Operation Kuckuckskinder
Bewertung: 0+x

Unter australischem Himmel stehen acht Männer, in olivgrünen Dienstanzügen und mit militärischer Haltung, auf dem Militärflugplatz von Exmouth. In einer stattlicheren Uniform steht vor dem Trupp wiederum breitbeinig ein Mann, der die acht Männer, mit seinen hellbraunen Augen, mustert.
„Wie Ihr alle wisst, ist das ein Sonderauftrag ohne zeitnahe Wiederkehr, wenn überhaupt. Sollte jedoch einer von Euch da oben überlaufen, werden ausnahmslos von jedem die Verwandten, die ihre bessergestellte Position Euch zu verdanken haben, zur Schau gestellt und hingerichtet.", erklärt der breitbeinig stehende Mann, in einem akzentfreien Deutsch.
„Ihr werdet von einem kollaborierenden Schleuser, mit angelsächsischer Volksherkunft, auf das Zielobjekt gebracht. Rechnet dabei mit einer holprigen Ankunft… “
Die olivgrünen Uniformierten stehen weiterhin stramm und schauen mit ihrem Kinn auf den Boden.
„Auf dem Zielobjekt wird Eure Kontaktperson ein anglo-deutsches Halbblut sein… Entsprechend ist er von Euch zu behandeln. Innerhalb der ersten Nacht wird er Euch aufsuchen und weiter instruieren.“
Schrittweise macht sich die Sonne durch die Morgendämmerung bemerkbar.
„In der Kaserne erhaltet Ihr Zivilkleidung und in zwanzig Minuten fahrt Ihr ab. Rührt Euch!“

Durch den Wolkenhimmel schimmert die Mittagssonne und ein lauwarmer Wind weht, während sich zwei staubaufwirbelnde Geländewagen einem Zeltlager nähern. Das Lager sieht spärlich aus, was davon zeugt, dass es nur zweckbedingt errichtet wurde und nicht für einen längeren Aufenthalt.
“Also Gentlemans, bleibt cool, redet nicht viel, am besten überhaupt gar nicht und alles wird good!”, meint der Schleuser zu seinen drei Passagieren und über ein Funkgerät auch zu seinem Begleitfahrzeug. Direkt am Zeltlager bleiben die beiden Fahrzeuge stehen. Als der Schleuser aussteigt, dauert es nicht lange bis sich Schaulustige den beiden Geländefahrzeugen nähern.
“Hello! Ach, wie ich sehe hast du doch noch ein paar Touris für die Tour aufgegabelt.”, begrüßt händeschüttelnd ein langhaariger Mann den Schleuser.
“Good Morning! Yes, die Boys haben spontan ein Last-Minute-One-Way-Ticket gebucht.”, zwinkert der Schleuser dem Langhaarigen zu und im selben Moment kommt ein Brillenträger.
“Kurzes Update, laut Messung kommt Canberra better voran als erwartet. Voraussichtlich müssen wir nur noch gut eine half bis eine full Hour warten.”, kommt es von dem Brillenträger, dessen Blick auf ein zersprungenes Tablet verharrt.
“Habt ihr das gehört? What a Luck, dass wir während der Anfahrt keine Pinkelpausen gemacht haben. But come, gehen wir ins Gästezelt. Ein Glas kaltes Water wird unseren trockenen Kehlen good tun.”, sagt der Schleuser zu den Männern, die aus den beiden Wagen herausschauen, woraufhin der Trupp aussteigt und mit dem Schleuser in ein fensterloses Langzelt geht. Nach einer längeren Zeit öffnet der Langhaarige grinsend die Eingangsplane des Gästezelts und ruft rein.
“Guys, Schluss mit der Trauerfeier, es geht weiter!”
Als acht Männer mit dem Schleuser aus dem Zelt hinauskommen, erblicken sie knapp ein halbes Dutzend Geländefahrzeuge, welche bereit zur Abfahrt stehen. Deren Passagiere reichen von Kleinkindern bis zu Individuen fragwürdiger Menschlichkeit. Genau so vielfältig sind auch die Modelle der Geländefahrzeuge, an denen meist auch eine weiße oder australische Flagge anmontiert wurde.
„Was ein kunterbunter Haufen… Trotzdem haben alle dasselbe Ziel, und zwar die Freiheit…“, meint ein grünäugiger Bursche zu einem breitschultrigen Mann, der es mit einem Schulterzucken quittiert. Auf der Rückbank angelangt merken die Beiden wie der Schleuser auf den Horizont zeigt.
“Zu eurer right Side sollte jeden Moment die australische Hauptstadt zu sehen sein.”
Am Horizont ist zunächst eine kleine Silhouette einer wabernden Spitze mit einer gewaltigen Rauchsäule zu sehen. Doch es dauert nicht lange, bis die anfängliche Spitze sich als ein gekrümmter Kegel entpuppt, der mit unzähligen kleineren, kaum erkennbaren, Behausungen bedeckt ist. Je weiter sich diese Erscheinung vom Horizont entfernt, desto mehr sind die Ausmaße des näherkommenden Kolosses zu erkennen.
„Ach du Scheiße, ist das Ding riesig!“, rutscht es dem Beifahrer raus, der eine markante Narbe über seine gesamte Stirn hat.
“Ha, das höre ich öfters… aber yes, es ist acht Footballfelder hoch und zwanzigmal so breit.”, sagt der Schleuser, woraufhin er sein Funkgerät in die Hand nimmt und hineinspricht.
“Gentlemans, schnallt euch an und let´s go mit der Spritztour!”

Das überdimensionale Kettenfahrzeug nähert sich weiter dem Zeltlager und wird von einem immer stärker werdendem Vorbeben begleitet. Ungeachtet der Form ist allein schon die schiere Größe des Fahrzeugs, für die Passagiere des Schleusers, ein ehrfurchterregender Anblick.
“Kurs auf Zehn Uhr und haltet die Abstände zueinander ein, over and out.”, unerwartet kommt die Stimme des Brillenträgers aus dem Funkgerät, infolgedessen startet der Schleuser seinen Wagen um loszufahren. Es vergeht kaum eine Minute, bis der Schleuser an seinem Radio herumfummelt, woraufhin das Instrumental der britischen Nationalhymne lautstark erklingt.
“God Save the King, Baby!”, breit grinsend beendet der Schlepper seinen Satz und drückt weiter auf das Gaspedal. Kurz nachdem die Melodie zu Ende gespielt hat, sieht man wie die gigantischen Gleisketten des Kolosses zum Stillstand kommen, als dieser an einem unnatürlichen Gebirgspass ankommt. Der Erdboden hört sogleich, nach einem kurz andauernden Nachbeben, auf zu vibrieren. Es dauert dann nicht lange bis aus den Hohlräumen der Gleisketten seltsam aussehende Bergbaumaschinen herausfahren. Doch dann auf einmal wird das Geländefahrzeug des Schleusers durch eine Stoßwelle durchgeschüttelt und im gleichen Augenblick ist im Rückspiegel zu sehen wie ein brennendes Autowrack durch die Luft fliegt.
“What the hell, war das Canberra?!”, kommt es aus dem Funkgerät, dessen Stimme dem Langhaarigen zuzuordnen ist.
“No, laut Radar haben wir Gesellschaft. Everyone, gebt Vollgas. Je näher wir an Canberra sind, desto wahrscheinlicher werden deren Verteidigungs-, Fu-!”, gibt der Brillenträger durch das Funkgerät, bis er abrupt abbricht und ein weiterer Nachhall eines Knalles gegen die Autoscheiben schlägt. Der Breitschultrige schaut daraufhin durch die Heckscheibe und erkennt sofort eine Rakete aus dem Himmel, die dann das neben ihnen fahrende Fahrzeug trifft.
„Scheiße, das war aber nah!“, schreckt der Grünäugige auf, während er sich mit beiden Händen an dem vor ihm liegenden Fahrersitz festhält.
“Of course, die wollen nicht, dass Canberra Verdacht schöpft!”, entgegnet der Schleuser zu seinem grünäugigen Passagier. Kaum sprach er seine Worte, da explodiert das nächste Fahrzeug. Aus dem Augenwinkel bemerkt der vernarbte Beifahrer, dass das getroffene Auto sich in der Luft umschlägt und gegen das Begleitfahrzeug prallt, wo sich seine restlichen fünf Kameraden befinden. Der Grünäugige, der Breitschultrige und der Vernarbte reißen ihre Köpfe in Richtung des besagten Geländefahrzeugs. Sie sehen noch wie das Fahrzeug ins Schleudern gerät, die Bodenhaftung verliert und sich wenig später mehrfach überschlägt. Zeitgleich zerspringt die Seitenscheibe des Schleusers, dem ein Metallfragment einer Karosserie den Hals durchsticht.
„Übernimm das Steuer!“, brüllt panisch der Grünäugige zu dem vernarbten Beifahrer, der sich sofort das Lenkrad schnappt. Der Schleuser lässt das Lenkrad daraufhin los und fasst sich an seinen blutenden Hals, von ihm ist lediglich ein Gurgeln zu hören. Woraufhin sich der Grünäugige nach vorne beugt und den Sicherheitsgürtel des Schleusers öffnet. Es folgt die nächste Explosion die sogar jetzt alle Autoscheiben zersplittern lässt.
„Hier endet deine Fahrt.“, sagt der Breitschultrige zu dem blutgurgelnden Schleuser, der von ihm und dem Grünäugigen auf die Rückbank gezogen wird, woraufhin der Vernarbte den Platz als Fahrer einnimmt.

In einer angenehm klimatisierten Kommandozentrale halt ein kurzer Applaus, als auf dem wandgroßen Bildschirm zu sehen ist, wie das Fahrzeug des Schleusers am Zielobjekt ankommt. Mehrere kugelförmige Flugdrohnen fliegen danach an das Geländefahrzeug heran und umschwirren dieses. Mit blauen Lichtern beleuchten die Flugkörper das Fahrzeug, bis eine größere Flugdrohne herbeigeflogen kommt und wenige Meter über dem Auto schwebend stehen bleibt. Der Schwarm mit den kleineren Drohnen fliegt anschließend weg und die größere Drohne strahlt daraufhin ein weißes Licht auf das Auto, wodurch es vom Boden abhebt und von der Drohne weggetragen wird.
„Herr Obersturmbannführer! Herr Obersturmbannführer!“, ruft herbeieilend ein junger Mann, in einem kurzärmligen Weißhemd mit roter Armbinde.
„Ähm, wie soll ich das Ihnen sagen, Herr Obersturmbannführer.“
Sofort hat das Weißhemd die Aufmerksamkeit seines Vorgesetzten, der soeben den Raum betrat.
„Unsere Drohnen haben den Wagen untersucht, der als Kollateralschaden verloren ging…“
Beim Zuhören zieht der Vorgesetzte erwartungsvoll seine Augenbrauen hoch.
„Gab es etwa Überlebende?“, entgegnet der im weißen SS-Sommerrock gekleidete Vorgesetzte.
„Nein, Herr Obersturmbannführer, alle Insassen sind tot… aber durch Selbstmord… offenbar…“, sagt das Weißhemd mit gedämmter Stimme, woraufhin sein Vorgesetzter die Augenbrauen senkt.
„Hm, ich hätte den Edelslawen nicht zugetraut, dass sie sich so ihrer Schande entziehen können.“, ohne dabei eine Miene zu verziehen kommentiert dies der Vorgesetzte.
„Aber… aber die Insassen… Die Insassen gehören nicht zu uns!“, erzählt das Weißhemd weiter, als sein Vorgesetzter sich grade von ihm abwenden wollte.
„Was reden Sie da? Wurde das falsche Fahrzeug untersucht oder was wollen Sie mir damit sagen?“, fragt irritiert der Vorgesetzte, dem der Schweiß von der Stirn tropft.
„Nein, Herr Obersturmbannführer. Laut Datenbank sind es mutmaßliche PSW-Mitglieder… Unsere Drohnen haben danach das Zeltlager der Flüchtlinge durchsucht und der Boden eines Zeltes war umgegraben… Unser Trupp wurde dort verscharrt!“, antwortet das Weißhemd, woraufhin der Vorgesetzte ihn ungläubig anschaut.
„Um Himmlers willen, wurde der Leitoffizier in Canberra schon darüber informiert?!“, kommt es aus dem Vorgesetzten geschossen und das Weißhemd schluckt daraufhin hörbar auf.
„Bisher… konnte keine Korrespondenz aufgenommen werden, Herr Obersturmbannführer.“, bekommt der Vorgesetzte als Antwort zu hören.
„Ist dessen Kommunikationsarmband ausgeschaltet, oder wie soll ich das verstehen?“, mit einer verärgerten Stimmenlage fragt der Vorgesetzte das Weißhemd.
„Nein… Irgendwas stört unsere Kommunikation mit Canberra… Unsere Techniker sind bereits dran.“, beantwortet das Weißhemd, anschließend schaut er rüber zum Wandmonitor der SKP-156 zeigt.

“In unserem great Stadtstaat hat jeder das Recht ernährt zu werden und die Pflicht zu arbeiten.”, meint ein uniformierter Mann, dem man als hochgewachsenen Schrumpfgermanen bezeichnen könnte.
“Und dont worrie um eure Rassenzugehörigkeit, jeder der Teil unserer Community sein will is welcome.”, erzählt der Uniformierte den drei Männern, die heute als einzige lebend in Canberra ankamen.
„Und was, wenn jemand nicht hineinpasst?“, neugierig hakt der Vernarbte nach.
“Ach, what nicht passt, wird passend gemacht, we have unsere Methoden dazu.”, lächelnd beantwortet der Uniformierte die Frage und öffnet dabei die Tür der Untersuchungszelle.
“Don't worry, mit Euch slavic Legionnaires, ohne eine Religionszugehörigkeit, kann man was anfangen.”, redet der Uniformierte weiter, während das Trio dessen futuristische Pistole im Gürtelholster beäugt.
“But euresgleichen bewohnt den lowest Level…”, hört das Trio leise von dem Uniformierten, der sie durch einen unterbelichteten Korridor führt.
„Also im Ghetto…“, brummt es unüberhörbar von dem Breitschultrigen.
“Für eine peaceful Koexistenz ist eine Classes-, Races- und Religionstrennung unvermeidbar.”, sagt der Uniformierte, wobei er genervt mit den Augen rollt.
“So wird Canberra in drei Hauptebenen, mit jeweils drei Unterebnen, unterteilt. And da ihr ab tomorrow zu den Sicherheitskräften gehört, wird euch deswegen eine Wohnparzelle auf der obersten der untersten Levels zugeteilt. I versichere Euch, es ist eine der angenehmeren Gegenden.”, erklärt der Uniformierte dem Trio, das ihm in Richtung einer metallischen Eingangstür folgt.
“Ähm, bevor ich Euer new Home zeige, machen wir first eine small City Tour. This is Vorschrift.”

Allmählich geht die Abendsonne über den zerklüfteten Kontinent unter und zur gleichen Zeit läuten die grotesken Gotteshäuser von Canberra zum Feierabend ein. Es dauert daher nicht lange, bis ein Gedrängel sondergleichen auf den meist schmalen Straßen des Stadtstaates losbricht. Wenig später klopft es auch an der Tür der Gemeinschaftswohnung aus rotem Ziegelstein, dass das Trio bewohnt.
“Welcome to Canberra, Greenhorns!”, begrüßt ein Mann mit haselnussbraunem Haar den verdutzten Grünäugigen, der die Tür öffnete. Der Wohnraum, der sich hinter dem Grünäugigen befindet, ist von einer niedrigeren Wohnqualität als in einem slawischen Ghetto des GDRs aber vergleichbar mit brasilianischen Favelas in Argentinien. Trotzdem geht der Brünette grinsend hinein und hält eine Glasflasche vor sich hin.
„Ihr Slawen seid doch trinkfest und bei einem Glas Selbstgebrannten redet es sich auch ungenierter.“
Das Trio beäugt den Brünetten, den sie zuerst nicht einordnen können, doch ein Blick auf sein Handgelenk, an dem sich ein elektronisches Armband befindet, verrät ihn sofort als Spion des SKPs. Sogleich heißt das Trio den Mann willkommen mit einem Gruß, auf deutscher Art, aber wortlos.
„Keine Sorge, die Wände hier haben keine Ohren. Hier gibt es nicht einmal eine Gestapo. Und auf die restlichen Formalitäten können wir gerne verzichten. Also, holt die Gläser, das ist ein Befehl.“, kichernd beendet der Brünette seinen Satz, während er den Flaschenhals umgreift. Als er das tut, beginnt der Bildschirm seines Armbands zu leuchten. Neugierig entsperrt er diesen sofort, woraufhin seine Mundwinkel herabfallen und schlagartig sich sein Gesicht kreidebleich verfärbt. Sein Blick wandert von dem Bildschirm hoch zu dem Trio, das ihn misstrauisch zu mustern beginnt.
„Neue Order… Wir treffen uns morgen… Eine Sicherheitskontrolle von Haus zu Haus ist im Gange!“
Mit einem angespannten Lächeln geht der Brünette langsam rückwärts zur Haustür. Kaum setzt er seinen dritten Schritt, springt das Trio in Richtung des Brünetten. Dieser wirft seine Glasflasche auf den Grünäugigen, der die Flasche aber reflexartig auffängt. Im selben Augenblick dreht sich der Brünette mit einem Ruck um und reißt die Haustür auf. Das Trio setzt ihm nach und rennt ebenfalls aus dem Haus raus, allerdings stoßt dieses sofort auf eine schlendernde Menschenmenge.

„Da drüben.“, augenblicklich entdeckt der Grünäugige den Brünetten, der sich durch die entgegenströmenden Massen zwängt. Ein Fingerzeig des Grünäugigen später, kämpft sich das Trio ebenfalls durch die Menschenmenge, welche die Gehetztheit der Männer augenscheinlich nicht wahrnimmt. Beim vorbeizwängen bemerken die Verfolger hingegen die äußerliche Fremdartigkeit der Einwohner. Zwischen den mechanischen, monströsen und nekrotischen Gesichtern, verlieren die Verfolger ihr Ziel jedoch nicht aus den Augen, das gradewegs auf eine marode Mauer zuläuft, an der ein verblasstes Plakat einer Bürgermeisterwahl klebt. Hinter der Menschenmenge sammelt der Brünette genug Anlauf, um mit einem Sprung die Mauerkante zu greifen und sich anschließend hochzuziehen. Das selbige gelingt auch dem Vernarbten, wobei die beiden anderen des Trios um die Mauer herumlaufen. Auf der anderen Seite der Mauer findet sich der Vernarbte in einem überschaubaren Park wieder. Der Ort macht einen gepflegten Eindruck aber die vorherrschende Flora wirkt einerseits kränklich und andererseits paranormal. Ohne der Umgebung weiter Beachtung zu schenken, setzt der Vernarbte dem Brünetten nach, der hinter einem geometrischen Gestrüpp verschwindet. Erneut springt der Brünette aber dieses Mal über ein hüfthohes Mettaltor, hinter dem sich eine Straßengasse befindet. Beim Umschauen bemerkt der Brünette, dass von beiden Seiten jeweils der Breitschultrige und der Grünäugige zu ihm eilen. Ohne zu zögern läuft der Brünette in eine von Abgasen umhüllte Seitengasse. Diese geht in ein Flachdach über, was den Brünetten dazu veranlasst über eine Reihe von Dächern zu laufen sowie zu springen. Dabei merkt er, dass die umliegenden Gassen Menschenleer sind und die melodischen Gebetsaufrufe mit einem surrealen Nachhall im Ohr allmählich verstummen. Bei der nächst besten Gelegenheit springt der Brünette auf den Boden, doch aus einer vor ihm liegenden Seitengasse erscheint auch schon der Grünäugige, der immer noch die aufgefangene Glasflasche in der Hand hält. Zudem machen die Laufschritte hinter dem Brünetten ihm auch klar, dass der Vernarbte weiterhin ihm auf den Fersen ist. Zu seiner Linken erblickt der Brünette ebenfalls den Breitschultrigen, der aus einer Straßengasse auf ihn zustürmt. Wiederum zu seiner rechten bleibt dem Brünetten eine nach Oben führende Betontreppe übrig. Beim hochlaufen überspringen die vier Männer meist einige Treppenstufen, um möglichst schnell am oberen Treppenende anzukommen. Auf der Austrittsstufe angelangt, stellt der Brünette fest, dass er auf ein Flachdach gelaufen ist, welches keine ansatzweise gleichhohen Nachbardächer hat.

„Es ist vorbei, Halbblut!“, hört der Brünette von dem Trio, das ihn umkreist, als er sich umdreht.
„Ja, meine halbherzige Spionage… aber Ihr habt keine Ahnung was hier vorgeht. Das hier ist nicht bloß eine Stadt auf Rädern… Es ist ein Teil von etwas Größerem. Leider werde ich wohl kein Teil mehr davon werden.“
Das Trio geht weiter auf den deprimierten Brünetten zu, wodurch dieser an die Dachkante gedrängt wird.
„Ihr werdet es früher oder später… Ihr werdet selbst ein Teil davon sein… ob ihr wollt oder nicht…“
Dem Gesagten schenkt das Trio keine erkennbare Beachtung, deren Blicke scheint sich auf sein linkes Handgelenk, wo sich sein Armband befindet, zu verharren. Ohne zu zögern, und mit einem selbstsicheren Handgriff, löst der Brünette daraufhin das Armband von seinem Handgelenk.
„Ach, ihr wollt mein Kommarmband, dann kommt und schnapp-“, demonstrativ hält der Brünette mit seiner rechten Hand sein Armband vor sich hin und schwingt es entgegen der Dachkante. Doch bevor er noch zu Ende sprechen konnte, sieht er aus seinem Augenwinkel, wie der Vernarbte ihn von der Seite anspringt und dabei seine rechte Hand ergreift. So zieht der Brünette seinen rechten Arm zurück und schlägt mit seiner linken Faust gegen den Kopf des Vernarbten. Dieser reißt mit seiner anderen Hand das Armband an sich, was aber dazu führt, dass der Brünette den Vernarbten mit beiden Armen umschließt. Zeitgleich eilen auch die beiden anderen Männer des Trios zur Hilfe aber noch bevor sie die Dachkante erreichen, sehen sie, wie die Beiden vom Dach fallen. Im freien Fall gelingt es dem Vernarbten dennoch das Armband zu werfen.
„Was eine Scheiße…“, klagt der Breitschultrige, während er die Glasflasche an sich nimmt und diese aufdreht.
„Sagen wir einfach, sie waren beide betrunken und haben zusammen das Gleichgewicht verloren.", meint der Grünäugige zum Breitschultrigen, der sich einen großen Schluck genehmigt.
„Möge deine Seele in Vyraj und Nav Frieden finden, Kamerad.“, flüstert der Breitschultrige und lässt dann die Flasche los, die nach einem sekundenlangen Fall schließlich klangvoll zwischen den beiden aufgeschlagenen Körpern zerspringt. Das Duo wirft einen letzten Blick nach unten, bevor es sich umdreht und der Breitschultrige das am Boden liegende Kommunikationsgerät aufhebt. Wortlos nimmt der Grünäugige das Armband aus den Händen des Breitschultrigen. Blitzschnell ist der Bildschirm entsperrt und mit wenigen Handgriffen die Sendefrequenz neu kalibriert.
„Hallo, hallo, minus sechs Kuckuckskinder im Nest. Ich wiederhole, Minus sechs Kuckuckskinder.“

Sofern nicht anders angegeben, steht der Inhalt dieser Seite unter Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License