SCP-284-DE Gargoyle-Zugang, Kantinenbereich
Objekt-Nr.: SCP-284-DE
Klassifizierung: Euclid
Sicherheitsmaßnahmen: Durchgehende Systemprüfungen und auch die vollständige Überwachung aller Transportvorgänge sowie nötige Verteidigungsmaßnahmen werden von KIRA überwacht bzw. koordiniert. Die KI ist angewiesen, dabei ein besonderes Augenmerk auf mögliche Hackingangriffe sowohl von Außen als auch Innen zu legen. Sämtliche Anfragen zu Wartungen, Reparaturen und Neukonstruktionen von Kabinen werden von KIRA an die Standortleitung von DE17 weitergeleitet. Nach Prüfung und Freigabe durch dieselbe muss entsprechend geschultes technisches Personal mit einer Stufe-3-Sicherheitsfreigabe sich um die jeweiligen Störfälle kümmern1, sämtliche Neuanfertigungen von Kabinen werden von einem fest zugeteilten Technikerteam durchgeführt.
Innerhalb eines dreiwöchigen Turnus sind sämtliche Module durch überwachtes D-Klasse-Personal zu reinigen. Dazu wird die jeweilige Kabine automatisch zum Zugangspunkt D3 auf Ebene 2 transportiert. Während des Reinigungsvorgangs sind sämtliche Sprachbefehle für das jeweilige Modul deaktiviert. Außerhalb des normalen Zeitablaufs nötige Reinigungen können zeitnah von KIRA angefordert werden.
Die von der Foundation außerhalb des Systems gebohrten Tunnels zur Beobachtung und Erforschung der Funktionsweise der Kabinen dürfen nach Vorfall GAR-TDB-1.1 bis auf weiteres nicht mehr betreten werden.
Verluste von Kabinen, Ersatzkonstruktionen, Wartungsprotokolle, Fehlfunktionen und dergleichen werden von der Steuer-KI in Dokument GAR-7044/1.5 fortl. festgehalten und können ebendort eingesehen werden.
Beschreibung: SCP-284-DE stellt ein exklusiv für Standort-DE17 zugeschnittenes und entworfenes Transportsystem in Form einer erweiterbaren Fahrstuhlmatrix dar. Die Anomalie wurde im Zuge der zu diesem Zeitpunkt guten Geschäftsbeziehungen von der Foundation bei Raptor Tec. Industries in Auftrag gegeben. Ziel war es, die unpraktischen und langen Wege innerhalb des Standortes möglichst effektiv abzukürzen. Zuvor war lange über eine Kollaboration mit R.T.I. diskutiert worden, die anschließenden Verhandlungen und die Festlegung aller Parameter und Anforderungen an das Produkt dauerte noch einmal doppelt so lange. Schließlich wurde das System am 1.11.2003 angefordert und etwa zwei Jahre später geliefert.
Die im sogenannten Gargoyle-System implementierten Kabinen dienen verschiedenen Zwecken, im Normalfall jedoch dem schnellen und unkomplizierten Transport von Personal zu den jeweiligen Zugangspunkten im eigentlichen Standort, wobei jede Kabine aufgrund ihrer anomalen Eigenschaften als Instanz von SCP-284-DE bezeichnet wird. Sämtliche benutzten Routen werden jeweils selbstständig von KIRA bestimmt und Instanzen nach ihren Berechnungen zu den jeweiligen Zugängen geschickt.
Weitere Aufgaben des Gargoyle-Systems sind außerdem der Transport von sämtlichen Versorgungsgütern, Baumaterialien und auch von neu in den Standort verbrachten bzw. zu verlegenden Anomalien. In absoluten Sonder- oder Notfällen können die Kabinen zur temporären Eindämmung zweckentfremdet werden. Die beiden "Reißzahn"-Module werden außerdem zur physikalischen Erweiterung von Standort-DE17 verwendet. Zusätzlich zu diesen Verwendungsmöglichkeiten existieren noch einige Sonderprotokolle sowohl offensiver als auch defensiver Natur, die weiter unten in diesem Dokument aufgelistet werden.
Innerhalb der Fahrstuhlmatrix sind vier verschiedene Typen von SCP-284-DE-Instanzen in Gebrauch, die im Folgenden aufgelistet werden. Die Bezeichnungen der Kabinen gehen auf den ursprünglichen Hersteller Raptor Tec Industries zurück. Eine jede der ursprünglich in Gebrauch befindlichen Varianten trug zudem neben dem Firmenlogo ein der Nomenklatur entsprechendes Symbol. Die hier angegebene Anzahl von 69 Modulen entspricht dem Stand vom 13.6.2019.
Zum Schnelltransport von Personal dienen vierundvierzig "Schwingen"-Kabinen mit den Maßen 3,00 x 2,50 x 2,30 m. Während des Transports reagiert das Modul auf Sprachbefehle zum Halt, wie auch auf gewünschte Änderungen des Fahrtzieles. Wie bei allen Fahrten wird das Prozedere von KIRA koordiniert und protokolliert.
Für Schwer- und Materialtransporte stehen fünfzehn "Krallen"-Module zur Verfügung. Sie sind deutlich großzügiger dimensioniert als die Personalkabinen (5,50 x 7,60 x 5,70 m) und verfügen über einen zweiten Ausgang gegenüber dem Standardzugang. Somit können zusätzlich weitere Kralleninstanzen "hintereinandergeschaltet" werden, um den Stauraum noch weiter zu vergrößern.
Deutlich komplexer fallen die acht ebenfalls koppelbaren "Schädel"-Instanzen aus (mit den Maßen 8,00 x 7,60 x 6,00 m). Sie verfügen bei Bedarf über eine zusätzliche Energieversorgung, die erwiesenermaßen vom Standortreaktor gespeist wird, allerdings ist die Art der Energieübertragung unbekannt. In den Kabinen sind eine Reihe interner Anschlüsse für technische Hilfsmittel verschiedenster Natur sowie Möglichkeiten zur Arretierung des Transportguts vorhanden. Schädel-Kabinen reagieren nicht auf Sprachbefehle, sondern können nur von KIRA umgeleitet werden. Sie dienen zur Bewegung von Anomalien innerhalb des Standortes, sei es von der Erstaufnahme bis zur jeweiligen Eindämmungseinheit, sei es zum Zweck der Verlegung.
Die beiden "Reißzahn"-Module stellen die wichtigsten Instanzen von SCP-284-DE dar und müssen unter allen Umständen geschützt werden, da sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das gesamte System funktionstüchtig halten. Sie messen 15,00 x 15,00 x 15,00 m und sind vollkommen leer. Erhält KIRA den Befehl, eine wie auch immer geartete Erweiterung auf einer der Ebenen des Standorts zu erstellen, bewegt die KI die Reißzahn-Instanzen zur gewünschten Stelle und beginnt den Abbau des Felsgesteins. Dabei bewegt sich ein Teil der Kabine widerstandslos in das zu entfernende Gestein und lässt den Abraum in ihrem Inneren erscheinen. Dies führt dazu, dass sämtliches extrahiertes Material in sauberen, rechteckigen Blöcken vorliegt. Die Reißzahn-Module transportieren, sollten sie etwa zu 75 % gefüllt sein, den Abraum zu einem vorher definierten Zugang im Standort (normalerweise zum Hauptlastenaufzug zur Oberfläche). Dieser Vorgang wiederholt sich bis zur Fertigstellung des Hohlraums, zu dem dann aus dem Standort heraus ein Zugang geschaffen werden kann.
Schwingen-, Krallen- und Schädelmodule können bei Bedarf problemlos von Foundationtechnikern nachgebaut werden, haben allerdings solange keine anomalen Eigenschaften, bis sie in eine der Reißzahn-Instanzen verbracht werden. Diese werden den jeweiligen Rohling dann automatisch in einen phasenverschobenen Zustand versetzen und in das System integrieren. Die in den Reißzahnvarianten verbaute Technologie konnte nicht reproduziert bzw. nachvollzogen werden. Das Zerlegen einer der beiden verbliebenen Instanzen wurde, nachdem sie von KIRA aus dem System entfernt worden war, zu einem bestimmten Zeitpunkt abgebrochen, um etwaigen ungewollten Beschädigungen vorzubeugen.
Diese beiden Instanzen sind Dreh- und Angelpunkt des Gargoyle-Systems. Nach bisherigem Kenntnisstand schaffen sie die Voraussetzungen für ein Feld unbekannter Natur, welches die Phasenverschiebung2 und somit die ungehinderte Bewegung aller Kabinen durch das massive Gestein rund um Standort-DE17 ermöglicht. Die Interaktion mit dem Feld bezieht sich nur auf die Hülle der Instanzen, ihr Inneres bleibt unverändert. Es ist nicht ausreichend erforscht, wohin die eigentliche Masse des ständig verdrängten Gesteins verschwindet, solange sich eine Instanz an einem bestimmten Ort aufhält. Das Feld umgibt sämtliche Ebenen der Einrichtung wie eine Hülle, die sich mit jeder Erweiterung ausdehnt. Theoretisch kann an jeder Wand des Standortes, die direkt an Felsgestein grenzt, ein Zugang zu dem System geschaffen werden. Dieser wird dann von KIRA registriert, in das Programm integriert und von dem Zeitpunkt an selbstständig angesteuert.
Neben der Bewegung durch den Fels an sich ist es auch möglich, dass sich Kabinen durch einander hindurch bewegen, jedoch nicht durch den Standort selbst. Außerdem behalten die Instanzen stets einen wie auch immer gearteten Kontakt zu einer "Wand" des Standortes oder aber auch einem anderen Modul. Während des Transports kann innerhalb einer Kabine keine Beschleunigung wahrgenommen werden. KIRA wurde angewiesen, für die Module keine höheren Geschwindigkeiten als 250 km/h zu verwenden.
SCP-284-DE Sonderprotokolle
Hadrian-Protokoll
Im Falle schwerwiegender Angriffe von außen bzw. kritischen Eindämmungsbrüchen können sämtliche Kabinen zu den Hauptausgängen transferiert werden und als Schutzschild oder Barrieren für ebendiese dienen. Ein selbständiges Sub-Programm tauscht bei zu großem Schaden eine Instanz fließend durch eine andere aus.
Knossos-Protokoll
In dieser Sequenz werden mehrere Kabinen, die koppelbar sind, hintereinandergeschaltet, weitere Instanzen bilden einen Rahmen für die folgenden Bewegungen. Kurz vor dem Durchqueren des letzten Moduls wird die momentan vorderste Kabine vor dieses geleitet. Personen innerhalb der Knossos-Sequenz wird somit ihr Weg unendlich lang vorkommen. Das Protokoll eignet sich sowohl zur Verteidigung gegen Eindringlinge als auch zur Ausübung psychischen Drucks.
Judas-Protokoll
Bereits kurz nach Installation des Gargoyle-Systems begannen die Reißzahninstanzen an der Spitze der damals bereits hergestellten 120 koppelbaren Kabinen zwei höhlenartige Hohlräume mit einem Fassungsvermögen von jeweils ████ m3 auszuheben. Dieses Verhalten beruhte auf dem ausdrücklichen Wunsch der Foundation, zwei vom Standort absolut isolierte Kammern zu erhalten. Eine davon ist bestückt mit einer Batterie von Waffensystemen, reichend von Projektil- bis hin zu thermischen Waffen, verschiedenen Giftgasen und dergleichen mehr (vollständige Auflistung einsehbar in Dokument GAR-JDP-1.1). Eine jede Gargoyle-Instanz kann bei Verwendung des Protokolls alle verfügbaren Daten über die Person oder die Anomalie in ihrem Inneren zu den automatischen Systemen dieser Kammer weiterleiten. Die jeweiligen Subjekte können so konzentriert und vor allen Dingen isoliert auf engstem Raum mit geeigneten Waffen bekämpft werden. Das Judas-Protokoll soll nur in absoluten Notfällen zum Einsatz kommen und wurde bis heute noch nicht verwendet.
St.-Helena-Protokoll
Die zweite der beiden Kammern enthält keinerlei Foundationtechnologie oder Überwachungsmittel. Sie dient stattdessen als Deponie für Abfälle und Rückstände, die anderweitig nicht zu entsorgen wären. Die Lagerung von problematischem Material an diesem Ort ist nur im Ausnahmefall vorgesehen und bedarf einer Genehmigung durch die Standortleitung. Der sekundäre Zweck ist eine Notfall-Exilierung von Anomalien, die bei Eindämmungsbrüchen nicht mehr schnell genug eingedämmt werden können und zu viel Schaden anrichten würden. Selbstverständlich könnten dennoch nicht alle Anomalien so festgesetzt werden, die Standort-KI verfügt über ein entsprechendes Register. Nach Vorfall GAR-UEB-1.1 befindet sich SCP-███-DE bis auf weiteres dort. Die beiden isolierten Kammern bilden eine Ausnahme, die bis jetzt nicht zufriedenstellend erklärt werden konnte. Sie können ohne einen "Rahmen" bzw. eine "Kette" aus anderen Kabinen erreicht werden, die solitär verwendete Instanz gilt dann allerdings als verloren.
Nachtrag vom 23.3.2010; An die Standortleitung
Gargoyles, Wasserspeier, bewachen heilige Orte, das sollte wohl der fade Witz hinter dem Namen sein. Genau zwei Jahre ist nun der Vorfall mit dem Liftsystem her und offenbar schert sich niemand mehr darum. Das gesamte Personal verlässt sich blind auf das Konstrukt, zugegeben, ich verwende es auch, oft gedankenlos. Aber: Wenn die Leute von R.T.I. eines sind, dann schlau. Was, wenn irgendwo doch noch ein Rest der feindlichen KI übrig ist? Eine klassische Hintertür? Wir erweitern den Standort, fügen nach Gutdünken Module hinzu. Meiner Meinung nach sollte eine Alternative gesucht werden oder zumindest eine adäquate Abwehrmaßnahme, falls uns Gargoyle nochmals besuchen kommt. Von der Anomalie, die immer noch in der Deponiekammer feststeckt, will ich einmal schweigen.
-Dr. Senger, Forschungsleiter, Standort-DE17

