Objekt-Nr.: SCP-317-DE
Klassifizierung: Euclid
Bedrohungsstufe: ● Orange
Sicherheitsmaßnahmen: SCP-317-DE ist innerhalb von Standort-DE21 in einer 4 m x 4 m x 2 m messenden Eindämmungskühlkammer mit umgebenden projektspezifischem Arbeitsbereich zu verwahren, in der Gefriertemperaturen, normiert auf eine annähernd konstante Temperatur von -5 °C, aufrechtzuerhalten sind. Der Boden besagter Zelle ist mit einer idealerweise zwischen 1 dm und 2 dm dicken (technischen1) Schneeschicht zu bedecken, wobei die eben bezifferte Schichtdicke für den Erhalt des Status Continentur nicht von Bedeutung ist. Zur Bewerkstelligung dessen verfügt die Eindämmungszelle über eine Beschneiungsanlage und ein ordinäres Abflusssystem für Schmelzwasser sowie Faulschnee. Der Beleuchtungsgrad innerhalb der Zelle ist möglichst gering zu halten.
Die Eindämmungseinheit umfasst einen Observationsraum mit direktem Fensterblick in das Innere sowie eine Video-. Audio- und Ultraschallüberwachung.
Für den Fall eines Ausfalles der Zellkühlung verfügt die Eindämmung von SCP-317-DE über einen Back-Up-Generator und ein Surrogat an Flüssigstickstoff für langanhaltende Eindämmungsversagen. Im Fall eines sich abzeichnenden oder eingetretenen Eindämmungsbruches ist MTF DE20-ℜ „Seher“ in Alarmbereitschaft zu versetzen bzw. einzuschalten. [DATEN REVIDIERT] (Siehe: erste Anmerkung.)
SCP-317-DE bedarf keinen speziellen Pflegemaßnahmen, keiner Nahrungsversorgung, Zellreinigung und anderweitigen kontakterfordernden Leistungen.
Anmerkung: Mit dem Inkrafttreten des Beschlusses des Direktorenrates vom ██.██.20██ zur unbefristeten Einstellung des Ferntransmit-container Programmes, ist der Einsatz des in der Eindämmung von SCP-317-DE zur Lokalisierung bei Eindämmungsbrüchen verwendeten FTC - Modellreihe B ausgesetzt. Sollte die Anwendung von FTC-Modellen dieser oder höherer Generationen wieder zugelassen werden, ist der Betrieb dieser Maßnahme wieder in die Standardprozedur aufzunehmen.
SCP-317-DE. Bildausszug aus dem Eindämmungseinsatz von Mobile Task Force DE20-ℜ.
Beschreibung: SCP-317-DE bezeichnet eine anomale, wahrscheinlich intelligente Entität in Gestalt eines scheinbaren Abdrucks humanoiden Umrisses in Schneeschichten, dessen Arm- und Beinkonturen jeweils eine verbundene Fächerform bilden. (Vergleiche: Bild) Umgangssprachlich formuliert gleicht SCP-317-DE in seiner Erscheinung einem ordinären Schneeengel2. Das Objekt selbst scheint zwar auf der einen Seite immaterieller Natur, allerdings erscheint es auf der anderen an seine Gestalt einer nur als Schneeengel-Abdruck beschreibbaren Erscheinungsform gebunden zu sein. Der Länge nach misst SCP-317-DE 2 m und weist unter Veranschaulichung mittels des "Engelsbildes" eine Flügelspannweite von ungefähr 1,7 m sowie eine Breite von 0,5 m auf.
SCP-317-DE ist in der Lage, sich in der Ebene in variabler Geschwindigkeit zu bewegen. Dieser Vorgang kann wie folgt veranschaulicht werden: Der humanoide Abdruck wandert bei diesem Vorgang durch die Schneedecke, in dessen Zuge das umgebende Material verdrängt wird und um den Umriss förmlich herumfließt - ohne dabei Spuren einer Krafteinwirkung, geschweige denn einer Veränderung des Schneeprofils zu hinterlassen. Es erreichte im beobachteten Zeitraum Geschwindigkeiten von 2 bis 34 km/h, zudem zeichnete es sich durch überragende (bislang nicht quantifizierte) Beschleunigungen aus. Unabhängig von der Schneetiefe verbleibt das Objekt zu jeder Zeit oberflächlich sichtbar und maximal 2 dm tief in die Schneedecke eindringend. SCP-317-DE verweilt scheinbar die meiste Zeit in einer inerten Phase. Tests offerierten dem zum Kontrast, dass es sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit lediglich um eine bewegungsarme Phase handelt und SCP-317-DE uneingeschränkt reaktionsfähig verbleibt. Der Habitus der Anomalie besteht überwiegend aus den eben genannten bewegungsarmen Perioden und unterrepräsentierten regsamen Perioden, die sich an zunehmender Wanderung des Objektes (in der Eindämmungszelle) erkennen lassen.
Bisherigen Aufarbeitungsberichten zufolge hält sich SCP-317-DE außerhalb der Eindämmung natürlicherweise in der unmittelbaren Umgebung von christlich-religiös geprägten Orten, wie beispielsweise Geländen von Kirchen und Friedhöfen, auf. Interessanterweise scheint SCP-317-DE favorisiert verlassene Lokalitäten oder Örtlichkeiten mit geringem Begängnis aufzusuchen, die im Allgemeinen auch als stillgelegt oder "aufgegeben" angesehen werden können. Messung der von dem Objekt abgestrahlten Akivastrahlung ergaben im Mittel Werte zwischen 170 cAk und 190 cAk (centiAkiva) relativ zum ambienten Hintergrundrauschen, was auf eine theologische Natur schließen lässt. Religiöse Eindämmungsverfahren blieben paradoxerweise jedoch ohne Erfolg.
Das Objekt legt gegenüber jeglichen menschlichen Subjekten ausnahmslos feindseliges Verhalten an den Tag. Derzeit ist kein einheitliches Angriffsmuster bei der Anomalie aufgefallen; vielmehr entsteht der Eindruck, dass SCP-317-DE reaktionär handelt. Menschliche Subjekte, die die Aufmerksamkeit von SCP-317-DE erregen, werden von der Anomalie angegriffen und getötet, indem sich das Objekt unter das Opfer begibt und einen anomalen Zustand in allen physikalischen Systemen, die die Kapazitäten von SCP-317-DE nicht überfordern, gleich ob geschlossen oder offen, hervorruft, in welchem jegliche Reibungskoeffizienten den Wert 0 annehmen. Dies hat für Organismen die Fehlfunktion aller auf Reibung basierender körperinnerer Lebensprozesse zur Folge, sodass es u. a. zu Muskelrissen, dem Versagen der Bewegungskoordinierung in Gelenken, Organversagen und Erstickung mit anschließender Todesfolge kommt, da bspw. das Blutplasma die Hämatozyten (Blutkörperchen) nicht mehr in Bewegung versetzten kann. Wertend ist festzuhalten, dass es sich damit um einen besonders langsamen und qualvollen Vorgang handelt, der Beobachtungen an Klasse-D-Personal nach zu urteilen einige Minuten bis Eintritt des Exitus andauert. Es hat sich in der Vergangenheit ebenso ereignet, dass SCP-317-DE Opfer aus unerfindlichen Gründen [REVIDIERT: geflissentlich] (s. u.) verschonte.
Die Existenz des Objektes ist auf das Vorhandensein von Schneeschichten mit einer ungefähren Stärke von einem behelfsmäßig angenommenen Wert von 1 cm angewiesen; bei Eintreten umfassender Schneeschmelzen beispielsweise und dem damit einhergehenden Verlust der Existenzgrundlage der Anomalie vergeht auch die Existenz der Entität. Diese manifestiert sich bei geeigneten Bedingungen erneut, wobei der neue Manifestationsort unabhängig von dem letzten Aufenthaltsbereich von SCP-317-DE ist und sich i. d. R. weit von diesem entfernt befindet. Es ist jedoch restriktiv einzuräumen, dass das Objekt abseits dieser Ausnahme nicht zur Raumzeitbändigung oder Teleportation fähig ist; dies heißt jedoch nicht, dass sich SCP-317-DE diesem Element seiner Natur nicht in Absicht nutzbringend bedienen könne. Der zugrundeliegende Mechanismus ist bislang nicht ausreichend verstanden, allerdings legen während eines Eindämmungsbruches erhobene Daten nahe, dass SCP-317-DEs Wiedererscheinung mithilfe von FTCs-Technologie probabilistisch vorausgesagt werden kann. Dieser Umstand erlaubt in der Zukunft erhöhte Effizienz in der Geolokalisierung der Anomalie im Falle eines Eindämmungsbruchs.
So wie anno 2002, als SCP-317-DE am 17.02. die Eindämmung durchbrach. Es kam dem jetzigen Kenntnisstand aufgrund eines technischen Fehlers im Türsystem der thermischen Schleuse zu einer Wärmeexposition von SCP-317-DE, was trotz aller Bemühungen des anwesenden Personals nach einer gewissen Zeit in der Demanifestation der Anomalie resultierte. Bei dem Eindämmungsbruch detektierte ein zur Raumzeitbiegeforschung eingesetzter FTC-B der Dämonologieabteilung im Nachbarraum ungewöhnliche Signaturen, deren Auswertung ein probabilistisches Bild der Manifestation von SCP-317-DE lieferte. MTF DE20-ℜ „Seher” in Kooperation mit MTF DE10-ℭ „Bluthunde“ konnte unter Zuhilfenahme des nachgereichten Zufallsbefundes die Anomalie nahe Nürnberg, Deutschland, ausfindig machen und abschließend sicherstellen. Bemerkenswerterweise musste auf eine neue Taktik zur Festnahme von SCP-317-DE zurückgegriffen werden, da es augenscheinlich aus seiner ersten Eindämmungserfahrung dazugelernt hatte, was sowohl zu zusätzlichen personellen und materiellen Verlusten führte.
Kommentar: Die mit dem ██.██.20██ in Kraft tretende Einstellung des FTC-Einsatzes halte ich im Einzelfall von SCP-317-DE angesichts der Rolle dieser Technologie im Sicherheitsapparat von besagter Anomalie für zu risikobehaftet. Wie der Eindämmungsbruch vom 17.02.2002 erwies, tragen Ferntransmit Container maßgeblich zum zeitnahen Erfolg der Wiedereindämmung der Anomalie bei. Hätte es der Zufall nicht so gewollt, dass ein FTC in einem der Nachbarräume in Betrieb war und sich SCP-317-DE zufällig noch in seinem Detektionsbereich befand, hätte die Fahndungsgruppe wesentlich länger benötigt (oder gar versagt), um die Anomalie zu lokalisieren. In dieser Zeit hätte SCP-317-DE noch mehr Schaden anrichten können als ohnehin schon. Ich habe einen Antrag an die Standortleitung eingereicht, den Einsatz fortsetzen zu dürfen.
~ Gez.: Dr. scp. Klein, Forschungsleiter
Stellungnahme der Standortleitung: Der Leiter der Standortsicherheit hat im Einvernehmen mit dem restlichen Klasse-B-Personal die Reaktivierung des FTC aus der Eindämmung von SCP-317-DE untersagt. Er schrieb dazu, „dass eine Technologie, die das Potenzial besitzt, den gesamten Standort mitsamt Umland in die Luft zu jagen und einen anomal-kontaminierten Krater zu hinterlassen” nicht verhältnismäßig in Gesichtspunkten seines Beitrages zum Status Continentur sei. Des Weiteren verweist er auf den Zuverlässigkeitsindex der bisherigen Maßnahmen und hält den FTC-Einsatz für - so wörtlich: „zu übertrieben”. Die amtliche Stellungnahme kann [ZENSIERT] eingesehen werden.
Entdeckung: Die ersten Hinweise, die möglicherweise auf SCP-317-DE hindeuten, stammen aus den Jahren 1999 und 2000 von der deutsch-österreichischen Grenze nahe der Kirchengemeinde ████████. Dort kam es u. a. zu angeblichen Sichtungen "paranormaler Erscheinungen" nahe dem Gemeindefriedhof der St. [ZENSIERT] Kirche, vier Vermissten- und zu zwei bestätigten Todesfällen in der unmittelbaren Nähe eines Abhangs unter mysteriösen Umständen. Respektive betrachtet wiesen die zu Tode gekommenen Wanderer Spuren jener Gewalteinwirkungen auf, die mit denen von SCP-317-DE zugeführten Verletzungen übereinstimmen. Aufgrund der damaligen Beweisarmut zu einem anomalen Hintergrund sind keine Verschleierungsaktionen in die Wege geleitet worden und im öffentlichen Diskurs war von einer Reihe Wanderunfällen die Rede.
Ähnliche Vorkommnisse ereigneten sich im Winter des Folgejahres in der Gemeinde ████████, ebenso an der deutsch-österreichischen Grenze. Hier kam es ähnlich dem ersten Verdachtsfall zu mündlich tradierten Erzählungen, einer Reihe von Berichten in der Lokalzeitung über "paranormale Sichtungen" und Vermisstenanzeigen über verlorengeglaubte Wanderer. Daraufhin wurden zwölf Außendienstagenten unter der Führung von Agent Gefreiter Gerhard Mann3 in das Gebiet entsandt. Zunächst damit betraut, sich zwecks Informationssammlung unter die Zivilbevölkerung zu mischen, konnte das Einsatzteam schnell einen mutmaßlichen Aufenthaltsbereich von der heute als SCP-317-DE katalogisierten Anomalie lokalisieren. Als Reaktion auf diese Entwicklung wurde beschlossen, eine Erstinspektion des besagten Gebietes durch dieselbe Agentengruppe erfolgen zu lassen, in deren Zuge es allerdings zu einem schweren Zwischenfall kommen sollte, bei dem nachweislich drei Agenten ums Leben kamen und fünf seitdem als im "Einsatz verschollen" gelten (Siehe "Verhör Log"). Als Tarngeschichte für den Vorfall und die verschwundenen Wanderer, deren Verschwinden tatsächlich bestätigt werden konnte, wurden Desinformationen über ein Lawinenunglück lanciert.
Die Agenten reichten nach kurzer Genesungszeit ihre unabhängigen Berichte am 10.01.2001 bei ihren jeweiligen Vorgesetzten ein, was gegeben der Vorfallumstände allerdings zur Folge hatte, dass Agent Mann keine Kenntnis vom Überleben von drei seiner Einsatzkommilitonen besaß. Ergänzend zu besagten Berichten wurden Interviews mit den Überlebenden abgehalten und alle gesammelten Informationen von einem Foundation-Gutachter zu einem abschließenden Protokollbericht gebracht.

