Das Schicksal eines Magiers, Teil 1
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"… zudem ist die Ausführung dieses Rituals sehr belastend für euren Körper. Ihr solltet daher bei der Verwendung in bestmöglichster Form sein!", mehr hörte ich von unserer Dozentin Frau Gerdi nicht, die uns gerade irgendein Ritual näherbringen wollte.
"So Herr Luchs! Wie lautet die Formel, um das Ritual korrekt auszuführen?", fragte sie Philipp mit einem düsteren Blick. Philipp denkt sie weiß, dass er in der Vorlesung eingeschlafen ist.
"Äh, also…", fing Philipp stotternd an.
"Haben Sie etwa während der Vorlesung geschlafen Herr Luchs?", fragte Frau Gerdi mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht, welches sie, nach Philipps Meinung, wirklich attraktiv wirken ließ. Nachdem sich Philipp nun wieder vor der ganzen Truppe blamiert hatte, ging er direkt auf sein Zimmer und fing an zu lernen. Er war gerade erst vor 5 Monaten auf die Akademie gekommen, die ihm ein Freund empfohlen hat.
Er sagte zu ihm "Ich werde dich bei einem meiner Dozenten empfehlen. Ich sehe in dir, dass du Potenzial hast, auf diese Akademie zu kommen!"
Nur ein paar Tage danach, kam auch schon der Dozent von dem sein Freund berichtete, er stellte ihm ein paar Fragen und unterhielt sich mit Philipp ein paar Stunden, bis ein für Philipp lebensverändernder Satz aus den Lippen des Dozenten entwich.
"Ich sehe schon, warum dich Tom empfohlen hat, du hast wirklich großes Potenzial auf der Akademie zu bestehen!"
Damals wusste er noch nicht, dass hier der Campus voll mit Magiern ist. Philipp fühlte sich so, als wäre er in einer schlechten Komödie oder Sitcom. Alles was er wollte war Informatik studieren und nicht nach Hogwarts reisen! Philipp hatte schon oft daran gedacht, das Studium zu schmeißen und diesen Magie-Hokuspokus hinter sich zulassen. Diesen Gedanken verwarf er aber nach einigen Sekunden, er würde nämlich nie wieder in seinem Leben eine solche Chance bekommen, so 'günstig' Informatik zu studieren.

Plötzlich klopfte es an seiner Zimmertür. Philipp war sehr darüber überrascht, wen er da vor seiner Tür stehen sah, es war sein Dozent Harald Gütinger, welcher Informatik und Beschwörungen von Vertrauten lehrte.
"Darf ich eintreten?", fragte Harald mit ruhiger und entspannter Stimme. Philipp war noch einige Sekunden erschrocken und auch etwas erstaunt das urplötzlich einer seiner Dozenten vor ihm stand. "So nun denn…", leitete Gütinger ein während er aus seiner Tasche einige Unterlagen herausnahm, "Dir ist sicherlich bekannt, dass für dieses Jahr die Eignungstests stattfinden, oder?".
"Äh, was genau waren wieder die Eignungstests?", fragte Philipp verwundert und hoffte darauf das sich sein Dozent nicht kaputt lachen oder vor Verzweiflung sein Gesicht in seinen Händen versinken ließen würde. Gütinger seufzte und schaute mit einem leichten Lächeln auf den Lippen zu Philipp, "Hast du etwa geschlafen als ich euch darüber in Kenntnis gesetzt habe?", fragte Gütinger und starrte dabei Philipp an, welcher leicht schämend auf den Boden schaute und dabei nickte.
"Also…" leitete Gütinger erneut ein.
"Die Eignungstests sind für die Akademie eine Möglichkeit dein theoretisches Wissen über Magie, welches wir bisher gelehrt haben und dein praktisches Wissen zu testen, damit wir dich einstufen können…", Gütinger kam kaum noch aus dem reden heraus und erklärte Philipp immer weiter, was es mit diesen Eignungstests auf sich hatte.
"Bei diesem Eignungstest werden wir überprüfen, ob du weiterhin geeignet bist Magie zu benutzen oder nicht."
"Und was passiert, wenn ich geeignet bin?", fragte Philipp.
"Nun ja, dann werden wir dich als zukünftigen Lehrling weiter unterrichten. Wenn du es nicht schaffen solltest, weißt du wohl, was passieren wird, oder?" Gütinger verfing sich wieder in einer Erklärschleife. Jedoch hörte Philipp, nicht wie in seinen Vorlesungen, gespannt zu. "Wenn du erstmals Lehrling bist kannst du weiter im Rang aufsteigen und wirst, zum Beispiel, zu einem Adept oder Meister. Zudem testen wir dabei, wie das Zaubern sich auf deine Psyche auswirkt", erklärte Gütinger in aller Ruhe.

Philipp war ziemlich verwirrt. Was hatte zaubern mit Psyche zu tun? Er hat bisher nichts gehört, das Magie etwas mit der Psyche zu tun hat.
"'Psyche'? Inwiefern wirkt sich Magie auf die Psyche aus?", fragte Philipp daher verwundert. Diese Frage sorgte dafür das Gütinger seine linke Augenbraue runzelte und es, wie immer, ausführlich erklärte.
"Ja, sogar sehr. Deine momentane mentale Verfassung wirkt sich, wie du weißt, darauf aus, ob ein Zauber überhaupt funktioniert oder wie er funktioniert. Umgekehrt aber auch. Die Psyche wird von manchen Zaubern oder Beschwörungen sehr stark beeinflusst. Einige haben aus Neugier einen Zauber auszuprobiert und sind daraufhin verrückt geworden oder haben ernsthafte Traumata erlitten."

Philipp konnte seinen Ohren nicht trauen. Verrückt oder Traumata? Bei Magie? Er hätte höchstens gedacht das man Größenwahnsinnig wird, aber nicht, dass es so ernst dabei ist. Er wollte sich die Frage, warum sich Zauber auf die Psyche auswirken ersparen. Er wollte nämlich nicht wieder von einer Erklärung seitens Gütinger erschlagen werden.
"Na ja, ich will dir jetzt auch nicht deine ganze Freizeit rauben! Also, lass mich dir sagen, lern gefälligst und bitte schlaf nicht beim Eignungstest ein, ja? Ich wünsche dir noch nen schönen Tag.", verabschiedete sich schließlich Herr Gütinger, welcher über seinen eigenen Witz zu lachen begonnen hatte.

Philipp warf sich mit dem Rücken auf sein Bett, verfehlte dieses jedoch und landete auf dem Boden. Mit einem 'Scheiße' kommentierte Philipp seinen missglückten Versuch auf dem Bett zu landen. Er richtete sich auf und beschloss, sich normal ins Bett zu legen. Als er nun im Bett lag verschränkte er seine Arme hinter seinem Kopf, welcher auf einem mit einem gelben Bezug umhüllten Kissen lag.
"Verdammt. Wie soll ich diesen Eignungstest bestehen? Kann man da überhaupt durchfallen?", überlegte Philipp laut.
"Natürlich kann man da nicht durchfallen!", erwiderte seine Mitbewohnerin Julia.
"Julia? So früh schon da? Ich dachte, du wärst noch in einer Sitzung mit unserem Magister für rituelle Beschwörungen?", fragte Philipp verdutzt, während er sich aus seiner liegenden Position aufrichtete, um Julia zu begutachten. Nachdem er sie genug angestarrt hatte, legte er sich wieder hin und verschränkte erneut die Arme hinter seinem Kopf.
"Ja, aber daraus wurde nichts. Du kennst doch noch unseren Dozenten Dexter, oder? Derjenige, der für rituelle Beschwörungen zuständig ist."
"Ja klar, das war der einzige Dozent, dem ich wirklich zugehört habe. Ein sympathischer Kerl. Ist er krank oder warum wurde die Sitzung abgeblasen?"
"Er wurde enttarnt und gefangen genommen…", kommentierte Julia. Man merkte ihr an, dass es für sie schwer war, zu akzeptieren, dass ihr Dozent wahrscheinlich nie wieder kommen wird.
"Was?!", Philipp richtete sich sofort auf. In seinen Augen waren Ungläubigkeit und Schock zu erkennen. Es war im wirklich lästig, dass der in seinen Augen beste Dozent, enttarnt wurde.
"Du meinst doch nicht von dieser komischen Geheimorganisation, welche wir beobachten, oder?", fragte Philipp um sicherzugehen, dass seine Vermutungen richtig sind.
"Jap, genau die meine ich…", antwortete Julia.
"Verdammt… Wieso nur?", fragte sich Philipp selbst mit leichte Verzweiflung. Egal, er müsste sich erst um die Eignungstests kümmern und dann könne er seine Frustration, dass sein Lieblingsdozent nun von dieser ominösen Geheimorganisation gefangen genommen worden war, an irgendwas auslassen. Nachdem nun Philipp für den Rest des Tages all seine Energie in das Lernen investierte, war er sehr müde. Er legte sich in sein Bett und vergass sich zuzudecken, weswegen im schnell kalt wurde. Nach 30 Minuten merkte er schließlich, dass er keine Decke auf sich liegen hatte und zog sie, welche sich unter ihm befand, unter sich hervor und deckte sich zu.
"Warum kann ich nicht einfach einschlafen und urplötzlich Magierexperte werden?", fragte sich Philipp und schlief danach friedlich ein.

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