Leben Im Untergrund
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"Herr Müller!", einen Moment lang reagierte ich nicht, bis mir einfiel dass ich das ja bin. Ich drehte mich um und sah meinen Nachbarn Herrn Schmitz. Er kam langsam zum Stehen und noch keuchend sagte er: "Ich wollte Sie nur nochmal daran erinnern, dass heute wieder ein Spieleabend bei mir stattfindet und ich wollte Sie unbedingt daran erinnern, da wir ja noch eine Rechnung offen haben."
Langsam erholte er sich von seinem Sprint und ich antwortete: "Ja aber wie könnte ich den vergessen. Er ist doch immer zur selben Zeit am selben Ort. Auch wenn man die Zeit hier unten ganz vergessen kann."
"Ja das stimmt, wie gesagt ich wollte Sie nur erinnern. Ich muss jetzt weiter und Sie anscheinend auch. Also bis heute Abend." "Bis heute Abend", erwiderte ich.
Ja, nachdem die Linien zusammengebrochen waren, leben wir nun im Untergrund und der Spieleabend war so das einzige Vergnügen, das ich hatte. Eigentlich was Herr Müller hatte. Denn eigentlich war ich gar nicht Herr Müller, sondern Lukas Jäger.

Ja, es ist viel passiert. Ich hatte ein tolles Leben. Ich arbeitete als leitender Techniker in Europa für SAPPHIRE Inc. Es war ein toller, aber stressiger Job. Immer wieder Linienstörung überprüfen und ein Team aus Technikern koordinieren. Doch was war SAPPHIRE Inc.? Es war eine Transportfirma. Sie entwickelte neuartige Transportmittel, womit man auf unsichtbaren Linien mit speziell entwickelten Schiffen fahren konnte. Es gab Erd- und Himmelslinien. Naja, es ist kompliziert, aber es war ein Erfolg und ich hatte mich in den Jahren hochgearbeitet. Doch dann brachen die Erdlinien zusammen und die Oberfläche wurde kontaminiert. Wie genau das geschehen ist, weiß wohl niemand. Jedenfalls wurde ein Großteil der Menschheit ausgelöscht. Die restlichen Menschen hassten nun SAPPHIRE Inc. und ihre Mitarbeiter. Sie wurden getötet oder weggesperrt. Nur wenige, mich eingeschlossen, konnten fliehen und eine andere Identität annehmen. Die Flucht war anstrengend und nervenaufreibend. Nach ungefähr 2 Jahren nahm ich eine neue Identität an. Es fällt mir immernoch schwer mit den neuen Umständen zu leben. Und nach langer Überlegung ließ ich mich in der BRAVA-Anlage nieder. Besser gesagt in der Station Wolfgang. Doch die Angst erkannt zu werden ist immer noch groß. Angeblich gibt es etwas womit man andere SAPPHIRE-Mitarbeiter erkennen kann. Aber ob so etwas wirklich existierte oder nicht weiß keiner so genau.

Nun, während ich in meinen Gedanken schweifte, stieg ich in den Zug Richtung Trident. Die Züge hier waren zwar technisch auf den neusten Stand, aber sauber konnte man die Züge nicht nennen. Vor ein paar Wochen habe ich einen Brief erhalten in dem ich nach Trident eingeladen wurde. Als Absender war nur ein Stempel abgebildet welcher früher bei SAPPHIRE verwendet wurde, deshalb kam es mir ein bisschen suspekt vor. Trotzdem entschied ich mich dazu nach Trident zu reisen. Ich wurde schon kurz nach dem Zusammenbruch von einer Organisation in den Himmel eingeladen, aber ich lehnte ab, denn im Himmel war es mir zu gefährlich. Wenn die Erdlinien zusammenbrechen, warum dann nicht auch die Himmelslinien?

Als ich in Trident ankam, stand ein aufgeregter Mann am Bahnsteig und hat sich nervös umgeschaut. Er zitterte und schien auf jemanden zu warten. Als er mich erblickte kam er auf mich zu und sagte: "Herr Jäger ich habe Sie schon erwartet, bitte folgen Sie mir."
Zuerst blieb ich einfach stehen, während der Typ schon ein paar Meter gegangen war. Doch dann sagte er: "Sie wollen doch nicht dass Ihre wahre Identität ans Licht kommt, oder?"
Also ich hatte nun 2 Optionen. Auf der einen Seite könnte er bluffen und mich einfach nur versuchen zu zwingen mitzukommen. Auf der anderen Seite könnte er wirklich meine wahre Identität kennen und der Öffentlichkeit preisgeben. Da ich definitiv nicht wollte, dass mich die Bewohner hier unten umbringen, folgte ich ihm widerwillig. Die Leute schauten mich nach diesem Satz komisch an und jetzt hatte ich Angst und zwar richtig. Woher kannte er meinen richtigen Namen? Ob Leute jetzt wissen, wer ich wirklich war? Ich versuchte ganz cool zu belieben, aber nach kurzer Zeit sah ich so aus wie der Typ neben mir. Aufgeregt und rumzappelnd Trident ist eine Station welche ich vorher noch nie besucht hatte. Sie lag an der roten Linie. Das heißt hier wimmelt es nur so von Soldaten der Roten. Trotzdem fand ich, dass die Station in einem relativ guten Zustand war. Nach ungefähr 5 Minuten stießen wir auf einen Militärposten. "Ein Militärposten?", fragte ich mich.
Wo bringt mich dieser Mann hin? Doch die stationierten Soldaten ließen uns einfach durch. Sie schienen nicht von den Roten zu sein, was mich verwunderte, denn eigentlich müssten es Rote sein, ansonsten kenne ich nur noch die Blauen und die Miliz die Soldaten haben. Nach weiteren 3 Minuten erreichten wir ein Gebäude. Der Mann führte mich zu einem Büro in diesem. Ich sollte warten, bis man mich in einen Raum reinlässt. Nach ungefähr 10 Minuten, öffnete sich die Tür und ich betrat den Raum. Als erstes sah ich nur einen Drehstuhl, auf dem eine Person saß. Neben dem Stuhl befanden sich auch ein Tisch und ein Bücherregal im Raum. Erst dachte ich das wäre eine Falle und ich würde gleich sterben. Ich wollte rausgehen, doch die Tür schloss sich hinter mir und ich war gefangen.

Auf ein Mal erkannte ich die Person, die auf dem Stuhl saß und ich konnte nicht glauben wer da saß. "Lukas Jäger, mein alter Freund"
"Sie?"
Es war Sebastian Schmidt. Mein ehemaliger Chef. Er war Cheftechniker und mit an der Entwicklung der Linien beteiligt. Wir standen oft im Kontakt und zwischen uns hat sich im Laufe der Zusammenarbeit eine Freundschaft entwickelt. "Wa-..Wi-…Wa-…" konnte ich nur stottern.
"Ja, Sie sind höchstwahrscheinlich verwirrt. Lassen Sie es mich erklären. Sie haben einen Brief erhalten, nicht wahr?"
"Ja, aber woher wissen Sie das?"
"Nun ehrlich gesagt habe ich den Brief geschrieben. Und warum ohne Absender fragen Sie sich bestimmt. Nun ich arbeite für eine Organisation und wir dürfen nicht endeckt werden. Die Organisation für die ich arbeite heißt Raptor Tec. Industries."
"Was ist das?" fragte ich mich. Vorher hatte ich noch nichts davon gehört. Außerdem war ich richtig verwirrt. Was hatte das alles zu bedeuten? Was hat Herr Schmidt damit zu tun? Besser, was habe ich damit zu tun? Warum bin ich hier? Mir gingen noch sehr viele ander Fragen durch den Kopf. Aber ich beschloss Herr Schmidt zuzuhören, in der Hoffnung dass einige meiner Fragen beantwortet werden würden.
"Das ist eine Organisation, welche militärische Geräte entwickelt, produziert und verkauft. Ich war ein Agent dieser Organisation in SAPPHIRE."
"Aber warum?"
"Ehrlich gesagt war ich schon vorher bei R.T.I, bevor ich zu SAPPHIRE gekommen bin. Ich habe für R.T.I die Schiffe mit entwickelt. Und dann stieg ganz schnell zum Chefentwickler auf. Sie sind hier, weil wir bzw. ich Sie rekrutieren will."
"Stopp stopp stopp stopp. Halt. Sie wollen damit sagen, dass Sie mich hier her locken, ohne dass ich weiß was mich erwartet, um mich dann für irgendeine Geheimorganisation zu rekrutieren?"
"Im groben Sinne ja."
"Warum mich?" Langsam wurde ich wütend.
"Ich kenne Ihre Fähigkeiten. Sie haben sehr gute Dienste in der Technik geleistet. Sie sind sozusagen ein Talent. Sie waren einer der besten Mitarbeiter die ich hatte. Es wäre schade wenn man solch ein Potenzial verschwenden würde. Also sind Sie dabei? Sie müssen sich um nichts kümmern."
Ich war wütend, aufgeregt und total verwirrt. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Es wäre natürlich eine Verbesserung meiner sozialen Situation. Von arbeitslos zu Mitarbeiter in einer Geheimorganisation. Der Gedanke reizte mich schon irgendwie. Irgendwie übergewältigte mich dieser Gedanke.
Und nach kurzer Zeit sagte ich einfach nur "Ja."
So hatte ich nun einen neuen Job. Dann sagte er: "Gut, ich werde Sie einweisen."

Nachdem eine lange Zeit vergangen war in der er mir viel erklärte, sagte er: "Nun gehen Sie nach Hause und ruhen Sie sich ein bisschen aus. Sie wirken, als ob Sie es bräuchten."
Tatsächtlich fühlte ich mich total kaputt. Ich war einfach nur noch müde und wollte ins Bett. Er verabschiedete mich und ich fuhr wieder nach Hause. Als ich ankam empfing mich wieder ein Mann. Ich war allerdings so müde, dass mir auf Anhieb kein Name einfiel.
"Ah, Herr Müller, schön Sie zu sehen."

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