Verrostete Albträume
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Lauf.

Das verrostete Metall erstreckt sich soweit das Auge reicht. Dem Läufer ist es egal, dass es nur ein paar Meter vor ihm ist. Soweit es ihn angeht, erstreckt sich der klaustrophobische Korridor endlos. Und das tut er auch.

Doch nicht für ihn.

Hör nicht auf.

Eine Frau schlägt gegen eine Stahltür, makellos und glänzend in der Dunkelheit des Laderaums. Rost blättert vom Boden ab, als sie sich schwer keuchend gegen den Stahl wirft. Ihre Fingernägel splittern, als sie über die glatte Oberfläche der Tür scharrt und verzweifelt nach etwas sucht, das sie drehen kann.

Sie hören niemals auf hinzusehen.

Nicht so.

Ein Mann geht langsam durch einen Raum, der mit dampfenden Riemen und Kolben gefüllt ist. Ein menschliches Auge rollt auf ihn zu, als sich ein Gesicht über einen Riemen erstreckt und zu einer Grimasse aus Schmerz und Qual gefriert. Ein menschlicher Ellbogen pumpt schnell in eine nahegelegene Maschine und treibt einen undefinierbaren Klumpen aus irgendwas hinein und hinaus. Ein paar leere Augenhöhlen starren in ihn hinein.

Er wird niemals wegsehen.

Mach, dass es aufhört.

Ein Mann rennt in eine Sackgasse und bleibt stehen, um an die Wand zu starren. Er schreit und dreht sich um, ein Schrei aus Wut und Verwirrung und Schmerz, nur um zu sehen, dass die Tür hinter ihm zuschlägt. Er wird niemals gehen.

Bis seine Taschenlampe ausgeht.

Der Schmerz.

Tief im verrosteten Rumpf schreit eine Frau. Sie schreit seit Sekunden, seit Jahren. Sie kennt den Unterschied nicht. Sie weiß nur, dass sie diesen Ort des Todes und Stahls und Fleisches nie hätte betreten dürfen.

Sie wird ihren Fehler niemals korrigieren.

Kein Entkommen.

Ein Mann steht auf einem verrosteten Deck, hager und blass von den Tagen, die er nach einem Ausgang suchend in der Dunkelheit verbracht hat. Ein Scheinwerfer strahlt ihn an; ein Boot wurde geschickt und eine Besatzung kommt, um ihn zu retten. Überglücklich springt der Mann.

Er landet nicht im Wasser.

Bleib bei uns.

Im Herzen des Schiffs schreien tausend Stimmen vor Qual. Alle sind verloren, viele seit Hunderten von Jahren. Manche seit Tagen. Alle schreien denselben herzzerreißenden Schrei, den nur die Sterbenden kennen.

Und sie werden niemals aufhören.


Das Team war verloren, nachdem es den Eintritt in die "zentrale Navigation" meldete. Das Rettungsteam war verloren, nachdem es die Untersuchung eines "Schreiens" in einem Frachtabschnitt meldete.

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