15. Oktober 2012
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Als Folge von SCP-2845

An einem klaren orangeblauen Tag im Oktober, als die Luft nicht kalt genug war, um unangenehm zu sein, machte Siddhi Sehgal eine Bestandsaufnahme dessen, was von ihrer Welt übrig geblieben war.

Es war nicht viel zu sehen. Sie hatte im Laufe der Monate immer mehr Zeit für sich selbst gefunden, eine Zeit voller leerer, langsamer Räume, übersät mit erstickenden heftigen Momenten, in denen sie sich bewusst wurde, wie … wenig sie dazugehörte. Wie fremd sich die Welt um sie herum anfühlte, wie unverbunden sie war. Schwebend und allein ohne einen Anker. Ohne einen Zweck. Eine übrig gebliebene Brotkruste, die auf dem Wasser schwimmt und auf den Fisch wartet.

Es waren noch nicht einmal Knochen von ihrer Welt übrig. Knochen waren zu fest, zu real. Jetzt war da nur noch diese kalte Leere, die die Wirbelsäule hinaufkroch und leise Worte in der Kehle zum Schweigen brachte. Nicht gewalttätig, nein. Es wäre besser gewesen, wenn es so gewesen wäre, als die verdammenswerte Stille.

Da draußen, hinter dem riesigen leeren Raum, der sie umgab, sah Siddhi Sehgal die Welt aus ihren Händen gleiten.

Es gab kein Zurück und was in der Zukunft lag, war verdeckt.

So lange war die Zukunft für Siddhi Sehgal zweierlei gewesen: eine Fortsetzung der Gegenwart oder Tod. Es gab keine Abzweigung vom Pfad, keine Variationen, keine Entscheidungen. Der Pfad war fest, er war real, er war normal. Es gab keine Zweifel, nichts, was den tröstenden Kokon, der sich um sie bildete, zerbrechen würde, nichts, was den Glauben angreifen würde, dass sie das Richtige tat, dass sie einem Zweck diente.

Und jetzt … war es fort. Fort mit der kühlen Oktoberluft.

Die Leute forderten Sicherheit. Sie forderten tröstende Worte. Sie forderten Blut … und Siddhi Seghal konnte ihnen nichts davon geben. Der Name, der auf ihrem Joch aus sechsundzwanzig Jahren eingraviert war, war mit Schlamm beschmiert, und es war kein Trost darin zu finden. Nur Zweifel.

Siddhi Sehgal trug einen geschwärzten Namen mit sich – Die Leute, Die Nichts Taten. Ihre Leute töteten keine Monster. Sie teilten keine Wunder. Sie erschufen nichts. Sie haben nur … gehortet. In tadelloser Ordnung wurde alles beschriftet und etikettiert und in eine Kiste gelegt. Sie legten die Welt in viele Kisten und dann taten sie nichts.

Sie konnte der Öffentlichkeit keinen Vorwurf machen, die ihre Leute mied. Ihre Leute konnten nicht sagen "Ich habe Grendel erschlagen." Ihre Leute konnten nicht ihre Arme ausbreiten und sagen "Ich wandelte zwischen den Göttern und schrieb ihre Worte nieder." Ihre Leute konnten nicht sagen "Wir gestalten die Zukunft mit unseren eigenen Händen."

Sie konnten nur sagen "Wir waren dort."

Dort zu sein war nicht gut genug. Verleumdungen wurden aufgestellt. Forderungen wurden gestellt. Bedingungen wurden festgelegt. Siddhi Seghals Joch wurde langsam, langsam abgehackt, bis es sich auf ihren Schultern schwach anfühlte. Monster wurden getötet. Wunder wurden geteilt. Männer, Frauen und Kinder sahen das erste Mal seit Jahren wieder zur Sonne hinauf. Die Welt hat sich angepasst, wenn auch nicht so reibungslos oder leise. Ein Segen, rau und laut und störrisch zu sein.

Span für Span wurde das Joch abgeschlagen und der Vorrat war geleert, bis …

Bis nichts mehr übrig war.

Aufseherin Sieben … Siddhi Sehgal … saß auf der Bank im Park am Seeufer und war allein.

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