Das letzte Mal bei Noctua Arkana:
Auf dem Friedhof gab es einen steinernen Bogen. Jakob zeichnete auf einem der Pfeiler eine Art Symbol nach und plötzlich öffnete sich in dem Bogen der Weg zu etwas, das wie eine Bibliothek aussah.
Mira betrachtete das Portal mit steinernem Gesicht.
"Was zum Fick ist das?", fragte sie trocken.
"Das ist ein sogenannter Weg", erklärte ein überschwänglicher Lukas, der sich eine Kompresse gegen den Hals drückte. "Er führt direkt in unser … Versteck …"
"Eine Bibliothek?", fragte Mira wenig beeindruckt.
"Jjjja", bestätigte Lukas verständnisvoll. "Aber nicht irgendeine, das ist die Wanderer's Library. Größte Bibliothek ever."
Die Goth wirkte immer noch nur mäßig erstaunt.
"Wenn ich da durchgehe, komme ich auch wieder zurück?"
"Wege sind fest, solange du weißt, wo du lang musst, kannst du wieder hierher zurückfinden", bestätigte Lukas. "Und jetzt geh' bitte durch, sonst haben wir die Polizei am Hintern kleben."
"Ist das eine Entführung?", fragte Mira.
"Eher eine Rettungsaktion", schaltete sich Jakob ein. "Du hast Glück, dass wir dich zuerst gefunden haben. Es gibt Organisationen, bei denen Vampire keinen guten Ruf haben. Und auch die werden uns bald aufspüren. Wenn du also keine Bekanntschaft mit einem Vampirtöter machen willst, schlage ich vor, durch dieses Tor zu gehen."
Miranda war weiterhin skeptisch. Sie konnte sich nur auf das Wort der beiden verlassen und normalerweise hätten sie die beiden für verrückt erklärt. Aber sie war in einer Leichenhalle aufgewacht, hatte verlängerte Eckzähne und konnte Blut hören. Sie seufzte und begab sich auf den Weg.
"Denkt dran, dass ich Feuertüren aus den Angeln schlagen kann, wenn ihr irgendwas Komisches versucht, trete ich euch aber so richtig in den Saaaaaaaaaaaaaa …"
Miras Gehirn erlitt das bioinformatische Äquivalent eines arithmetischen Überlaufs. Die Bibliothek hatte durch das Portal hindurch nicht nach viel ausgesehen, aber nun sah sie das eigentliche Ausmaß des Mobiliares. Bücherregale erstreckten sich scheinbar bis ins Unendliche und über ihnen krabbelte ein gewaltiger Hundertfüßler über die Regale hinweg. Er hatte menschliche Arme und Hände anstatt Beinen.
"Das ist einer der Archivare", erklärte Lukas salopp, während er hinter ihr durch das Portal trat. "Solche wie ihn findest du hier überall. Protipp: Wenn du kein Anliegen an sie hast, lass sie in Ruhe, sie lassen sich nicht gerne bei der Arbeit stören."
"Warum hat er Hände?", fragte die Goth verstört.
"Äh, das Personal hier war mal menschlich", sagte Lukas . "Die Library bestraft jene, die ihre Regeln brechen mit Schulden, die sie in der Gestalt dieser Kreaturen abarbeiten müssen."
"Welche Regeln?", fragte die Goth hektisch.
Sie hatte keine Lust, in so etwas abscheuliches verwandelt zu werden, nur weil sie aus Versehen irgendein Gebot brach. Derweil stieg Jakob durch das Portal, das sich hinter ihm schloss. Zwei Regale rückten hinter ihm wieder an ihre angestammten Plätze.
"Äh, also, Regel eins: Nimm nichts, was dir nicht gehört."
"Okay, klingt machbar."
"Zwei: Pass auf deinen Bibliotheksausweis auf."
"Hab ich nicht."
"Der kann dir ausgestellt werden. Drei: Mache dich mit den Wegen vertraut. Dazu später. Vier: Begrenze deinen Besitz."
"Ernsthaft?", fragte die Goth.
"Na ja, niemand hat gesagt, wo die Grenzen gezogen werden sollen", meinte Lukas schulterzuckend. "Aber ich glaube, das Personal hat noch nie jemanden eingesackt, weil er reich ist. Fünf: Halte dich von benannten Orten fern. Also Orten, an denen du explizit nicht sein sollst. Ist ausgeschildert und meist abgesperrt."
"Meistens?"
"Sechs: Meide das Personal. Das hatten wir schon. Man kann sie aber fragen, wenn man sich verlaufen hat und die Archivare im Besonderen können dir zeigen, wo bestimmte Bücher stehen. Sieben: Kenne deine Feinde. Und die der Library, nur so am Rande. Heißt im Prinzip, dass du uns bitte nicht verrätst."
"Okay? War's das oder kommt da noch mehr?"
"Eins noch. Acht: Überlebe:"
"Das … hatte ich vor."
"Dann ist doch alles wunderbar", meinte Lukas strahlend und breitete den Arm aus, der nicht die Kompresse hielt.
"Lukas, hör auf, dich an die Vampirin ranzumachen, wir müssen Bericht erstatten!", rief Jakob ihm zu, der schon etwas vorausgegangen war.
"Ja, ist ja gut, bitte komm mit und bleib dicht bei uns, dieser Ort nimmt es nicht so genau mit Geometrie …"
Der ganze Ort bestand nur aus Regalen und Büchern. Gelegentlich hörte Mira die Geräusche des herumkriechenden Personals, woraufhin Jakob und Lukas prompt den Kurs wechselten. Mira erhaschte einmal einen Blick auf eine Art Kreuzung aus Spinne und Mensch, aber mehr auch nicht.
Und dann tauchten zwischen den Regalen plötzlich Häuser auf. Mira runzelte die Stirn und schaute nach oben. Die Bücherregale waren in der Tat riesig, hochhaus-riesig. Es ergab Sinn, dass man dazwischen sogar Häuser parken konnte. Ein ganzer Ort, wie es schien. An einer Standarte hoch über den Dächern baumelte wohl das Stadtwappen oder Symbol einer ansässigen Organisation.

Und als sie dieses Dorf erreichten, stellte sich heraus, dass hier auch ziemlich viel Personenverkehr herrschte. Leute in Alltagsklamotten, aber auch in merkwürdigen Roben oder völlig fremdartigen Kleidern wuselten umher, um irgendeinem Tagewerk nachzugehen. Und nicht alle schienen dem Homo Sapiens anzugehören. Da waren Wesen, die aussahen wie Yetis, Leute mit drei Augen, ein vierarmiger Kerl der aussah wie ein indischer Dämon und eine Art anthropomorphe Gottesanbeterin.
Und Mira hatte gedacht, das Merkwürdigste, das sie heute erlebt hatte, war, in einer Leichenkammer aufzuwachen …
Es gab ein zitadellenartiges Gebäude nahe dem Ortszentrum, auf das Jakob und Lukas zusteuerten. ERMITTLERBÜRO, LAISON: PRANKE DES TATZELWURMS stand in großen, lumineszierenden Buchstaben über den Eingang, scheinbar in elf Sprachen.
Das Innere wirkte wie eine Behörde. Der Raum war groß und holzvertäfelt, sah aber etwas mitgenommen aus, als hätte er Besuch von Wesen erhalten, deren Mittel der Fortbewegung nicht unbedingt gut mit Parkett harmonierte. Es gab einen Schalter, vor dem eine kleine Schlange stand, aber die beiden leiteten sie in den hinteren Teil, wo mehrere Türen von der Halle abzweigten. Die Türen führten auf Flure und die Flure führten zu Büros. Das, was Jakob öffnete, ließ durch ein Schild an der Wand verlauten, dass es einer gewissen Zuri Ushime gehörte.
Jakob klopfte an.
"Herein", antwortete eine weibliche Stimme mit dem Charme einer rostigen Kettensäge.
Jakob und sein Gefolge traten ein. Das Büro war voll mit Regalen und einem großen Tisch, auf denen sich Dokumente und Bücher türmten wie Kraut und Rüben. Mira meinte, ein System in diesem Chaos zu erkennen, aber den vollendeten Durchblick konnte wohl nur die dunkelhäutige Frau mittleren Alters besitzen, die hinter dem Schreibtisch saß und Jakob durch eine dicke Brille musterte. Ihre Haare waren als Dreadlocks zu einem Pferdeschwanz gebunden und sie trug eine geschäftlich wirkende Bluse.
"Frau Ushime, wir sind wieder da", erklärte Jakob redundanterweise. "Der Tipp war goldrichtig."
"Mhm", knurrte Frau Ushime wenig beeindruckt. "Und was habt ihr mit dem Vampir angestellt?"
"Äh, Mira, kommst du mal bitte?", fragte Jakob.
Mira trat mit mulmigem Gefühl vor.
"Hallo", sagte sie.
"Ui, dich hat's ja hart erwischt", meinte die Frau.
"Das ist Make-up", erklärte Mira. "Goth-Szene."
"Oh", machte Frau Ushime erneut unbeeindruckt. "Kann ich Ihnen ein paar Fragen stellen oder muss ich damit rechnen, dass Sie jemandem das Blut abnehmen wollen?"
"Schon passiert!", meinte Lukas fröhlich von hinten.
Jakob warf ihm einen bösen Blick zu.
"Wenn's Ihnen nichts ausmacht, würde ich Sie gerne zu dem Vorfall befragen", sagte die Frau hinter dem Schreibtisch. "Da läuft ein Vampir frei herum, der junge Damen anfällt und ich möchte das ändern."
Mira nickte nur und musste sich einem peinlich detailreichen Interview zu den letzten vierundzwanzig Stunden unterziehen. Sie antwortete wahrheitsgemäß so gut sie konnte. Frau Ushime schien zwar Haare auf den Zähnen zu haben, aber sie machte einen kompetenten Eindruck. Sie machte Notizen, ohne den Blickkontakt mit ihr zu brechen.
"Das ist nicht viel", sagte sie schließlich.
"Tut mir leid, ich war gerade dabei zu sterben", meinte Mira bissig.
Frau Ushime ignorierte das.
"Ich werde mich weiter mit diesem Vampir befassen. Herr Ungetüm, ich will später noch einen Bericht von Ihnen."
"Sobald wir unsere Neue hier versorgt haben, Frau Ushime", entgegnete Jakob verbindlich.
Mira warf ihm einen ungläubigen Blick wegen seines Nachnamens zu.
"Na schön", knurrte Frau Ushime. "Was braucht sie denn noch? Wollt ihr sie einziehen, oder was?"
"Nein, wir müssen noch rausfinden, was genau sie ist und worauf sie in Zukunft zu achten hat. Dafür müssen wir zu Putin."
"Wem?", fragte Mira.
Alexej Putin, wie sich wenig später herausstellte, lebte zu Miras Erleichterung nicht in Russland, aber er war Russe, wie man unschwer an seinem Akzent erkennen konnte. Er war ein bleicher, hochgewachsener Kerl mit zurückgelegten schwarzen Haaren und einem Frack, der hier in der Wanderers Library in einem der Häuser lebte. Das windschiefe Fachwerkgebilde verkündete nach außen, dass Alexej Fachmann für Lykanthropie, Vampirismus und Untote war und als er die drei beim Eintreten in sein mit Büchern zugestopftes Kabuff freundlich anlächelte, sah Mira auch zumindest, warum er sich mit Vampiren auskannte. Er war augenscheinlich selber einer.
"Mmh, Herr Ungetüm", begrüßte er sie mit seinem russisch eingefärbten Deutsch. "Meine Hilfe gegen diese Zombies letzten Monat hat Hals gerettet, da?"
"Jjjja", meinte Jakob. "Sieht man davon ab, dass ständig was nachgewachsen ist, wenn wir es abgerissen haben."
"Ihr hattet Feuer, oder?"
"Der ganze Friedhof ist abgebrannt …"
The Vampir klatschte in die Hände und breitete dann die Arme aus.
"Aber: Keine Zombies mehr!"
"Ja, keine Zombies mehr", entgegnete Jakob unwirsch. "Hören Sie mal, Herr Putin-"
"Alexej", unterbrach ihn der Mann. "Bitte. Nachname ist im Moment belegt sehr negativ. Muss mich bald schämen, damit zu gehen vor Haustür."
"Meinetwegen, Alexej", begann Jakob genervt von vorn. "Pass auf. Das hier ist Mira", er zeigte dabei auf die Goth. "Und sie ist seit heute morgen ein Vampir. Wir möchten gerne, dass du ihre Spezies bestimmst."
"Hhmmmh", machte Alexej und schwebte förmlich an Jakob vorbei, um vor Mira stehen zu bleiben.
"Die Nacht Ihnen steht gut ", sagte er. "Villkommen in meinem bescheidenen Haus. Oh, habe Sie gar nicht gesehen, Herr Stahlmann. Haben vohl vieder versucht, schöne Frau zu umverben, eh?"
Er zwickte Lukas kurz schelmisch in die Wange, der nur resigniert mit den Schultern zucken konnte.
"Da, bei Töchtern der Nacht Sie müssen aufpassen. Haben Biss. Aber das vissen Sie ja jetzt. Freue mich, dass es ihnen trotzdem noch geht gut. Bevor vir bestimmen Vampirspezies, lassen Sie mich versorgen Wunde. Meistens Vampirspucke verhindert Blutgerinnung."
"Äh, sind wir dir dafür was schuldig?", fragte Lukas und nahm seine Kompresse ab.
"Ah, nicht doch. Einem Kind der Nacht ich helfe doch gerne, und venn es nur ist Aufräumen nach kleinem Ausrutscher."
Alexej huschte kurz zu einem Regal, holte einen Verbandskoffer hervor und begann mit den Utensilien darin fachmännisch Lukas Wunde zu reinigen.
"Vampirbiss ist antiseptisch, aber nicht wenn bereinigt von Spucke, das vird jetzt vehtun."
Er sprühte Propanol auf die Wunden, was Lukas leicht das Gesicht verziehen ließ.
"Sauber halten und dann alles verheilt problemlos", meinte Alexej dann und verstaute sein Köfferchen wieder. "So, und nun zu unserem bezaubernden Gast, bitte hier setzen auf Stuhl."
Mira folgte diesem doch etwas seltsamen, wenn auch freundlichen Vampir widerwillig und nahm Platz. Alexej begutachtete ihre Zähne, leuchtete ihr in die Augen, vermaß die Ohren und schlug in einigen seiner antik wirkenden Wälzer nach. Dann runzelte er die Stirn.
"Gestern war Blutmond, da?"
"Ja?", bestätigte Lukas.
"Hmmmm", machte Alexej und seine Miene hellte sich unversehens auf.
"Spasiba! Junge Frau hat Jackpot geknackt!"
"Ich fühle mich nicht besonders glücklich", meinte Mira trocken. "Ich habe ohne es zu wollen einen Mann angefallen."
"Und das Ihnen vird passieren weit seltener als anderen Vampiren", meinte Alexej. "Durst ist stark in jedem Vampir, aber Ihre Spezies ihn hat besser unter Kontrolle als viele andere. Vamyrus Sanginius Regens, genannt Blutherr. Extrem selten, extrem edel und extrem mächtig. Kann sich nur vermehren mit Biss, wenn Blutmond steht am Himmel. Und Opfer muss Hämochromatose haben."
"Oh Shit, die habe ich!", platzte es aus Mira heraus.
Es war ihr Albtraum gewesen, da zu viel Eisen im Blut sie ständig schlapp machte und irgendwann die Haut braun färben würde. Und sie sah absolut scheiße aus mit brauner Haut.
"Tja, jetzt nicht mehr", flötete Alexej.
Oh, na wenigstens was …
"Ich muss aber sagen, ich bin neidisch, Frau, ähm …"
"Brecher."
"Brecher! Blutherren haben typische Schwächen von Vampir, aber wesentlich, äh, schwächer. Anders als armer, armer Alexej Sie können wandeln unter Sonne, aber ich empfehle Sonnenbrille und Sonnencreme mit viel Lichtschutzfaktor. Und Sie können weiter in Kirche gehen, wenn Sie das wollen, Sie sind beinahe immun gegen Einfluss von oben. Von geweihtem Silber ich aber würde trotzdem lassen Finger."
"Ich könnte also in mein Haus zurück, als wäre nichts gewesen?", fragte Mira.
Alexej verzog mit verständnisvoller Miene das Gesicht.
"Technisch gesehen ja, aber Sie müssen haben gute Ausrede oder diskreten Dealer für Konsum von Menschenblut. Vampire nicht können leben ohne Blut. Niedere Vampire sterben direkt, Blutherren, Alexej glaubt, verlieren irgendvann Fähigkeit sich zu bevegen bis sie vieder kriegen Menschensaft. Zumindest so bei anderen edlen Vampirarten."
"Glauben?", vergewisserte sich Mira.
Der Vampir zuckte hilflos mit den Schultern.
"Blutherren sind unglaublich seltene und schwer fassbare Spezies, konnten nie werden wissenschaftlich studiert. Vieles zu ihnen ist Hörensagen oder Theorie. Kann darum nur wenig Genaues sagen. Gibt halt keine Berichte über direkte Beobachtung. Heißt, sie können hypnotisieren mit Blick, können sehen durch Vände, können verwandeln sich in Schwarm aus Fledermäusen, können kontrollieren Blut, können mainpulieren Gedanken von diejenigen, die sie gebissen haben. Vielleicht stimmt davon etwas, aber ich bin sicher, dass nicht alles ist vahr."
Mira war nicht befriedigt von solchen Vermutungen. Es fühlte sich eher so an, als sei sie mit irgendeiner exotischen Krankheit diagnostiziert wurden, anstatt dass man ihr half, ihre Identität zu ordnen. Aber wenigstens wusste sie nun, wie sie weiterhin ein halbwegs normales Leben führen konnte.
"Na gut …", meinte sie. "Jungs, ich werde nach Hause gehen. Danke für die Hilfe. Könnt ihr mir zeigen, wo es hier raus geht?"
"Hältst du das für eine gute Idee?", fragte Jakob mit einer hochgezogenen Augenbraue. "Du wirst wahrscheinlich mittlerweile polizeilich gesucht. Immerhin hast du eine Gerichtsmedizinerin und mehrere Schutzmänner angegriffen und Eigentum der Staatsgewalt zerstört."
Mira zuckte mit den Schultern.
"Ich kann mich auf Unzurechnungsfähigkeit berufen."
"Du glaubst, die glauben dir du seist ein Vampir?", fragte Jakob.
"Ich kann's beweisen", meinte Mira trocken.
Lukas sog scharf die Luft ein, als hätte er sich den Zeh gestoßen.
"Äh, wir haben dir doch von den Vampirjägern und Anverwandten erzählt, oder? Die haben ihre Augen und Ohren überall, vor allen in den Datenbanken der Polizei."
"Müsste sich der Staat nicht darum kümmern?", fragte die Goth perplex.
"Eh, Staaten haben es lieber ven keine Vampiren laufen frei herum", meinte Alexej mit einem traurigen Lächeln. "Alexej kann bestätigen was junger Freund erzählt. Bin nur um Haaresbreite entkommen der GOC."
Mira runzelte die Stirn.
"Ist das eine Vereinigung von Vampirjägern?"
"Schlimmer", knurrte Jakob. "Alles, was als abnormal betrachtet wird, Vampire, Werwölfe, Zauberer, wollen sie entweder unter ihre Kontrolle bringen oder vernichten. Und die GOC ist nur eine von Vielen dort draußen. Du bist allein nicht sicher."
Mira sank das Herz in die Hose.
"Aber ich kann doch nicht hier bleiben! Ich habe einen Job!"
"Unterkunft und Arbeit kann dir von der Serpent's Hand gestellt werden", versuchte Jakob sie zu beruhigen.
"OOOOH NEIN!", donnerte Mira. "Ihr überredet mich garantiert nicht, eurem Haufen von Verrückten beizutreten. Ich will nach Hause!"
"Aber dein Zuhause-", begann Jakob händeringend, wurde aber von Lukas mit einem aufgelegten Arm zum Schweigen gebracht.
"Die Serpent's Hand zwingt niemanden, Jakob. Wir sind nicht wie der Rest."
"Aber-", begann Jakob wieder und schien Mira mit ehrlicher Besorgnis und einer merkwürdigen Form von Verlust zu bedenken, bevor es schien, als hätte wer die Luft aus ihm gelassen.
"Also gut, wir bringen dich zurück nach Berlin", seufzte er. "Aber klarkommen musst du alleine."
"Soweit, so gewohnt", meinte Mira nur großspurig.
Sie hatte in diesem Augenblick keine Ahnung, wie schrecklich falsch sie mit diesem Kommentar liegen sollte …
Das Nächste Mal bei Noctua Arkana:

