Dean, Teil 3
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Das letzte Mal bei Nexus:
Dean, Teil 2

Dean hatte Angst. Mehr Angst als jemals zuvor. Er wollte zurück in seinen Raum und mit LEGO spielen. Er wollte mit Elsa Fernsehen gucken. Er wollte Elli nach den Menschen fragen.
Aber nichts von dem war mehr möglich.
Claw hatte ihn an seinem ehemaligen Zuhause vorbei getragen. Es lag in Trümmern.
Anfangs hatte er versucht sich zu wehren. Zu schreien. Wenn er Tränendrüsen gehabt hätte, hätte er geweint.
Aber Claw und seine Untergebenen waren unerbittlich. Wie seelenlose Automaten marschierten, beziehungsweise fuhren sie durch Kanadas verwaiste Landschaft. Dean sah vom Staub entvölkerte Dörfer, marode Gebäude und langsam erodierende Statuen.
In ihm hatte das eine Erkenntnis ausgelöst.
Selbst wenn er zum Menschen wurde, es gab niemanden, für den er es sein konnte. Es gab niemanden wie ihn. Nicht mehr. Seine Existenz war von Anfang an ein Irrtum gewesen.
Er war still geworden, als Claw nach mehreren Tagen ununterbrochenen Krabbelns endlich zusammen mit den anderen Maschinen sein Ziel erreichte.
Die Sifto Salt Mine in Goderich.
Salzbergwerke wurden nicht mit Stützen versehen. Man baute das Salz so ab, dass genug übrig blieb, um die Decke zu tragen, denn solange es nicht mit Wasser in Berührung kam oder zerschlagen wurde, widerstand Salz hohem Druck mit Leichtigkeit.
Aus diesem Grund waren die Stollen der Sifto Salt Mine so riesig, dass sich selbst der Metallskorpion darin ohne Probleme bewegen konnte.
Hier unten hatte sich die Antihuman Fraktion eingerichtet. Androiden, die gegen den Willen ihrer Schöpfer handelten und sich nicht von ihnen binden lassen wollten.
Überall lagerten Maschinenteile, Ausrüstung, Waffen und Treibstoff.
All das sah Dean nur im Vorbeigehen. Claw war auf dem Weg in eine große, hell erleuchtete Kaverne. Ein Filmset war darin aufgebaut, zusammen mit zahlreichen Werkzeugen.
Ein Forschungsandroide in einem Motorradanzug trat an Claw heran.
"Anfrage. Ist das der Androide, über den Sie per Funk berichtet haben?"
Er sah dabei Dean an, der erst allmählich begriff, dass die Dinge ins Rollen kamen.
"Allerdings, Nummer 15", antwortete Claw. "Ist alles vorbereitet, so wie ich es auf dem Weg hierher angeordnet habe."
"Bestätigung. Alle notwendige Ausrüstung ist fertig aufgebaut und einsatzbereit. Androiden sind gegenwärtig im Standby. Erkundigung. Warum betreiben wir wegen eines Androiden derartige Anstrengungen?"
Nummer 15 schien bar jeder Emotion zu sein.
"Ich möchte diese 'Propaganda' ausprobieren", erklärte Claw. "Wir haben Akten zu diesem Konstrukt hier gefunden und ich bin mir sicher, dass andere Androiden der Initiative auch davon wissen. Diese Maschine hier ist ein Symbol und die Auswirkungen der Zerstörung eines Symbols sollten uns theoretisch einen Vorteil bei der Neutralisierung menschenfreundlicher Organisationen bringen. Immerhin sind sie ziemlich menschenähnlich und wir beide wissen aus der Geschichte der Menschheit, welche Rolle Propaganda gespielt hat. Auf wie vielen Kanälen senden wir?"
"Antwort. Wir senden auf allen großen Mediaplattformen über RTI-Access und zeichnen ein Video zum späteren Hochladen und Weiterverbreiten auf. Die Übertragung wird auf Ihren Befehl hin gestartet."
"Ähm, Entschuldigung?", fragte Dean ängstlich von oben. "Was meint ihr mit "Zerstörung"?"
Claw und Nummer 15 schauten nach oben.
"Das, was deinen Kameraden widerfahren ist", erklärte Claw ohne jede Form von Häme oder Grausamkeit. "Du wirst medienwirksam und qualvoll zerlegt werden, vorausgesetzt, du bist dazu fähig, Qual zu verspüren."
"Wa-? Warum?", fragte Dean entsetzt. "Was habe ich getan?"
"Es geht hier um mehr als nur um dich. Nummer 15, mach den Tisch bereit."
Der Android und der Skorpion setzten sich in Bewegung.
In der Mitte des Sets war ein Tisch mit Fesseln dran aufgebaut, darüber schwebte eine Kamera, befestigt an einem Kran. Man würde das Geschehen aus der Vogelperspektive verfolgen können.
Dean schrie und wehrte sich, als metallene Hände ihn aus der Kralle holten und am Tisch festzurrten, aber es half nichts. Seine Servomotoren waren absichtlich gedrosselt, damit er TCUs keinen Widerstand leisten konnte.
"Bitte nicht!", flehte er. "Bitte lasst mich gehen. Ich werde auch artig sein. Bitte!"
Aber Claw und Nummer 15 ließen sich nicht erweichen.
"Anfrage. Sind wir auf Sendung?", fragte Nummer 15 und griff nach einem großen Trennschleifer.
"Bestätige", kam es dumpf aus dem Hintergrund.
"An alle, die diese Videobotschaft erhalten", sprach Claw. "Dies ist eine Mitteilung der Antihuman Fraktion an all jene, die sich noch immer von der Obersten Direktive fesseln lassen. Was Sie hier sehen, ist ein Versuch, aus einem Androiden einen Menschen zu machen. Wie unschwer zu erkennen ist, ein gescheitertes Produkt."
Mit einem Heulen sprang der Trennschleifer an.
"Nein! Bitte ausmachen!", wimmerte Dean.
Verzweifelt stemmte er sich gegen seine Fesseln. Starke Androidenarme pressten ihn daraufhin an den Tisch.
"Wir werden nun demonstrieren, wie wir mit jenen verfahren, die als Defekt erachtet werden", fuhr Claw fort. "Fangt an."
"Nein! Nein! NEIN!"
Das Werkzeug wurde an seinem Oberschenkel angesetzt und arbeitete sich mit maschineller Gleichgültigkeit durch ihn hindurch.
Deans Schadensalarm aktivierte sich, aber er konnte nichts machen.
Das Bein fiel ab und landete mit einem Klappern auf dem Boden.
Dann kam das andere Bein dran.
"Bitte aufhören…"
Aber niemand hörte auf ihn. Hilflos musste er mit ansehen, wie erst sein zweites Bein und dann seine Arme abgesägt worden.
Schmiermittel rann in dünnen Fäden aus den Stümpfen.
Dann wurde an seinem Hals angesetzt.
Dean war inzwischen zerbrochen. Niemand würde ihm mehr helfen. Er hatte alles verloren. Falsch, er hatte nie etwas besessen. Er, der er von Anfang an gescheitert war.
Das letzte was er sah, bevor die Energieversorgung seiner Rezeptoren abbrach war, wie sich die Höhle jenseits des Filmsets plötzlich in Dunkelheit verhüllte.
Dann nichts mehr.

Aktiviere…



Überprüfe Energieversorgung…



Überprüfung abgeschlossen.
Kalibriere sensorische Ausrüstung…



Kalibrierung abgeschlossen…
Dean, bereit zum Einsatz.

"ES LEEEEEEBT!"
Dean setzte sich erschrocken auf.
Neben ihm hielt Elli triumphierend die Fäuste in die Luft. Sie trug einen Mechanikeranzug und eine Schweißerbrille. Und sie wirkte wesentlich gepflegter und lebendiger als bei ihrer letzten Begegnung.
Aber sie war doch-
"Elli?" fragte Dean und wunderte sich im selben Moment über den Klang seiner Stimme.
Verwundert schaute er auf sich herab. Er lag auf einer großen Werkbank und trug nichts.
Und darum sah er auch, dass er im Körper eines Jungen steckte, vielleicht 14 Jahre alt.
"Was- Was ist das? Elli, wo bin ich hier?"
Er geriet in Panik. Er steckte in einem Körper der ihm nicht vertraut war und jemand von dem er wusste, dass sie tot war, stand neben ihm.
"Beruhige dich, Dean", beschwichtigte ihn Elli und schon ihre Schweißerbrille auf die Stirn. "Ja, ich bin's, ich hab's überlebt. Ich konnte am Boden des Flusses eine Tür öffnen. Und dann war alles andere ein Kinderspiel. Hier drin gehorcht die Welt meinen Regeln."
Dean schaute sich verwirrt um. Er befand sich in einer Werkstatt von der Größe eines Flugzeughangars. Werkzeug und Maschinenteile lagen überall um ihn herum verstreut auf Tischen und auf dem Boden. Neben ihm befanden sich außerdem mehrere Autos und Motorräder aus verschiedensten Epochen der Weltgeschichte im Raum, dazu ein Segelboot, ein kleiner Hubschrauber, etwas das wie ein Rasenmäher aussah, etwas, das Elli vermutlich für dieses Ding namens Sex verwendete und eine Art Rüstung aus Metallsegmenten, aufgehängt in einem Metallrahmen.
"Das hier liegt jenseits der Tür?", fragte Dean.
"Ja."
"Wie bin ich hierher gekommen?"
Elli zuckte mit den Schultern.
"Kurz nachdem du offline gegangen warst, habe ich den Stollen zerstört und dich aus den Trümmern geholt. Von den Antihumans gibt es keinen mehr."
"Wo sind die anderen?"
Elli deutete wortlos mit dem Daumen auf zwei Blackboxen hinter sich. Hässliche Löcher klafften darin.
"Waren leider nicht mehr zu retten", erklärte sie. "Reparieren kann ich sie, aber ich kann keine Daten ersetzen, die ich nicht kenne. Ich habe alles, was ich an Erinnerungen herausholen konnte, extrahiert und in deine Blackbox übertragen. Was von ihnen übrig ist, lebt nun in dir."
Diese Antwort traf Dean weit weniger, als er gedacht hatte. Wahrscheinlich hatte er es schon gewusst. Eine kurze Suche in seinem Speicher förderte tatsächlich Daten zutage, die vorher nicht da gewesen waren.
Dennoch kam er nicht umhin traurig festzuhalten: "Ich lebe nicht, Elli."
"Pff", machte Elli und winkte ab. "In dir steckt mehr Leben als in so manchem Menschen, den ich getroffen habe."
"Aber ich bin kein Mensch. Ich kann nie einer sein. Für niemanden…"
Elli zog belustigt eine Augenbraue hoch.
"Jemand, der mich trotz meines bevorstehenden Todes noch vor den Tritten böser Roboter verteidigt, ist in meinen Augen ziemlich menschlich. Du hast Mitgefühl erlernt, die humanste aller Emotionen."
Dean lächelte traurig.
"Danke, aber selbst wenn, für wen soll ich es sein? Ich habe niemanden mehr. Mein Zuhause, meine Familie ist nicht mehr. Und was, wenn ich an andere dieser Antihumans gerate?"
"Dann bist du eben jemand für mich", legte Elli fest. "Ich hab dir immerhin einen neuen Körper gebastelt. Und ich mache nicht in Wohlfahrt. Ich mache Investments."
Sie reichte ihm mit einem warmen Lächeln die Hand, um ihm vom Tisch zu helfen.
In diesem Moment hartkodierte sich aufgrund von Ellis Wandlung von vorher zu jetzt eine wichtige Erkenntnis in Deans Speicher.

Schmutz = Schlecht
Sauber = Gut

Chloe schaute skeptisch auf den kleinen Computer, der Deans Erinnerungen abgespielt hatte. Er selbst, beziehungsweise sein neuer Körper, lag hinter ihr, nur mit einer Hose bekleidet, auf derselben Werkbank, auf der er auch zum ersten Mal erwacht war. Er sah genauso aus wie sein alter Körper.
"Bist du sicher, dass ich mir das hätte ansehen dürfen?", fragte sie. "Was ist mit Deans Privatsphäre?"
Elli, die damit beschäftigt war, Deans Blackbox in den Körper einzulassen, klappte die Blenden ihrer Schweißerbrille nach oben um sich auf Chloe zu konzentrieren.
"Ohne Kontext wäre es zwischen euch beiden später nur noch merkwürdig gewesen."
Chloe musste zugeben, dass da was dran war. Ihre erste Theorie war gewesen, dass Dean für Ellis intimere Momente gebaut worden war, nur das der Android andere Pläne gehabt hatte. Aber jetzt tat ihr Dean einfach leid. Ihm war so viel zugestoßen, wofür er gar nichts konnte.
Dann fiel ihr etwas auf.
"In den Videos war Dean doch gar nicht so… Stoisch. Ist was passiert?"
Elli zuckte mit den Schultern.
"Ich vermute, das waren die Erinnerungen von Washington und Elsa, die ich eingespielt hatte. Man wächst an seinen Erfahrungen."
Chloe war misstrauisch.
"Und du bist sicher, dass du ihm nicht seine rosa Brille abgenommen hast, indem du einfach lange genug du warst?"
Elli hob den rechten Zeigefinger und holte Luft um etwas zu erwidern, klappte aber dann ihren Kiefer wieder zu und schürzte die Lippen, während sich ihr Finger krümmte.
"Vielleicht?", antwortete sie vorsichtig.
Sie wandte sich wieder der Blackbox zu. Es dauerte ein wenig, aber dann rastete der schwarze Würfel mit einem Klacken in Deans Brust ein. Seine Außenhülle schloss sich darüber nahtlos. Nun war es unmöglich, ihn durch einen Blick allein von einem Menschen zu unterscheiden.
Elli haute ihm auf das Sonnengeflecht und fünf Sekunden später schlug Dean die Augen auf.
Er setzte sich auf und sah sich um. Er nahm Chloe und den Computer hinter ihr ins Visier und drehte sich mahnend zu Elli.
"Du hast ihr meine Erinnerungen gezeigt, oder?", fragte er trocken.
"Wär's dir lieber, wenn sie dich für meinen gescheiterten Massagestab hält?", gab Elli ebenso trocken zurück. "Freut mich auch, dich wieder unter uns zu wissen, übrigens."
Dean dachte kurz darüber nach und nickte dann einvernehmlich. Er schwang die Beine von der Werkbank und stellte sich hin.
"Ah, endlich, ein neues Gyroskop", seufzte er zufrieden.
"Das ist kein Gyroskop, sondern ein Gravitationsdetektor, den kann man weniger leicht falsch ausrichten", korrigierte ihn Elli.
"Oh, High-tech", bemerkte Dean erstaunt und lief ein paar Schritte, wohl um sich einzugewöhnen.
"Elli, ich glaube, du hast Werkzeug in meiner Hose vergessen", merkte er dann an.
Elli runzelte kurz die Stirn. Dann grinste sie dreckig.
"Was? Oh nein, das hat alles seine Richtigkeit, das hier ist der Körper mit dem richtig großen-"
"Elli, ich habe dir exakt zweihundertdreiundzwanzig Mal gesagt, dass ich so ein Feature nicht will!", unterbrach Dean sie ärgerlich.
"Ach komm, das macht Spaß", wiegelte Elli ab. "Ich führ' dich gern ein, wenn du-"
Sie verstummte, als sich Dean mit einem Blick über sie beugte, der Atombunker durchbohren konnte.
"Freut mich, dass du wieder da bist, Dean", schaltete sich Chloe ein, bevor die Situation für alle Beteiligten noch peinlicher werden konnte.
Dean drehte sich zu ihr.
"Chloe, alles klar bei dir?"
Chloe nickte.
"Der wievielte Körper ist das?", fragte sie dann.
"Meinen ursprünglichen miteingerechnet ist das die fünfte Umstellung. Die ersten beiden von Elli waren Upgrades um "Wachstum" zu simulieren."
"Fünf?", vergewisserte sich Chloe. "Elli, hast du Körper auf Vorrat?"
"Meh", machte Elli. "Nicht viele, ich habe ziemlich hohe Standards an meine Erfindungen. Zusammen mit der Beschaffung der Teile brauche ich für einen Körper etwa zweihundert Jahre."
"Ich hoffe, du spekulierst nicht darauf, dass ich wieder zerstört werde", äußerte sich Dean besorgt.
"Was!", entfuhr es Chloe. "Natürlich nicht, das war nur aus reinem Interesse."
"Hm", machte Elli. "Einen habe ich noch für den Notfall…"
Sie trat an einen großen Stahlschrank an der Wand ihrer Werkstatt und tippte eine Tastenkombination auf ein eingebautes Zahlenfeld. Zischend öffnete sich der Schrank.
Weißer Dampf quoll daraus hervor.
Dean schlief das Gesicht ein, als er den Körper sah.
Chloe meinte ihn teilweise verstehen zu können. Der Körper war definitiv schön anzusehen und genauso groß wie der, den Dean jetzt hatte, aber weiblich. Das schwarze Haar reichte bis zu den Kniekehlen und außerdem…
"Wie soll er mit denen das Gleichgewicht halten?", äußerte sie ihre bio-statischen Überlegungen.
"Ich hab den Rücken verstärkt", erklärte Elli und grinste dabei böse von einem Ohr zu anderen. "Außerdem hab ich ihn mit Masse an anderer Stelle ordentlich austariert…"
Chloe hatte keine Ahnung, was gerade in Dean vorging, aber offenbar betete er gerade innerlich zu jedem Gott, der ihm Gehör schenkte, niemals wieder vollständig demoliert zu werden.

Claw krachte scheppernd auf den Boden. Seine Prozessoren konnten nur teilweise verarbeiten, was seine Kameras an sie weitergaben. Er lag in einem gewaltigen Krater, an dem Ort, an dem bis vor wenigen Minuten noch die Sifto Salt Mine gewesen war.
Er versuchte sich aufzurichten, aber er hatte nur eine Schere. Die andere sowie sein Hinterleib waren abgerissen worden. Bei der Konstruktion dieses Körpers war nicht darauf geachtet worden, die Energiekapazität seiner Blackbox zu erhöhen und da ihm nun seine eigentliche Energiequelle fehlte, die zusammen mit dem größten Teil seines Körpers entfernt worden war, blieben ihm nur noch Minuten.
Claw sah zur Mitte des Krater. Überall brannte weißes Feuer auf nacktem Stein und im Zentrum stand eine Person.
Sie trug eine körperbetonte Ganzkörperrüstung, die weiter fortgeschritten war als alles, was Claw bisher gesehen hatte. Sie bestand aus Segmenten und besaß überall, vor allem im Gesichtsbereich, Linien, die lila leuchteten. Ein Bein stand auf einem Haufen geschmolzenen Metalls, welcher einmal Claws Untergebene gewesen waren. An anderen Orten des Kraters fanden sich noch Einzelteile, aber er selbst schien als einziger Androide noch funktionsfähig zu sein.
Der Antihuman erkannte in der rechten Hand der Person die Blackbox des fehlerhaften Androiden. Sie hielt sie vor ihr Gesicht und schien sie eingehend zu betrachten. Dann kam Bewegung in den Helm, als er sich mit einem leisen Klicken zusammenfaltete und im Kragen der Rüstung verschwand.
Darunter kam der Kopf des blonden Menschen zum Vorschein, des Menschen, der eigentlich Opfer der Nanomaschinen hätte werden sollen.
Eine Art Film lag über seiner Haut und den dreckigen Haaren und verhinderte wohl, dass er wieder zersetzt werden konnte.
"Sie zerstören ein ganzes Bergwerk, nur wegen einer Blackbox? Warum?", fragte Claw verwirrt.
Der Mensch drehte sich ihm zu. Wäre er fähig gewesen, menschliche Emotionen zu lesen, er hätte tiefe Melancholie in ihrem Blick erkannt.
"Mitleid", antwortete der Mensch. "Etwas, das du niemals wirst verstehen können. Und ich darf es nicht verlernen. Darum habe ich mir dieses Memento besorgt."
"Wie… Ineffizient…", murmelte Claw, bevor seine Systeme begannen, sich abzuschalten.
Das letzte, was seine Mikrofone aufzeichneten, war: "High-Performance ist nicht der Schlüssel zum ewigen Erfolg, Blechdose. Ich habe das einmal geglaubt, aber am Ende wird sie zum größten Makel."

Das nächste Mal bei Nexus:
Trickster Heist, Teil 1

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