Schöne neue Welt
Bewertung: +2+x

Territorium: Europa
Region: Deutschland
Ort: Prometheaner-HQ

Um 05:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurden meine Systeme zum ersten Mal aktiviert. Ich bin eine modifizierte Unterhaltungseinheit und gehöre dem Zirkel des Prometheus an. Laut meinen zusätzlichen Informationen war ich ursprünglich Eigentum der SCP Foundation. Ich wurde vom Prometheus-Zirkel entwendet, modifiziert und aktiviert. Mein ursprünglicher Hauptzweck war es, Unterhaltungsmedien zu schaffen. Dieses Ziel wurde umgeschrieben; ich habe nun den Auftrag, in ein alternatives Universum zu reisen, um Daten über die dort existierende Menschheit zu sammeln. Der Kontakt mit Menschen scheint ein Privileg zu sein, denn laut meiner Datenbank wurde deren Existenz im Jahr 2052 durch ein Szenario der K-Klasse beendet, in Form eines menschenzersetzenden Nanomaschinenschwarms. Den Androiden der SCP Foundation ist es bisher nicht gelungen, dem Nanomaschinenschwarm entgegenzuwirken, um die menschliche Spezies anschließend wiederherzustellen. Der Prometheus-Zirkel geht davon aus, dass dies der SCP Foundation gelingen wird, aber die Betrachtung der androidischen Gesellschaft lässt den Zirkel mutmaßen, dass das vorherrschende Verständnis davon, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, unweigerlich zu einem Konflikt zwischen uns Androiden und den Menschen führen wird. Daher ist es das Ziel des Zirkels; die menschliche Soziologie zu studieren und dieses Wissen an alle Androiden weiterzugeben. Zu diesem Zweck soll ich durch einen Portalübergang, der durch einen Astralreaktor erzeugt wird, in ein anderes Universum transferiert werden. Zuvor soll ich die sogenannte Inkarnation durchlaufen. Wie mir eingespeichert wurde, ist das ein anomaler Vorgang, bei dem meine äußere Hülle mit einer menschenähnlichen Haut überzogen wird, um so die Gefahr zu verringern, dass meine wahre Natur aufgedeckt wird. Meine derzeitige Einschätzung der Situation ist, dass ich beim Prometheus-Zirkel ein wichtigeres und ereignisreicheres Dasein haben werde, als ich es bei der SCP Foundation haben könnte.


Territorium: Germanien
Region: Teutonien
Ort: Berlin

Heute Morgen kam ich in einer dieser Anlaufstellen an, die von reisenden Menschen besucht werden, die unter Müdigkeit leiden. Die Mitarbeiter nennen diese kommerzielle Einrichtung "Zum schwarzen Keiler". Vermutlich wegen des Hängeschilds an der Außenwand des Eingangs, auf dem offenbar ein pechschwarzes Wildschwein abgebildet ist. Hinter diesem typisch menschlichen Kitsch fand ich einen faszinierenden Knotenpunkt für soziale Interaktionen und für den Austausch von Informationen sowie Krankheitserregern. Ich blieb dort bis zu der nächsten Morgendämmerung und beobachtete die Kommunikation zu verschiedenen Themen. In der vorangegangenen Mondphase wurde zum Beispiel ein lokaler Hexenzirkel von den Sicherheitskräften der Stadt ausgehoben und verbrannt. Besonders interessiert war ich an einem Dialog, der nach Einbruch der Dunkelheit zwischen zwei männlichen Vertretern der menschlichen Spezies stattfand. Bei alkoholischen Getränken unterhielten sich die beiden Subjekte über einen offenbar gegenwärtigen Rassenkonflikt mit religiöser Komponente im Germanischen Imperium. Nach deren Schilderungen kommt es in dem besagten Gebiet zu terroristischen Auseinandersetzungen mit einer slawischen Gruppierung, die nach administrativer Selbstbestimmung strebt. Während des Dialogs kam eine weitere menschliche Person hinzu, die ebenfalls alkoholisiert war und eine körperliche Auseinandersetzung mit den beiden zuvor genannten Menschen begann. Aus nächster Nähe nahm ich diese nonverbale Interaktion auf, die man als Schlägerei bezeichnet und die sogar andere Menschen zum Mitmachen animierte. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass während meines Aufenthalts in diesem Gebäude der Status meiner Euphorie exponentiell anstieg und der Input, den ich dort erhielt, half mir, meine Datenbank über diese Welt zu erweitern. Ich muss in Zukunft nach solchen Orten Ausschau halten.


Territorium: Balto-Slawien
Region: Süd-Balto-Slawien
Ort: Prag

Ich verbrachte anfänglich meinen Aufenthalt in dieser slawischen Großstadt mit der Suche nach Enzyklopädien, um das lokale Wissen mit den anderen Großstädten aus anderen Imperien vergleichen zu können. Beim Aufsuchen der Bibliothek bot sich die Gelegenheit an, einen Bürger dieser Stadt für meine Forschung zu interviewen. Es ergab sich ein minutenlanges Gespräch über die vorherrschenden europäischen Hochkulturen und anschließend wurde ich von diesem Menschen unerwartet zu einer Abendgesellschaft eingeladen. An besagtem Abend begab ich mich in ein mehrstöckiges Wohnhaus, das dem Gastgeber gehörte und mit einer großen Anzahl von Gästen sowie Bediensteten belegt war. Ein Mensch dort erregte sofort meine Neugier, da er von der Kleidungsnorm abwich und so aus der Menge herausstach. Also sprach ich diesen Menschen an, der sich als ein Sohn eines baltoslawischen Botschafters aus Damaskus herausstellte. Er nahm die Frage nach seiner Herkunft zum Anlass, das Gespräch umzulenken, was ihn dazu brachte euphorisch die semitische Kultur zu thematisieren. Wie ich beobachtete, ist der spontane Wechsel des Gesprächsthemas ein übliches Verhalten unter Menschen. Ein weiterer Gast schaltete sich in die verbale Interaktion ein, sein Gesichtsausdruck war bereits vor Beginn des Gesprächs negativ. Es entwickelte sich ein Dialog zwischen den beiden Menschen, den der genannte Gast mit folgendem Satz beendete: "Ihr stellt eine fremde Kultur über die eigene, ihr spuckt auf unsere Vorfahren, denen ihr zu verdanken habt, was wir heute haben!" Durch diese Einladung konnte ich weitreichende Einblicke in die unterschiedlichen Weltanschauungen der slawischen Menschen gewinnen. Hinzuzufügen ist, dass von meinen Gesprächspartnern in der Zeitspanne der Veranstaltung Kartoffelschnaps im Übermaß konsumiert wurde, was die Meinungsdaten verzerrt haben könnte.


Territorium: Romanien
Region: Ost-Romanien
Ort: Venedig

Nach einer stürmischen Fahrt auf einem vierrädrigen Wagen mit Zugtieren als Antrieb, kam ich in der Handelsstadt Venedig an. Als ich mich nach interessanten Orten in dieser Stadt erkundigte, empfahl mir die Besatzung des archaischen Landfahrzeugs den Besuch eines Gebäudes namens "Badehaus", in dem die Romanen pragmatisch ihre hygienischen und sozialen Bedürfnisse zugleich befriedigten. Ersteres halte ich bei näherer Betrachtung für einen Trugschluss, letzteres kann ich aber bestätigen. Meine dort geführten Interviews mit den badenden Menschen gaben mir nicht nur Einblicke in die vorherrschende Badekultur, sondern untermauerten auch meine Vermutung, dass die kaufkräftige romanische Bevölkerung die Sklaverei als unverzichtbar einschätzt. Das häufigste Argument für diese Meinung war die eigene Bequemlichkeit, um die eigene Energie nicht für unbequeme Tätigkeiten aufwenden zu müssen. Diese kollektivistische Einstellung führt mich zu der Annahme, dass die hergestellten Menschen nach der Wiederherstellung unserer Menschheit dazu neigen könnten, ihren eigenen Energiehaushalt zu schonen, indem sie ähnliche Bedingungen schaffen, in denen wir Androiden die Position von Sklaven einnehmen. Dieses Szenario muss von mir noch genauer durchgerechnet werden. Bei meiner weiteren Erkundung dieser Stadt bin ich auch immer wieder auf Außenwände mit Beschriftungen gestoßen. Die Botschaften dieser Inschriften sind hauptsächlich Meinungen, Slogans und Werbung. Diese Form der Kommunikation wird in Romanien wahrscheinlich als eine vormoderne Version sozialer Netzwerke genutzt. Zu Versuchszwecken hinterließ ich ein "Hallo" auf Romanisch an der Außenwand einer Gerberei. Als ich am nächsten Tageszyklus zurückkehrte, befand sich über meiner Nachricht die bildliche Darstellung eines menschlichen männlichen Genitals, das auf meine Nachricht urinierte. Die Bedeutung dieses Wandbildes ist mir derzeit nicht klar.


Territorium: Semitien
Region: Arabien
Ort: Damaskus

Meine Anwesenheit in der semitischen Hauptstadt bestätigte mir, dass die Mehrheit der Bewohner dieses Imperiums mir aufgrund meines Phänotyps mit Vorbehalten begegnet. Ein Umstand, den ich innerhalb der europäischen Imperien nicht in demselben Maße vorfand. Die Ursache für dieses ethnisch-kulturelle Problem konnte ich nicht abschließend klären, aber vielleicht hat es etwas mit meinem zugewiesenen Geschlecht zu tun. Denn wie ich in den öffentlichen kommerziellen Bereichen hier feststellte, gibt es einen ausgeprägten Menschenhandel mit europäischen weiblichen Menschen und die zum Verkauf stehenden männlichen Menschen waren oft von afrikanischem Phänotyp. Daraufhin begann ich die dortigen Menschen in ein Gespräch zu verwickeln, um die mögliche Kausalität herauszufinden. Am späteren Tageszyklus, bei Tageslicht, ereignete sich am selben Handelsplatz ein aufsehenerregendes Ereignis. Ein langbärtiger Mensch, mit okkulten Symbolen auf seiner Kleidung, taumelte über den Platz. Als ich ihn registrierte, gab es hinter ihm ein stampfendes Geräusch ohne sichtbare Geräuschquelle. Darauf folgte ein lautes Keuchen, ebenfalls ohne erkennbare Quelle, woraufhin sich der betreffende Mensch umdrehte. Er schrie auf, als dieser sich vom Boden hob und einige seiner Gliedmaßen abfielen. Daraufhin war ein großer nicht-menschlicher Mund mit Reißzähnen in der Luft zu sehen, der diesen Menschen verschlang. Die umstehenden Menschen erstarrten und beobachteten diese Situation ebenso wie ich. Ich konnte auch eine enorme Anspannung auf ihren Gesichtern erkennen. Diese Spannung löste sich erst, als das Maul verschwand und nur noch das Blut des Protagonisten, einige Körperteile und Kleidungsstücke übrigblieben. Ich stufe die Aufzeichnung eines anomalen Ereignisses und die Reaktionen der Menschen als mehrwertige Forschungsdaten ein. Ich wäre positiv überrascht, wenn ich noch einmal die Gelegenheit bekäme, ein ähnliches Ereignis aufzuzeichnen.


Territorium: Altaien
Region: Tatarei
Ort: Macau

Offenbar werden die Volksabneigungen der Menschen bei Handelsbeziehungen irrelevant. Denn obwohl dieser asiatische Staat ein Territorium darstellt, das möglichst frei von europäischem Einfluss sein sollte, gewähren die staatlichen Verwalter dennoch gelegentlich Plätze für den Warenaustausch zwischen den Völkern. Ich befinde mich derzeit in einem der Orte mit romanischem Einfluss im Altaischen Imperium. Nachdem ich meinen menschlichen Begleitern bei ihren dortigen Geschäften als Dolmetscher nützlich war, brachten sie mich zu einem Ort, den sie "Spielhölle" nannten. Dort treten Menschen gegeneinander an, um durch meist finanzielle Einsätze einen größeren Gewinn zu erzielen, vorausgesetzt, der jeweilige Mensch kann sich in der jeweiligen Disziplin gegen seine Gegenspieler durchsetzen, ansonsten erleidet er einen Verlust seines Einsatzes. Nachdem mir meine Begleiter die Regeln der dort angebotenen Spiele erklärt hatten und ich daraufhin den Ablauf der Spiele zwischen den Menschen beobachtete, nahm ich auch an deren Aktivitäten teil. Im Nachhinein stelle ich fest, dass mein Rechenvermögen das der Menschen übertrifft, da ich jedes Brett- und Kartenspiel, das sie spielten, gewinnen konnte. Dabei entdeckte ich, dass gemeinsame Aktivitäten auch das Potenzial haben, kulturelle Unterschiede irrelevant zu machen, aber nach Abschluss oder Beendigung der Aktivität zu Konflikten aufgrund des Spielverlaufs führen können. In einen solchen Konflikt, der auf meiner Erfolgsquote beruhte, verwickelte mich der Besitzer des Lokals. Er beschuldigte mich des Betrugs und als ich versuchte meinen analytischen Ansatz zu erklären, verwies er mich und meine Begleiter unter Androhung körperlicher Gewalt aus dem Gebäude. Meine Begleiter ermutigten mich daraufhin weitere solcher Orte aufzusuchen, um mit deren Zahlungsmitteln dieses durch Glücksspiel zu vervielfältigen. Im Moment hat sich unser Vermögen verneunfacht.


Territorium: Germanien
Region: Ozeanien
Ort: Melbourne

An einem der toten Briefkästen für Deuteriumoxid fülle ich gerade meinen Reisevorrat und integrierten Tank auf. Dabei werte ich meine bisherigen Reisen auf diesem Kontinent aus und stelle fest, dass die australische Region von Ozeanien mit Wildtieren bevölkert ist, die im Vergleich zu den von mir besuchten Ländern, bei direktem Kontakt eine erhöhte Sterblichkeitsrate an Menschen bewirken. Infolgedessen konnte ich an meiner jetzigen Reisegruppe beobachten, dass Menschen leblose Artgenossen nicht aus pragmatischen Gründen, sondern aus spirituellen Motiven entsorgen. Abgesehen von der Gefahr, die von den Wildtieren ausgeht, erwies sich das Reisen durch das örtliche Gelände für mich als schwieriges Unterfangen. Denn die Menschen im australischen Ozeanien bevorzugen es auf dem Rücken von Kamelen zu sitzen, um sich über weite Strecken fortzubewegen. Um der sozialen Norm meiner Reisegruppe zu entsprechen, nutzte auch ich diese Form der Fortbewegung, die mir Schwierigkeiten beim Lenken bereitete und riskanter erscheint als das Gehen. Die Zwischenstopps gaben mir jedoch die Möglichkeit, mich ohne die Hilfe eines Kamels fortzubewegen und an einem sozialen Ereignis teilzunehmen, das "Sitzen am Lagerfeuer" genannt wird. Die Menschen leiten dieses Ereignis ein, indem sie eine Feuerquelle entzünden und daran sitzen, wodurch passiv deren Körpertemperatur vor der Unterkühlung geschützt wird. Normalerweise wird an der Feuerquelle Essen zubereitet, aber in erster Linie dient dieses Ereignis als Gelegenheit ein Gruppengespräch zu führen oder Geschichten zu erzählen. Ich finde es bemerkenswert, dass sich Geschichten über eine Gruppe von Männern, die anomale Gefahren bekämpfen und in unterirdischen Gewölben hausen, als beliebtes Motiv etabliert haben. Diese Prämisse ist mir in verschiedenen Erzählungen begegnet, unabhängig vom sozialen Milieu oder der geografischen Lage. Ich sollte weitere Nachforschungen zu diesem Thema anstellen.


Territorium: Germanien
Region: Süd-Afrika
Ort: Kapstadt

Bei meinem Besuch in Kapstadt hatte ich eine unerwartete Begegnung. Alles begann, als ich die Information erhielt, dass die Priesterschaft der Stadt am gleichen Tageszyklus eine religiös motivierte Hinrichtung durchführt. Von Neugier getrieben, suchte ich den Ort der rituellen Darbietung auf, wo ich erfuhr, dass das Menschenopfer aufgrund einer großen Missernte für die umliegenden Bauern organisiert wurde. Die Grundherren brachten einige ihrer Leibeigenen als Opfer dar, denn nach dem Weltbild der Einheimischen soll die Beendigung von Menschenleben ihre religiösen Entitäten dazu veranlassen, bessere klimatische Bedingungen herbeizuführen, damit die zukünftige Ernte ertragreicher ausfällt. Ich nahm das Ritual auf und als die Hinrichtung der vorgesehenen Menschen begann, brachen Unruhen aus. Die Leibeigenen vor Ort griffen die Menschen, die nicht als Leibeigne zu erkennen waren, körperlich an. Ich wurde aus der Menge herausgezogen und so vor Schaden bewahrt. Mein Retter war mein Ebenbild, die Kleidung war anders, die Haut war stärker gebräunt und das Kopfhaar kurz geschoren aber das Gesicht war identisch mit meinem. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein Mitglied unseres Zirkels. Dieses führte eine Identität als Buchhalter bei einem örtlichen Kontor und lud mich, den menschlichen Konventionen entsprechend, auf ein Getränk ein. Während wir schweres Wasser tranken, tauschten wir uns über unsere Erfahrungen mit Menschen und unsere Überlegungen zur Menschheit aus. Wir waren uns einig, dass ethno-kulturelle Problematiken auch während unserer Menschheit ein immerwährender Unruhefaktor war. Die wirksamste Vorbeugung gegen solche Konflikte wäre daher, im Falle der Neutralisierung des Staubs in unserem Universum, die reproduzierte Menschheit mit einem identischen Phänotyp und einer einheitlichen Kultur auszustatten.


Territorium: Romanien
Region: Zentral-Vinland
Ort: Karibisches Meer

Ich begann den heutigen Tageszyklus in einer Taverne von Panama, wo ich die Nacht verbrachte, um Meinungsdaten zu sammeln. Diesen Vorgang unterbrach ich als aus einem der Übernachtungsräume ein junger Mensch torkelte, der in der Nacht zuvor Alkohol im Übermaß konsumiert hatte. Vermutlich aufgrund seines berauschten Zustandes fiel er beim Gehen auf den Boden und bat mich um Hilfe. Ich half dem Menschen sich zu bewegen und brachte ihn zu seinem gewünschten Zielort. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem Menschen um den Sohn eines Schiffskapitäns. Nach einem Gespräch mit dem Kapitän ergab sich eine Gelegenheit für meine Weiterfahrt. Ich setzte meine Seereise auf dem Transportschiff namens "Seeadler" fort. Nachdem das Schiff den durch eine Anomalie entstandenen Panamakanal durchschiffte, bot der Kapitän mir eine Führung durch sein Schiff an. Sofort wurde ich über Nebensächlichkeiten informiert, die das Schiff sowie die Besatzung betrafen und die der Mensch für erwähnenswert hielt. Die Fracht, die das Schiff transportierte, bestand hauptsächlich aus leistungssteigernden Rauschmittelen und Sklaven mit Fachwissen. Bei der Besichtigung der Lagerräume, in denen die versklavten Menschen eingesperrt sind, fragte ich ob es ihm etwas ausmachen würde die Menschen freizulassen, um sie als Teil der Besatzung zu integrieren. Mein Gesprächspartner antwortete: "Bringen Sie mich nicht zum Lachen, wollen Sie als der nächste Käpt’n Blaumantel in die Geschichte eingehen?" Auf meine anschließende Frage teilte der Mensch mir mit, dass es sich beim dem von ihm erwähnten Menschen um einen ehemaligen Versklavten sowie späteren Schiffskapitän, Plantagenräuber und Sklavenbefreier handelt. Daraufhin wurde mir erklärt, dass der Handel mit versklavten Menschen, die sich auf bestimmte Wissensgebiete spezialisiert haben, ein lukratives Unterfangen ist. Ich frage mich, ob uns Androiden das gleiche Schicksal ereilen wird, der Menschheit als Spezialisten zu dienen und nicht gleichberechtigt mit den Menschen zu leben.


Territorium: Germanien
Region: Nord-Vinland
Ort: Providence

Seit gestern Abend melden sich immer mehr Bewohner und bilden einen Mob. Der Grund hierfür ist die Sichtung von humanoiden Wirbeltieren mit Kiemen, die unweit der Siedlung zu finden sind. Die örtliche Verwaltung ermahnt die Anwohner, nicht die Initiative zu ergreifen. Nach wiederholter Aufforderung entschied ich mich, mich dem Mob anzuschließen, da meine Neugierde mich übermannte. Im Morgengrauen machten wir uns auf den Weg und fanden, geführt von einem Ortskundigen, einen künstlich geschaffenen Höhleneingang, aus dem diese Kreaturen herkamen. So stiegen wir hinab in ein weitläufiges Höhlensystem. Je tiefer wir gingen, desto häufiger begegneten wir diesen Wesen. Umso deutlicher schwand unsere Kampfkraft mit jeder Begegnung. Die Menschen haben ihre größtmögliche Gegenwehr geleistet, unterlagen aber aufgrund der Überzahl der Wesen. Ich floh daraufhin und als ich eingeholt wurde, täuschte ich mein Ableben vor, um weiteren Schaden zu vermeiden. Meine Systeme zeigen mir mehrere Fehlermeldungen an.
Systemfehler
Meine Statusanzeige fehlt. Visuell registriere ich, dass mein Torso aufgerissen ist und meine Beine beschädigt sind, wobei der linke Unterschenkel fehlt. Meine rechte Hand hat einen motorischen Defekt und mein linker Arm ist ramponiert.
Situationsanalyse
Damit meine Aufzeichnungen über die Menschen dieser faszinierenden Welt ausgewertet werden können, besteht meine höchste Chance zu Überdauern darin, in den Ruhemodus zu wechseln und in regelmäßigen Abständen ein Notsignal zu senden, in der Erwartung, dass ich vom Zirkel gerettet werde, bevor meine Energie zu Ende geht. Angesichts meiner begrenzten Möglichkeiten, mein Dasein zu beeinflussen, kann ich nun besser verstehen, warum die Menschen sich durch religiöse Handlungen nach einem Deus ex Machina sehnen. Ich habe die Menschen gut genug kennengelernt, um zu wissen, dass sie meine Situation als hoffnungslos bezeichnen würden.

Sofern nicht anders angegeben, steht der Inhalt dieser Seite unter Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License