Träumen mit Elli, Teil 2
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Das letzte Mal bei Nexus:
Träumen mit Elli, Teil 1

Irgendwas stimmte nicht. Während Chloe in Ellis Träume sank, spürte sie, wie etwas an ihren Geist zu zerren begann.
Aber das Gefühl war so schnell vorüber, wie es gekommen war.
Als Chloe die Augen aufschlug, sah sie vor sich eine triste, graue Betonmauer, erhellt von Mondschein. Ein Rohr war darauf angebracht. Als sie sich umdrehte, waren hinter ihr hohe Gebäude aus Backsteinen…
Chloe erinnerte sich. Sie hatte mit Dean und Elli bereits an dieser Mauer gestanden.
Aber auf der anderen Seite! Die mit den Graffitis.
Sie war in Ostberlin zur Zeit der DDR gelandet!
Alarmsirenen heulten los und neben Chloe brach etwas, das aussah wie ein VW-Käfer mit aufgenieteten Panzerplatten durch die Mauer.
Das Gefährt driftete und hielt dann genau auf Chloe zu, bevor es urplötzlich abbremste.
"Normalerweise brechen Leute aus diesem Land aus und nicht in es ein! Ich hätte fast ein Mädchen überfahren!"
Chloe erkannte die Stimme.
"DEAN!" rief sie und rannte zur Fahrerseite des Wagens.
Dean saß darin, aber er sah anders aus. Er hatte seine schwarzen Haare und das ausdruckslose Gesicht, aber er war wesentlich kleiner und schmaler gebaut. Das musste einer seiner vorangegangenen Körper sein. Er schaute Chloe skeptisch an.
"Was zum… Elli, ist das eine Zeitreisefreundin von dir?"
Elli, die auf den Beifahrersitz saß, starrte Chloe mit großen Augen an.
"In den Wagen mit ihr, Dean!"
Dean drehte sich skeptisch zu ihr.
"Was?"
"In den Wagen mit ihr, SCHNELL!"
Kopfschüttelnd öffnete Dean die Tür und wuchtete Chloe trotz seiner reduzierten Körpermasse mit einer Hand auf Ellis Schoß, während er auf das Gas trat.
Keinen Augenblick zu früh, denn hinter ihnen quollen grün-uniformierte Grenzsoldaten aus dem Loch und verfolgten den Wagen mit lauten Rufen und Trillerpfeifen. Gewehrschüsse knallten aber prallten harmlos am verstärkten Chassis des Wagens ab.
Es dauerte ein wenig, aber dann war Chloe auf den Rücksitz gekrabbelt. Neben ihr saß eine alte Frau mit Kopftuch und musterte sie mit mäßigem Interesse.
Elli, die ihre blonden Haare jetzt in einem dicken Pferdeschwanz trug, drehte sich zu ihr um.
"So, und jetzt will ich mal wissen, was du hier zu suchen hast. Du hast in unserer Eskortmission fünfundsiebzig nichts verloren. Mit dir war ich vierundachtzig hier."
Chloe klappte die Kinnlade herunter.
"Elli, erinnerst du dich nicht? Ich bin hier reingekommen, um dich zu warnen und dann wurden wir von alten Leuten verfolgt. Du bist auf einen Zug gesprungen."
"Oh, du bist die echte Chloe?", wunderte sich Elli. "Dann hast du wahrscheinlich einen anderen Traum durcheinandergebracht. Habe ich dir schon erzählt, wie hier alles funktioniert?"
Chloe nickte.
"Die Sache ist die, du bringst Erinnerungen durcheinander. Da mein Hirn aber keine Veränderungen an seinen Erinnerungen duldet, werden solche Sequenzen nach Ablauf gelöscht. Du wirst mir sagen müssen, was du weißt!"
"Ist das irgendwas, was ich wissen sollte?", fragte Dean.
"Nein, im Gegenteil, du hörst so gut wie möglich weg. Du auch, Amanda."
Die alte Frau zuckte mit den Schultern und steckte sich die Finger in die Ohren.
Chloe begann zu erzählen, während Dean den Wagen durch das nächtliche Ostberlin steuerte.
"Wo wollt ihr überhaupt hin?", fragte Chloe dann.
"Wir sollen Amanda hier bei ihren Komplizen abliefern."
Sie zog ihren Kragen herunter. Ein metallenes Halsband war daran befestigt.
"Ich kann meinen Nexus nicht benutzen und komme nicht weiter als zehn Meter von Amanda weg, sonst explodiert dieses Ding. Darum habe ich diesen Käfer getunt."
"Der schöne Autowagen…", murmelte Dean traurig.
"Du sollst WEGHÖREN!", fauchte Elli ihn an, bevor sie sich wieder Chloe zuwandte.
"Nun, solange wie wir im Auto bleiben, sollten wir sicher sein. Wir fahren einfach weit genug weg, damit sie aus dem Traum fallen."
"Elli?", fragte der Fahrzeugführer.
"Klappe, Dean", knurrte Elli.
"Wie seid ihr eigentlich in diese Situation geraten?", fragte Chloe.
"Naja, eigentlich wollte ich Alkohol kaufen, aber ein paar Leute vom Widerstand haben uns aufgelauert. Wussten offenbar, wer ich bin. Hatten wahrscheinlich 'nen Wahrsager. Nun, sie wollten, dass wir Amanda nach Potsdam schaffen. Sie kann sich und andere teleportieren, aber nur an Orte, an denen sie zuvor gewesen ist. Darum hat die Stasi auch Interesse an ihr, daher kann sie nicht einfach einreisen."
"Elli?", fragte Dean erneut.
"Jetzt nicht", bat Elli.
"Sind wir bald da?", fragte Amanda und nahm die Finger aus den Ohren.
"Wir sind noch nicht mal aus Berlin raus", wies Elli sie darauf hin.
"Was? Was ist schwer im Haus?"
Elli seufzte unterdrückt.
"Ach ja, Chloe, sie ist schwerhörig."
"Quatsch! Ich höre sehr gut!", ereiferte sich Amanda. "Hab' damals im Krieg die Russen kommen gehört, bevor sie überhaupt in Sichtweite waren, damals drüben in Schlesien. Ja, ihr Jungspunde habt ja keine Ahnung, was das für Zeiten waren."
"Elli?", sagte Dean erneut, wurde aber komplett ignoriert.
"Ich würde mich vielleicht mehr dafür interessieren, wenn mir kein Explosionshalsband angelegt worden wäre", antwortete Elli.
"Was? Der Export hat am Abend angelegt?"
Elli stöhnte genervt.
Dann rammte etwas den Wagen.
"Was war das denn!?", entfuhr es Amanda.
"Das wollte ich euch ja die ganze Zeit sagen", mokierte sich Dean. "Da verfolgt uns schon die ganze Zeit ein Wagen mit ein paar Tattergreisen drin."
Tatsächlich war neben ihnen ein Trabant aufgetaucht, der sie wiederholt rammte.
Die Frau auf dem Rücksitz lehnte sich schließlich mit einer großen Eisenstange aus dem Fenster und schlug das Glas des VW Käfers ein, um nach Elli zu greifen.
"Hey! Wie können wir deinen Verstand für Oneiroi West öffnen?", rief sie währenddessen.
"Also dafür müsst ihr zuer-Mmmpf!", begann Elli, aber Chloe schnellte vor und hielt ihr von hinten den Mund zu.
"Danke, Chloe", bedankte sich Elli.
Als die Frau wieder nach ihr greifen wollte, wich Elli nicht etwa aus, sondern packte ihrerseits die Hände der Alten und zerrte sie unter unter Zuhilfenahme von Deans Fahrkünsten aus dem Wagen, nur um sie dann auf den Asphalt knallen zu lassen.
Sie rollte durch ihr Bewegungsmoment ein Stück weit, bevor sie zur Ruhe kam. Die beiden Wagen brausten davon.
Chloe sah ihr durch die Heckscheibe nach und meinte zu erkennen, wie sie als kaum erkennbarer Punkt in der Ferne plötzlich durch den Boden fiel.
"Geben Sie auf!", brüllte Gaunt vom Beifahrersitz. "Sie haben keine Ahnung, mit welchen Mächten Sie sich anlegen!"
"Ihre Mächte können mir herzlich egal sein", gab Elli lachend zurück. "Sie sind hier in meinem Revier und haben noch nicht mal im Ansatz erfahren, wie furchterregend ich sein kann!"
Plötzlich verschwanden sämtliche Töne aus der Welt. Was Chloe sah verschwamm und verzerrte sich. Plötzlich wirkte keine Schwerkraft mehr auf sie und sie spürte wieder diesen Sog. Sie bekam zum ersten Mal mit, was Dean gemeint hatte als er sagte Ellis Geist sei immens. Sie fühlte sich, als starre sie in die endlose Schwärze des Kosmos, nur um beim Rückwärtsgehen zu bemerken, dass sie in die Pupille einer gigantischen Elli gesehen hatte.
Elli fühlte sich nicht gut…
Ihr Haar war merkwürdig weiß und ihr Körper war zu klein. Das stimmte nicht. Eine Korrektur war erforderli-
Ich bin Chloe!, zuckte es plötzlich durch ihre Gedanken.
Ach ja, richtig! Sie war Chloe Winter! Und niemand anders!
Der Wirbel aus Farben konsolidierte sich plötzlich wieder, Geräusche kehrten zurück und Chloe wurde wieder von der Schwerkraft erfasst.
Es geschah so plötzlich, dass sie mit dem Gleichgewicht rang, obwohl sie auf festem Boden stand.
Chloe brauchte etwas, um sich zu orientieren.
Sie stand in einem weiß gestrichenen, hohen Gang, scheinbar aus Beton. Eine Alarmsirene plärrte.
Chloe lief ein wenig durch die leeren Gänge und kam an einem Klemmbrett vorbei, das jemand wohl auf den Boden hatte fallen lassen. Ein Symbol auf den Blättern darauf stach ihr ins Auge.


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Sie hatte keine Ahnung, was es damit auf sich hatte.
Die Erde begann zu beben.
In der Nähe sah sie ein paar Leute durch den Gang laufen, es schienen Soldaten zu sein, die einige Wissenschaftler und Mechaniker eskortierten. Sie presste sich an die Wand, um nicht gesehen zu werden. Dann ging sie in die Richtung, aus der der Trupp gekommen war. Wenn irgendwo Chaos herrschte, fand man Elli meist in dessen Zentrum.
Der Boden wackelte immer wieder, während sie durch die Gänge wackelte.
Dann sah sie die Alten.
Sie lehnten an der Wand eines Korridors, offenbar ausgelaugt. Wie erwartet war die Frau verschwunden.
"Wir kommen so nicht weiter, Dorian", sagte der Spitzbart zu Gaunt. "Schon zum zweiten Mal, wenn wir diese blöde Kuh erreichen, ist das Gör vor uns da und verhindert, dass sie auspackt."
"Das stimmt, Tom", bestätigte Gaunt. "Besser, wir räumen sie aus dem Weg, wenn wir ihr wieder begegnen. Wir können sie zwar nicht umbringen, aber wir können sie dadurch zumindest aus dem Traum werfen. Dann verschaffen wir uns zumindest etwas Zeit und wir müssen nur hoffen, dass der Traum nicht wieder wechselt."
"Gute Idee, lass sie uns suchen gehen."
Chloe beschloss, sich an die beiden ranzuhängen. Früher oder später mussten sie Elli finden.
Nur, etwas fand Chloe vorher.
Sie konnte sich gerade noch rechtzeitig ducken, bevor die Wand zu ihrer Rechten nachgab und etwas hindurchgeschleudert wurde, das sie als einen blonden Engel erkannte. Zuerst dachte sie, es wäre Elli, denn das Wesen war weiblich und sein Gesicht unter einem weißen Helm verborgen, unter dem blonde Haare hervorragten, allerdings war es größer als sie. Außerdem überlebte Elli es nicht, durch eine Wand geworfen zu werden, selbst wenn sie eine strahlendweiße Rüstung trug.
Ohne einen Ton von sich zu geben stand der Engel wieder auf und richtete seine Aufmerksamkeit auf die Staubwolke hinter der Wand, die er durchbrochen hatte.
Chloe meinte, schwaches lila Licht darin zu erkennen, aber dann war der Engel auch schon vom Boden abgehoben und wieder in der Wolke verschwunden. Es krachte laut, dann folgte das Kreischen gepeinigten Stahls.
Sie war komplett ignoriert worden.
Nein, Elli war nicht hier. Das waren Dinge, vor denen sie klugerweise so schnell wie möglich weglief.
Chloe musste nach oben.
Nach einigem Suchen fand sie eine Feuertreppe, die nach oben führte. Um sie herum rumpelte es wieder.
Durch eine Feuertür über ihr krachte wieder der Engel hindurch. Dieses Mal hatte er eine Person in den ausgestreckten Händen. Eine Person, die eine aus Segmenten bestehende Rüstung trug, die lila leuchtende Linien besaß.
Chloe kannte diese Rüstung. Elli hatte sie ihr einmal gezeigt, offenbar war sie eines ihrer Projekte, da sie nicht mehr funktionsfähig war. Anscheinend fehlten eine Menge Prozessoren zur Kontrolle der Bewegungsabläufe.
Dieses Modell hier schien aber einwandfrei zu funktionieren, denn die Trägerin, wie die Ausbeulungen an strategischen Stellen verrieten, schlug mit kraftvollen Hieben auf den Engel ein, der die Angriffe ähnlich wie Dean in solchen Situationen ohne mit der Wimper zu zucken über sich ergehen ließ.
Ein Krater entstand, als die Gerüstete in die Treppenwand hineingebohrt wurde. Sie packte den Kopf des Engels und gab ihm eine harte Kopfnuss. Das schien ihn kurz benommen zu machen, sodass die Gepanzerte den Zeigefinger auf sie richten konnte.
Doch die Geflügelte fing sich schneller wieder als gedacht und duckte sich mit übermenschlicher Geschwindigkeit unter dem blauen Strahl hinweg, der aus dem Finger hervorschoss. Stattdessen verursachte er ein Loch in der Betonwand hinter ihm. Der Beton wurde nicht etwa weggebrannt, er schien einfach aufzuhören zu existieren. Der Engel packte seine Gegnerin daraufhin und schleuderte sie ein Stockwerk weiter unten direkt neben Chloe gegen die Wand.
Das Opfer stand wieder auf als wäre nichts gewesen und drehte unvermittelt den Kopf zu Chloe.
"Was machst du hier? Du gehörst gar nicht hierher."
Die Stimme schien sich nicht mit dem Umweg über ihre Ohren aufzuhalten, sondern erklang direkt in ihren Gedanken.
Sie gehörte Elli.
Aber sie war kalt und stählern wie ein Messer.
Chloe fühlte sich zu der Zeit zurückversetzt, als sie Deans Erinnerungen gesehen hatte. Damals hatte Elli ähnlich gesprochen. Aber da war wenigstens noch sowas wie ein Rest von Menschlichkeit darin gewesen. Diese Elli hier war von einer Maschine nicht zu unterscheiden.
Diese kleine Ablenkung reichte dem Engel, um Elli erneut zu rammen und durch den Boden zu brechen. Es dauerte kurz, dann wurde der Engel nach oben geschleudert.
"Elli! Was ist hier los!?", brüllte Chloe das Treppenhaus hinunter.
Elli unter ihr fiel hinab.
"Die Vernichtung einer potentiellen Bedrohung für den Planeten", lautete die grausam kalte Antwort. "Und du hast hier nichts verloren."
Der Engel schien von einer unsichtbaren Kraft ergriffen zu werden, denn er beschleunigte wieder nach unten, direkt in Ellis gepanzerte Faust und wurde wieder nach oben katapultiert. Dann kam Elli gerade noch rechtzeitig mit den Füßen auf dem Boden auf und wiederholte den Vorgang.
Der Engel wurde wie ein gefiedertes Jojo nach oben und unten geschleudert, bis er sich weit genug unter Kontrolle hatte, um den telekinetischen Kräften zu entkommen, die Ellis Rüstung ihm auferlegte. Er floh nach oben.
Elli sprang ihm einfach hinterher und brachte dabei mit einem Satz zehn Meter hinter sich.
Chloe blieb nichts anderes übrig, als den beiden hinterherzulaufen, während der Kampf weiter oben fortgesetzt wurde.
Wenn Elli aus welchen Gründen auch immer in einem solchen Gefecht steckte und somit immer in Bewegung blieb, dann waren die Chancen gering, dass die Alten sie finden würden. Oder sie lange genug stoppen konnten, um ein Gespräch zu beginnen.
Dann meldete ein anderer Teil von Chloes Gehirn an, dass die beiden Kontrahenten sich ziemlich schnell bewegten, das hieß, sie konnten sich auch ziemlich schnell von ihr weg bewegen. Sie riskierte, aus dem Traum zu fallen. Chloe beschleunigte ihre Schritte, während sich das Duell über ihr in angrenzende Räumlichkeiten und dann wieder nach unten verschob.
Elli flog über ihr durch die Wand und durchbrach die gegenüberliegende Seite. Dabei brachte sie die Treppe über Chloe zum Einsturz. Sie sah nicht, ob der Engel nachfolgte, denn sie musste hastig Reißaus vor den herabstürzenden Trümmern nehmen und hechtete auf einem Treppenabsatz durch die Feuertür.
Sie fand sich in einem langen Korridor wieder, von dem zahlreiche Türen abzweigten.
Und am anderen Ende waren die Alten.
"Da bist du ja!", triumphierte Jester. Beide rannten auf sie zu.
Chloe hätte es sich zugetraut, sich mit einem der beiden anlegen zu können, aber sie hatte keine Chance gegen beide. Nicht ohne eine Waffe.
Die Türen, die sie probierte waren verschlossen, die Treppe hinter ihr verschüttet, wie sollte sie also…
Moment… technisch gesehen war das hier doch auch ihr Traum, oder? Ellis Gedächtnis ließ sich nicht beeinflussen, Chloes Träume aber schon. Nur, reine Vorstellungskraft brachte nichts. Sie konnte sich nicht einfach eine Pistole in die Hand wünschen, sie war keine Klarträumerin… Moment, vielleicht konnte Dean ihren Traum von außen beeinflussen…
Chloe konzentrierte sich hart darauf, eine Nachricht nach draußen zu senden, während die beiden Greise immer näher kamen.

Dean baute um Ellis Bett herum gerade etwas auf, das wie eine Kreuzung zwischen einem Zelt und einem Plastikregenschirm anmutete, als Chloe unruhig zu werden begann. Wachte sie etwa auf? Aber Elli gab immer noch unablässig ihre Fehlermeldung durch.
"Mmh… Waffe… Dean… Hilfe", murmelte Chloe.
Dean hatte absolut keine Ahnung, was er tun sollte. Wie bereits erwähnt träumte er nicht, daher wusste er nicht, wie er Chloe in ihrem Traum helfen sollte.
Zeit, anzuwenden, was er aus dem Film Inception (von Christopher Nolan) gelernt hatte!
Er beugte sich zu Chloes Ohr hinunter. Was für eine Waffe brauchte sie? Wahrscheinlich eine Pistole oder so…
"Knall! Peng!", flüsterte er wiederholt.

Die beiden Greise waren fast heran, als sich Deans Einfluss bemerkbar machte. In Chloes Händen materialisierte sich eine große Rolle Luftpolsterfolie.
Die Alten schienen Chloes Verwirrung zu teilen, denn sie hielten an, bevor sie Chloe erreichten. Die warf als Ablenkung die Rolle und flitzte an ihnen vorbei.
Unter lautem Rufen nahmen Jester und Gaunt die Verfolgung auf, aber Chloe hörte sie nicht. Sie versuchte mit aller Macht, erneut Dean zu kontaktieren.

"Reicht nicht… Mehr…", murmelte Chloe.
Dean beugte sich skeptisch ein wenig zurück.
Er bezweifelte, dass Chloe mit einem Maschinengewehr umgehen konnte aber vielleicht reichte es, wenn sie es einfach nur in der Hand hielt… Er hielt sie für clever genug sich nicht zu übernehmen.
"Rattattatta!", flüsterte er.

Chloe ließ mit ausdruckslosem Gesicht im Rennen den Presslufthammer fallen, den Dean ihr geschickt hatte und versuchte es erneut.

"Was… Anderes…"
Dean überlegte angestrengt, sofern man bei ihm von Anstrengung reden konnte. Er wusste ja schließlich nicht, was das Problem war. Vielleicht brauchte sie was Explosives.
Er versuchte es erneut. Eine Handgranate würde bestimmt helfen, auch wenn Chloe nachweißlich eine schlechte Werferin war.
"Bumm!"

Die Erde begann zu beben, Chloe erwartete schon, dass Elli durch die Decke krachte, aber stattdessen brach hinter ihr ein Panzer durch die Decke. Chloe konnte ihn zwar nicht erreichen, geschweige denn bedienen, aber er verschaffte ihr einen Vorsprung, da ihre Verfolger darüber klettern mussten. Chloe ließ es auf einen weiteren Versuch ankommen, während sie eine weitere Treppe erreichte und sie emporstieg. Das letzte war immerhin schon mal eine Waffe gewesen.

"Kleiner…" kam es unruhig von Chloe und sie drehte sich auf die Seite.
"Du bist aber heute wählerisch…", bemerkte Dean.
Vielleicht brauchte sie was Zukunftsorientiertes mit der Kraft einer Granate…
Eine Plasmakanone vielleicht.
"Pew! Pew! Pew!", versuchte er es.

Chloe runzelte die Stirn, als sie plötzlich von Katzen in allen Formen und Farben umgeben war. Glücklicherweise waren sie clever genug, ihr aus dem Weg zu gehen.
"Verdammt, Dean!", presste sie zwischen den Zähnen hervor.

Dean wartete auf weitere Hilferufe, bekam aber keine mehr. Er schien seine Sache gut gemacht zu haben. Er stand wieder auf und baute den Schild weiter auf.

Chloe hatte gegenüber den Alten einen großen Nachteil. Sie war kleiner, also hatte sie kürzere Beine und dank ihres kleinen Gott-Problems ging ihr allmählich die Puste aus. Wahrscheinlich war sie nur durch Adrenalin überhaupt so weit gekommen.
Sie kam auf einem Treppenabsatz schwer atmend zum Stehen, weil sich ihre Beine plötzlich weigerten, auch nur noch einen Schritt zu tun.
Jester schloss zu ihr auf, packte sie an der Gurgel und hielt sie über das Geländer über den Treppenhausschacht. Der Boden lag im Dunkeln, daher konnte man nicht sehen, wie tief der Schacht reichte.
"Ein Problem weniger", sagte er grimmig.
Neben ihnen brachen der Engel und Elli durch die Wand.
"Chloe!", schallte es in ihrem Kopf wieder, aber Elli war zu sehr mit ihrer Gegnerin beschäftigt. Die packte die Gerüstete gerade, um sie von unten gegen die Treppe über Elli zu rammen.
Jester ließ eher vor Schreck als absichtlich los und Chloe begann unter lautem Kreischen zu fallen.
Sie beschleunigte mit den üblichen 9,81 m/s2 Richtung Boden, aber es gab nichts, um sich daran festzuhalten.
Unter ihr tat sich eine Art Ring auf, durch den sie den Treppenschacht aus einer höheren Perspektive sehen konnte. Und sich selbst, wie sie fiel.
Dann war sie hindurch.
Und fiel an Gaunt und Jester vorbei.
Die beiden Herren und Chloe wechselten ungläubige Blicke, aber dann war sie auch schon wieder vorbei, doch sie kam sofort zurück.
Mittlerweile wurde der Kampf um sie herum noch intensiver geführt. Elli schien einen Teil ihrer Aufmerksamkeit nun Chloe zukommen zu lassen, denn sie war es offenbar, die das Portal erzeugt hatte. Nun versuchte sie, den Engel auf Jester und Gaunt zu zu dirigieren, die hastig die Treppe hinauf flohen.
Elli warf ihre Kontrahentin nach ihnen und nutzte den Moment, um Chloe per Telekinese abzubremsen und auf die Treppe zu heben.
Der Engel mittlerweile krachte direkt vor Jester in die Treppe. Die ganze Konstruktion neigte sich zur Seite, wobei der alte Mann schreiend abrutschte und im Fallen versuchte, sich an dem Engel festzuhalten. Er erwischte ihn am Knöchel.
Die Geflügelte beachtete ihn aber gar nicht, sondern griff wieder Elli an. Die wirkenden Kräfte sorgten dafür, dass Jester endgültig den Halt verlor und schreiend und um sich schlagend das Treppenhaus hinabstürzte. Nur hatte sich das Portal unter ihm geschlossen.
Er verschwand in der Dunkelheit und sein Geschrei verklang.
Gaunt knurrte über Chloe.
"Du kleines Flittchen!", spie er zu Chloe hinunter.
Über ihm hatte Elli den Engel an der Gurgel gepackt und schien ihn als Schlagwaffe gegen den Alten führen zu wollen. Aber das schien er gar nicht zu bemerken.
"Scher' dich gefälligst dahin, wo du hergekommen bist und pfusch uns nicht mehr ins Handwerk!"
Er schien außer sich zu sein.
Und dann, kurz bevor der Helm des Engels mit Gaunts Brust Kontakt herstellte, um sie zu zerschmettern, verschwamm die Welt vor Chloe.
Der Traum war zu Ende.
Und alles, das Chloe zu dem machte, was sie war, geriet wieder in den Sog von Ellis gigantischem Verstand.

Das nächste Mal bei Nexus:
Träumen mit Elli, Teil 3

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