Nuovi Arrivati : Neuankömmlinge
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Nuovi Arrivati : Neuankömmlinge

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"Sie ist wunderschön und sie reagiert auf den Namen Fenja, ohne dass ich sie trainieren musste!"

Begeistert tätschelte der Mann den Kopf der Kreatur, welche Loewen mit Blicken aufspießte, seit sie den Raum betreten hatte.

"Woran machst du denn fest, dass das ein Weibchen ist?"

Der Mann stutze, beugte sich zur Seite und betrachtete die Unterseite des Tieres mit kritischem Blick. Was er sah, schien nicht seinen Erfahrungen aus der Hundestaffel zu entsprechen. "Oh, Junge, das… Puh." Er rieb sich den Hinterkopf und schien über das Gesehene zu grübeln. Sarah ging weiter, wohl wissend, dass das etwas dauern konnte und mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen.

Sie hatte sich nach dem ersten Schrecken nach dem Betreten des Raumes etwas entspannt; es war wirklich etwas ganz anderes, über die Hundekreaturen zu lesen und Bilder zu sehen, als diesen dann tatsächlich gegenüber zu stehen. Die beeindruckende Physik dieser Wesen erstaunte sie zutiefst, hatte ihr aber auch gehörigen Respekt eingeflößt. Vor allem, seit das Weibchen zu Füßen des Agenten sie nicht mehr aus den Augen ließ. Wie alle dieser Hunde hatte auch dieses Exemplar einen haarlosen, gepanzerten Körper, dessen Chitinplatten sich bei Bewegung ineinander schoben und so für normale Hunde unmögliche Körperhaltungen ermöglichten. Insgesamt sechs dieser Tiere mitsamt drei Führern und einem Agenten des italienischen Standortes "Vittoria" sind vor drei Tagen hier oben im Norden Deutschlands angekommen. In ihren Unterlagen hatte Sarah den Namen Alessandro Draghi gelesen, Hauptmann der SSM-IV, der mobilen Einsatztruppe mit dem Namen "Pugnus Ferri".
Den dunkelhaarigen Mann konnte sie schon beim Betreten des Raumes ausmachen. Während alle Versammelten sich mit den vierbeinigen Neuankömmlingen beschäftigten, stand dieser etwas abseits, scheinbar dabei, das Training vorzubereiten. Sarah sollte dem ersten Training beiwohnen, um den groben Umgang mit den Tieren zu erlernen und so ihre eigentliche Forschung besser betreuen zu können.

"Meinst du die?"

"Nee, die bumst doch mit diesem Schweizer Gespenst."

Loewen begriff erst nicht, dass die zwei flüsternden Männer sie meinten, aber bei der Erwähnung des "Schweizer Gespenstes" wurde ihr klar, dass es keine andere Möglichkeit gab.

"Dem?! Fuck, der macht mir Angst."

Sarah war sich nicht sicher, ob sie die beiden konfrontieren sollte, oder nicht. Wahrscheinlich war Ignorieren besser. Ihre freie Hand ballte sich zur Faust, die andere krallte sich regelrecht an das Klemmbrett mit ihren Notizen. Schnell schritt sie weiter auf den Italiener zu, welcher bei den Zuschauer-Sitzreihen stand, auf denen die versammelte Mannschaft sitzen würde. Das Licht brach sich im Wasser der unterirdischen Trainingsschwimmbecken auf eine faszinierende Weise und malte auf die Gesichter seltsam friedliche Lichtflecken. Nur die Kreaturen ließ es etwas unheimlicher aussehen. Irgendwie passend.
Als Sarah in Hörweite war, konnte sie neben der Stimme des Italieners auch die von Dr. Olga Derminov und die des aktuellen Hauptmanns der Tauchertruppe vernehmen. Olga saß bereits auf einer der vorderen Bänke der Sitzreihen, perfekter Blick auf das Becken für das spätere Training. Neben ihr lagen Unterlagen und eine Schachtel Zigaretten, welche sie später wohl "heimlich" in der Toilette rauchen würde. Alessandro Draghi unterhielt sich in ruhigem, höflichen Englisch mit dem Hauptmann, hin und wieder unterbrochen von Olga, welche sich nicht um Formalitäten oder Höflichkeit scherte. Als Sarah sich näherte, richteten sich die Blicke auf die junge Forscherin, was sie kurz ins Stocken geraten ließ. An einige Sachen würde sie sich wohl nie gewöhnen können. Freundlich reichte sie Hände und begrüßte die Männer, bevor Olga sie kurz zur Seite nahm, um ihr den Ablauf einzutrichtern. Erst theoretische Grundlagen, mit allem, was das Team zu den Kreaturen wissen musste, dann die praktische Tauchunterweisung im Umgang mit den Tieren. Morgen sollte die Einsatzbesprechung mit den wichtigsten Eckpunkten durchgegangen werden. Dann sollte der Italiener auch schon wieder abreisen. Die drei Führer würden die Expedition begleiten und später abreisen, sollte alles wie geplant laufen.

Sarah sollte vor allem die externe Koordination und die Überprüfung der Aufzeichnungen durchführen, weswegen für sie nicht alles relevant war, was die Soldaten und Taucher durchzugehen hatten. Sie nickte eifrig und lächelte Olga ermunternd zu, bevor sie sich ein paar Reihen weiter oben zwischen die anderen Anwesenden setzte und ihr Klemmbrett auf den Schoß legte.


Es folgten zwei Stunden Einweisung mit einer kleinen Pause und dann weitere Theorie. Sarah schweifte ab, als Olga aufstand, um die Taucher abwechselnd mit Draghi über die Tiere zu unterweisen. Das hatte Sarah schon oft genug in den Unterlagen gelesen und so griff sie in ihre Rocktasche und holte ihr Smartphone raus. Schon auf dem Sperrbildschirm leuchteten sie schlechte Nachrichten an:
3 verpasste Anrufe von Johan Frey.
Oh nein. Das konnte nur Probleme bedeuten. Ihr Innerstes zog sich zusammen und sie fühlte sich plötzlich gar nicht mehr so wohl unter den Soldaten und Archäologen. Bitte hab' keine Scheiße angestellt, Johan! Sie öffnete ihren gemeinsamen Chat und schrieb:

was ist los?
ich arbeite,!

Schon nach ein paar Sekunden blinkte ihr eine neue Nachricht entgegen.

Ich wollte deine Stimme hören.

Ihre Angespanntheit verschwand sofort und machte einem Gefühl von Erleichterung Platz. Auch wenn er sich echt ungeschickt anstellte, er war nicht in Gefahr oder Problemen. Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen. Trotzdem war es ungewöhnlich und sie begann, über diese… Beziehung nachzudenken. Keiner von beiden hatte es jemals eine Beziehung genannt; und dennoch fühlte es sich manchmal so an. Eine Fernbeziehung über tausend Kilometer. Mit einem Mann, der sich gerade so unter Kontrolle hatte.
Sie beschloss ihm später zu antworten und versuchte der Unterweisung weiter zu folgen. Es ging irgendwie um die Zeit, die die Kreaturen ohne Sauerstoff wie weit schwimmen konnten. Neben sich hörte sie das eifrige Kratzen von einem Stift auf Papier. Der Geruch von Chlor hing ihr dazu gerade unangenehm in der Nase, sodass sie doch wieder den Faden verlor. Sie beugte sich in ihrem Stuhl leicht vor und stütze das Kinn auf ihre Fäuste. Dann schaute sie zu ihrer Vorgesetzten. Olga wirkte sehr zufrieden, aber auch ernst. Sarah wusste, wie wichtig ihr diese kommende Untersuchung war. Aber etwas war anders als sonst - wann immer Olga durch war mit ihrem Part der Unterweisung und der Italiener auf Englisch weiter machte, klebte Olgas Blick regelrecht an ihm und sie schien in Gedanken. Das war mehr als ungewöhnlich.

Sarah sah sich den Mann genauer an, den ihre Vorgesetzte scheinbar so interessant fand - und da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Draghi! Natürlich, wie konnte ich so blind sein! Ludovico hatte seinen Bruder mehrmals erwähnt, als er vor einer Weile mit Olga an der Scherbe… und einigen anderen Sachen… gearbeitet hatte. Sarah verdrehte belustigt die Augen, konnte sich aber nicht erwehren, die Brüder miteinander zu vergleichen - wahrscheinlich tat Olga gerade dasselbe und war deswegen so anders als sonst. Der Hühne war, im Gegensatz zu seinem Bruder, sehr muskulös, wie es nicht anders zu erwarten war bei einem Soldaten. Seine Haare waren dunkelbraun und er war etwas gebräunter als der Schreibtischtäter. Dennoch hatten beide dieselben kantigen Züge und ungewöhnliche graue Augenfarbe. Interessanterweise zierten sein Gesicht eine Reihe von Narben, die Sarah unweigerlich wieder an den Schweizer mit seiner Narbe auf der Nase denken ließen.
Tatsächlich waren beide in etwa gleich groß, auch wenn Johan wie das umgekehrte Spiegelbild des Mannes wirkte: Hellblond, weiß wie ein Gespenst - wie die Soldaten zuvor ja schon bemerkt hatten - unruhig und ständig unter dieser inneren Anspannung. Der Mann dort vor Olga wirkte wie die Ruhe selbst; autoritär und professionell. Sie konnte sich Johan in so einer Situation gar nicht wirklich vorstellen. Wahrscheinlich hätte er Olga in den ersten zehn Minuten schon versucht zu ertränken…

In ihren Gedanken an Johan nun mittlerweile vollkommen versunken, bemerkte Sarah gar nicht, wie es um sie herum unruhig wurde und sich die Gruppe auflöste, um sich tauchbereit zu machen. Erst die grummelige Stimme Olgas riss sie aus der Dauerschleife von Erinnerungen; teils dunklen, teils schönen und, besonders intensiv, den eher unzüchtigen.

"Mädchen, wo hast du dein Gehirn schon wieder? Im Bett in der Schweiz? Beweg' deinen Zuckerarsch hierher, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!"

Sie lief tiefrot an und sprang von ihrer Bank, was dazu führte, dass sie fast über die vorderste fiel und vor den Füßen ihrer Vorgesetzten und des besorgt-irritiert blickenden Italieners gelandet wäre. Sie entschuldigte sich hastig auf Englisch und half Olga dann, die praktische Lektion vorzubereiten, die Sarah selbst aber nur vom Beckenrand beobachten würde. Der Gedanke ans Tauchen ließ ihr jetzt schon eine Gänsehaut über den Nacken laufen, obwohl sie wusste, dass Olga sie niemals mit ins Wasser nehmen würde.

Die nun umgezogene Truppe trudelte langsam wieder in der Halle ein und versammelte sich in der Nähe des Übungsbeckens; einige aufgeregt, andere sehr entspannt und teilweise mehr auf die Kreaturen fixiert, als auf die tatsächliche Aufgabe. Allgemein wirkten alle Anwesenden nicht im Geringsten angespannt, was Sarah irritierte. Die Einsatztruppe um Johan hatte eine andere Dynamik, wann immer sie diese beobachten konnte. Lag das an den Mitgliedern oder den Anführern? Oder war es einfach allgemein eine andere Situation, da nicht von einer akuten Gefahr ausgegangen wurde? Sarah nahm sich vor, dem später nachzugehen, um eventuell besser reagieren zu können, sollte sie mal ein Problem entdecken.
Als alle ihre Ausrüstung geschultert hatten und sogar Olga sich zum Tauchen bereit gemacht hatte, setzte sie sich wieder auf eine der Zuschauer-Bänke am Beckenrand und beobachtete die Gruppe, die sich mit den Krabbenhunden ins Wasser begab. Später würde sie vor einem Monitor sitzend in einer ähnlichen Situation sein.

Alessandro setzte sich in ihre Nähe und beobachtete ebenfalls die Truppe. Immer noch strahlte er Ruhe aus und sie überlegte, ob sie ein Gespräch mit ihm anfangen sollte. Sie drehte sich leicht, machte den Mund auf und erstarrte sofort, als ihr klar wurde, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Entschuldigen Sie, wissen Sie wie man eine Beziehung mit einem Soldaten führt? Sie drehte sich wieder um, bevor der Italiener sehen konnte, wie ihr zum zweiten Mal das Blut in das Gesicht schoss. Ein Räuspern aus seiner Richtung sagte ihr, dass sie trotzdem aufgefallen war. Eine tiefe Stimme sagte auf Englisch: "Möchten Sie auch einen Kaffee trinken? Ich denke, Dr. Derminov wird nicht an die Decke gehen, wenn wir für fünf Minuten etwas anderes als Chlor atmen."
Erleichtert sprang Sarah auf und strahlte den Mann an. Wie ein Wasserfall sprudelte sie drauf los, erzählte ihm von Olgas Art und dem furchtbaren Kaffee, den der Automat ausspucken würde, während die beiden die Halle durch die Doppeltür verließen, die die Trainingsbecken mit den anderen unterirdischen Trakten verband. Dem Italiener schien die Pause mehr als willkommen zu sein und er antwortete immer wieder höflich, ließ sie aber die meiste Zeit sprechen. Als beide einen Becher Wasser mit brauner Farbe aus dem Automaten erhalten hatten, blieben sie zum Plaudern noch etwas stehen. Sie waren sich sehr einig über die Brühe, die hauptsächlich gut war, um die Hände an dem heißen Pappbecher zu wärmen. Sarah nutzte außerdem die Chance, noch einmal das Display zu prüfen und seufzte erleichtert, als dort keine weiteren Nachrichten angezeigt wurden. Der Italiener bemerkte ihre Reaktion und sah sie fragend an.

"Entschuldigung, falls das zu privat sein sollte, aber ist alles in Ordnung?"

Sarah dachte an die blöde Frage, die ihr vorhin durch den Kopf gegangen ist, als sie nicht wusste, was sie sagen sollte und plötzlich schien sie gar nicht mehr so unangebracht. An diesem Standort gab es wenig Personen außer den Tauchern und Forschern, Draghi war der erste erfahrenere Soldat, mit dem sie einfach so reden konnte und er schien sehr aufmerksam zu sein. Sie dachte einen Moment lang nach und kaute auf ihrer Lippe herum, bevor sie nickte und ihm direkt in die grauen Augen sah.

"Ich…hm… Sind Sie in einer Beziehung? Ich meine, …"

Der Mann stutzte leicht, nickte dann aber langsam, als er zu verstehen schien, worauf sie hinaus wollte. Sarah wiederum wand sich, als ihr bewusst wurde, wie seltsam diese Situation plötzlich geworden war.
"Ich meinte, wie geht man damit um, wenn man mit jemandem wie Ihnen-", sie deutete beim Sprechen gestikulierend auf seine Rangabzeichen, "in einer Beziehung ist?"
Alessandro nickte erneut, um zu verdeutlichen, dass er verstanden hatte, sagte jedoch nichts. Er nippte an dem gepanschten Kaffee und sah an ihr vorbei, offensichtlich seine nächsten Worte sehr genau abwägend. Sarah wurde unruhig und machte sich sorgen, dass sie eine Grenze überschritten haben könnte. Was hatte sie sich dabei gedacht? Was für einen Eindruck hinterließ das denn, wenn sie, als Assistentin von Olga, hier den Italienischen Hauptmann zur Seite nahm und über Beziehungsprobleme sprach? Sie war drauf und dran ihn in seinem Gedankengang zu unterbrechen und das Gespräch auf etwas anderes zu lenken, als sie merkte, dass er bereits zum Sprechen ansetzte. Als er begann wirkte er sehr ernst und Sarah bereute, das Thema überhaupt jemals angeschnitten zu haben.
"Ich nehme an, dass Sie- du- dir Sorgen machst um jemanden. Das wird immer so sein; dieses Leben wird immer hart sein, die Angst immer über euch hängen wie ein Damoklesschwert. Wenn du dir bei der Sache nicht sicher bist, dann beende es sofort. Aber-", er bemerkte, dass ihre Schultern etwas nach unten gesunken waren und machte eine Geste, die Sarah deutete als etwas, was ihr Mut machen sollte. "Aber wenn du diese Person wirklich liebst und dahinter stehen kannst, was sie tut, dann mach' es mit vollem Herzen." Sarah fühlte einen kleinen Stich in ihrer Brust, als der Italiener anmerkte, dass man 'dahinterstehen' sollte. Konnte sie das denn? Hinter Johans Taten stehen? Sie wusste kaum was von seiner Arbeit und das, was sie wusste, wollte sie manchmal lieber vergessen.

"Er… Ja, ich will das, aber…" Sarah räusperte sich und trat unruhig auf der Stelle herum. Warum quatscht du diesen Typen ernsthaft mit dem Kram zu? Entschuldige dich bei ihm, beende das Gespräch und versuche es so wenig dümmlich zu machen, wie möglich! Ihr Mund gehorchte ihr nicht mehr. So als hätte sie die Kontrolle über ihre eigenen Worte verloren, redete sie einfach weiter - vielleicht, weil es das erste Mal war, dass sie überhaupt ausführlich darüber reden konnte, ohne, dass es in einer Akte landete?
"Ich will für ihn da sein können! Aber er stößt mich weg, versucht alles vor mir zu verbergen, als würde das irgendetwas ändern - und ich weiß nicht, ob ich überhaupt fragen darf, was er tut, wenn er mich so ansieht. Am Ende des Tages haben wir kein Wort gewechselt, beide sind unzufrieden und einer von uns muss wieder zurück zu einem Einsatz oder in den Flieger. Und dann - dann weiß ich nichtmal, ob ich ihn wieder sehe!"
Sarah atmete tief ein und merkte, wie ihr beim Reden ein Kloß in der Kehle entstanden war und ihr Kiefer anfing zu beben. Sie entschuldigte sich und drehte sich kurz um, um nicht vor dem eigentlich fast Fremden in Tränen auszubrechen. Der Italiener wartete geduldig und schien mit solchen Situationen mehr als vertraut, denn als sie sich umdrehte traf sie kein mitleidiger oder besorgter Blick, sondern ein Blick, der sehr wissend und verstehend aussah. Sarah entschuldigte sich erneut, aber der Soldat winkte ab. "Kein Grund sich zu entschuldigen. Wenn ich dir einen Rat geben darf: Redet über das, was im Raum steht, eure Emotionen, nicht die Arbeit. Er tut, was er tut, wahrscheinlich sehr gewissenhaft. Er versucht dich zu schützen. Der Rest ist irrelevant; kümmert euch also umeinander. Was du ihm jetzt nicht sagst, wirst du irgendwann mal bereuen."

Er nahm ihr den leeren Pappbecher aus der Hand und entsorgte beide, bevor er sie mit einer Geste zum Gehen aufforderte. Sarah war komplett in Gedanken versunken und folgte seiner Aufforderung mechanisch. Er hatte Recht. Johan könnte verunglücken - und sie würde ihm nicht sagen können, was ihr auf der Seele brannte. So wie ihre Mutter ihr mal erzählte, dass ihr Vater und sie sich damals im Streit getrennt hatten, bevor er verunglückt war. Sie konnte sich niemals verabschieden. Was, wenn sie sich von Johan nicht verabschieden konnte? Wenn er eines Tages nicht von einem Einsatz wieder käme und sie in Norddeutschland saß, nichts ahnend und auf eine Nachricht wartete? Plötzlich von einem Gefühl von Angst, aber auch Entschlossenheit ergriffen, packte sie ihr Smartphone aus und verabschiedete sich schnell von Alessandro mit den Worten, er solle Olga irgendwie erklären, dass sie weg musste - und lief den Gang runter, um Johan in einer ruhigen Ecke zurückzurufen.

Der Italiener indes lächelte leicht. Es war erstaunlich oft genau so.



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