H1627REPP-11
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Standort-DE2

Archiv für historische Dokumentationen über Anomalien

Dokumentgruppe: Tagebücher des Müllers Sigismund Repp
Dokument Nr.: H1627REPP-11
Kommentar: Dies ist ein Ausschnitt aus den Tagebüchern des Müllers Sigismund Repp, welcher um 1630 mehrere Erscheinungen eines "Poltergeistes" um sein Heimatdorf miterlebte und dokumentierte. Der vorliegende Bericht handelt von der ersten Erscheinung, die er selbst mitbekam. Aus den vorliegenden Schriften geht hervor, dass er nur vorgab, dem Christentum anzugehören und dass er die Hexenverfolgung insgeheim ablehnte und "Hexen" auf der Flucht mit Nahrung versorgte. Seine Tagebücher waren in Spiegelschrift geschrieben und statt "Hexen" schrieb er immer von "Suchenden", sofern es ihm das Leben gekostet haben könnte, wären die Dokumente aufgefunden worden.
Der Text wurde vom Archiv gespiegelt und die Rechtschreibung der heutigen angepasst.




Heute morgen, lange noch vor den ersten Anzeichen der Sonne, ging eine junge Suchende in dreckigen Lappen ihres Weges neben unserer Mühle. Ich wurde durch das Wiehern der Maultiere geweckt. Schnell nahm ich die Suchende in die Mühle und unter die Dielen. Im Keller deutete ich ihr, Platz zu nehmen und wärmte die Reste vom Eintopf auf im Kessel, und setzte sie ihr vor. Natürlich war sie argwöhnisch doch ich erzählte ihr, der Suchendenkram ist Unsinn, die Jäger der Suchenden (Gemeint ist die christliche Kirche) sind selbst mehr Suchende als irgendwer sonst. Ich sah natürlich sofort, warum sie eine Suchende sein soll: Ein leicht gebuckelter Rücken trotz vielleicht nur zwanzig Jahren, rote Haare, ja gar eine Warze auf der Nase.
Leider musste ich sie früh entlassen, damit sie weiter den Schutz des Mondes genießen konnte. Ich gab ihr zwei Laibe Brot mit und weg war sie. Aber kaum zwanzig Minuten darauf hörte ich ein verzweifeltes Geschrei, dazu das der Tochter des Schmiedes und das wütende Gebrüll des Schmiedes selbst.
Das ganze Dorf war schnell versammelt, und der Schmied hatte beide Weiber mit dem Schwert an der Wand gehalten. Die Jäger brachten beide in den Kerker, wo der Pater Ruttinger sie befragen sollte. Natürlich konnte ich nicht helfen, ich wollte nicht meinen Kopf riskireren. Man hörte Schreie und als die Frau des Schmiedes der Tochter helfen wollte, wurde sie auch gleich verhört! Grausam! Der Schmied war natürlich zutiefst erschüttert und hielt sich die Ohren zu.
Später wurden alle drei Weiber auf den Scheiterhaufen gestellt, die Finger allesamt durch die Daumenschraube zerquetscht und die Nägel gesplittert, bei der Mutter gar der Unterschenkel durch die Beinschraube zertrümmert. Alle haben gestanden und der Schmied starrte nur ungläubig. Dabei trug er selbst die Schuld, er hätte sie ziehen lassen können, und er hätte zumindest seine Frau sicher am Leben gewusst. So beobachteten wir nun, wie die drei Hexen brannten. Das junge Mädel schaute mich groß an, als sie von den Flanmmen verzehrt wurde. Kurz vor dem Ende aber erschien eine andere Frau vor dem Haufen und starrte uns aus roten Augen an. Natürlich wollten sofort alle losrennen und sie festhalten, doch ich lief. Kaum bei meiner Mühle, hörte ich leise ein Gekreische und als ich gegen den Schemel stieß, war ich einfach wütend. Ich warf ihn quer durch den Raum und er zerschellte an der Wand. Zwar war ich wütend, wusste aber, dass ich es nicht sein sollte, zumindest nicht in solchem Maße. Schnell packte ich meinen Beutel und rannte fort. Als Letztes im Dorf sah ich, wie sich alle die Köpfe kloppten, dazwischen die Frau mit den roten Augen. Sie starrte mich kurz an, bevor sie den Schmied mit einem Schlag das Genick brach und dann einfach verschwand. Ich rannte fort, fort und noch weiter.
Wie ich nun schreibe, sitze ich in einer kleinen Höhle im Wald, geschützt vor dem Regen und dem Poltergeist.

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