Die Zweite

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JETZT

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Der Garten war, wenn sonst nichts, ruhig. Seit hunderttausend Jahren von Menschen unberührt, war das Wasser klar und das Gras grün und die Sonne bewohnte fast immer einen blauen Himmel. In den seltenen Fällen, in denen es regnete, verwandelte sich die Ruhe des Gartens in Melancholie, eine stille Schwermut, die sich wie eine Decke darüberlegte. Beim nächsten Sonnenaufgang würde der Regen nachlassen, der Garten trocknen und alles würde wieder so sein, wie es seit tausend Generationen war.

Doch heute regnete es.

"Tritt zur Seite!", schrie Aaron und raste über die Ebene auf das Tor zu. Der Wächter, standhaft und unbeweglich, tat wenig, um ihn zu erkennen, außer, dass er sein flammendes Schwert leicht hob. Aarons Augen brannten sich in den Wächter, sein Blick war auf den Helm des Goliaths vor ihm gerichtet. Als die Spitze des Schwerts zu leuchten begann und ein Strahl aus Feuer auf ihn zuschoss, zog Aaron einen dünnen Metallstab mit einem Dreifuß und einer blau glühenden Spitze hervor. Er rollte aus dem Weg der Flamme und als sich ein weiterer Strahl am Schwert des Wächters bildete, rammte er den Realitätsanker in den Boden.

Die Welt schimmerte für einen Moment und Aaron konnte spüren, wie der Boden unter ihm vibrierte. Vor seinem geistigen Auge konnte er Fäden sehen, endlose Billionen von Fäden in der Luft um ihn herum, von denen jeder auf eine bestimmte Note im Lied des Universums gestimmt war. Ihre Melodie war disharmonisch und ihr Lied kreischte und heulte jetzt nur um den Wächter herum. Als die Spitze des Ankers aufblitzte, brachten sich die Fäden in Einklang und jeder von ihnen zog sich für einen Moment lang mit den anderen zu einer Linie zusammen. Als der Chor den Wächter traf, packte er ihn und das Feuer seines Schwerts zog sich in seinen Körper zurück und faltete ihn in sich zusammen, bis er nichts mehr war als ein verkohltes Skelett, das gebrochen und eiternd an blauen Fäden lose in der Luft hing.

Aaron rannte auf das Tor zu, konnte jedoch fühlen, wie er immer erschöpfter wurde. Er schaute an sich hinunter und sah die Hände eines alten Mannes, dessen Leben von der Hand des Schicksals berührt worden war und unnatürlich verlängert wurde. Seine Haut wurde straff und er spürte, wie seine Muskeln bei jedem Schritt verkümmerten. Er kämpfte sich vorwärts, das Summen des Realitätsankers hinter ihm wurde schwächer und schwächer, bis er es nicht mehr hören konnte und sein Körper erneuert war. Als er das Tor erreichte, warf er es auf und rannte hinein.

Es wurde erzählt, dass in der Nacht, in der Adam El Asem Eva zur Frau nahm, sie von Eden träumte, als sie ihren ersten Sohn empfing und Eden mit ihm geboren wurde. Als das Kind erwachsen war, sehnte sich Adam nach einem Schwert, das er in die Hand nehmen konnte und der Garten gab es ihm. Als sich die Kinder der Nacht und die kummervollen Götter auf die Welt der Menschen stürzten, hatte der Garten sie beschützt. Jeder in Eden, endlos wie es war, war nie weit von dem Ort entfernt, wo er sein wollte.

So kam es, dass sich Aaron Siegel am Fuße des Baumes des Ewigen Lebens wiederfand, seine Füße waren von einer Blutlache durchtränkt, und der weiße Leichnam von Sophia Light starrte ihn hinter glasigen Augen an. Ein dunkler Fluss aus Blut rann aus jedem ihrer Handgelenke auf den Boden unter ihr, und an ihrer Seite lag ein dünnes, silbernes Rasiermesser, dessen Kante rot gezeichnet von Sophias letztem Atemzug war.

Aarons Hand zitterte, die Luft fing sich in seiner Kehle und drohte ihn zu ersticken. Er fiel neben ihr auf die Knie und Blutstropfen spritzten hoch in ihr Gesicht. Ihre Haut war kalt, wie sie es schon so viel Male zuvor gewesen war, dachte er, und während Aaron schon einmal hier gewesen war, fühlte er ein Grauen, das seine Wirbelsäule hinaufkroch und sich um sein Herz legte.

"Tod!", schrie er wie schon zuvor. "Tod! Zeige dich! Nimm mich! Nimm mich an ihrer Stelle!" Nur der Regen antwortete, jedes Tröpfchen war das Auge eines stillen und wachsamen Gottes, dem es egal war. Aaron sah sich verzweifelt um, Blut und Wasser durchnässten seine Kleidung, als er in seinem Verstand nach einer Antwort suchte, einem Ausweg. "Tod! Halte deine Versprechen ein! Gib sie zurück! Gib sie zurück, gottverdammt!"

Er saß stundenlang neben Sophias Leiche, nahm schmerzhaft jeden Atemzug und hoffte, er würde aufwachen, irgendwann vor langer Zeit, an einem Ort weit weg von diesem. Jedes Einatmen war eine verzweifelte Frage und jedes Ausatmen dieselbe leere Antwort. Erst einige Zeit später bemerkte er den fleckigen Zettel, den sie in ihrer rechten Hand hielt. Vorsichtig öffnete er ihre Finger und die winzige Rolle und las die elegant geschriebenen Worte, …

Aaron,

ich bin nicht mehr die, die ich war, als wir uns das erste Mal trafen. Immer, wenn ich gemeinsam mit dem Tod diesen ruhigen Weg zurück an deine Seite gegangen bin, war ich immer weniger von dem, was ich war und ich erkenne dieses Ding nicht mehr, das ich bin. Es tut mir so leid, doch ich kann so nicht weitermachen.

Ich war diejenige, die Calvin Lucien unsere letzten Phiolen aus dem Brunnen gab und deine gottlose Lanze in seine Hand legte. Ich sah seinen Weg und sah die rote Linie, die ihn zu dir hinzieht. Ich dachte, er würde vielleicht deine Überzeugungen brechen, ich würde dich wieder für mich allein haben und den Fehler ungeschehen machen, den ich machte, als ich dich vor all den Jahren auf diesen Weg gebracht habe. Doch hatte ich nicht darüber nachgedacht, wie wenig ich jetzt noch von Sophia Light bin.

Jetzt steht nichts mehr zwischen dir und diesen Überzeugungen. Es gibt keine Ablenkung mehr. Ich hoffte, dass dir dies einen Anschein von Frieden geben würde, eine Gelegenheit, fortzugehen und den Rest deines Lebens so zu leben, wie wir es hätten tun können. Das möchte ich für dich, obwohl ich weiß, dass das nichts ändern wird. Er wartet noch auf dich und du wirst ihn immer noch treffen.

Vielleicht werde ich dich wiedersehen. Vielleicht werde ich an diesem entfernten Strand auf dich warten.

Sophia

… bevor er die Rolle in seiner Faust zu einem Ball zusammenknüllte. Seine Atmung war jetzt hart und stark, seine Augen drohten aus seinem Schädel zu platzen. Langsam und zitternd ging er durch den Garten, was tausend Jahre gedauert haben mag, zu einem Ort, an dem das Gras nicht grün und das Wasser nicht klar war. Er war schon hier gewesen, einmal zuvor, als Versuchung ihn in die Unendlichkeit gezogen und Bestimmung ihn daran gehindert hatte. Der Himmel wurde dunkler, der Regen strömte stärker und die Flora um ihn herum verwelkte und starb langsam. Er ging weiter an der Einöde eines Alten Eden vorbei auf einen Punkt zu, der von einem Einschlagkrater gezeichnet war, der sich fast eine Meile in alle Richtungen erstreckte.

Die Erde unter seinen Füßen war hart und glatt, seine Schritte hallten darauf, als er weiterstolperte und heiße Tränen brannten an den Seiten seines Gesichts. Als er endlich am Kraterboden zur Ruhe kam, bewegte er sich schnell auf dessen Mittelpunkt zu. Dort, wo sie schon seit zehntausend Jahren ruhte, war die zusammengesackte Gestalt eines Engels, seine Rüstung vom Aufprall zerstört und verdreht. Trotz der dünnen Schicht aus Asche, die seine Gestalt bedeckte und seine Gesichtszüge verbarg, waren die glänzenden Worte auf seinem Helm noch sichtbar: Stern des Morgens.

Nicht weit dahinter lag etwas Glitzerndes im Schmutz, zur Hälfte im Boden vergraben, aber schimmernd, als wäre es neu. Ein goldenes Schwert, das Hitze und Macht ausstrahlte. Aaron näherte sich ihm und zog es aus der Erde, als wäre sie Butter. Seine Augen wurden dunkel, seine Überzeugungen verschlangen ihn und blitzschnell war er verschwunden. Der Papierfetzen, dessen Linien so geschickt und sorgfältig aufgetragen worden waren, fiel zu Boden und wurde vom Regen hinweggespült.


JETZT

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Unter diesem Berg, stand in dem Tagebuch, halten die Aufseher ihre Wache. Ich habe viele Jahre damit verbracht, dieses Bauwerk zu studieren und versucht, in seine Tiefen zu blicken, doch mit wenig Erfolg. Es gibt nur einen einzigen Eingang – das Eingangstor, welches von innen versiegelt ist und von der Roten Rechten Hand der Foundation bewacht wird. Innerhalb dieses Bauwerks werden Sie die letzten beiden Aufseher finden, die nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen wurden, seit die Foundation gegründet wurde. Es ist die Überzeugung des Autors, dass die einzigen Seelen, die in der Lage sind, diese stille Festung zu betreten, um sich mit ihnen zu versammeln, die Aufseher selbst sind und niemand anderes.

Calvin las weiter. Das ist es also, womit ich Sie zurücklasse, lieber Leser. Die Summe der Zeit und Energie, die ich für die Observation und das Verständnis dieser dreizehn Individuen aufgebracht habe, wird auf diesen Seiten präsentiert. Das Glück oder Verderben, das dies Ihnen bringt, gehört Ihnen allein. Was mich angeht, werde ich die Distanz genießen, die ich zwischen mich und sie gebracht habe. Etwas anderes zu tun wird Ihnen zweifelsohne ein verheerendes Ende bescheren.

Mit freundlichen Grüßen, stand einfach am Ende, Ukulele.

Calvin schloss das Tagebuch und legte es neben sich auf den Boden. Er ruhte sich an einem Hang aus, der sich weit in das Tal unter ihm erstreckte und auf der anderen Seite konnte er die aufragenden Stahltüren von Standort-01 sehen. Die Sonne hatte gerade begonnen, hinter den Horizont zu sinken, doch Calvin konnte den Weg nach vorn deutlich sehen. Eine kurvenreiche unbefestigte Straße führte zum Tor der sichersten Einrichtung der Foundation, die noch nie durchbrochen worden war.

Er hatte vor Tagen sein Telefon zerstört – nachdem er Adam verlassen hatte fürchtete er, dass ihn die Insurgency verfolgen könnte. Es kann jetzt keine Ablenkungen mehr geben. Er war zu nah an seinem Ziel, nur eine halbe Meile aus Luft und hundert Fuß Stein trennten ihn nun von seinem Schicksal. Er hatte Olivias Leiche in eine Höhle in der Nähe zurückgelassen, vor den Elementen geschützt und vor neugierigen Augen versteckt. Er hatte dies mit einer Entschuldigung getan und einem Versprechen. Ich werde das wieder gut machen. Ich komme zurück zu dir.

Das Tagebuch zurücklassend, griff er nur den Speer und stieg hinab. Als die Nacht über das Tal hereinbrach und die Sterne im Himmel erwachten, hörte er Adams Stimme, die endlos in seinen Gedanken hallte. Bitte, Calvin, bitte. Bitte tu das nicht. Bitte verlass mich nicht.

Er näherte sich langsam den Türen und war sich immer seiner Umgebung bewusst. Weder sah noch hörte er Zeichen von lebenden Seelen und nach wenigen Momenten stand er selbst vor den beiden monolithischen Stahlplatten, einsam und unberührt. Er streckte die Hand aus, um eine zu berühren, zögerte leicht und drückte dagegen. Die Tür, die locker zehnmal so groß wie er war, glitt ohne ein Geräusch auf.

Er trat in die Kammer dahinter und seine Augen gewöhnten sich an das dunklere Licht. Die Türen glitten hinter ihm zu und er war in einer einzelnen riesigen Kammer, die von Tunneln und Treppen übersät war, die in alle Richtungen führten. In der Mitte der Kammer war ein Aufzugkäfig, dem sich Calvin näherte und den er sorgfältig studierte. Er war alt, das konnte er sehen, aber sorgfältig handgefertigt. Es war ein einzelner Knopf daran, doch zum Drücken war eine Karte erforderlich. Er trat zurück und ging weiter.

Am anderen Ende des Raums war noch eine Tür, die von den Pfeilen des Foundation-Siegels umrahmt war. Sie war schwer und aus Holz, ihr Rahmen war ein prächtiger, steinerner Torbogen mit detaillierten Bildern. Monster und Wunder, Türme, die sich in den Himmel erstreckten oder unter der Erde lagen. Eine Rasse von Humanoiden auf hoch aufragenden, baumartigen Golems. Eine riesige Maschine, die schlafend unter der Erde liegt. Dunkle und leere Augen. Die Gesichter von Tieren ohne Namen. Diese und viele mehr füllten den Torbogen, doch Calvin bemerkte den Torbogen nicht. Er bemerkte den Mann, der davorstand.

Er hatte diesen Mann noch nie zuvor gesehen, doch etwas an ihm kam ihm bekannt vor. Der Mann war groß, fast unmöglich groß, locker zwei Meter. Der ganze Körper des Mannes war in Metallplatten gewickelt, die sich wie Stoff um seinen Körper legten. Drähte liefen über die Oberfläche der Rüstung, Stahlrohre führten den Rücken hinab und zuerst war Calvin nicht sicher, ob es überhaupt ein Mann war. Aber hinter dem scharfen, schlanken Helm waren blaue Augen, menschliche Augen, die Calvin aus der Entfernung genau beobachteten.

Calvin stellte den Speer neben sich. "Wer bist du?"

"Ich bin Bestimmung, die Rote Rechte Hand", sagte der Mann mit einem kraftvollen Bariton, der von den Wänden der höhlenartigen Kammer hallte.

"Ich habe dich in Südafrika nicht gesehen", sagte Calvin, der sich sicher hinstellte. "Ich hätte gedacht, dass du deinen Kameraden beistehen würdest."

"Ich bin der Wille der Foundation", fuhr die Stimme fort, "und hier residiert die Foundation."

Calvin antwortete nicht sofort. Die Vertrautheit dieses Individuums traf ihn und es war etwas Unheimliches an der Art, wie seine Stimme aus seinem Metallkäfig drang. "Kenne ich dich?", fragte er nach einem Moment.

Die Gestalt bewegte sich nicht. "Mich zu kennen heißt, die Foundation zu kennen", sagte Bestimmung, "meine Worte sind ihre Worte und meine Stimme ist ihre Stimme."

Vor seinem geistigen Auge sah Calvin kurz eine Erinnerung am Rande seines Bewusstseins aufblitzen, das schwächste Echo einer Zeit, in der ein junger Foundation-Agent mit schwarzen Haaren und blauen Augen in einem sonoren Bariton gelacht hatte, während er eigenhändig eine Gruppe von Insurgency-Agenten zurückhielt. Wie hatten sie ihn genannt? Klage.

Calvin machte in einer Hand seine Waffe bereit.

"Was passiert jetzt?"

"Ich wurde beauftragt, dieses Heiligtum zu beschützen, bis O5-1 zurückkehrt. Niemand darf ohne sein Wort eintreten."

"Er ist nicht hier?" Calvin fluchte unter seinem Atem. Wenn er geflohen war, vielleicht ans andere Ende der Welt, würde es Monate dauern, ihn wiederzufinden. Er durfte diese Gelegenheit nicht verpassen.

"Nein", sagte Bestimmung scheinbar ohne Pause. "Er ist hier." Ohne ein weiteres Wort trat die monolithische Gestalt beiseite.

Calvin zögerte, seine Waffe hielt er in seiner Faust. Nachdem für einen Moment nichts passierte, entspannte er sich. Die Waffe glitt ins Holster zurück und Calvin ging vorwärts. Jeder Schritt brachte ihn näher an die unerschütterlichen Augen von Bestimmung, doch er bewegte sich nicht. Als er durch den Torbogen gehen wollte, hielt er inne.

"Bestimmung", sagte er mit leiser Stimme, "wird noch jemand zu uns kommen?"

"Nein."

"Stelle sicher, dass es niemand tut."

"Wie Sie wünschen."

Calvin betrat den gewölbten Eingang, schaute noch einmal in die ernsten Augen von Bestimmung und verschwand in die Dunkelheit dahinter.

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Der Durchgang dahinter war nicht groß, aber reich mit Schnitzereien in den Felswänden verziert. Im dunklen Licht konnte er nur schwache Formen erkennen, aber jede schien detaillierter und komplizierter als die letzte. Er fuhr mit seiner Hand über die Oberfläche, seine Finger fühlten die harten Kanten von Gesichtern, Gebäuden, Göttern. In der Stille des Tunnels wurden seine Schritte von Flüstern begleitet, Stimmen, die zu weit entfernt sein sollten, um gehört zu werden, aber hier an diesem Ort zwischen den Orten hörbar waren.

Er war nicht lange dort. Schließlich betrat er einen weiteren Raum, der noch größer war als der letzte, dessen Mittelpunkt ein langer, ovaler Tisch war, der von zahlreichen Scheinwerfern beleuchtet wurde, die irgendwo weit darüber hingen. Bildschirme säumten die Wände und wechselten schnell zwischen verschiedenen Kameraansichten. Er sah lange Flure, helle Deckenlampen, Eindämmungsanlagen. Doktoren und Forscher saßen in Laboren. Sicherheitspersonal bewachte Türen. Und dann Monster – albtraumhafte Kreaturen, die in verglasten Räumen lauerten. Dämonen, die in ihre eigene Haut und wieder hinauskrabbelten. Unbewegliche Statuen.

Und hinter allem hing der größte Bildschirm. Als Calvin den Raum betrat, leuchtete der große Bildschirm auf und er sah Szenen von sich selbst – Momente in seinem Leben, die ihn zu diesem Moment führten. Er sah sich, wie er in eine Jugendstrafanstalt geschickt wurde, Wellwood Rehabilitatory, als er erst zwölf war. Er sah sich, wie er dem Militär beitrat und dann, wie er von einem Agenten der Insurgency angesprochen wurde.

Er sah sich selbst mit anderen Agenten trainieren und wie er von Delta zum Kommandanten ernannt wurde. Sein erstes Treffen mit Anthony. Sein erstes mit Olivia. Die drei, wie sie Adam trafen. Der lange Weg der Brutalität und Qual, der ihn hierhergeführt hatte. Bei jeder Szene, auf die er wie jemand hinabblickte, der hinter ihm stand, fühlte er sich krank. Er sah, wie er nicht so weit vorankam, wie er sich das zu dieser Zeit vorgestellt hatte und stattdessen mitgerissen wurde, sein Körper an ein Ende einer langen und kranken Schnur gebunden, die sich zwischen dort wo er gewesen war und der Unendlichkeit spannte.

Er sah, wo die Schnur begann und folgte ihr zum Ende. Über die Welt zum Rand des Todes und zurück und nun hierhin, in diesen Raum. Über den Boden, hinter den langen Tisch zu dem Mann, der auf der Treppe saß, die zum Bildschirm am anderen Ende des Raums führte.

Der Mann trug eine Hose und hatte kürzlich eine Jacke getragen. Sein weißes Hemd war an Brust und Ärmeln blutbefleckt und dunkle Linien liefen über sein Gesicht. Da lag etwas neben ihm auf der Stufe, etwas, das in die Jacke des Mannes gewickelt war und das Calvin nicht richtig erkennen konnte. Er ging einen Schritt auf diesen Mann zu, doch der Mann bewegte sich nicht.

"Du bist O5-1?", fragte er zaghaft.

Er hörte den Mann etwas sagen, konnte es aber nicht verstehen. "Was?"

"Aaron", hörte er den Mann sagen. "Mein Name ist Aaron.”

"Aaron", wiederholte Calvin. "Aaron Siegel? O5-1?"

"Ja."

Calvin nickte. "Der Zweite Aufseher. Wo sind sie?"

Aaron antwortete nicht, doch sogar vom anderen Ende des Raums konnte Calvin die plötzliche Kälte in der Luft spüren.

"Also nur du?", fragte Calvin.

"Jepp", antwortete Aaron. "Nur ich."

Calvin zog seine Waffe und feuerte gut fünf Patronen auf den Mann auf der Treppe. Jede, das wusste er, flog wirklich, doch als sie sich Aaron näherten zischten sie und leuchteten hell, bevor sie sich in Luft auflösten. Er feuerte wieder mit dem gleichen Ergebnis. Er hörte auf zu feuern.

"Steh auf, Aaron Siegel", sagte er, steckte seine Waffe weg und nahm den Speer von seinem Rücken. "Lass uns das beenden."

Der Mann bewegte sich nicht. "Wo hast du diesen Speer her?"

Calvin antwortete nicht. Nach einem Moment hörte er den Mann lachen. "Was ist so lustig?", fragte er.

Aaron rieb sich ein Auge mit der Handfläche. "Du bist ein Leben lang gereist, um zu diesem Ort zu kommen und mich zu finden, und du tötest mich mit einem Speer?" Sein Lachen hörte auf. "Du weißt nicht mal, warum du hier bist."

"Ich bin hier, da ich, wenn ich dich töte, die Foundation töte. Ich töte die Foundation und das Universum kann heilen. Ihr seid ein Krebsgeschwür."

Aaron stand träge auf und seine Augen waren halb geöffnet, als er dahin sah, wo Calvin stand. "Nein, nein. Du bist wie ich; erfüllt von aufrichtiger Überzeugung, die dich vorwärtstreibt. Es war nicht Schicksal. Es war keine Vorsehung. Es war eine bloße, unaussprechliche, unerkennbare Kraft ungehinderten Willens. Du dort und ich hier. In einer Billion Welten, in einer Billion Universen würden wir uns hier wiederfinden. Überzeugung führte mich an diesen Ort, genauso wie dich."

Er ging von der Plattform hinunter, das Bündel seiner Jacke immer noch hinter ihm. "Zwei unaufhaltsame Mächte rennen aufeinander zu, ohne dass etwas zwischen ihnen steht." Er drehte sich um, griff in seine Jacke und zog ein glänzendes, goldenes Schwert hervor. Als er es in der ausgestreckten Hand hielt, kam ein gequälter Schrei aus der Klinge und sie entzündete sich; helle, weiße Flammen loderten am Rand. Im Licht dieses Schwerts konnte Calvin Aarons Augen sehen. Es waren seine eigenen.

"Es gibt nicht mehr zu sagen, Calvin Lucien", sagte Aaron, der das Schwert senkte. "Entweder werden heute deine Überzeugungen gebrochen oder meine, und einer von uns wird sterben."

Er nickte. "Lass uns das beenden."




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