Weltenzerstörer, Teil 3
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Das letzte Mal bei Nexus:
Weltenzerstörer, Teil 2

Elli konnte keinen klaren Gedanken fassen. Vor ihrem geistigen Auge durchlebte sie alle ihre Gräueltaten, wie sie auf die Planeten unter sich hinabsah, oder wie sie vor einem angsterfüllten Flüchtling stand und ihn gnadenlos niederschoss. Sie konnte sich nicht rühren und lag nur auf dem Boden. Jedes Mal, wenn sie versuchte sich zu bewegen, wurde sie von Krämpfen geschüttelt.
Es erschien ihr wie eine Ewigkeit, bis sich ihre Zellentür erneut öffnete und Oberst Wolf eintrat, flankiert von mehreren SKP-Soldaten.
Er verdrehte die Augen und wandte sich an einen ebenfalls eintretenden Wissenschaftler.
"Dr. Hoffstetter. Diese Frau hat einen unschätzbaren Beitrag zur Eroberung der Sowjetunion geleistet. Warum liegt sie am Boden wie ein geprügelter Hund?"
"Nun, äh, der Herr Stern hat uns angewiesen, die Zelle nicht zu betreten, bis Sie kommen und-"
Der Mann stockte, als der Oberst genervt den Kopf schüttelte.
"Der K5 mag den Mann lieben, aber ich glaube, er hat sie nicht mehr alle. Naja, bis jetzt kam es so wie er es vorhergesagt hat. Frau Elli, können Sie stehen?"
Elli röchelte nur. Es klang wie eine Beleidigung.
"Schaut wie ein psychischer Schock aus. Vielleicht PTBS", kommentierte der Doktor. "Warten Sie kurz…"
Er verschwand und kehrte kurz darauf mit einer Spritze wieder.
"Ein Beruhigungsmittel", erklärte er den Anwesenden. "Das sollte die Episode unterdrücken. Ich vermute, das ist passiert, weil man ihr das Mädchen weggenommen hat."
Der Oberst nickte, woraufhin Elli das Mittel in den Arm injiziert wurde. Es dauerte kurz, aber dann konnte sie endlich wieder einen klaren Gedanken fassen. Und nun, da sie nüchtern war, waren das wesentlich mehr als in trunkenem Zustand…
Und dann flammte die Wut in ihr auf.
Sie begann, sich hochzustemmen, geradeso fähig, sich davon abzuhalten jedem der Anwesenden zwischen die Beine zu treten.
"Ja worauf wartet ihr? Helft ihr hoch!", bellte Wolf, als er ihr Vorhaben bemerkte, woraufhin zwei der Soldaten Elli hastig unter den Armen ergriffen um sie auf die Beine zu stellen.
Sie war etwas wackelig, aber hatte genug Energie, den Oberst anzublitzen.
"Wo sind Chloe und Dean?", verlangte sie mit gereizter Stimme zu wissen.
"Es tut mir sehr leid, aber das darf ich ihnen nicht verraten", entschuldigte sich der Oberst.
Es klang ehrlich.
"Da wir leider annehmen müssen, dass Sie uns feindlich gesonnen sind, müssen wir sie als Pfand Ihnen gegenüber einbehalten. Ich versichere Ihnen aber, dass ich mich vor meiner Ankunft hier persönlich von ihrer Unversehrtheit überzeugt habe. Solange Sie kooperieren, wird ihnen nichts geschehen."
Elli schnalzte ärgerlich mit der Zunge.
"Was wollen Sie?"
"Wir wollen, dass Sie für uns einen Stoßtrupp in das Universum R-3378 entsenden", erklärte der SKP-Offizier ruhig. "Es gibt in Kassel ein Portal in dieses Universum, das allerdings von der Foundation in R-3378 im Moment verschlossen ist."
"Und der Stoßtrupp soll das Portal öffnen", schloss Elli. "Alles, damit ihr ein Universum erobern könnt, dass eigentlich gar nichts mit euch in irgendeiner Form zu tun haben will."
"Wir befreien dieses Universum, gute Frau", korrigierte Wolf. "Sie müssen doch selbst gesehen haben, wie sehr die Deutschen dort unter der Vorherrschaft der Amerikaner, der Russen und der Chinesen leiden, nicht wahr? Meinen Sie nicht, dass wir etwas Großartiges vorhaben?"
"Wenn es beinhaltet, Personen auszulöschen, nur weil sie eine Bedrohung oder ein Ärgernis sein könnten, würde ich es eher abartig nennen. Und ich weiß, wovon ich rede."
Der Oberst seufzte traurig.
"Ich habe schon befürchtet, dass Sie es so sehen. Aber ich gehe richtig in der Annahme, dass sie uns helfen werden, nicht wahr? Sie werden dadurch verhindern, dass der K5 zu… drastischeren Mitteln greift, um Ihre Hilfe zu erhalten… Ich würde mich dann auch persönlich dafür einsetzen, Ihre Begleiter wieder auf freien Fuß zu setzen. Wird aber wahrscheinlich nur mit Auflagen möglich sein."
Elli stieß hörbar die Luft aus.
"Herr Wolf. Hätten wir uns in einem anderen Universum getroffen, wären wir vielleicht Freunde geworden… "

Zwei Wochen später

Chloe hyperventilierte und hustete, während sie auf eine Trage geschnallt in einem Raum gebracht wurde, der etwas beinhaltete, das wie eine übergroße Absaugvorrichtung aussah.
Sie war inzwischen fast bis auf die Knochen abgemagert und erschien eher wie ein Skelett als ein Mensch.
"Keine Sorge, Kind", sagte die Schwester, die ihr Bett fuhr. "Ich weiß, das mag beängstigend sein, aber wir wollen dir nur helfen. Herr Stern hat diese Maschine selbst entwickelt, um Leute wie dich von solchen göttlichen Plagegeistern zu befreien."
Die Frau war eine ziemlich große, ältere Matrone mit einem Lächeln, zu dem man einfach nicht nein sagen konnte. Gegeben dem, was ihr Lawrence selbst gesagt hatte, setzte sie wenig Vertrauen in diese Worte. Sie hatte die letzten Tage versucht, die Ärzte, die sie untersuchten von seinem Vorhaben zu überzeugen, aber sie war inzwischen zu schwach um verständliche Sätze zu formulieren. Ihr Körper zerbrach immer schneller unter der göttlichen Macht.
Die Schwester machte eine Spritze bereit.
"Ich weiß, du willst bestimmt wissen, was wir jetzt tun. Wir werden zuerst einmal schauen müssen, wo genau sich dieser Quälgeist in dir versteckt. Das wird einige Stunden dauern, aber sobald dann Herr Stern da ist, können wir anfangen und sollten recht schnell fertig sein. Die Maschine wurde bereits erfolgreich mit Dämonen und Engeln getestet, Götter sind laut Herrn Stern nur ein kleiner Schritt. Erstmal aber kriegst du was zur Beruhigung."
Chloe wusste nicht genau was es war, aber es beruhigte sie in keiner Weise. Es sorgte nur dafür, dass ihr Körper es nicht mehr zeigte…

Das Kriegsgerät, das das SKP aufbrachte, nur um eine Stadt zu erobern, hätte laut Ellis Einschätzung ausgereicht, um kleinere Staaten einzuäschern. Es sammelte sich gerade auf einem Platz am Rand von Kassel. Ein gewaltiger Triumphbogen war dazu auserkoren worden, Ellis Portal aufzunehmen.
K5-1 war über einen Live-Stream zugeschaltet und diskutierte gerade mit Oberst Wolf.
"Und Sie sind sicher, dass sie daraus kein Spektakel machen wollen?", fragte Wolf. "Ich bin mir sicher, das großdeutsche Volk würde mit Freuden Anteil daran haben wollen, wie wir ein unterdrücktes Deutsches Reich befreien. Wir könnten zuerst eine Basis im Nexus errichten."
"Mag sein", entgegnete K5-1. "Aber so wie unsere letzten Versuche, einen alternativen Weg in diese Realität zu finden, in die Hose gegangen sind, bin ich lieber vorsichtig. Zudem hat Stern uns geraten, nichts im Nexus zu lagern, um Versuche der Manipulation von Seiten der Frau zu minimieren. Das SKP darf sich nicht blamieren!"
"Hm, eingesehen", stimmte Oberst Wolf zu.
Elli stand etwas abseits und bedachte das ganze Geschehen mit Abscheu. Man hatte sie in eine schwarze Militäruniform des SKPs gesteckt, komplett mit Kappe, Ärmelband und Stiefeln. In ihr brodelte nur unzureichend unterdrückter Zorn.
"Wo ist Lawrence?", fragte sie, nachdem der Oberst fertig war.
"Der hat andere Verpflichtungen. Hat allerdings ein Protokoll erstellt, wie wir mit Ihnen verfahren sollen. Wenn Sie erlauben, beginne ich mit Schritt eins. Wissen Sie, was das hier ist?"
Er hielt ein kleines Funkgerät hoch. Es gab keine Antenne oder Ähnliches. Nur einen Knopf und einen Lautsprecher. Elli konnte sich denken, was das war.
"Das ist ein interrealer Sender. Er ist mit einem identischen Gerät über Dimensionsgrenzen hinweg verbunden und erlaubt damit auch über Realitäten hinweg Kommunikation."
"Exakt so ist es", bestätigte Wolf nickend.
"Sie sind sich hoffentlich darüber im Klaren, dass wir damit unsere Leute verständigen, falls wir sie als unkooperativ befinden", sagte der SKP-Offizier. "Wir geben außerdem alle fünf Minuten einen Funkspruch aus einer geheimen Abfolge von Nachrichten durch, der direkt an die Leitung der Einrichtung geht, in der sich ihre Begleiter aufhalten. Die wissen was zu tun ist, wenn wir nichts mehr, in zu kleinen oder großen Abständen oder gar das Falsche senden."
Ein Soldat trat zu ihnen und salutierte.
"Herr Oberst, wir sind bereit für die Invasion. Wir warten auf Ihr Kommando."
"Wie schaut es drinnen in Kassel aus?", fragte Wolf.
"Wir haben das nötige Material für Operation Fenris zusammengetragen. Wir können sofort starten, sobald SKP-028-C geöffnet wird."
"Sehr gut, rühren. Nun, äh… Elli, gibt es noch irgendwas, das wir wissen sollten, bevor wir uns in den Nexus aufmachen?"
"Ihre normale Funkverbindung in dieses Universum wird abbrechen, sobald ich das Portal schließe, denn ich werde nur für Ihren interrealen Sender die Signalsperre aufheben. Und ich muss es schließen, damit ich mit dem Zeitfluss von R-3378 synchronisieren kann. Sonst werden ihre Truppen durch das temporale Gefälle beim Heraustreten zerfetzt. Aber das wissen Sie sicher schon."
Der Oberst nickte nur und ließ Elli in der Obhut einiger Soldaten zurück, um vor seinen Soldaten eine flammende Rede zu halten. Sie handelte von Mut, Tapferkeit, Ehre, Verantwortung und der Auslöschung von allem, was sich der Armee in den Weg stellen sollte, was es auch sei.

Herr Stern hatte das Protokoll gründlich durchdacht. Zuerst traten ein paar Soldaten mit dem interrealen Sender durch das Portal, dann, als sie alles für sicher befunden hatten, folgte Elli und der Rest der größtenteils slawischen Streitkräfte. Sie stolperte beim Durchgehen, aber Wolf hatte seinen Männern ausdrücklich äußerste Kavalieretikette gegenüber der Heldin vom Werwolfbunker befohlen. Er war sich sicher, dass sie ihr sofort wieder aufhalfen. Tatsächlich stand sie bereits wieder, als er den Nexus betrat und nach seinen Truppen sah.
Es dauerte ein wenig, bis all die Panzer und Geländewagen durch das Portal gerollt waren, aber schließlich wartete eine ganze Armee auf Ellis Rasen.
Der Oberst nahm sich nun endlich die Zeit, diese Dimension auf sich wirken zu lassen und war von dem Anblick der sich ihm bot überwältigt. Eine unendliche Wiese, blauer Himmel und… äh…
"Das ist ein sehr merkwürdiges Haus", merkte er an.
"Kümmern Sie sich um ihren Kram", kommentierte Elli barsch. "Sind alle da?"
Allgemeines Nicken folgte.
"Dann schließe ich jetzt das Portal in drei… zwei… eins!"
Das Portal erlosch. Kurz darauf bildete sich vor der Armee ein wesentlich kleineres, rechteckiges Portal, gerademal groß genug, um die Hand hindurchzustecken.
"Das da führt nach Baunatal", erklärte Elli. "Ich nehme an, Sie wollen erst ein wenig kundschaften. An Kassel selber komme ich nämlich nicht ran, die Stadt ist mit Realitätsankern zugepflastert."
Na klasse…
"Sieht der Foundation mal wieder ähnlich", kommentierte der SKP-Offizier. "Naja, das wird schon irgendwie. Männer, sendet die Spähdronen aus!"

In Sondereinrichtung-12, weit weg von Kassel, öffnete sich ein Besenschrank. Heraus trat eine Person, die von Kopf bis Fuß von einem figurbetonten Servokampfanzug eingehüllt zu sein schien…

Lawrence war guter Dinge. Alles lief nach Plan und wenn I773 das machen würde, was er von ihr erwartete, würde er seinen ultimativen Triumph erleben.
Im Moment war er auf dem Weg zu Chloe Winter und schritt in diesem Moment in den Raum mit dem Resonanzenergie-Extrahierer.
Resonanzenergie, die Leute hier hatten die komischsten Namen für alles Mögliche…
"Schwester Johanna, wie geht es denn unserem kleinen Patienten?"
"Sie hat versucht, mich zu beißen, aber sonst geht es ihr ganz gut", lautete der trockene Kommentar.
Lawrence heuchelte Mitgefühl, bevor er wieder zum Geschäftlichen kam.
"Haben Sie das Zentrum gefunden?"
Die Schwester nickte pflichtbewusst.
"Wir konnten es auf ihr Herz eingrenzen. Und wir müssen uns beeilen, dieser Gott zerfrisst ihre ganze Existenz. Lange hat sie nicht mehr."
Der ehemalige Logos-Aufseher ließ die Fingerknöchel knacken.
"Dann sollten wir schnell loslege-"
Eine Erschütterung lief durch das Gebäude.
Jetzt schon?

"Also, um das klarzustellen", fasste Dean ungefähr zur selben Zeit zusammen. "Ihr wollt, dass ich euch erzähle, wie ich funktioniere?"
Hätte er ein Gesicht machen können, es hätte leichten Spott ausgedrückt, allerdings war er im Moment nur seine Blackbox, die an einen Laptop angeschlossen war. Sein Körper lag etwas abseits auf einem Tisch und wurde untersucht. Ohne Erfolg, wie sich herausstellte. Er kommunizierte über ein Mikrofon, mit der Laptopkamera und einem Textchat, wodurch er zumindest ein ',:|-Emotikon machen konnte.
"Nun", so begann der Ingenieur mit der grauen Halbglatze, mit dem Dean sprach. "Sagen wir es so, wir kriegen nichts raus, was wir nicht schon wissen. Aber Ihre Technologie ist derart weit fortgeschritten, dass wir nichtmal begreifen können, wie sie funktioniert."
"Denken Sie, ich kann es?", fragte Dean. "Elli hat das für mich aus den verschiedensten Roboterteilen im ganzen Multiversum zusammengebaut. Ich kapiere selbst nicht die Funktionsprinzipien von allen Teilen."
Der Ingenieur runzelte die Stirn.
"Ja aber, es ist Ihr Körper, sie sollten das doch wissen."
"Kennen sie alle Bestandteile eines menschlichen Herzens? ", fragte Dean.
"Nein, ich bin Ingenieur und kein Arzt."
"Aber sie haben doch eins! Selbes Prinzip."
"Oh."
Das Gebäude rumpelte und der Ingenieur fiel erschrocken vom Stuhl.
"Was war denn das für ein Beben?"
"Ich hoffe, ihr habt eine gute Krankenversicherung… <:|", kommentierte Dean mit ehrlicher Besorgnis.

Die Wachmannschaft der Sondereinrichtung-12 war im hellen Aufruhr. Durch die hochwichtigen Geiseln, die hier festgehalten wurden, waren gleich zwei MEKs zur Sicherung abbeordert worden.
Eine Servokampfanzugeinheit nahm gerade mit einer Plasmakanone den einzigen Eindringling ins Visier, der aussah, als würde er nur einen alles verdeckenden Metallplattenanzug tragen, der an einigen Stellen, vor allen im Gesichtsbereich, grünlich leuchtete. Zusammen mit der Artillerie wurden auch mehrere normale Waffen auf den Fremden gerichtet. Nichts desto trotz lief er im Laufschritt durch den Korridor.
"Halt!", befahl der Kommandeur. "Noch einen Schritt, und wir werden das Feuer eröffnen!"
"Noch ein Wort und ich werde dir deine verdammte Fresse polieren!", lautete die Antwort.
Die sich direkt in den Köpfen der Anwesenden festsetzte, ohne den Umweg über die Ohren zu nehmen. So auch bei den Trägern der Kampfanzüge
Moment mal, sollte ein Servokampfanzug nicht gegen psionische Einflüsse immun machen?
Die Männer und einige der anderen anwesenden Servokampfanzugträger, die sich in Reserve hielten, schauten sich verwirrt an, bevor sie mit den Schultern zuckten. Warnung war Warnung.
"Infanterie, Feuer!"
Ein beachtlicher Kugelhagel prasselte auf die Rüstung ein. Und wechselte kurz bevor er sein Ziel traf urplötzlich die Richtung.
Sofern nicht durch Folgeprojektile abgelenkt, trafen die Geschosse ihre Schützen, die schreiend zu Boden sanken.
"Ein kinetischer Reflexionschild!“, bellte der Kommandeur. "Plasmakanone, Feuer!"
"Kinetisch?", fragte der Eindringling.
Ein Servokampfanzugträger feuerte. Und bekam seine Geschoße prompt zurück. Seine Beschichtung verhinderte das Schlimmste, aber ein Teil der Brustpanzerung begann zu schmelzen.
"Sie meinen wohl eher räumlich", korrigierte der Unbekannte. "Ihr könnt so viel feuern wie ihr wollt, diese Rüstung hat ein Kraftfeld, das die räumliche und energetische Ausrichtung aller kleinkalibrigen Projektile um hundertachtzig Grad dreh-"
"Dann eben was Größeres. Panzerfaust! Servos, gebt Deckung!", kam es vom Kommandeur, dicht gefolgt vom angeforderten Projektil.
Sofort stellten sich einige der Servokampfanzüge in den Weg der projizierten Flugbahn, wenn das Ding zurückkam.
Nur, es kam nicht zurück.
Es explodierte wie vorgesehen und hüllte sein Ziel in jede Menge Rauch ein.
Vereinzelt wurde Jubel laut, der aber fast sofort wieder verstummte.
"Ich bin dran…"
Der Gegner stürmte, offensichtlich unversehrt, aus der Wolke, wurde aber unvermittelt von einem der Gerüsteten gepackt und in die Wand geschmettert.
Als Antwort darauf legte er in aller Seelenruhe seine Hände um den Unterarm seines Angreifers, krallte sich so daran fest, dass das Metall eingedellt wurdeund riss ihm ohne sichtliche Anstrengung die Hand ab.
Der Soldat glotzte ungläubig auf seine nun nackte Hand, während sein Gegenüber ihm und seinen Kameraden die flache Hand entgegenstreckte.
Waffen, Rüstungen, Werkzeug, Kommunikationsmittel, Uniformen, Unterwäsche und sogar die Haare aller Soldaten lösten sich sofort in grauen Staub auf.
Die Männer sahen den Fremden fassungslos an.
"Das wächst nach", beruhigte sie der Eindringling. "Und jetzt verschwindet, das nächste Mal stelle ich auf 'Töten'!"
Die Soldaten kamen der Aufforderung sofort nach und schafften die Verwundeten weg.
Hinter dem Unbekannten landete eine Granate, die bei der Explosion die umliegenden Wände mit Rissen bedeckte.
Normale menschliche Ziele währen weggeschleudert worden. Das hier drehte sich genervt zum Werfer um, welcher zu schreien begann, als der Gerüstete auf ihn lossprintete.
Nur um dieses Mal von gleich zwei Servokampfanzügen in die Mangel genommen zu werden, die sich aus Seitengängen auf sie stürzten und niederrangen.
"Tatsächlich, zweimal derselbe Trick", kommentierte der eine. "Pass auf, wo seine Handflächen hinzeigen!"
"Keine Sorge. Ich habe keine Lust, als Nudist abgestempelt zu werden."
"Wie wäre es stattdessen mit 'Bei der Ausführung seiner Pflicht getötet'?", schlug der Niedergerungene mit beißendem Spott vor.
Den Beiden wussten nicht, wie ihnen geschah, als sie plötzlich wie von Geisterhand ergriffen von ihrem Opfer wegflogen und erst gegen die Wände geschlagen und dann mit solcher Urgewalt in den Boden getrieben wurden, dass der ganze Gebäudekomplex kurz erzitterte.
Der Granatwerfer nahm die Beine in die Hand und rannte.
Er kam aber nicht weit, da sich unter ihm ein Raumportal öffnete, durch das er direkt neben dem Angreifer auf den Boden klatschte. Der hob ihn am Kragen hoch und hielt ihn unmittelbar vor sein Gesicht.
Selbst ohne sein Gesicht zu sehen spürte der Soldat die Mordlust…
"Wenn ich so darüber nachdenke, ich bräuchte eine Wegbeschreibung, wärst du so freundlich?"
Der Soldat nickte vor Todesangst so hart, dass ihm fast der Kopf abfiel.

"Das ist alles was wir kriegen können, Herr Oberst. Für mehr bräuchten wir größere Drohnen, die schneller sind. Sonst geht denen die Energie aus, bevor sie überhaupt in die Nähe von Kassel kommen."
Der Soldat, der Oberst Wolf die Ergebnisse auf einem tragbaren Computer präsentierte, sah ihn mit stoischem Gesichtsausdruck an.
Das war eine Zwickmühle. Die Foundation hatte Kassel sicherlich gut im Blick für den Fall, dass das SKP einen anderen Weg in ihre Realität fand. Folglich konnte das Kundschaften nicht zu auffällig sein, sonst würden sie bemerkt und der Verteidigungsschirm weiter ausgeweitet. Ewig hadern konnte er aber auch nicht, immerhin warteten in seinem Kassel Streitkräfte auf den Beginn einer Invasion.
Er sah zu Elli, die ihn mit einem Blick musterte, den sie sich wohl normalerweise für Ungeziefer in der Küche aufhob.
"Eine ehrliche Meinung, gute Frau. Wie schätzen sie die Chancen für unsere Streitmacht ein, wenn wir es mit der ganzen Republik aufnehmen müssten.
Es herrschte kurz Schweigen.
"Bedenken Sie, wir haben Geiseln und man wird einen wahrheitsgemäßen Bericht von mir wollen, wenn wir hier fertig sind", warte der SKP-Offizier. "Dem kann ich mich leider nicht entziehen, auch wenn ich es gern wöllte. Sie wissen, was Sie mir bedeuten."
Elli seufzte.
"Gegen ganz Deutschland? Ich sag es mal so, solange wie Sie nicht versuchen, in den Osten einzudringen, halten Sie vielleicht drei Wochen durch. Für das, was Sie wissen möchten, ja, Sie schaffen es vermutlich, solange sich das deutsche Militär nicht mit Bodentruppen einschaltet, bevor sie Ihre alte Anlage erreichen."
"Hm… Öffnen sie irgendwas Großes. In eine Tiefgarage oder so. Hegel? Geben sie den Truppen den Befehl, sich auf der anderen Seite sofort nach Norden zu begeben. Wir benutzen die Bifröst-Formation."
Einer seiner Untergeben nickte und begann, Anweisungen zu erteilen, während Elli das erbetene Portal öffnete.
Nur kurz darauf fielen die großdeutschen Stoßtruppen auf der anderen Seite ein und bewegten sich unaufhaltsam Richtung Norden. Passanten und Autofahrer gingen ihnen hastig aus dem Weg, viele machten ungläubige Gesichter. Wolf bekam das nur über Kameras mit, denn er blieb zusammen mit einer Elitetruppe im Nexus zurück, einmal um sicher kommandieren zu können und zum anderen, um Elli davon abzuhalten, Dummheiten zu machen.
Es dauerte nicht lange, bis die Späher die ersten Düsenjäger sichteten, die sich dem grauen Zug näherten. Einer der Panzer feuerte wie beiläufig ein paar selbstsuchende Antiluftraketen ab, die die Flugzeuge mit spektakulären Explosionen zerstörten.
Wolf sog scharf die Luft ein. Er wusste, dass seine Männer im Feindesgebiet waren, aber sie kämpften trotzdem gegen Deutsche. Fehlgeleitete Deutsche, aber trotzdem Deutsche. Es versetzte ihm einen Stich, zu sehen wie sie sich gegenseitig bekriegten.
Weitere Streitkräfte der Foundation oder auch schon der Republik, näherten sich und erlitten ein ähnliches Schicksal. Mal durch Raketen, mal durch Laser, mal durch Schienenkanonen.
Kassel war offenbar evakuiert worden, bevor das SKP einfallen konnte. Das beruhigte den Oberst ungemein, da es weniger zivile Opfer bedeutete.
"Bald werdet ihr frei sein", flüsterte er, während seine Truppen durch gegnerische Granaten und Raketen erste Verletzungen erlitten, als sie auf das zumarschierten, was früher das Hauptquartier des SKPs gewesen war.

Das nächste Mal bei Nexus:
Letzter Wille, Teil 1

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