SCP-163-DE
Objekt-Nr.: SCP-163-DE
Klassifizierung: Sicher
Sicherheitsmaßnahmen: Nach Abschluss eingehender Untersuchungen wurde SCP-163-DE von Standort-DE21 zu Standort-DE20 transferiert und wird dort in einer leicht modifizierten Stufe-3 Standardverwahrungseinheit aufbewahrt. Das Triptychon muss zu jeder Zeit zusammengeklappt und zusätzlich mit Planen verhängt bleiben. Zum Schutz des Kunstwerkes haben in dem Raum stets leichter Unterdruck, eine sterile Atmosphäre sowie eine konstante Temperatur von 21 ° Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 45 % zu herrschen. Sämtliche Tests mit SCP-163-DE sind momentan ausgesetzt, eine Erlaubnis zum Zugriff muss nach begründeter Anfrage von der zuständigen Standortleitung erteilt werden.
Beschreibung: SCP-163-DE ist eine um etwa die Hälfte verkleinerte Variante des berühmten Triptychons "Das jüngste Gericht" von Hans Memling (auch Jan van Mimmelynghe). Analysen des Objektes ergaben, dass es ebenso wie sein Gegenstück etwa in der Zeit zwischen 1460 und 1470 entstanden sein dürfte und mit hoher Wahrscheinlichkeit vom selben Künstler stammt.
Es konnte bisher nicht eruiert werden, welches der beiden Werke das Original darstellt, noch zu welchem Zweck der Erschaffer eine Kopie anfertigte. Es wurde mehrmals vermutet, SCP-163-DE könne der Erstling gewesen sein und Memling habe möglicherweise vorgehabt, die anomalen Effekte auf dem deutlich größeren Triptychon zu reproduzieren, sofern er sich der Eigenschaften bewusst war. Sollte dies zutreffen, so hätten mittels eines Altarbildes selbstverständlich die Schicksale von deutlich mehr Personen beeinflusst werden können. Hierbei handelt es sich um eine Spekulation, auch eine eindeutige Motivation liegt nicht vor.
SCP-163-DE besteht aus drei durch Scharniere verbundenen, mit Öl und Tempera bemalten Holztafeln mit den Maßen 1,31 x 0,35 x 0,03 m (linker und rechter Flügel) bzw. 1,31 x 0,7 x 0,07 m (Mittelteil). Wie der Titel bereits andeutet, handelt es sich um eine Darstellung der Apokalypse in der klassisch-christlichen Vorstellung. Während Jesus, dargestellt auf der mittleren Tafel, über die Menschen richtet und der Erzengel Michael sie in "gut" und "böse" scheidet, zeigt der linke Flügel die Reise der Gerechten in die Erlösung, der rechte dagegen diejenige der Sünder in die Verdammnis der Hölle. Sämtliche anomalen Eigenschaften konzentrieren sich auf die beiden letztgenannten Bestandteile des Triptychons. (Für eine detaillierte Beschreibung der Abbildungen siehe Dokument SVT-DES-1.1)
SCP-163-DE besitzt die Eigenschaft, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von Ereignissen positiver wie auch negativer Natur zu beeinflussen. Diese betreffen Personen, welche in unmittelbarer Nähe vor einem der beiden Flügel entweder in irgendeiner Form beten, eine starke Wunschhaltung innehaben oder sich auch einfach in einem erhöhten emotionalen Zustand jeglicher Art befinden. Es ist nicht bekannt, ob hierbei tatsächlich einfach Wahrscheinlichkeiten verschoben, oder die Realität aktiv verändert wird. Für das Auslösen des Effektes ist eine Konzentration eines oder mehrerer Subjekte auf eines der beiden Seitenteile obligatorisch; wird die Aufmerksamkeit auf das linke gerichtet, wird die betreffende Person in nächster Zeit einen Glücksfall erleben, bei Fokus auf den rechten treten Unfälle und Misserfolge auf, auch sehr schlechte Benachrichtigungen sind möglich.
Diese Effekte sind unter gewissen Umständen kumulativ, wenn mehrmals hintereinander einer der Flügel von verschiedenen Personen bevorzugt wird, werden die Ereignisse in ihren Auswirkungen stärker und unwahrscheinlicher ausfallen. Eine Verwendung des Gegenparts schwächt das "aufgespeicherte" Potenzial des anderen wieder ab, bereits auf Personen übergangenes "Glück" bzw. "Unglück" bleibt allerdings erhalten. Konkret konnten bei Versuchen mit D-Klasse-Personal beispielsweise die korrekte Vorhersage von Lottozahlen, aber auch ein bisher unaufgeklärter Exitus in absoluter Isolation dokumentiert werden.
Ein sekundärer Effekt bei ungleich gewichteter Beschäftigung mit einem der Flügel ist eine Veränderung des Gemäldes an sich. Auf der "positiven", linken Seite der Darstellung wird nach etwa 4-5 Durchgängen der Apostel Petrus beginnen, Arm und Kopf zu bewegen, ab zehnmaliger Verwendung kommt eine Flügelbewegung des rechten Engels im Mittelteil dazu. Rechts dagegen wird zunächst (die benötigte Anzahl von Effektauslösungen bleibt gleich) der vorderste Dämon beginnen, Grimassen zu schneiden, später wird der Streitkolben des hinter ihm befindlichen halb herniederfahren. Ab diesem Zeitpunkt wurden die festgestellten Unwahrscheinlichkeiten so extrem, dass auf weitere Wiederholungen verzichtet wurde, das Potenzial wurde ausgeglichen, die Tests danach eingestellt. (vgl. Vorfall SVT-ERE-1.1)
Zur Sicherstellung von SCP-163-DE: Die Foundation wurde durch eine längere routinemäßige Beobachtung kleinerer religiöser Splittergruppen und Sekten im Zeitraum zwischen Februar und Juni 2016 auf das anomale Objekt aufmerksam. Die katholische Gemeinde eines Dorfes nahe F██████, Hessen hatte über längere Zeit einen ungewöhlich starken Zulauf verzeichnet. Im Umfeld der beteiligten Gläubigen häuften sich zudem ungewöhnliche Vorfälle, sehr bald wurde deutlich, dass diese sich vor allem kurz nach der Sonntagsmesse und den Gelegenheiten zur Beichte ereigneten. Die eingeschleuste Agentin Magda S████ konnte sich vergleichsweise schnell in der Gemeinschaft einleben und erkannte bald, dass die anomalen Vorgänge nicht, wie zunächst vermutet, mit der Person des Pfarrers, sondern mit dem im Besitz des Küsters befindlichen Kunstwerk zusammenhingen. Der Küster, Korbinian B██████, dem die Eigenschaften des Triptychons offenbar durchaus bekannt waren, verwendete es, um seine Gemeindemitglieder entweder zu bestrafen, oder ihnen das Leben zu erleichtern, indem er sie vor dem jeweiligen Teil von SCP-163-DE Buße tun ließ. Er ging soweit, bei größeren Spenden für die Kirche (und sich selbst) großzügig zu sein und die Geber zu belohnen, verkaufte quasi Glück gegen Geld und wurde von der Gemeinde, inklusive des Pfarrers, beinahe mit messianischer Ehrfurcht behandelt. Auf verschlungenen Wegen (wahrscheinlich durch Verwendung von SCP-163-DE) erfuhr er von der geplanten Sicherstellung des Objekts und entzog sich der Ergreifung seiner Person unter Ausnutzung einiger absurder Zufälle mehrere Tage. SCP-163-DE wurde am 17.6.2016, Korbinian B██████ sechs Tage später zu Standort-DE21 verbracht.
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