SCP-166
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Objekt-Nr.: SCP-166

Klassifizierung: Euclid

Sicherheitsmaßnahmen: SCP-166 ist in der Bioeindämmungszone C an Standort-19 eingedämmt, die so modifiziert wurde, dass sie einen hermetisch abgeriegelten Vorraum und einen Luftreiniger von industrieller Stärke enthält. Das Eindämmungspersonal muss jederzeit die speziell dafür vorgesehenen 166-Gefahrgutanzüge tragen, wenn es sich im Eindämmungsbereich von SCP-166 befindet.

Aufgrund der einzigartigen physiologischen Bedürfnisse von SCP-166 wurde eine Auswahl an locker sitzender Baumwollkleidung bereitgestellt, die monatlich gewechselt wird. Alle Mahlzeiten sind nach den vorgegebenen Richtlinien mit möglichst wenig anorganischen Zusätzen zuzubereiten.

Angemessene Anfragen nach persönlichen Gegenständen und Modifikationen am Eindämmungsbereich können genehmigt werden, sofern die Zustimmung einer Stufe-4-Autorität oder höher vorliegt. Update: Alle Anfragen von SCP-166 müssen persönlich von Standortdirektorin Light genehmigt werden. Angefordert hat SCP-166 bisher:

  • Eine Ausgabe der Heiligen Bibel (gewährt).
  • Ein katholischer Rosenkranz (gewährt).
  • Zugang zu einem katholischen Priester für die Beichte, Messe und andere Sakramente. (abgelehnt) (Kaplan Davis trifft sich planmäßig nach einem gründlichen Dekontaminationsprozess an abwechselnden Sonntagen mit SCP-166)
  • Verschiedene Bücher und Zeitschriften, meist religiöser Art (gewährt, bis zur Überprüfung und Genehmigung des Inhalts)
  • Ein Telefon, mit dem sie die Äbtissin des Klosters der Muttergottes der Barmherzigkeit in der Grafschaft Galway, Irland, kontaktieren kann (abgelehnt) (gewährt) (auf Befehl der Standortdirektorin überstimmt, abgelehnt)

Beschreibung: SCP-166 ist ein europäischer weiblicher Mensch im späten Jugendalter mit Merkmalen eines Huftieres; besitzt Geweih, Huffüße und einen kurzen Schwanz, der an Rangifer tarandus (gewöhnliches Rentier) erinnert. Trotz dieser offensichtlichen Abnormitäten zeigt eine DNA-Analyse keine abnormen genetischen Merkmale.

Innerhalb eines Radius von fünfzehn Metern um SCP-166 kehren künstliche Objekte schrittweise in einen unbearbeiteten Zustand zurück. Komplexere Objekte wie Elektronik oder Fahrzeuge sind schneller betroffen, wobei die Zersetzung ihrer metallischen Komponenten innerhalb weniger Stunden zu einem katastrophalen strukturellen Versagen führt. Rudimentäre Materialien wie Steinstrukturen oder Produkte aus organischen Materialien verfallen mit einer nahezu unmerklichen Geschwindigkeit. Innerhalb desselben Radius wird das Pflanzenleben sprießen und wächst häufig an unwahrscheinlichen Orten wie aus Sicherheitskameras oder ID-Scannern.

SCP-166 besitzt eine möglicherweise anomale Sensibilität gegenüber künstlichen Materialien und Schadstoffen, wobei Inhalation oder Kontakt Dekubiti und Symptome von akuten Asthmaanfällen verursachen. In einem Fall verursachte die physische Nähe zu einem Raucher einen schweren Asthmaanfall, obwohl der Arzt drei Wochen lang keine Zigarette geraucht hatte.

Entdeckung: SCP-166 wurde im Kloster der Muttergottes der Barmherzigkeit in der Grafschaft Galway, Irland, entdeckt, wo es seit seiner Kindheit gelebt hatte. SCP-166 wurde durch einen abtrünnigen Agenten der Global Occult Coalition als Kind von Bedrohungsentität 9927-Schwarz ("Die Göttin") bestätigt, auch bekannt als SCP-████, das während des sogenannten Cornwall-Vorfalls von einer Einsatzmannschaft der GOC terminiert wurde.

Der Agent weigerte sich, SCP-166 zu terminieren, und schmuggelte es in ein katholisches Kloster in der Grafschaft Galway, Irland. Es lebte dort bis zum Alter von 12 Jahren, zu diesem Zeitpunkt sah ein Besucher versehentlich SCP-166 und meldete es bei den Behörden. Der Agent kontaktierte dann die Foundation und stimmte zu, GOC-Informationen gegen die garantierte Sicherheit und Eindämmung von SCP-166 einzutauschen.

Weitere Details sind geheim.

Anhang 166.1: Kaplan Davis' zweiwöchige Befragung

Davis: Guten Morgen, mein Kind.

SCP-166: Guten Morgen, Vater.

Davis: Wie üblich muss ich dich daran erinnern, dass das Beichtgeheimnis aufgrund unserer Umgebung nicht greift, sofern sich nicht ausdrücklich darauf berufen wird. Und sogar dann können Details unserer Unterhaltung entsiegelt werden, wenn sie als wesentlich erachtet werden. Verstanden?

SCP-166 nickt.

Davis: Ausgezeichnet. Nun, wie geht es dir?

SCP-166: Gut. Einer der Mitarbeiter erzählte mir gestern von Benedict. Ist das wahr?

Davis: Ah, ja, das war ziemlich unglücklich, aber es ergibt Sinn. Sogar als er die Position annahm, war er schon ziemlich alt. Nun kann er sich ausruhen und weiß, dass er der Kirche gut gedient hat.

SCP-166: Wissen Sie, wer ihn ersetzen wird?

Davis: Spekulationen gab es zuhauf, aber es könnte jeder sein. Dies sind schließlich schwierige Zeiten, mit all den jüngsten … Kontroversen. Sie möchten vielleicht ein neues Gesicht, das die Kirche repräsentiert, oder sie könnten einen Mann nehmen, der bereits Jahre seines Lebens gewidmet hat. Wer weiß, sie könnten sogar jemanden aus der Arbeiterklasse wählen. Das würde den Leuten sicher etwas zum Reden geben.

SCP-166: Das denke ich auch.

SCP-166 und Davis sitzen still da.

Davis: Ich spüre eine aufkommende Frage, mein Kind.

SCP-166: Tut mir leid.

Davis: Kein Grund zur Entschuldigung. Dafür bin ich schließlich hier. Wie lautet sie?

SCP-166: Es ist nur, ich wollte Sie etwas fragen, dachte aber, es wäre ein wenig zu persönlich. Ich habe mich nur gefragt, ob Sie ein gutes Verhältnis zu Ihren Eltern haben.

Davis: Zu meiner Mutter, ja. Bevor sie starb besuchte ich sie einmal im Monat im Altersheim und an ihrem Geburtstag und in den Ferien. Ich erzählte ihr, ich sei ein Kaplan im Militärdienst, was meiner Meinung nach der Wahrheit am nächsten kommt.

SCP-166: Und Ihr Vater?

Davis: Das ist eine etwas komplizierte Frage. Er war ein guter Mann, ein Soldat, der drei Dinge sehr schätzte: Gott, Land und Familie. Unglücklicherweise hielt er sehr stark an diesen Überzeugungen fest, was zu einigen … hitzigen Diskussionen führte. Ich liebe ihn immer noch, aber so ist es für jeden am besten.

Davis seufzt.

Davis: Und was ist mit deinen Eltern? Ich weiß, dass du im Kloster gelebt hast, aber davor?

SCP-166: Ich habe sie nie wirklich gekannt, ich wurde abgegeben, als ich ein Baby war. Ich meine, ich denke, sie müssen die Schwestern gekannt haben, wenn sie mich dort hingebracht haben, aber ich erinnere mich nicht an sie. Nur an das, was ich aufgeschnappt habe. Sie erwähnten meine Mutter ein wenig, bevor sie erkannten, dass sie aufpassen sollten, was sie über mich sagen. Ich glaube, sie sagten etwas darüber, dass sie eine Göttin sei? Was offensichtlich nicht wahr ist, sie muss eine Art Geist gewesen sein, aber zumindest irgendwas, wenn ich am Ende so aussehe.

SCP-166 deutet auf sich selbst.

SCP-166: Ich erinnere mich, wie ich die Äbtissin belauschte; sie sprach mit einer der Schwestern darüber, dass sie etwas falsch gemacht hatte, über ein Ritual, das jemand stoppte. Sie sagten, sie sei gestorben.

Davis: Es tut mir leid für deinen Verlust.

SCP-166: Nicht, dass ich sie kannte.

Davis: Und dein Vater?

SCP-166 zögert.

SCP-166: Ich weiß es nicht. Er muss derjenige gewesen sein, der mich im Kloster abgegeben hat. Aber warum dort? Warum hat er mich nicht mit sich genommen?

Davis: Ich bin sicher, er hatte seine Gründe.

SCP-166: Vielleicht. Wissen Sie, sie haben nie über ihn gesprochen. Nicht ein Mal. Ich muss die Äbtissin tausendmal gefragt haben, aber sie hat nicht einen Hinweis über ihn erwähnt.

SCP-166 hält inne.

SCP-166: Wenn meine Mutter so schrecklich war … was hat mein Vater getan?

[PROTOKOLL ENDE]

Anhang 166.2: Disziplinarische Befragung von [ZENSIERT]

[PROTOKOLL ANFANG]

Light: Was zur Hölle hast du dir dabei gedacht?

[ZENSIERT]: Ich wollte sicher gehen, dass es ihr gut geht. Ihr wolltet mich nicht mit ihr sprechen lassen. Ich nahm einen anderen Weg.

Light: Was du getan hast, war viel schlimmer als das. Wenn du einfach dabei geblieben wärst, den starken Mann zu markieren, sicher, ich hätte darüber hinweggesehen. Aber dann gehst du hin und versuchst, einer Klasse-4-Anomalie eine Telefonleitung zur Außenwelt zu geben – verdammt. Der Rat mag es schon nicht, dass du am selben Standort arbeitest wie sie, kommt das raus, kannst du dich von jedem Deal verabschieden, den du gemacht hast.

[ZENSIERT]: Komm schon, Sophia! Sie ist harmlos. Der einzige Grund, warum sie da drin ist, bin ich. Ich musste etwas tun. Wollte die Foundation sie einfach in dem Glauben aufwachsen lassen, dass ihre …

Light: Bevor du noch ein Wort sagst, erinnere dich daran, dass dies für jeden mit einer Stufe-4-Freigabe öffentlich ist. Ich kann deinen Namen zensieren, aber ich kann die Leute nicht davon abhalten, die Puzzleteile von einem ungelegenen kommenden Ausbruch zusammenzusetzen.

[ZENSIERT] bleibt still.

[ZENSIERT]: Sechzehn Jahre. Sechzehn Jahre, in denen sie nicht durch eine Stadt gehen oder einen Film anschauen oder einfach shoppen gehen konnte. Spielt keine Rolle, ob sie in einem Kloster oder einer Foundation-Zelle eingesperrt ist – sie ist für etwas eingesperrt, das sie sich nicht aussuchen konnte. Alles wegen mir. Das ist nicht fair.

Light: Ich weiß.

[ZENSIERT]: Und ich kann nichts dagegen tun. Ich könnte eine Einsatzmannschaft irgendwohin auf der Welt schicken, ich kenne Geheimnisse, für die die mächtigsten Leute auf der Welt Milliarden zahlen würden, und dennoch kann ich nicht einmal mit ihr sprechen, sie wissen lassen, dass sie nicht allein ist.

Light: Du hast das Beste getan, das du konntest. Viel mehr, als irgendjemand von dir in einer unmöglichen Situation erwarten konnte.

[ZENSIERT]: Lustig, dass das kaum einen Unterschied macht. Ich …

[ZENSIERT] verstummt.

[ZENSIERT]: Weißt du, es ist mir egal. Schreib einfach den Bericht über mich. Lass es uns einfach hinter uns bringen.

Light: … Ich plane dich für sechs zweistündige Sitzungen mit einem Foundation-Psychologen ein. Ich werde sicherstellen, dass es Glass ist. Er unterschreibt am Ende und wir können das aus deiner Akte löschen.

[ZENSIERT]: Mhm.

Light: [ZENSIERT].

[ZENSIERT]: Ja?

Light:

[ZENSIERT]: … Ja, ich weiß. Danke dir, Sophia.

[PROTOKOLL ENDE]



Am 08.05.2013 wurde die folgende Notiz im Eindämmungsbereich von SCP-166 entdeckt.

████,

Ich traf deine Mutter zum ersten Mal, als wir kaum mehr als Kinder waren. Sie hatte Hufe als Füße und Sternenlicht in ihren Augen. Sie war inkarnierte Schönheit und Natur und ich tötete sie mit meinen eigenen Händen.

Eden ist kein Ort. Es ist ein Zustand des Seins. Sie wollten uns dorthin zurückbringen und ich hielt sie auf. Ich habe uns zum zweiten Mal das Paradies genommen. Ich habe meine Taten an diesem Tag nie bereut, bis auf eine Sache: Als du mich an diesem Tag das erste Mal trafst, hast du gesehen, wie ich deiner Mutter eine Kugel in den Kopf schoss. Ich mache keine Ausreden, nur Erklärungen. Du hast dich vielleicht nicht einmal daran erinnert, aber nun erzähle ich es dir in der Hoffnung, dass du verstehst, warum ich getan habe, was ich tat. Ich hoffe du vergibst mir.

Ich liebe dich. Ich wünschte, ich hätte mehr für dich tun können. Das Beste, das ich tun konnte, war, dich in die Hände von freundlichen und liebevollen Menschen zu geben und zu hoffen, dass sie dich an meiner Stelle aufziehen. Wie ich das sehe, haben sie es gut gemacht. Ich verspreche, mein Bestes zu geben, damit dein Aufenthalt hier angenehm ist. Ich verspreche, dich zu beschützen.

Einen fröhlichen sechzehnten Geburtstag.
Von deinem liebenden Vater.

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