Schnipseljagd
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02.02.2006

In der Fürstenwalder Poststraße 87 in Frankfurt (Oder) saß ein Mann in einem mit Regalen vollgestopften Raum und schob unter dem Licht einer einzelnen Tischlampe Papierschnipsel auf seinem mit Kisten vollgestellten Tisch hin und her. Er tat das nicht zufällig, denn jeder Papierschnipsel gehörte an einen bestimmten Platz und all diese Fragmente zusammen ergaben eine bedruckte A4-Seite. Ein geheimes Dokument das einstmals von Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit erstellt und später wieder vernichtet worden war.
Man kann es sich sicher schon denken, dieser Mann war ein Mitarbeiter der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Manche mögen es für einen langweiligen Job halten tagein, tagaus aus irgendwelche Blätter zusammen zu puzzeln, aber er mochte diese Aufgabe. Er mochte dieses Schockgefühl zu erfahren was das MfS alles über die Bewohner der DDR in Erfahrung gebracht hatte. Es war ein wohliges Gefühl wenn sich ihm die Nackenhaare aufstellten.
Herr Reiser, wie er von seinen Kollegen genannt wurde, war sich nicht sicher ob die anderen Mitarbeiter genauso empfanden wie er aber das war ihm egal. Er hatte Spaß an seiner Arbeit und was wollte man mehr?
Endlich hatte er es geschafft das Dokument zu vervollständigen. Mit einem gewissen Triumph schaute er auf den leeren braunen Sack der neben seinem Tisch stand. Ein weiterer der vierhundert Säcke war endlich fertig. Doch die Arbeit war noch lange nicht getan, denn weitere Dokumente warteten darauf aus ihren braunen Hüllen genommen und wieder zusammengesetzt zu werden. Herr Reiser trottete also ins Lager und griff nach dem nächsten Sack, der in den Regalen lag. Als er diesen aber herausziehen wollte, wurde er auf etwas Merkwürdiges aufmerksam.
Der Sack war schwer. Gut, solche Säcke waren nie federleicht, auch wenn sie nur mit Papier gefüllt waren, aber dieser hier hatte ein deutlich größeres Gewicht. Prüfend fuhr Herr Weiser über die Oberfläche des Sacks und drückte ein paar Mal darauf. Nein, alles schien nur Papier zu sein. Kein Blei oder andere Scherze, die das Stasipersonal als letzte Bosheit mit hineingelegt hatte. Stirnrunzelnd schulterte der Mann den Sack und trug ihn im Schweiße seines Angesichts zurück in seinen Raum.
Dort angekommen machte sich Herr Reiser sofort daran den Sack zu öffnen. Er war neugierig was den Sack so schwer machte. Aber auf den ersten Blick sah er nichts. Nur Papierschnipsel, wie sie auch in all den anderen Säcken lagen. Leicht irritiert griff er sich zwei Handvoll heraus und fing an sie nach verschiedenen Kriterien in die Kisten auf seinem Tisch einzusortieren. Dann nahm er sich die nächste Handvoll, und dann noch eine und noch eine. Als er auch all diese einsortiert hatte, bemerkte er die nächste Besonderheit des Sacks. Herr Reiser hatte sich zum Ergreifen der Schnipsel nicht wie sonst auch immer weiter herunterbeugen müssen um das Papier zu erfassen. Das lag daran, dass der Sack nicht leer wurde.
Mit dem Gewicht hatte er sich ja noch arrangieren können aber das hier ließ Herrn Reiser wirklich arg darüber nachdenken ob er sich nicht vielleicht überarbeitet hatte.
Er würde dazu morgen Beobachtungen anstellen. Jetzt war er zu neugierig und machte sich daran aus den Schnipseln etwas Lesbares zusammenzusetzen. Zu seinem Glück war ein Blatt ziemlich schlampig zerrissen worden, daher konnte der Mann die ersten drei Zeilen lesen, die darauf geschrieben standen. Was er las ließ ihn eine Augenbraue hochziehen.

Berlin, den 08. 09. 1958


Ministerium für Staatssicherheit


Abteilung XXV

Abteilung XXV? Herr Reiser arbeitete schon lange hier, aber von dieser Abteilung hatte er noch nie etwas gehört. Neugierig fing er an zu puzzeln und hatte bald ein paar Sätze zusammen.

Die Ziele der Abteilung XXV lauten wie folgt:
* Die Erforschung übernatürlicher Phänomene und daraus folgend die Entwicklung neuer Verfahren zum Schutz vor feindlicher Spionage und Sabotage.
* Die Erforschung übernatürlicher Phänomene und daraus folgend die Entwicklung neuer Verfahren zur Aufklärung und Informationsbeschaffung.
* Die Erforschung übernatür

Übernatürliche Phänomene… Das klang ja fast wie das Stargate-Projekt der CIA. Herr Reiser machte weiter.

scheint das Projekt vielversprechend um den Rückhalt der Partei bei der Bevölkerung zu stärken.

Was war das gewesen? Eine Stasiabteilung die den Rückhalt bei der Bevölkerung stärkte tat das nicht mit Freundlichkeit und Geschenken. Sie setzte vermutlich irgendwelche Werkzeuge zur Volkskontrolle ein. Aber was für welche?

Waffentest von Abteilung XXV erfolgreich beendet. Offizier Mader gibt das Produkt mit seiner Unterschrift zur Massenfertigung frei.

Wer war Offizier Mader? Der Chef von Abteilung XXV? Herr Reiser wurde immer schneller beim Zusammensetzen.

Der Sabotageakt konnte durch den Einsatz des Prototyps erfolgreich vereitelt werden.

teilung XXV ermöglicht nun eine vollständig zuverlässiges Verhörverfahren, womit

Typ TB-50 erlaubt eine vollständige Zersetzung von Gruppen deren Ziel die Schädigung der kommunistischen Bevölkerung darstellt. Weitere Einsä

Die Wirksamkeit der Droge wurde somit bestätigt. Die Anwendung am Volk zur

Liquidierung des feindlichen Agenten gelang ohne das Aufschrecken der kommunistischen Bevölkerung

macht eine vollständige Überwachung von westlichen Provokateuren und Rädelsführern möglich

Offizier Mader genehmigte nach der Fertigstellung des Prototyps am 12. 03. 1964 den Testeinsatz gegen

urch können pro Einsatz rund 50.000 Ziele eliminiert wer

amit kann eine Umerziehung von allen Subjekten gewährleistet werden, die vom Klassenfeind beeinflusst worden sin

Herr Reiser wurde während des Lesens immer blasser. Zersetzung, Liquidierung, Überwachung, Umerziehung. Diese Abteilung vereinte anscheinend das Schlechteste des MfS in sich! Er musste das melden, unverzüglich.

Es dauerte keine drei Stunden und zwei Männer in schwarzen Anzügen traten in Herrn Reisers Raum. Beide waren groß und trugen eine Miene zur Schau als ob sie sowas nicht zum ersten Mal machten.
"Guten Tag", begrüßte ihn der Linke. "Wir sind im Auftrag der Regierung hier. Ist das der Sack?"
Herr Reiser nickte kurz.
"Befindet sich sein ganzer Inhalt in diesem Raum?"
Herr Reiser nickte wieder.
"Gut. Straub, Sie wissen was zu tun ist."
Der Rechte trat auf den Behördenangestellten zu und zog zu Herrn Reißers Verwirrung eine winzige schwarzweise Spraydose aus seinem Anzug, deren Inhalt er dem Angestellten ins Gesicht sprühte. Herr Reiser wollte sofort auffahren und den Anzugsträger fragen was ihm denn einfiele, doch plötzlich wurde ihm schwummrig. Sein Sichtfeld schränkte sich stärker und stärker ein bis er nur noch das große A auf der Dose ausmachen konnte. Dann verlor er das Bewusstsein.

03.02.2006

"Abteilung XXV, oh das wird Arbeit geben…"
Dr. Hoffmann, ein Stufe-3-Forscher der Foundation, betrachtete mit grimmiger Miene wie seine zwei Forschungsassistenten an einem Tisch versuchten die Fragmente aus dem Sack zusammenzusetzen. Ein schwieriges Unterfangen, denn er hatte fünfhundert Kubikmeter Schnipsel enthalten. Zum Glück hatte der Sack das Gewicht seines Inhalts stark reduziert, sonst hätten Agent von Dorff und Agent Straub ihn niemals in einem sauberen Rutsch aus dem Gebäude schaffen können.
Auch wenn die Bergung so gut funktioniert hatte, die Dokumente waren besorgniserregend.

Die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit ist unausweichlich. Daher wurde Abteilung XXV präventiv geschlossen um zu verhindern, dass ihre Ergebnisse und Leistungen vom Klassenfeind missbraucht werden können. Alle Mitarbeiter und Mitwisser mit der Ausnahme des Abteilungsoffiziers wurden erfolgreich gehirngewaschen oder eliminiert. Die Zahl der Personen die um die Existenz von Abteilung XXV wissen beläuft sich nach der Vernichtung all ihrer Dokumente auf 0.

Gezeichnet: Offizier Konstantin Mader

Dr. Hoffmann schüttelte den Kopf. Die Foundation musste sich bereits mit den Überbleibseln von Prometheus Labs, Inc. und der GRU Division "P" herumschlagen, da brauchte sie wirklich nicht auch noch das was von Abteilung XXV übriggeblieben war. Er hatte zwar noch die leise Hoffnung, dass all ihr Teufelswerk bereits unschädlich gemacht wurde, aber je mehr seine Mitarbeiter zusammensetzten, umso mehr erlosch sie.

Aufenthaltsort von Subjekt 17 ist zum jetzigen Zeitpunkt unbekannt.

Eine ungewollte Freisetzung kann nicht ausgeschlossen werden

Der Zeitpunkt an dem die bestehende Sicherung frühestens versagen wird liegt laut den Berechnungen im Jahre 2015

Dr. Hoffmann konnte sich denken was damals kurz vor der Schließung von Abteilung XXV passiert war. Mader und vielleicht noch ein paar seiner Untergebenen war der kalte Schweiß ausgebrochen als sie erfuhren, dass das Ministerium für Staatssicherheit trotz all ihrer Bemühungen aufgelöst werden sollte. Anschließend hatten sie in blinder Panik die Dokumentation über eine unbekannte Zahl gefährlicher Gegenstände zerstört nur um vor dem Gericht keine Rechenschaft ablegen zu müssen. Mann, diese Idioten.
Dr. Hoffmann setzte sich zu seinen Assistenten und begann ihnen zu helfen. Diese Akten mussten schnellstmöglich wieder zusammengesetzt werden bevor es zu spät war.

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