SCP-363-DE

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Bewertung: +4+x
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Objekt-Nr.: SCP-363-DE

Klassifizierung: Euclid

Sicherheitsmaßnahmen: SCP-363-DE ist in einer Standard-Isolierzelle für humanoide Entitäten in Standort-DE17 zu halten. Die Isolierzelle hat 5 m x 4 m x 4 m groß zu sein und hat alle Einrichtungsobjekte gemäß Protokoll zu enthalten. Anfragen von SCP-363-DE auf weitere Objekte sind von der Standortleitung zu prüfen. Unter keinen Umständen darf SCP-363-DE Papier oder Schreibzeug jeglicher Art zur Verfügung gestellt bekommen.

Die Isolierzelle ist zu jeder Zeit von mindestens zwei Wärtern zu bewachen, welche alle auf der Foundation-Loyalitätsskala mehr als 95 Prozent erreichen müssen. Der Loyalitätstest ist jedes Jahr am 23.12. zu wiederholen. Sollten nicht ausreichend Wärter verfügbar sein, die diesem Kriterium entsprechen, sind auch Wärter mit niedrigeren Werten erlaubt, welche allerdings mindestens dreimal im Jahr zu testen sind. Der niedrigste akzeptable Wert ist 80 %.

Am 23. Dezember um 22:00 Uhr bis zum 25. Dezember um 00:00 Uhr ist SCP-363-DE mit Handschellen hinter dem Rücken und mit Fußfesseln weitgehend bewegungsunfähig zu machen.

SCP-363-DE ist an jedem Tag (außer am 24.12.) unter Begleitung eines Wärters der Aufenthalt im Innenhof des Standorts erlaubt. Dort darf es sich mit anderen humanoiden Anomalien, die harmlos sind, und mit dem Personal der Foundation austauschen. Bei mangelnder Kooperation oder nach einem Ausbruchsversuch ist dem Subjekt diese Freiheit für ein Jahr zu verbieten.

Beschreibung: SCP-363-DE, ehemals Alexandra Mehning, ist eine derzeit 21-jährige humanoide Frau. Wenn das Subjekt am 24.12. ein Gedicht schreibt, wird die Realität einmalig so verändert, dass sie dessen Inhalt entspricht, allerdings nur an diesem Tag (wobei jegliche Veränderungen nicht rückgängig gemacht werden können, auch nicht von SCP-363-DE), außer das Subjekt definiert den Zeitraum oder Zeitpunkt. Es gibt mehrere Bedingungen, die dafür erfüllt sein müssen:

  • Das Gedicht muss auf einem DIN-A4 Blatt geschrieben werden.
  • Das Gedicht muss in mindestens zwei Strophen mit jeweils mindestens vier Versen gegliedert sein.
  • Es muss sich um Endreime handeln.
  • Folgende Reimschemas führen zu einem Effekt: Paarreim, Kreuzreim, Umarmender Reim, Haufenreim und Schweifreim1.
  • Das gesamte Gedicht muss auf eine Seite und ohne Korrekturen mit einem dokumentenechten Stift geschrieben werden.

Sollte eine der Bedingungen nicht erfüllt sein, tritt der Effekt nicht in Kraft. Die Art und Weise, wie die Realität verändert wird, hängt von der Intention von SCP-363-DE beim Reim ab, d.h. das Geschriebene wird nicht immer wortwörtlich umgesetzt.

Tests zur genaueren Untersuchung von SCP-363-DEs Fähigkeiten sind bisher aufgrund mangelnder Kooperation gescheitert. Deswegen ist unter anderem unklar, ob und inwiefern Paradoxe umgesetzt werden könnten.

Entdeckung: SCP-363-DE wurde entdeckt, nachdem am 24.12.2015 eine SCP-112-DE-Instanz bei dessen Haus gesichtet worden und eine MTF entsendet wurde, welche die SCP-112-DE-Instanz tot vorfand. Da keine offensichtliche Ursache für den Tod zu erkennen war, fand eine Befragung von SCP-363-DE und seiner Familie statt. SCP-363-DE gab an, dass die Entität in ihr Haus gekommen und tot umgefallen sei, ein paar Stunden nachdem das Subjekt ein Gedicht geschrieben hätte, das dessen Tod beschrieb. Das Gedicht wurde konfisziert und aufgrund der Ähnlichkeiten zu den realen Ereignissen wurde eine Anomalie in Zusammenhang mit SCP-363-DE vermutet. Daraufhin wurde das Subjekt in Gewahrsam genommen und den Eltern Amnesika der Klasse F verabreicht. Nachfolgend ist das von SCP-363-DE geschriebene Gedicht zu finden.

Heute ist endlich Weihnachten,
die Zeit, wo alle Geschenke aufmachen.
Die Geschenke kommen vom Weihnachtsmann,
der Geschenke machen kann.

Alle braven Kinder auf der Welt
Bekamen Spielzeug, Süßigkeiten oder Geld.
Doch die bösen Kinder, oh nein.
In deren Haus kam der Krampus hinein.

Auch heute machte er seine Runden.
Aber er fand kein böses Kind, nicht für viele Stunden.
Doch dann sah er, wie ein Junge von zu Hause weglief
Und seinen Eltern schlimme Beleidigungen zurief.

Sofort rannte er dem Jungen nach.
Mit seinen Krallen er ihm in die Beine stach.
Der Junge fiel schreiend zu Boden,
Sein rechtes Bein ragte verkrümmt nach oben.

Der Krampus schleifte ihn zu sich nach Haus,
er freute sich schon so auf den Schmaus.
Schnell entzündete er das Feuerholz,
Und nahm die Säge voller Stolz.

Nach kurzer Zeit waren die Schreie des Jungen verstummt,
denn er war tot, mit weit geöffnetem Mund.
Nur seinen Kopf hat der Krampus verschont,
Den Rest des Körpers erreicht nicht mal mehr das Licht vom Mond.

Der Geruch eines Mädchens jedoch
Lockte den Krampus aus seinem Höhlenloch.
Er folgte dem Geruch bis zu einem kleinen Häuschen,
Nur eine Tür und keine Fenster, die Bewohner waren gefangen wie Mäuschen.

Aber als der Krampus Alexandra sah,
fiel er tot um, oh ja.
Und so rettete Alexandra Weihnachten dieses Jahr.
Wow, das ist ja unfassbar!

Vorfall 363-DE-1: Am 24.12.2023 meldete KIRA, dass die Tür zu SCP-363-DE geöffnet wurde, woraufhin sie sofort einen automatischen Alarm auslöste. Im Normalfall hätten sich in dieser Situation alle Türen im Standort geschlossen, was jedoch nicht geschah, und auch die Kameras hatten eine Fehlfunktion. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich alle Sicherheitswärter und MTFs auf einer Mission, weshalb nur die RTF auf den Alarm reagieren konnte. Sie durchsuchten den Standort und fanden SCP-363-DE im Flur von Eindämmungsflügel A, während es auf ein Blatt Papier schrieb. Die RTF setzte das Subjekt umgehend außer Gefecht und sperrte es wieder in seine Isolierzelle, nachdem sie diese überprüft hatten. Dabei wurden drei Gedichte gefunden, welche Rückschlüsse auf den Vorfall geben.

Diese Zeilen schreibe ich nun.
Um auszubrechen, das muss ich tun.
Mit der mir verliehenen Macht der Poesie
Werd' ich ein Ausbruchgenie.

Zuerst, und das ist sehr wichtig,
Werde ich jedes Jahr an Heiligabend für die Wachen durchsichtig.
Am 24. Dezember punktgenau
Können sie mich nicht mehr sehen, oh wow!

Doch das Folgende ist auch unerlässlich.
Die Kameras am zuvor geschriebenen Tag sind nicht mehr zuverlässig.
Ein Fehler hier, ein Fehler da,
Oh weh, was für ein Dilemma.

Aber das ist für niemanden ein Problem,
es wird dann sowieso niemand drauf sehn.
Nein, weder Mensch noch künstliche Intelligenz
Schaut auf die Kameras wegen völliger Inkompetenz.

Schließlich muss ich noch darauf bestehen,
dass die Türen zu meiner Freiheit aufgehen.
Dies darf jedoch erst geschehen,
wenn ich sage: „Auf Nimmerwiedersehen!“

Ach, und bevor ich es vergesse:
Folgendes liegt sehr in meinem Interesse.
Niemand hat die Geschehnisse von heute in meiner Zelle im Kopf.
Sobald ich gegen eine Wand klopf.

Das Papier und der Stift, welches mir so gnädig geliehen,
Wird sich den Augen von allen außer mir entziehen.
Dies soll so lange bestehen,
Bis mein Plan ist geschehen.

Letztes Jahr schrieb ich meinen Ausbruchsplan.
Dieses Mal mache ich mich wieder ran an den Schmarrn.
Was ich bei meinem Ausbruch brauche, ist eine Ablenkung.
Um zu entkommen meiner Eindämmung.

Zwar können die Wärter mich nicht erkennen,
doch hören sie mich rennen.
Und wenn ich gegen jemanden stoße,
geht mein ganzer Plan in die Hose.

Deshalb schreibe ich nun eine Geschichte,
in der gibt es einen Helden, aber auch Bösewichte.
Und wie es bei all meinen Gedichten an Heiligabend war,
so wird auch diese Geschichte in Reimform bei meinem Wunsch wahr.

Es war einmal ein kleiner Junge,
mit blondem Haar, grünen Augen und natürlich auch einer Zunge.
Es näherte sich nun die Weihnachtszeit.
Die Bäume waren kahl und seht nur, es schneit!

Nachdem er mit seinem Schlitten fuhr auf einer Piste,
verfasste er wie jedes Jahr seine Wunschliste.
Allerdings, und das werdet ihr gleich sehen,
schaffte der Junge es immer, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen.

Das war ganz und gar seltsam, das könnt ihr mir glauben,
denn die Eltern waren arm, sie konnten kaum etwas schmausen.
Es war so ungewöhnlich, ja, sogar anomal,
es wurde die Aufmerksamkeit erregt vom gesamten Foundation-Personal.

Sie schickten alle Mitarbeiter von Standort-17DE,
Niemand war mehr da für die Anomalien, oh weh.
Und der Junge schaffte es sogar, zu schreiben einen Wunsch,
dass alle Mitarbeiter feststecken in einem Sumpf.

Während sie nun langsam im Sumpf versanken,
Rief einer zum Vater des Jungen: „Helfen Sie doch, Herr Wanken!
Wo Sie uns schon gerufen haben,
können Sie uns auch hier rausgraben.“

Das verstörte den Jungen sehr,
sein eigener Vater ein Verräter.
Da schrieb er auf die Wunschliste geschwind,
dass sein Vater kein Glück mehr im Leben find'.

Dies ist das Ende der kleinen Geschicht‘.
Sie niederzuschreiben war meine Pflicht.
Sobald ich sage: „Jetzt kommt euer Verderben!“
Soll sie unverzüglich wahr werden.

Heute endlich ist es so weit,
Ich finde einen Ausweg aus meiner Einsamkeit.
Mit erhobenem Haupt schreite ich in die Freiheit.
Das wird meines Lebens Highlight.

Meine Retter sollen meine Dankbarkeit spüren.
Kein Leid soll sie mehr berühren.
Ich habe keine Eile,
denn dies ist meine letzte

Befragung 363-DE-1: Einen Tag nach den Ereignissen von Vorfall 363-DE-1 wurde SCP-363-DE befragt.

Interviewter: SCP-363-DE

Interviewer: Dr. Allan


<Beginn des Protokolls>

Dr. Allan: Guten Morgen, Alexandra.

SCP-363-DE: mürrisch Hi.

Dr. Allan: Wie geht's dir?

SCP-363-DE: Wie soll es mir gehen? Ich bin immer noch in dieser Dreckszelle eingesperrt.

Dr. Allan: Gefällt sie dir nicht? War das der Grund, warum du ausbrechen wolltest? Wir können dir eine andere Zelle –

SCP-363-DE: Ich möchte einfach wieder nach Hause. Ich verstehe nicht, warum ich hier eingesperrt sein muss. Ich habe nichts getan.

Dr. Allan: Das haben wir doch schon besprochen. Deine Fähigkeiten könnten riesige Auswirkungen haben.

SCP-363-DE: Aber doch nur an einem Tag. Was soll ich an den Tagen, wo ich nichts tun kann, hier vergammeln?

Dr. Allan: Nun, das können wir ja nochmal später ansprechen. Was mich interessiert, ist, wie du an das Papier und den Stift gekommen bist.

SCP-363-DE: Findet es doch selbst heraus.

Dr. Allan: Du würdest uns eine Menge Arbeit erleichtern. Wenn du kooperierst, könnten wir dich deine Familie sehen lassen.

[Stille für mehrere Sekunden.]

SCP-363-DE: Ist wahrscheinlich eine Lüge, aber na gut. Ein Typ in weißem Kittel, so wie ihr immer rumlauft. Hat mir Papier und Stift gegeben und mich gebeten, dass niemand sich daran erinnert, dass und wie er in meine Zelle gekommen ist.

Dr. Allan: Wann war das?

SCP-363-DE: An Heiligabend vor zwei Jahren. Habe direkt das erste Gedicht geschrieben, nachdem ich mir einen Ausbruchsplan ausgeklügelt habe.

Dr. Allan: Was hat die Person noch gesagt?

SCP-363-DE: Dass sie zu irgendeinem Kackus Kanalia-Kollektiv oder so gehört und mir beim Ausbrechen helfen möchte. Hat nichts im Gegenzug verlangt, was ich ganz nett finde.

Dr. Allan: Meinst du das Caecus Carneliana-Kollektiv?

SCP-363-DE: Habe ich doch gesagt.

Dr. Allan: Zum Ausbruchsplan: Er war ja sehr kompliziert –

SCP-363-DE: lächelnd Ich bin sehr stolz drauf.

Dr. Allan: Aber warum? Hättest du nicht einfach ein Gedicht darüber schreiben können, wie du plötzlich zu Hause bei deiner Familie bist und nie wieder von der Foundation gefunden wirst?

[Eine Minute Stille.]

SCP-363-DE: Mir sind …ähm… keine Reime eingefallen.

Dr. Allan: Du bist einfach nicht auf die Idee gekommen, oder?

[Keine Reaktion.]

Dr. Allan: Und warum sind es nur Paarreime? Hast du keine anderen Reimschemata gelernt?

SCP-363-DE: Na- Natürlich beherrsche ich noch andere Reimschemata. Ich … Ich finde den Paarreim einfach am schönsten.

Dr. Allan: Aha. Um ehrlich zu sein, die Gedichte wirken, als wären sie von einem Kind in der sechsten Klasse geschrieben worden. Hast du im Deutschunterricht nicht aufgepasst?

SCP-363-DE: Kein Grund, mich so zu beleidigen.

Dr. Allan: Entschuldigung, das war unprofessionell. Machen wir weiter. Was sollte eigentlich die Geschichte im zweiten Gedicht? Jetzt haben wir eine Anomalie mehr, die wir einsperren müssen.

SCP-363-DE: Ich brauchte halt etwas als Ablenkung.

Dr. Allan: Du hast im Grunde einen Jungen in die Existenz gerufen und ihm dann gleichzeitig die Chance auf ein normales Leben genommen –

SCP-363-DE: Die Chance nehmt ihr ihm, wenn ihr ihn einsperrt. Die nehmt ihr uns allen.

Dr. Allan: Weißt du, dieser Vorfall hat starke Ähnlichkeiten zu deinem ersten Gedicht mit dem Krampus. Damals wusstest du wenigstens noch nicht, dass durch dein Gedicht ein Junge gestorben ist, aber jetzt war dir völlig bewusst, dass du mit dem Leben anderer herumspielst.

SCP-363-DE: Ich war zwölf. Der Tod dieses Jungen verfolgt mich bis heute und diesmal habe ich sichergestellt, dass niemand stirbt. Er könnte ohne euch ein normales Leben führen.

Dr. Allan: Ohne uns könnten anomale Kreaturen wie zum Beispiel der Krampus frei herumlaufen.

[Schweigen.]

Dr. Allan: seufzt Okay, letzte Frage: Kannst du im Detail beschreiben, was gestern passiert ist? Die Kameras sind ja wegen deinem Gedicht ausgefallen.

SCP-363-DE: Ich habe zuerst „Jetzt kommt euer Verderben!“ und, sobald ich glaubte, alle wären weg, „Auf Nimmerwiedersehen!“ gesagt. Die Türen sind aufgegangen und ich schrieb voller Euphorie das dritte Gedicht, einen Vers vor jeder Tür. Bevor ich das letzte Wort schreiben konnte, sind welche von euch gekommen, keine Ahnung, wie.

Dr. Allan: Vielleicht hast du nicht an alle gedacht, die sich hier am Standort so rumtreiben. Dein Wissen beeinflusst ja die Wirkung.

SCP-363-DE: Kann sein.

Dr. Allan: Okay, das reicht erstmal. Ich werde sehen, was ich tun kann, damit du deine Familie kurz siehst, wie abgesprochen. Wir sind keine Monster. Der Ausbruchsversuch wird übrigens keine negativen Konsequenzen haben, allerdings darfst du für ein Jahr nicht in den Innenhof. Danach kannst du eventuell deine "Kreation" sehen und hoffentlich wird dir dann klar, dass das, was du getan hast, falsch war.

<Ende des Protokolls>


Nachwort: Das Subjekt scheint (noch) keine Reue für seine Taten zu verspüren. Wenigstens hat es uns verraten, wer den Vorfall möglich gemacht hat. Dadurch konnten wir den Verräter viel früher ausfindig machen. Abschließend möchte ich noch sagen, dass wir Glück haben, dass das Subjekt nicht intelligenter ist. Hätte es nicht so einen komplizierten und vollkommen unnötigen Plan entworfen, würde vielleicht sogar die Foundation nicht mehr existieren. Oder das Subjekt wollte nicht noch mehr Blut an seinen Händen haben. Aber selbst wenn dies der Fall ist, muss ich betonen, dass mit realitätsverändernden Anomalien nicht zu spaßen ist.

~ Dr. Allan

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