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Artikel: SCP-338-DE - Für die Vereinsamten …
Autor: DrAichmann;
Dr Nordsee
Dateiname: File:Keum-boo_ring_blackened.jpg
Quelle: Wikimedia
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Urheber: AnnikaHendriksen
Danke an: Dr Himy und
Robini für die Freigaben und alle anderen die uns beim Feedback für den Artikel geholfen haben.
SCP-338-DE-B
Objekt-Nr.: SCP-338-DE
Klassifizierung: Sicher
Sicherheitsmaßnahmen: SCP-338–DE-A wird an Standort-DE19 in Eindämmungsschließfach-96 und SCP-338-DE-B in Eindämmungsschließfach-133 verwahrt. SCP-338-DE-A muss jedes Jahr am 14.02 überprüft werden und die darauf vorzufindenden Namen beider Personen zu identifizieren. Bei Bedarf sind beide Personen unter Beobachtung zu stellen und drittparteische Personen beziehungsweise die Betroffenen selbst zu amnesizieren. Letztere Maßnahme hat sich im Zuge vergangener Ereignisse als obsolet erwiesen, da die Betroffenen SCP-338-DE scheinbar als nicht erwähnenswert einstufen und nichts Ungewöhnliches daran sehen, was dazu führt, dass keine Desinformationskampagnen nötig sind. Die Maßnahme wird nur noch für eventuelle Ausnahmefälle hier aufgeführt.
Beschreibung: Bei SCP-338-DE handelt es sich um ein anomales Phänomen, welches ausschließlich im deutschsprachigen Raum auftritt. Bei einem SCP-338-DE-Ereignis werden zwei durch Zufall ausgewählte Personen, die beide gut zueinanderpassen, ausgewählt und beeinflusst. Dabei müssen sich beide Betroffenen in einem Umkreis von circa 20 Kilometern voneinander entfernt befinden. SCP-338-DE ähnelt einem inneren Monolog innerhalb der Gedanken beider Betroffenen von SCP-338-DE. SCP-338-DE wird daraufhin beide Betroffene durch indirekte Beeinflussung zueinander führen und diese miteinander interagieren lassen. Solche Ereignisse enden dabei oft im Anfang einer langfristigen Beziehung, welche nach variierenden Zeitabständen nach dem SCP-338-DE—Ereignis entsteht.
Eine Identifizierung von SCP-338-DE ist nach momentanem Wissensstand der Foundation nur über SCP-338-DE-A möglich, welches ein 30 cm2 Stück Haut darstellt, auf dem die vollen Namen beider betroffenen Personen mit einer goldenen Beschriftung eingetragen sind. Optisch ähnelt SCP-338-DE-A menschlicher Haut. Die exakte Herkunft konnte aber dennoch nicht nachgewiesen werden. SCP–338-DE-A fühlt sich warm an und ist trotz fehlender Blutgefäße rosig. Auch unterliegt es nicht der Entropie und verwest nicht. Die goldene Beschriftung befindet sich direkt auf der Haut und der Ursprung der Färbung konnte nicht festgestellt werden. Über die Art und Beschaffung von Haut und Beschriftung finden weiterhin Forschungen statt.
Die Namen auf SCP-338-DE-A verschwinden erst dann, wenn zwei neue Betroffene ausgewählt wurden.
SCP-338-DE sucht seine Betroffenen nur anhand eines Kriteriums aus, welches lautet, dass sich beide Betroffene momentan nicht in einer Beziehung befinden.
Der Ursprung von SCP-338-DE bezieht sich auf ein anomales Objekt, welches von der GoI-012 ("Marshall, Carter und Dark Ltd.") zum Verkauf angeboten wurde (siehe Anhang 338-DE-1). Besagtes Objekt ähnelt einem Ring aus Gold, der nach der koreanischen Keum-Boo-Technik gefertigt wurde. Die Ränder des Ringes sind geschwärzt. Das Objekt wird im folgenden Verlauf des Artikels als SCP-338-DE-B bezeichnet.
SCP-338-DE-C ist die Bezeichnung für den ursprünglichen Auslöser von SCP-338-DE (Siehe Anhang 338-DE-2-C). Auch wenn eine Imitation von Anomalie Auslösenden Handlungen nach Foundation-Regelung 257.A-c, Paragraph 7 nicht erwünschtt wäre, so stellen sich auch Forschungen daran als schwierig dar, weil die genaue Anleitung dafür von GoI-102 nicht zur Verfügung gestellt wurde.
Am 13.03.24 erhielt das Büro der Standortsicherheit von Standort-DE19 einen Anruf von Michael May, einer Person, welche in Verbindung mit der GoI-012 steht. Es konnten keine weiteren Informationne über diese Person ermittel werden, was über dieses hier aufgeführte Telefonat und den Brief in Anhang 338-DE-2-a geschrieben ist hinausgeht.
Kontaktaufnahme 0009/24/012
Transkription des Telefonates mit May, einem Vertreter von GoI-112 am 13.03.24; 10:44 Uhr.
Quandt: Hier spricht Heidi Quandt, Sekretariat Standortsicherheit, DE19. Wie kann ich Ihnen helfen?
May: Guten Tag Frau Quandt, ich freue mich, mit Ihnen sprechen zu dürfen. Hier spricht Michael May von Marshall, Carter and Dark, London.
(Frau Quandt signalisiert mit einem Knopfdruck Kontakt zu einer GoI. Versuche der Ortung des Anrufes werden eingeleitet.)
Quandt: Wie kann ich Ihnen helfen, Mister May?
May: Zuallererst möchte ich mich bei Ihnen für die Freundlichkeit bedanken, mit der man bei Ihnen empfangen wird. Hervorragend!
Quandt: Das freut mich zu hören. Ich freue mich ebenfalls über Ihre Höflichkeit.
May: Ach, Frau Quandt, Sie beschämen mich. Zu viel des Guten. Aber wollen wir zum Thema kommen: Einem unserer Mitglieder, das heißt bei MC&D, ist ein Unglück mit einer unserer Waren passiert. Dadurch steht zu befürchten, dass es zu einem anomalen Phänomen kommen wird. Oder schon ist.
Quandt: Können Sie das bitte ausführen?
May: Verzeihen Sie vielmals, wenn ich so direkt bin, aber nein. Ich möchte nicht zu viel ihrer Zeit in Anspruch nehmen. Es geht nur darum, dass wir eine Garantie brauchen, dass Sie sich um die Neutralisation des Problems kümmern.
Quandt: Dazu kann ich leider nichts …
(Frau Quandt bekommt die Anweisung, den Anruf an Sicherheitsleiter Leine weiterzuleiten.)
Quandt: Ah, Sie haben Glück. Herr Leine hat gerade Zeit. Ich leite Sie weiter.
(Weiterleitung findet statt.)
Leine: Mister May? Wie kann ich helfen?
May: Es freut mich, Sie persönlich sprechen zu können. Es ist mir eine Ehre, jemanden eines solch hohen Ranges Ihrer Organisation persönlich sprechen zu dürfen.
Leine: Alles klar. Gleichfalls.
May: Ich möchte auch nicht zu lange mit Höflichkeitsfloskeln hantieren. Eines unserer Mitglieder hat ein Phänomen ausgelöst. Und ihre Expertise eignet sich hervorragend, um dasselbe zu neutralisieren.
Leine: Wenn Sie wirklich von Marshall, Carter und Dark sind: Können Sie das nicht selbst bewerkstelligen?
May: Theoretisch schon. Aber bei einem Unglück wendet man sich lieber an externe Experten. Leider ist jeder von uns ein wenig das Opfer der eigenen Berufsblindheiten, nicht wahr?
Leine: (unterbricht May) Ich hoffe es nicht. Berufsblindheit bei mir kann schlimme Folgen haben.
May: Deshalb wenden wir uns an Sie. Schließlich sind Sie ja wegen Ihrer Kompetenz allgemein berühmt.
Leine: Sie und ihre “Mitglieder” sind auch berühmt, Probleme lösen zu können. Wenn auch auf andere Art als wir.
May: Sehen Sie! Und genau darum geht es! Um das Image! Und wir möchten mit der Zuwendung an Sie nicht nur unsere Bänder enger knüpfen, sondern auch weitere Ausbreitung von Unfällen vermeiden. Und wenn wir uns an Sie wenden, setzen wir ein deutliches Zeichen. Ein Zeichen der Gemeinschaft und des brüderlichen Bündnisses. Stellen Sie sich einmal vor, welches Signal das geben würde …
Leine: Sie wollen Ihren Kunden damit also nur zeigen, dass Sie sich um Unfälle kümmern. Aber auch, dass man sich an Ihre Regeln halten soll. Und Ihren reichen Kunden kann man diese Anweisungen ja nicht direkt geben, oder?
May: Seien Sie versichert, wir kümmern uns zuverlässig um unsere Geschäfte. Ebenso wie Sie. Und Sie können mir glauben, dass wir Projekte, die uns zugeneigt sind, finanziell stark unterstützen.
Leine: Darum geht es nicht. Wir werden bestimmt nicht mal einen Cent von Ihnen nehmen. Ich bin eher darüber verwirrt, dass Sie mich deshalb anrufen? Bei der Übergabe von 2501 zum Beispiel haben Sie ja auch nur einfach an die amerikanischen Kollegen einem Brief geschickt. Ist da ein Telefonat nicht riskanter? Ein Umweg?
May: Es erschien uns nur essentiell persönlich Kontext zu geben. Außerdem bräuchten wir von Ihnen eine zumindest verbale Garantie dafür, dass Sie nicht nur das Phänomen untersuchen, sondern auch neutralisieren werden.
Leine: Das hängt von der Anomalie ab, denke ich. Bin ja selbst nicht in der Forschung. Aber wieso müssen Sie so ausdrücklich wissen? Schicken Sie uns einen Bericht oder so, wo wir das unterschreiben können und …
May: Der Bettler hält das Geld verborgen, bis er weiß, dass er etwas dafür bekommt. Aber ein wenig kann ich erläutern. Es geht um ein Phänomen, das als Fähigkeit für eine Person gedacht war, sich aber durch die Umstände vermutlich auf alle ausgebreitet hat. Dabei fehlte uns leider die Möglichkeit, entsprechend zu intervenieren. Die Anomalie wird dafür sorgen, dass zwei Opfer ausgewählt und dabei Stimmen im Kopf hören werden. Und das dürfte ja ihrem Konzept von Normalität so sehr widersprechen und bedürfen, dass es entfernt wird?
Leine: Und was machen diese Stimmen?
May: Sie führen Leute zueinander, um es kurz zu fassen. Aber leider bin ich nicht dazu autorisiert zu viele Details telefonisch weiterzugeben. Das müssten Sie doch gerade als Sicherheitsmann …
Leine: (unterbricht May) Ich müsste mich selbst mit meinen Kollegen von der Eindämmung absprechen. Dass wir jede Anomalie einfach zerstören wollen … so etwas machen wir schon seit Jahren nicht mehr. Nur eben, dass keiner etwas von der Anomalie mitbekommt.
May: Nun, das genügt vielleicht schon. Ich habe schon viel zu viel von Ihrer Zeit in Anspruch genommen. Ich freue mich darüber mit Ihnen gesprochen zu haben.
Leine: Mister May, haben Sie …
May: (unterbricht Leine) Ich kann gar nicht ausdrücken, wie dankbar wir Ihnen dafür sind. Wir werden Ihnen bald die Elemente der Quelle des Phänomens zukommen lassen.
Leine: Mister May …
May: Es war mir eine Freude mit Ihnen geplaudert zu haben. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.
(May legt auf.)
Die versuchte Ortung des Anrufes führte zu keinem Ergebnis.
Am 18.03.24 wurde in einem ankommenden Lieferwagen eine Holzkassette mit den Initialen MC&D gefunden. Wie sie in den Lieferwagen kam ist unklar.
Der Inhalt der Kassette war wie folgt:
- SCP-338–DE-A (siehe Beschreibung)
- SCP-338-DE-B (siehe Beschreibung)
- Ein versiegelter Brief von GoI-012 (siehe Anhang 338-DE-2-a)
- Ein goldener USB-Stick mit MC&D-Logo mit folgenden Inhalten:
- HFicht140224t.opus: Die Aufnahme einer Sprachnachricht (siehe Anhang 338-DE–2-b)
- HFichtRitus.mpeg: Eine Aufnahme von SCP-338-DE-C (siehe Anhang 338-DE-2-c)
Die in Anhang 338-DE-2 erwähnte Anleitung und andere Elemente, die in Anhang-338-DE-2-c beobachten waren, wurden nicht darin vorgefunden. Anfragen bei GoI-012 diesbezüglich waren nicht erfolgreich.
Sehr geehrter Herr Leine,
Wir hoffen, dass diese Nachricht Sie gut erreicht. Ich bedanke mich noch einmal für das erquickliche Telefonat vom 13. des letzten Monats.
Mit dem Inhalt dieser Truhe reichen wir Ihnen dankbar eine helfende Hand gegen das sich ausbreitende Chaos. Deshalb finden sie im beiliegenden Behältnis alle Elemente, die wir Ihnen zur Hilfe überreichen können. Es ist absehbar, dass weitere Kommunikation nicht mehr vonnöten sein wird, weshalb wir darum bitten diesbezüglich davon abzusehen.
Gezeichnet
M. May
Michael May esq.
Neo-Patrician
Marshall, Carter and Dark, Ltd
Diese Sprachnachricht mit dem Dateinamen “HFicht140224t.opus” wurde von Heinrich Ficht an seine ehemalige Ehefrau Tamara Ficht gesandt. Vermutlich wurde Sie von GoI-102 abgefangen. Untersuchungen haben ergeben, dass diese Nachricht Frau Ficht nie erreicht hat.
Transkription der Sprachnachricht; gesendet von Heinrich Ficht, an 14.02.24, 14:14 Uhr.
Tam, ich weiß nicht, was ich tun soll. Deshalb will ich es dir erzählen. Dir erzählen, weil ich weiß, dass du die Einzige bist, von der ich sicher sein kann, dass du mich geliebt hast. Trotz dessen, was mir Papa vererbt hat. Die ganzen Verlage, das Vermögen, das Haus … Du hättest mich ohne diesen ganzen Scheiß geliebt. Hast es getan. Und ich … ich habe … dir nur immer wieder präsentiert, was ich tun kann. Als ob du mich dadurch mehr geliebt hättest. Hast du auch so das getan. Mehr als jede Frau nach dir. Und mit der vorletzten dieser Frauen hat die ganze Sache angefangen. Diese ganze Geschichte …
Der Anfang. Ja, der Anfang war, als sich Nadia von mir … ich mich von ihr geschieden habe. Und danach hat es noch ein paar Monate gedauert, bis ich mal Zeit hatte. Habe mich wie immer abgelenkt. Kennst das alles ja noch vermutlich von mir. Für die Verlage kann ich nichts tun. Also eine Menge kreativer Projekte, die zu nichts führen. Und immer diese Lebenshilfebücher angehört.
Und dann bin ich eines Tages aufgewacht. Und ich habe mich einsam gefühlt. Mehr als sonst. Irgendwie tiefer. Keine Ablenkung an dem Tag hat geholfen. Und die nächsten Wochen auch nicht. Das Anwesen war so viel leerer als sonst. Die Räume größer und die Bediensteten kleiner. Habe mehr als einmal darüber nachgedacht, mit ihnen zu sprechen. Also mehr als sonst. Auch um sie kennenzulernen, aber die sind hier, weil sie bezahlt werden. Nicht um ihrem alten Mann von einem Chef Seelsorge zu leisten. Habe weitere Projekte versucht. Zum Beispiel versucht zum hundertsten Mal einen Roman zu beginnen. Oder eines dieser Dankbarkeits-Tagebücher zu führen, wie es immer empfohlen wird. Habe mit all dem noch schneller aufgehört als früher.
Denn die Gesichter aller meiner dreizehn Ehefrauen waren immerzu in meinem Schädel. Und die Erinnerungen an sie. An sie alle. An den blühenden Anfang, die gewaltigen Hochzeiten … Aber dann sah ich nur noch mich selbst, wie ich Dinge für sie kaufe. Und sie nahmen es mit leuchtenden Augen an. Aber ich glaube, die Augen sind dabei selten auf mich gerichtet gewesen. Außer bei dir. Du warst die Ausnahme unter den Dreizehn. Dir habe ich nie etwas gekauft. Gut, ich habe es getan, aber mir war bei dir klar, dass ich es nicht hätte tun müssen. Ich habe mich vor dir nicht darstellen müssen. Oder irren sich da meine Erinnerungen? Ist schon so lange her … So viele Jahre … Gut, aber wenn ich es getan habe, dann erinnere ich mich zumindest daran, dass du immer wieder und wieder gesagt hast: “Heini, du musst nicht so viel tun. Ich liebe dich auch so.” Mit diesem Lächeln, das du hattest. Bei dem sich die Falten auf deinem Nasenrücken so süß gezeigt haben. Aber alle anderen nach dir … Ich glaube sie waren nur wegen des Geldes hier. Liebten mich nur, weil ich ihnen Luxus verschaffen konnte. Hätten Sie mich auch geliebt, wenn ich nicht das ganze Geld gehabt hätte? Ich meine halt, Papa hat das Vermögen aufgebaut, ihn hat man für seine Arbeit respektiert. Auch Mama vermutlich. Aber ich? Ich bin dankbar für das Geld. Die Sicherheit, aber ich weiß nie, wie man dann wirklich zu mir steht. Es ist ein Fluch, was er mit hinterlassen hat.
Und, das was er da hinterlassen hat, hat bei der Entwicklung der letzten paar Monate auch eine wichtige Rolle gespielt. Denn ich muss mich noch immer mit Pressefuzzis treffen. Und dann letzten Februar kamen welche vorbei. Weiß nicht mehr weshalb, irgendein Management-Magazin oder so. Problem war, dass ich nicht wusste, dass die da waren. Hatte es vergessen. Und ausgerechnet an diesem Tag ist die Wut über meine vergangenen Beziehungen so sehr ausgebrochen, dass es einfach raus musste. Ich habe die geliebte Sammlung alter Bögen von Papa zerdeppert. Mit bloßen Händen Pfeile zerbrochen und auch dieses eine antike Teil in Holzsplitter zerschlagen. Die Reporter sind im Nachbarraum gesessen, haben den Lärm gehört und … Na, vielleicht wirst du die Geschichte ja in der Presse mitbekommen haben.
War auf jeden Fall eine wichtige Sitzung bei meinem Life-Coach dann. Interessanterweise immer noch derselbe, den ich mir damals nach unserer Scheidung genommen habe. Die erste von den vielen … Kurz gesagt: Ich vertraue dem Kerl, vielleicht die einzige Person, die ich wirklich lange kenne. Und ich bezahle ihn auch. Dafür, mir zu helfen. Am Ende der Sitzung nach dem Wutanfall meinte er zu mir, dass ich endlich mal neue Leute kennenlernen sollte. Und seinen Vorschlag, mit diesen Marshall-Leuten nachkommen sollte. Er wüsste sogar, dass sie aktuell was Passendes hätten. Davon weißt du nichts und davon solltest du nichts wissen. Da sind so richtig reiche Typen in London … und ich meine so RICHTIG reich. Musk, Bezos und Zuckerberg sind dagegen arme Schlucker. Und ich bin da quasi Mitglied, wenn auch nur, weil ich der Sohn meines Vaters bin. Wieder etwas, was mir mein Vater vererbt hat. Wieso kommt das immer …?
Nun diese Überüberreichen wollen das geheim halten, was sie machen. Aber um es kurz zu machen, die verkaufen Waren, die quasi magisch sind. Die würden das, glaube ich, nicht magisch nennen, aber … egal.
Mein Life-Coach drückt mir eine Visitenkarte mit nur einer Telefonnummer in die Hand. Darüber steht noch, dass ich anrufen soll, wenn meine linke Hand gerade schwarzen Marmor berührt und im Hintergrund ein Stück von Beethoven läuft. Magie, wie schon gesagt. Zur Sicherheit von denen selbst. Life-Coach meint dann noch, ich soll am Telefon sagen, dass ich mein Gebot auf die Nummer 4-14-4-1 abgeben wollen würde.
Ganz ehrlich. Wäre ich nicht so verdammt verzweifelt gewesen. Dieser Magiekram kam mir immer seltsam unheimlich vor, weshalb ich mich da immer ferngehalten habe. Hatte auch immer etwas Angst davor, dass ich was versehentlich erzähle und was die mit einem machen, wenn das passiert.
Habe das dann am Abend gemacht. Habe die Hand auf eine Statue in meiner Gartenanlage gelegt, auf einem zweiten Smartphone dann “Für Elise” spielen lassen und habe die Nummer gewählt sowie die Zahlenfolge, die mein Lifecoach mir gesagt hat, ins Telefon gesprochen. Hat nur einmal geläutet, woraufhin eine Dame am anderen Ende der Leitung sagte: “Das momentane Höchstgebot liegt bei 15 Millionen Pfund. Das sind ungefähr 17,7 Millionen Euro. Wie lautet ihr Gebot?”
Habe etwas geschluckt. Das wäre schon ein gewaltiger Happen meines Privatvermögens. Sogar fast der allergrößte Teil. Habe verunsichert durch die Luft geschaut. Und habe dann festgestellt, an welche Marmorstatue ich meine Hand gelegt habe: Es war eine Abbildung von Aphrodite. Habe das dann als Zeichen empfunden. Und habe ein weitaus höheres Gebot abgegeben.Und wenige Tage darauf kam das Paket an. Darin fand ich einen Ring. Sah interessant aus. Mit kleinen hübschen Macken und am Rand hin dunkel. Und eine Box mit dem Zeug, das ich für dieses Ritual brauche. Dazu eine Art Anleitung. Habe nicht mehr genau im Kopf, was darin stand. Habe sie auch, glaube ich, weggeworfen, also dann später, meine ich. In der Anleitung wurde zuerst beschrieben, dass der Ring nur als eine Art Signalgeber oder so diente, um etwas auszulösen, damit ich und eine mir ähnliche Person zueinander finden.
Aber im Grunde die Anweisungen für eine Art Ritual. Es hat … ich möchte es nicht wiedergeben, weil das klingt alles so … Als ich das gelesen habe, haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt. Sagen wir so, es war nichts wirklich Falsches in diesem Ritual. Außer vielleicht das mit dem Mund. Aber selbst das … Aber es war wirklich eigentlich weniger gruselig, als ich vermutet hätte. Vor allem nicht, wenn man das Geld hat, aber irgendwie … Auch keine mir bekannten kulturellen Dinge, die finster waren … Dazu muss ich sagen, dass ich nicht im Ansatz daran gezweifelt habe, dass es funktionieren würde. Mein Vater hat auch mal etwas von den Marschalls erstanden, war auch Mitglied in dem Klub in London. Einen Köcher, dessen Pfeile nie ausgingen. Und er nahm mich in Paris auf eine Veranstaltung mit, wo … nein, darf das nicht mehr erzählen. Damit bringe ich dich in Gefahr. Wobei ich dich vielleicht jetzt schon in Gefahr bringe? Aber ich glaube sehr, wirklich stark, dass ich dir wenig genug erzähle. Sodass sie dir nichts anhaben können.
Aber die Inhalte des Rituals … nun, ich habe den Ring und die Anleitung erst mal in irgendeine Schublade gelegt. Vielleicht ließ sich dieses einsam sein anders lösen … als so. Also habe ich dann begonnen, alle meine Ex-Frauen anzurufen.
Nadia hat mich ausgelacht, als ich auch nur mit den Worten begonnen habe. Nemi ist beinahe ausgeflippt und hat gemeint, ich solle ihr nicht mehr am Arsch kleben. Isabel hat nur damit begonnen aufzuzählen, was … Naja, kurz und gut. Ich bin nur bis zu Katharina gekommen. Danach war ich so fuchsteufelswild. Fühlte mich bestätigt, dass niemand mich respektierte. Jetzt war ich umso motivierter allen zu beweisen, dass ich als Person etwas wert war. Ich war … sehr unkontrolliert danach. Habe mir dieses Ritual genauer angeschaut. Damit würde ich endlich eine Frau finden, die mich respektieren würde. Nicht mein Geld. Ich habe die nächsten Tage damit verbracht das nötige Material für das alles zu besorgen. Habe das Papier genauestens studiert.
Und dann fiel mir auf, dass da an einer Stelle stand … gut, so genau weiß ich es nicht mehr, aber ungefähr, dass das und das getan werden muss, um den Zielpunkt des Artefaktes zu bestimmen. Da sollte man etwas aufschreiben. Natürlich stand da eine ausdrückliche Warnung, dass man von den Marshalls Ärgers bekam, sollte man da irgendwelche Dinge anstellen. Aber ich war so wütend und verzweifelt. Etwas, dass ich niemandem wünschte. Dass man durch Einsamkeit zu solchen Verzweiflungstaten getrieben wird. Deshalb habe ich nicht nur meinen Namen, sondern “jeder” darauf geschrieben. Ich habe mir ein professionelles Filmteam besorgt, das mich beim Ritual aufnehmen sollte. Ein Beweis für meine Taten und … natürlich war dass sehr, sehr dumm. Das weiß ich jetzt. Aber ich war einfach wie wahnsinnig mit diesen Gefühlen in mir. Konnte nicht klar sehen. Aber …
Das Ritual hat funktioniert! Es hat wirklich funktioniert! Ich habe eine Stimme in meinem Kopf gehört! Ich habe eine kalte, gleichgültige, dennoch warme und sanfte Stimme in meinem Kopf vernommen, die mich Stück für Stück zu ihr und vice versa geführt hat, das alles nur an einem Tag.
Wir hatten also ein paar Rendezvous und ich glaubte es nicht. Ich habe noch nie erlebt, dass ich mit jemandem derartig auf einer Wellenlänge war. Wir konnten genau abschätzen, was der andere dachte. Darüber habe ich die Filmaufnahmen komplett vergessen. Habe sie erst mal nicht veröffentlicht. So schön war diese Zeit. Aber nicht so schön, wie die paar Monate, die ich mir dir hatte, damals in den 60ern.
Aber dann nach einem halben Jahr stellte ich fest, dass mich etwas an ihr … ich weiß kein gutes Wort für dieses Gefühl … beunruhigte? Sie saß irgendwie nie still. Wenn wir uns trafen, hatte sie - oder wir beide - immer irgendwelche Tätigkeiten, wo wir nicht miteinander geredet haben. Wir wollten aber beide reden, haben das aber dann irgendwie aneinander vorbei getan. Und sie hat mir ständig von ihrer Arbeit erzählt. Welche Tätigkeiten sie da fertig gebracht hatte. Und hat auch immer Dinge im Anwesen repariert. Sie war Hausmeisterin, musst du wissen. Ich habe ihr hundertmal gesagt, dass ich für so etwas Leute habe. Aber sie meinte dann immer, dass sie mir ja unter die Arme greifen müsste. Ich habe dann aus Trotz mich wieder eigenen Projekten zugewandt. Habe auch den Film mit dem Ritual veröffentlicht … und einen Tag danach hat sie mir den Heiratsantrag gemacht. Da unter der Aphrodite-Statue im Garten. Da hat sie so viel vorbereitet und aufgestellt. Hat alle unsere Freunde zu einer Überraschungsfeier eingeladen. Also Überraschung für mich. Sie wollte, dass alle mein “Ja” hörten. War deshalb etwas geschockt, die Leute mit dem Buffett und den Tischen zu sehen. Sie hat darin so viel Arbeit darin investiert.
Sie hat mich gefragt, ob ich sie heiraten will. Ich habe mich umgeschaut. Hinter ihr die vielen Gäste und die vielen Dinge, die sie vermutlich auch selbst aufgestellt hat, obwohl sie vermutlich auch viele Helfer hatte.
Und dann hat es Klick gemacht. Sie hat das alles, ihre Arbeit, präsentiert, weil sie sich unsicher fühlte. Genauso wie ich. Bei jeder vorigen Ehe. Ich war anstrengend gewesen mit meinen Versuchen durch meine Taten Liebe zu gewinnen. Ich war … ich war … mitverantwortlich. Ich war nicht nur ein Arschloch, ich war ein verdammtes Arschloch, das glaubte, es könnte alles auf das böse Geld schieben.
Als ich das festgestellt habe, bin ich einfach weggerannt. Habe ihre Frage nie beantwortet. Und meine Bediensteten angewiesen, sie solle nicht in meine Nähe kommen. Sie hat mich zu sehr an meine Fehler erinnert. Und schlimmer noch: Ich glaube, hätte ich dieser Ehe zugestimmt, dann … ich weiß nicht … wäre ich wieder in meine Muster zurückgefallen. Und noch schlimmer: Ich hätte es nicht ausgehalten, wie sie mit ihren Taten ihre Liebe zu beweisen versucht hätte. Vielleicht wäre es auch ernst gemeint gewesen. Ziemlich sicher sogar. Aber, aber als sie es getan hat, habe ich den Ansatz von Wut gespürt. Und es wäre ein Kräftemessen geworden. Ein Kräftemessen, wer dem anderen die Liebe mehr beweisen kann. Also das, was ich immer versucht habe in meinen Beziehungen, nur dieses mal als Kampf gegeneinander. Wieder eine Wiederholung. Wie immer.
Außer bei dir. Bei dir weiß ich sicher, dass ich das alles hätte nicht tun müssen. Und dennoch musstest du damals gehen. Sonst hätte ich dich erdrückt. Und deshalb, deshalb sende ich dir diese viel zu lange Sprachnachricht. Um dich dafür um Verzeihung zu bitten. Bitte vergib mir. Vergib mir. Weißt du. Die Marshalls kommen vermutlich gleich. Weil ich das Video veröffentlicht habe. Deshalb wollte ich dir zumindest noch sagen, dass ich …
Die Aufnahme von SCP-338-DE-C ist in der Datei “HFichtRitus.mpeg” zu finden und wurde hier transkribiert. Der Audioteil der Aufnahme wurde vermutlich von GoI-012 entfernt. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.
Aufnahme findet auf einem Hügel im Garten von Herr Fichts (im Folgenden als “Subjekt” bezeichnet) Anwesen statt. Auf dem Hügel befindet sich eine runde Fläche von Marmorfliesen, um die herum sich als Zierelemente eine Reihe von korinthischen Säulen befinden. Jeder der Säulen, die in der Aufnahme gesehen werden können, ist jeweils einem Seil umwickelt, auf denen schwarze Mineralbrocken aufgefädelt sind.
In der Mitte der Aufnahme befindet sich das Subjekt. Es trägt eine Art bodenlangen Lendenschurz, der komplett aus schwarzen und roten Federn gemacht zu sein scheint. In der linken Hand hält er eine entzündete Fackel, die mit einem Stoffband umwickelt ist. In der rechten ist ein organisches Objekt. Seine Ausgüsse haben den Arm schon zum Teil rot gefärbt.
Das Subjekt steht vor einem Holzhaufen, der für ein Pagodenfeuer aufgeschichtet ist. Um diesen herum befinden sich zu einem vielzackigen Stern angeordnete Holzlöffel, auf deren Laffen sich schwarze Edelsteine befinden. Aus späteren Aufnahmen wird klar, dass es 28 Löffel beziehungsweise Diamanten sind.
Rechts vom Subjekt befindet sich ein goldenes Podest, auf dem sich (wie aus späteren Aufnahmen klar wird) SCP-338–DE-B befindet. Links des Subjektes befindet sich ein silbernes Gestell, auf dem SCP-338-DE-A aufgespannt ist.
[00:01] Das Subjekt beginnt die Fackel über dem Holzhaufen zu bewegen, ohne ihn anzuzünden. Die Bewegungen scheinen einem Muster zu folgen.
[00:24] Die Bewegungen der Fackel halten inne. Das Feuer auf der Fackel nimmt in der nächsten Minute eine zunehmend dunkelrote Färbung an. Die Federn des Lendenschurzes bewegen sich.
[01:26] Die Färbung der Flamme hat den maximalen Rotton erreicht.
[01:27] Subjekt bewegt das organische Objekt in Richtung seines Mundes. Im Hintergrund ist zu sehen, wie sich die auf den Säulen angebrachten Mineralbrocken zu bewegen beginnen.
[01:28] Subjekt beißt in das organische Objekt. Das komplette Objekt beginnt sich in eine goldene halbflüssige Masse zu transformieren. Parallel dazu entzündet er den Holzhaufen vor sich, in dem er die Fackel im Zentrum desselben anbringt. Danach sind seine beiden Hände frei.
[01:29] Die Flammen des entzündeten Holzhaufens nehmen eine reine weiße Färbung an. Es sind auch keine Nuancen von Farben wie bei Flammen üblich zu sehen. Es ähnelt einer stehenden, “flammenden”, weißen Fläche.
[01:31] Der Brustbereich des Subjektes beginnt zu pulsieren. Davon scheint es aber nichts zu bemerken.
[03:33] Das Subjekt nimmt mit seinem rechten Ringfinger etwas von der goldenen Flüssigkeit auf, welche sich zunehmend auf seinem Hals ausbreitet. Seine Linke ergreift SCP-338–DE-B.
[03:35] Er beginnt mit dem rechten Ringfinger etwas auf SCP-338-DE-A zu schreiben. Die von seinem Kieferbereich tropfende Flüssigkeit hat die Konsistenz von Honig angenommen. Außerdem nimmt die Masse der Flüssigkeit zu.
Mit der anderen Hand hebt das Subjekt SCP-338–DE-B vor sein linkes Auge und schließt das rechte. Durch den Ring ist jetzt nicht sein Auge, sondern eine schwarze Fläche zu sehen.
[03:38] Es sind undeutlich Risse in den Mineralien an den Säulen zu sehen. Das Pulsieren der Brust ist in einer Stärke, dass es physikalisch nicht möglich sein sollte.
[03:39] Aus dem Feuer beginnt sich eine Schriftrolle zu erheben.
[03:40] Die Flüssigkeit teilt sich in 28 tentakelähnliche Festkörper auf.
[03:41] Die Schriftrolle ist nun in Richtung des Subjektes geöffnet. Aus Richtung der Aufnahme ist nichts darauf geschrieben. Das Subjekt richtet seinen Blick auf die Schriftrolle und liest davon, was bis 05:00 dauert. Dabei hält er SCP-338–DE-B weiterhin vor sein Auge. Die goldenen “Tentakel” bilden über dem Feuer ein Muster.
[03:52] Die Löffel mit den Edelsteinen erheben sich langsam.
[04:09] Die Löffel bewegen sich über das Feuer. Die Löffel bewegen sich dabei näher aufeinander zu, behalten aber ihr Postionen zueinander bei. So bleibt die Formation des Sternenmuster erhalten.
[04:14] Jeder der goldenen Tentakel umhüllt einen der Löffel komplett.
[04:41] Aus den Mineralbrocken an den Säulen brechen Vogelschnäbel hervor. Es ist unklar, ob sie sich vorher darin befanden. Allerdings wären die den Schnäben zugordenten Spezies zu groß, als dass sie in die Mineralbrocken passen könnten.
Aus der Brust des Subjektes bricht ein Strauß Rosen hervor. Das Subjekt zeigt keine Reaktion darauf.
[04:49] Schlagartig verlieren die goldene Masse und die Tentakel ihre viskose Konsistenz und werden komplett fluid. Es und die Löffel fallen in das Feuer. Auch die Flüssigkeit um den Mund des Subjektes wird komplett flüssig. Die Edelsteine sind nicht mehr zu sehen.
[04:50] Da der Mund des Subjektes frei ist konnten Lippenleser erkennen, was das Subjekt von der Schriftrolle ablaß:
Subjekt: (…) Alles in den Hauern. Und wenn sich öffnet mir die deine Pforte, nie ich gehen will von deinem Orte. Unter tausend Himmeln tanzen wir dann, ewig lachend unter des Narren Bann.
[05:00] Die Aufnahme endet.
Was aus den in dem Ritual verwendeten Elementen wurde, ist noch unbekannt. Sie wurden nicht auf dem Anwesen gefunden.

