz genug ist, dass die Erinnerungen daran zuverlässig gelöscht werden können, sind die erforderlichen Amnestika zu verabreichen.
  • Ansonsten ist ein Deckmantel zu erfinden und das Opfer dauerhaft in eine spezialisierte Pflegeeinrichtung zu verlegen.

Beschreibung: SCP-8043 ist ein Phänomen, bei dem eine kurze, einfache Aufgabe vom Opfer als übermäßig zeitintensiv empfunden wird.

Die Dauer der Zeitwahrnehmung variiert bei den Betroffenen, aber Aufgaben, die normalerweise nur Sekunden dauern würden, werden im Allgemeinen als Monate oder Jahre andauernd wahrgenommen. Zusätzlich empfinden die Opfer die Aufgabe plötzlich als eine, die eine Vielzahl zusätzlicher komplizierter und überflüssiger Schritte erfordert. Sobald sie von SCP-8043 betroffen sind, können die Opfer die Aufgabe nicht mehr unterbrechen, bis sie abgeschlossen ist. Mit dem Abschließen der Aufgabe endet das Phänomen.

Es wurde kein Muster unter den Opfern von SCP-8043 festgestellt, da Fälle in den verschiedensten Bevölkerungsgruppen weltweit registriert wurden. SCP-8043 scheint sich jedoch in Handlungen zu manifestieren, die das Opfer normalerweise reflexartig ausführen könnte. Dazu gehören Aufgaben wie:

  • Türen/Autos aufschließen
  • Türen öffnen
  • Licht einschalten
  • Auf Tastaturen tippen
  • Verschiedene Körpergesten

Zu beachten ist, dass es sich bei SCP-8043 ausschließlich um ein Wahrnehmungsphänomen handelt. Eine tatsächliche Zeitmanipulation findet nicht statt. Für einen Außenstehenden scheint das Opfer von SCP-8043 die Aufgabe ohne Auffälligkeiten zu erledigen, wobei die psychologischen Auswirkungen unmittelbar danach deutlich werden.


Anhang 8043-1 (Interview Protokoll)

Am 07.12.2013 fiel der Foundation-Agent Michael Lear SCP-8043 zum Opfer, während er seine Dienstpistole nachlud. Der Vorgang, der drei Sekunden dauerte, wurde von Agent Lear als mehrere Monate andauernd beschrieben. Danach erlitt Lear einen Zusammenbruch und nahm eine andere Sichtweise auf seine Erfahrung an, als andere Opfer von SCP-8043. Er betrachtete sich selbst als "erleuchtet" unter dem Einfluss von SCP-8043 und lehnte daher eine Behandlung mit Amnesika ab.

Das folgende Interview wurde in der Postdienststelle 92 ("Tower Oaks") geführt, wo Agent Lear nun dauerhaft residiert.

Interviewer: Dr. Julian Lawrence
Interviewter: Michael Lear

<Protokoll Start>

(Das Interview findet in Lears Wohnzimmer statt. Lear sitzt auf dem Sofa, während Lawrence in einem Sessel sitzt. Lawrence beugt sich vor und schaltet das Aufnahmegerät auf dem Couchtisch ein.)

Dr. Lawrence: Es ist schon eine Weile her, seit wir das letzte Mal miteinander geredet haben. Tut mir leid. Sie wissen ja, wie das ist.

Lear: Stimmt wohl.

(Pause.)

Dr. Lawrence: Ist etwas falsch?

Lear: Ich, äh, ich hatte letztens die Möglichkeit, die Akte anzuschauen.

Dr. Lawrence: Die Akte?

Lear: Sie wissen schon, ähm… (lacht) Die 8043-Akte? Anscheinend habe ich das Recht darauf, darauf zuzugreifen. Es ist nur, äh… Ich weiß nicht… Ich weiß nicht, ob mir gefällt, wie Sie es beschreiben. Die Sache, ähm, wie es für mich gelaufen ist. Ich glaube… Nein, ich glaube, mir gefällt das gar nicht.

Dr. Lawrence: Tut mir leid, das zu hören. Womit exakt haben Sie denn ein Problem?

Lear: Es ist die Art und Weise, wie Sie mich anschließend beschreiben, denke ich. Nicht Sie persönlich, sondern der Autor des Textes. Ich meine, wie dort steht "beschreibt sich selbst als erleuchtet”. Dann setzen Sie das Wort "erleuchtet" in Anführungszeichen, als würden Sie es zitieren. Verstehen Sie, was ich meine?

Dr. Lawrence: Das ist doch das, was sie sagten, oder etwa nicht?

Lear: Ja, aber… Es geht mir darum, wie es geschrieben ist. Glaube ich. Sie stellen mich dar, als wäre ich ein Sektenführer oder so etwas.

Dr. Lawrence: Richtig. Ich verstehe, was Sie meinen.

Lear: Es ist so… Ich werde nicht behaupten, dass ich das, was passiert ist, genossen habe oder, dass es angenehm war. Es war ein verdammter Albtraum. Ich habe tagelang an den Reglern gedreht, um den Lauf auszurichten, und dachte noch, das wäre es dann gewesen. Ich dachte, es würde nur ein paar Tage dauern! Aber es ging einfach immer weiter. Es gab immer etwas anderes zu tun… immer weiter und weiter und weiter und weiter und weiter und weiter und weiter und weiter und…

Dr. Lawrence: Michael.

Lear: …bis es nichts mehr zu tun gab. Dann war es vorbei.

(Pause.)

Lear: Aber es war ein Alptraum.

Dr. Lawrence: Okay.

Lear: Gleichzeitig ist es aber auch eine… einzigartige Erfahrung, denke ich. Man nimmt mit, was man kriegen kann, sonst hat es einen besiegt. Man muss es als Hilfe sehen. Ich meine… Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken, während ich meine Pistole nachgeladen habe. Verdammt viel Zeit..

(Pause.)

Lear: Zuerst war es nur Panik. Man fragt sich, wie lange man das noch tun muss. Es ist nicht- Ich möchte klarstellen, dass es nicht nur darum geht, dass man sich nicht dazu bringen kann, damit aufzuhören. Da ist eine Art von Machtlosigkeit dabei. Die Option existiert für einen einfach nicht. Überhaupt nicht. Punkt. Man kann sich nicht einmal vorstellen, aufzuhören.

Dr. Lawrence: Richtig. Das haben Sie schon einmal erwähnt.

Lear: Ich werde es so oft erwähnen, wie ich will.

(Pause.)

Lear: Sorry.

Dr. Lawrence: Schon gut.

Lear: Ich meine nur, dass man nicht ewig Panik haben kann, wissen Sie? Irgendwann brennt sich das von selbst aus. Und dann, irgendwann, bei all dieser Monotonie, fängt man an, in sich selbst zu versinken, in einen einzigen Punkt. Wie ein schwarzes Loch, denke ich. Direkt in den Kern seiner Selbst. Die… die Essenz. Man sieht sich selbst, richtig. Das vielleicht zum ersten Mal. Aber irgendwann kommt man auch damit ans Ende.

Dr. Lawrence: Und dann?

Lear: Und dann breitet man sich wieder nach außen aus und sieht alles andere richtig. Man… man würdigt es. Man versteht es. Es gibt diesen Moment der– Es gibt diesen Moment der, ich weiß nicht, Transzendenz. Ach, was soll's: Ja, Erleuchtung.

(Pause.)

Lear: Und dann wiederholt sich der Kreis. Bis man fertig ist. Aber man trägt es mit sich. Ich habe es mit mir getragen. Das Gefühl, das man hatte. Es ist immer noch ein Schatten davon da. Wie gesagt, man nimmt, was man kriegen kann.

Dr. Lawrence: Und Sie stehen immer noch dazu? Selbst nach all den Jahren?

Lear: Ja, das tue ich. Seitdem ich alt genug bin, um das Konzept wirklich zu verstehen, habe ich Angst vor der Zeit. Vor ihr und davor, dass sie an mir vorbeizieht oder abläuft. Ich bin in einem Augenblick erwachsen geworden. Von den Teenager-Jahren zu den Zwanzigern. Von den Zwanzigern zu den Dreißigern. Als würde ich den Halt auf einem Laufband verlieren. Als würde ich am Ende in etwas hineingezogen werden. In einen Holzhäcksler.

Lear: Aber… da hatte ich das Gefühl, endlich genug Zeit zu haben… als könnte ich innehalten, um Luft zu holen. So viel Luft, wie ich brauchte. Das ist alles. Glaube ich zumindest.

(Pause.)

Lear: Ist das okay?

Dr. Lawrence: Ja, ja, natürlich. Ich habe bloß gerade darüber nachgedacht. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre… nein, tut mir leid, das steht mir nicht zu.

Lear: Nein, nein, es ist in Ordnung. Reden Sie weiter..

Dr. Lawrence: Ich glaube, ich hätte es einfach vergessen wollen, wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte.

Lear: (lacht) Ich kann das immer wieder erklären, auf jede Art, die Sie wollen, aber – aber Sie können es nicht verstehen, wenn Sie es nicht selbst erlebt haben. Es ist so, als wären das die wichtigsten drei Sekunden meines Lebens gewesen, aber wenn Sie dabei gewesen wären, wäre es so vorbei gewesen–

(Lear schnippt mit den Fingern, hört dann aber plötzlich auf. Er schaut an Dr. Lawrence vorbei und starrt auf die Wand hinter Dr. Lawrence. Er klopft noch einige Sekunden lang mit den Fingern gegeneinander.)

Dr. Lawrence: Michael?

(Pause.)

Lear: (undeutlich) W-Wer?

(Lear fällt auf die Couch und rollt sich in der Fötusstellung zusammen. Er wimmert. Er klopft weiterhin mit den Fingern gegeneinander.)

(Dr. Lawrence rennt zu ihm hinüber.)

Dr. Lawrence: Michael?!

Lear: Es tut mir leid… I-Ich weiß nicht…

(Pause.)

Lear: Ich erinnere mich nicht daran, worüber wir geredet haben.

<Protokoll Ende>

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