SCP-194

Objekt-Nr.: SCP-194

Klassifizierung: Euclid

Sicherheitsmaßnahmen: Die Instanzen von SCP-194 müssen in Standort 43 in einer Voliere gehalten werden. Die Fläche rund um die Voliere ist eingezäunt, zwischen der Voliere und dem sie umgebenden Zaun müssen mindestens fünfzig (50) Meter liegen. SCP-194 muss täglich mit toten Nagetieren gefüttert werden; abgeworfene Federn von SCP-194 können während der Fütterung eingesammelt werden. Die Fütterung von SCP-194 darf nur durch Personal erfolgen, das nicht zu Introvertiertheit oder Selbstisolation neigt. Instanzen von SCP-194-1 müssen im Standort 43 in einer unterirdischen, verschlossenen Kammer gehalten werden. Die Kammer sollte mit Stroh eingestreut sein und über eine Deckenbeleuchtung verfügen, die das Sonnenlicht simuliert. SCP-194-1 muss die gleiche Nahrung wie SCP-194 erhalten, zusätzlich werden auf Anfrage Federn von SCP-194 der Nahrung beigemischt. Niemals darf SCP-194-1 mit SCP-194 in Kontakt kommen, solange SCP-194-1 sich noch nicht vollständig in SCP-194 verwandelt hat. Dem Personal ist es untersagt, außerhalb von Interviews und anderen, mit Dr. ████████████ vereinbarten Terminen, mit SCP-194-1 zu interagieren. Personal, das nichtautorisierten Kontakt zu SCP-194 oder SCP-194-1 hatte, ist dazu verpflichtet, sich einem psychologischen Gutachten zu unterziehen.

Beschreibung: SCP-194 ist äußerlich identisch mit Corvus corax, dem Kolkraben. Auch das Verhalten entspricht dem der meisten Kolkraben, abgesehen davon, dass sie sich in der Anwesenheit von Menschen ungewöhnlich wohl fühlen. SCP-194-Instanzen zeigen Menschen gegenüber kein Fluchtverhalten, solange sie nicht offensichtlich bedroht werden und sie lassen sich nach Belieben auf Menschen nieder. Die Ernährung unterscheidet sich insofern von der normaler Kolkraben, dass SCP-194 ausschließlich Fleisch frisst und jegliches Körnerfutter verschmäht.

Große Mengen von SCP-194 sammeln sich im Umkreis von introvertierten Personen, die gewöhnlich zu antisozialem Verhalten neigen und keine oder nur wenig Gewalt in ihrer Vergangenheit ausgeübt haben. Trupps von SCP-194 folgen solchen Personen, sammeln sich in der Nähe ihres Hauses oder Arbeitsplatzes zu Schwärmen und fliegen ihnen hinterher, wenn sie sich im Freien aufhalten. Personen, die längerfristigem Kontakt mit SCP-194 ausgesetzt sind, werden zu SCP-194-1. Es konnte kein Hinweis darauf gefunden werden, dass SCP-194 denselben Effekt auf andere Tiere hat.

Instanzen von SCP-194-1 entwickeln innerhalb kurzer Zeit antisoziale Persönlichkeitsstörungen und eine isolationistische Grundhaltung, wenn sie nicht bereits zuvor schon solche Charakterzüge aufwiesen. Sie neigen dazu, ihre Arbeit und ihre Beziehungen zu vernachlässigen, lieber verbringen sie ihre Zeit im Freien in Gesellschaft von SCP-194. Wenn SCP-194-Instanzen mausern, beginnt SCP 194-1, die Federn zu sammeln und zu verspeisen. Sobald SCP-194-1 einmal dieses Verhalten des Federn-Verzehrens zeigt, wird es nichts oder kaum etwas Anderes zu sich nehmen. Es stellt sich ein Verlust von Körpergewicht ein, der größer ist, als es durch freiwilliges Hungern überhaupt möglich wäre.

Etwa eine (1) Woche, nach dem das Verspeisen von Federn begonnen hat, vollzieht SCP-194-1 eine Metamorphose; die Schulterblätter entwickeln vom Körper abstehende, dünne Ausstülpungen aus Knochensubstanz, die von Muskelgewebe und Haut umwachsen werden. Diese Ausstülpungen entwickeln sich im Laufe von vierundzwanzig (24) Stunden und formen aus Röhrenknochen gebildete, mit Gelenken verbundene Extremitäten, die Vogelflügeln ähneln. Zu diesem Zeitpunkt können schon erste Federn sichtbar werden, die aus den "Flügeln" herauswachsen, oder sie schieben erst zu einem späteren Zeitpunkt. Alle Instanzen von SCP-194-1, die interviewt wurden, haben diese Transformation als äußerst schmerzhaft beschrieben und Verletzungen am oberen Rücken sind gewöhnlich der Fall, außerdem auch Erkrankungen, die wegen Mangelernährung auftreten können.

Wenn die flugunfähigen, flügelartigen Anhänge ausgewachsen sind, wird SCP-194-1 lethargisch und verbringt seine meiste Zeit ruhend. Außerdem wird SCP-194-1 immer versessener darauf, bei SCP-194 zu sein und dieses zu imitieren, auf menschliche Störung kann es feindlich reagieren. SCP-194-1 wird dann noch mehr Gewicht verlieren und sich weiteren körperlichen Veränderungen unterziehen beginnend mit einer drastischen Verkürzung der Wirbelsäule, Atrophie der Extremitäten sowie Neuformung des Schädelknochens und zuletzt zeigt sich Wachstum von schwarzen Federn auf jeglichen Teilen des Körpers, die zu diesem Zeitpunkt nicht bereits befiedert waren. Falls SCP-194-1 bis zum Ende dieses Stadiums überlebt (die Teil-Transformation war in 70% aller beobachteten Fälle tödlich), hat sich SCP-194-1 komplett in SCP-194 verwandelt. Tests haben gezeigt, dass es zwar möglich ist, die Transformation hinauszuzögern und auf bis zu sechs (6) Monate zu verlängern, indem man SCP-194-1 von SCP-194 fern hält, doch es gibt keine bekannte Möglichkeit, die Transformation rückgängig zu machen sobald die "Flügel" sich einmal entwickelt haben, ohne dabei SCP-194-1 zu töten.

Interview 194-3
Interview mit:
Klasse-D-Mitarbeiter 6754 während Subjekt gerade die mittleren Stadien der Transformation von SCP-194-1 unterläuft.

Interview-Leitung: Dr. ████████████

Vorwort: Von mehreren Subjekten war D-6754 am ehesten zu einem Interview gewillt. Trotzdem sprach D-6754 wie alle anderen Subjekte während des gesamten Interviews in einem eher ruhigen, monotonen Tonfall, ebenso bei jedem anderen Gespräch.

<Beginn des Logs, ██.██.████>

Dr. ████████████: Guten Morgen.
6754-D: (Pause) … Morgen.
Dr. ████████████: Heute möchte ich mit Ihnen über SCP-194 sprechen.
6754-D: So heißen sie nicht.
Dr. ████████████: (Pause)… Wie nennen Sie sie dann?
6754-D: Sie sind mein Schwarm. Meine Lieblosigkeit. Meine Schar. Aas-Brüder. Jeder Name, der ihnen gefällt, aber keine Nummer.
Dr. ████████████: Kann eine Nummer nicht auch ein Name sein?
6754-D: (schweigt)
Dr. ████████████: Was zieht sie hin zu SCP… zur Schar?
6754-D: Sie sind zu mir gekommen. Sie haben mich als einen der ihren erkannt.
Dr. ████████████: Als einen Raben?
6754-D: Als einen Gefangenen. Als einsam. Als… (schweigt)
Dr. ████████████: Als was?
6754-D: (schweigt)
Dr. ████████████: Lassen Sie mich etwas Anderes fragen: Warum haben sie deren Federn gegessen?
6754-D: Sie waren Geschenke. Geschenke weist man nicht zurück.
Dr. ████████████: Warum haben Sie nichts außer den Federn gegessen?
6754-D: Ich brauche nichts Anderes.
Dr. ████████████: … Sind Sie sich dessen bewusst, was mit Ihnen geschieht?
6754-D: Ich schließe mich ihnen an. Ich werde zu einem von ihnen. Ich werde wunderschön sein.
Dr. ████████████: Sind Sie sich im Klaren darüber, dass schon Leute in Ihrer Lage auf halbem Wege schmerzhaft gestorben sind?
6754-D: (schweigt)
Dr. ████████████: Sind Sie sich im Klaren darüber, dass, sollten Sie überleben, Sie mit den anderen Raben in der Voliere eingesperrt sein werden?
6754-D: (schweigt. D-6754 antwortete auf keine Fragen mehr und nach 20 Minuten beendet Dr. ████████████ das Interview.)

<Ende des Logs>

Schlussbemerkung: Nachdem ich gesehen habe, wie D-6754 mit SCP-194 sympathisiert, empfehle ich, dass kein D-Klasse-Personal mehr in Kontakt SCP-194 kommen darf. Außerdem empfehle ich, jegliche Mitarbeiter der Foundation, die zu SCP-194-1 werden, zu euthanasieren, da ich nicht sicher bin, wie viel ihrer Intelligenz in den Vögeln noch erhalten bleibt, wenn sie die Verwandlung überlebt haben und ich möchte nicht riskieren, dass kluge Vögel mit Kenntnis der Foundation entkommen. - Dr. ████████████

Vorfallsbericht 194-1 Am 09.05.████ um 13:00 Uhr flog ein Trupp Raben über Stützpunkt 43, landete auf der SCP-194-Voliere und blieb darauf sitzen. Einer hielt sich am Volierendraht des Einganges fest und versuchte die Türklinke zu bewegen. Auf Schüsse der Sicherheitskräfte hin flog der Trupp davon. Von den eindringenden Vögeln wurde dabei einer (1) tötlich verletzt, einer (1) wurde verletzt und nach seiner Genesung zu den anderen Vögeln in die Voliere gesetzt und mindestens sechs (6) sind entkommen.

Vorfallsbericht 194-2 Am 09.05.████ um 15:00 Uhr kam Agent Andersson in die eingezäunte Fläche, die die Voliere von SCP-194 umgibt, wobei er seine Sicherheitsfreigabe nutzte, um die Kontrollstation zu umgehen. Er trug einen Eimer, der mit toten Ratten gefüllt war, was die Wachleute annehmen lies, dass er SCP-194 außerhalb des regulären Zeitplanes füttern würde. Er öffnete die Tür zur Voliere und fing an, einzelne Exemplare von SCP-194 herauszuzerren und sie in die Freiheit zu entlassen. Die Sicherheitsleute reagierten schnell genug, um Agent Andersson unschädlich zu machen und schlossen die Volierentür, doch waren bis dahin drei (3) Exemplare von SCP-194 entkommen. Andersson wurde seither als SCP-194-1 designiert und eingedämmt.

Vorfallsbericht 194-3 Am 09.05.████ um 21:00 Uhr kam █████ ███████, die mit der Fütterung betreute Mitarbeiterin, mit einem mit toten Ratten befüllten Eimer in die Sicherheitszone rund um die Voliere von SCP-194 und begab sich zur von außen bedienbaren und in die Voliere hineindrehbaren Futterstation, um sie zu befüllen. Aufzeichnungen zeigen, dass ██████ fast eine Minute lang vor der Futterstation stand und in die Voliere zu SCP-194 hineinstarrte. Dann stellte sie den Eimer ab und bewegte sich auf die Tür zu. Die Wachleute hielten ██████ zurück, bevor sie die Tür öffnen konnte. Anschließende Begutachtung und Befragung deuten darauf hin, dass sie ein starker psychischer Zwang ergriffen hatte und sie wurde ohne weitere Maßregelung auf freien Fuß gesetzt.

Nachtrag: Dr. ███████████, ich erwarte von Ihnen deutlich mehr als das. Sie sollten sich auf das wirklich Wichtige konzentrieren, nämlich wie SCP-194 von anderen Vögeln unterschieden werden können. Wir haben nicht die Ressourcen, um jeden Vogel der Welt auszurotten und ihre hundsmiserable Pfuscherei in Hinsicht auf die Unterbringung von denjenigen, die wir gefangen haben, ist dabei nicht hilfreich. Wir brauchen etwas Sichereres als eine Voliere, die Sie im Baumarkt gekauft haben, und wir brauchen mehr Informationen über die Vögel und nicht über die Leute, die zu diesen Vögeln werden. –O5- █

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