Ein guter Slawe
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1980, 28 Jahre nach dem Endsieg.

Görlitz, zentraldeutsche und preußische Grenzstadt

„Wen haben Sie denn da im Schlepptau?“, kommt es von einem Polizisten mit Oberlippenbart, der am Empfang steht und einen Kollegen mit Seitenscheitel erblickt, welcher mit einem geflochtenen Korb das Revier betritt.
„Einen kleinen Frechdachs. Er wurde in seinem Körbchen aus der Neiße angespült“, entgegnet der Seitenscheitelträger dem Schnauzbartträger, der nun verblüfft in den Flechtkorb hineinblickt, der sich jetzt auf seiner Theke befindet. Das besagte Findelkind liegt ruhig da und schaut mit seinen graublauen Augen den schnurbärtigen Polizisten an.
„Aus der Neiße?!“, gibt der Schnauzbartträger verwundert von sich und sogleich bemerkt er, dass sich die Unterseite des Korbs mit Wasser vollgesaugt hat.
„Wird wohl ein Mischling sein, dessen Mutter sich ihre Rassenschande entledigt hat“, sagt der Seitenscheitelträger mit einem abschließenden Schulterzucken.
„Einen Säugling auf einem Fluss auszusetzen kann sich wirklich nur eine Slawin einfallen lassen“, meint der Schnauzbartträger während dieser weiter auf das Findelkind schaut.
„Ähm, wenn wir darüber schon reden, wo liegen noch einmal diese Rassenteststreifen?“, erkundigt sich der Seitenscheitelträger.
„Einen Moment, da drüben sollten die sein … Wo haben wir … Ach, genau da. Dann sehen wir mal“, mit einem länglichen Papierstreifen, welcher in Plastik umrahmt wurde, und die Unterseite rahmenlos hervorsteht, geht der Schnauzbartträger auf den Kinderkorb zu. Er legt den freien Teststreifen in den Mund des Säuglings, woraufhin sich der weiße Streifen verfärbt.
„O'weiher, sehen sie das? So einen deutlichen Farbstreifen hatten wir auch noch nicht“, sagt der Schnauzbartträger, zu seinem Kollegen auf der gegenüberliegenden Seite der Empfangstheke.
„Also ein vollblütiger Untermensch“, meint enttäuscht der Seitenscheitelträger.
„Ein Glück! Sie wollen gar nicht wissen wie der Papierkram ausschaut, wenn’s ein deutsches Halbblut gewesen wäre … Sagen Sie, wurde unser kleiner Görlitz-ski an der unsrigen oder der preußischen Seite aufgegabelt?“, fragt der Schnauzbartträger seinen Kollegen.
„Auf der unsrigen“, bekommt der Oberlippenbartträger als Antwort, woraufhin er nach dem Telefonhörer greift, welcher sich auf seiner Theke befindet.
„Dann ruf ich beim zentraldeutschen Jugendamt an, bevor wir ihm hinterher sauber machen müssen.“


Sächsischer Hort für slawische Waisen

„Dreckig, hungrig und ohne Aussicht auf einen besseren Morgen wärt ihr alle, wenn das Großdeutsche Reich nicht euch unter Obhut genommen hätte. Das ist eine Gnade, aber eine Gnade gewährt man nur jemanden der sich eine Gnade verdient hat. Allerdings habt ihr alle nichts verdient, weil ihr alle dem Vaterland nichts geboten habt. Trotzdem gewähren wir euch eine Gnade; wieso ist das so? Wer von euch kann das beantworten?“, fragt ein Lehrer offen in die Runde eines Klassenzimmers, dass von Kindern gefüllt ist.
Einige Hände gehen daraufhin in die Höhe und ein schwarzhaariges Mädchen wird drangenommen, „Weil die Deutschen glauben wir können ihnen helfen, so wie es die erwachsenen Slawen tun.“
Der Lehrer rümpft seine Nase, die eine runde Brille trägt, bevor er vor seiner Klasse weiterspricht, „Glauben … Die Deutschen glauben nicht, sondern erwarten von euch, dass ihr dem deutschen Vaterland dienen werdet. Sei es als fleißige Arbeiter oder als treue Legionäre. Damit es dem Vaterland gut geht und schlussendlich es auch euch weiterhin gut geht.“
Bei der Erwähnung des Legionärstums leuchten förmlich die Augen einiger Jungs auf.
„Und wer kann mir sagen, was mit einem Slawen passiert, wenn er kein fleißiger Arbeiter und auch kein treuer Legionär ist?“, fragt erneut der Lehrer seine Klasse, wobei er demonstrativ seinen Zeigestock präsentiert und blitzschnell mit diesem Stock auf einen hageren Jungen zeigt.
„Dann hat er immer noch keine Gnade verdient! Und muss mehr arbeiten … Oder sterben!“, schießt es aus dem Jungen heraus, der beim Antworten aufsteht und sich dann wieder setzt.
„Am besten durch ein SKP von der Slawenlegion“, tuschelt ein blonder Junge zu seinem brünetten Sitznachbarn, der anfängt leise zu Kichern. Dies bleibt dem Lehrer nicht unbemerkt, woraufhin er zu der Sitzbank der beiden Jungs stolziert.
„Hast du etwa unaufgefordert gesprochen?“, fragt der strengschauende Lehrer den blonden Jungen namens Adam Görlitzski, der seinen Lehrer wie versteinert zurückanschaut.
„Wenn ein Deutscher spricht hören gute Slawen zu und sprechen nur, wenn sie angesprochen werden. Missratene Slawen reden, wenn ein Deutscher spricht und antworten nicht, wenn sie gefragt werden … Tatzen her … Sofort!“, widerwillig und mit zusammengekniffenen Augen legt Adam seine Hände auf die Tischplatte seiner Schulbank. Sogleich ist im Klassenzimmer zuhören wie der Zeigestock des Lehrers die Luft schneidet und der darauffolgende Aufprall, des Stocks auf den kleinen Händen des blonden Schülers, der sogleich glasige Augen bekommt.
„Görlitzski, in der Slawenlegion würde man dich dafür mit einem Eisenrohr traktieren“, kommt es nüchtern vom Lehrer, der zugleich Adam hochnäsig anschaut.
„Jetzt setzt dich wieder grade hin und weine nicht, dann wird aus dir noch ein guter Slawe“, hört Adam während er seine Tränen unterdrückt und eine grade Haltung einnimmt.
„Kinder, wie zuvor gesagt, Disziplin ist eine deutsche Tugend, die sich gute Slawen aneignen müssen.“


In einem Betrieb für Slawen, unweit vom sächsischen Slawenhort

„Meine Hände tuen mir wieder sowas von weh“, jammert Adam zu seinem brünetten Kindheitsfreund.
„Ach, sei mal nicht so verweichlicht, sonst hältst du es später in der Legion keinen Tag aus“, meint der Brünette. Aber bevor die Beiden ihr Gespräch vertiefen konnten, kommt ihr Praktikumsleiter mit einem Bierkasten auf die Jugendlichen zu und legt diesen auf dem Boden ab.
„Ein Feierabendbier für uns?“, fragt Adam irritiert.
„Nein, bring es hoch zum Chef. Er wartet schon darauf. Und Berlinski, du kommst mit mir mit“, sagt der Praktikumsleiter, mit einer überaus genervten Stimme.
Verdutzt schaut Berlinski auf den Praktikumsleiter und geht mit ihm mit. Adam geht wiederum seufzend in die Hocke und schaut sich den schwarzen Bierkasten an, auf dessen Seiten "Preußen Piwo" in weißen Buchstarben geschrieben steht. Er hebt den Bierkasten hoch und geht mit verzogenem Gesicht in Richtung einer Treppe, die in die Büroräume führt. Die einzelnen Räume auf dem Flur, auf dem sich alle Büroräume befinden, stehen sperrangelweit offen und sind bereits um diese Uhrzeit leer. Alleinig die Tür des Betriebsleiters, am Ende des Flurs, ist geschlossen. Als Adam dieser näher kommt öffnet sich diese und ihm kommt eine schwarzhaarige Jugendliche entgegen. Sein Herz bleibt plötzlich für einen Augenblick stehen, bevor dieses höher schlägt als gewöhnlich. Sein Schwarm, seit seiner Kindheit, tritt aus der Tür heraus. Sofort fällt ihm auf, dass ihr Lippenstift verschmiert ist und als sich die Augen der beiden Jugendlichen kreuzen, wirft sie ihm beim Vorbeigehen einen eiskalten Blick entgegen. Seine Hände, die immer noch den Bierkasten halten, werden ganz schwitzig. Nichtsdestotrotz schaut er wieder auf die Bürotür, die er mit seinem Fuß vom Zufallen stoppt. Er erhascht wie der Betriebsleiter sich sein Hemd zurecht macht und mit einem selbstgefälligen Grinsen in einen großen Wandspiegel schaut. Adam bekommt auf einmal ein ungutes Gefühl in der Magengegend, als er an den verschmierten Mund seines Schwarms denkt.
„Ach, so schnell wie die Reichsbahn, das lobe ich mir“, kommentiert der Betriebsleiter die Ankunft seines gewünschten Bierkastens.
„Stell es neben dem Tisch ab und bring mir eine Flasche“, wie vom Betriebsleiter befohlen stellt Adam den Kasten neben einem massiven Bürotisch ab und nimmt zwei Bierflaschen in die Hände, um mit dem gegeneinander drücken der beeidigen Kronkorken, eine der beiden Flaschen zu öffnen. Es zischt kurz und einer der beiden Kronkorken löst sich vom Flaschenrand. Die zugekorkte Flasche wandert wieder in den Kasten und der lose Kronkorken bleibt in seiner Hand. Mit langsamen Schritten nähert er sich dem Betriebsleiter, der die Flasche entgegennimmt und einen genüsslichen Schluck trinkt. Nichtssagend steht Adam neben ihm, bis der Betriebsleiter nach einem Schluck aus seiner Bierflasche aufstöhnt.
„Geh jetzt“, hört Adam, der daraufhin mit einem emotionslosen Gesichtsausdruck den Raum verlässt. Vor der Tür, nach dem diese zugefallen ist, bleibt er allerdings stehen. Er schaut auf den verbogenen Kronkorken, der sich immer noch in seiner Hand befindet.
„Ich hasse mein Leben.“ 


Irgendwo in den unterirdischen Fabrikanlagen von Sachsen

In dem aufgesprengten Tunnel, hinter den ausbetonierten Stollen, ist die Luft stickig, der Druck auf den Ohren furchtbar und die Finsternis des engen Tunnels wird alleinig durch das Licht an den Gewehrläufen durchbrochen, die den Männern in olivfarbenen Uniformen gehört.
„Vier Mann in jeden Tunnel.“
Woraufhin sich die acht Männer in zwei Trupps umgruppieren und sich bei der Weggabelung aufteilen. So setzt die aufgeteilte Gruppe ihre Verfolgung fort und je länger sich die Männer in der Finsternis bewegen, desto mehr verlieren sie ihr Zeitgefühl. Selbst die Abstände der Schüsse im Hintergrund können sie nicht mehr abschätzen. Irgendwann tut sich eine weitere Gabelung auf.
„Zwei Mann in jeden Tunnel.“
Einige Zeit später, keine zwei Meter entfernt, aus einer Kuhle der Höhlenwand, taucht auf einmal eine Hand mit einer Pistole hervor, die ein Blindfeuer eröffnet. Der Kamerad an Adams Seite fällt mit einer Pirouette um, dabei lösen sich mehrere Schüsse aus dessen Gewehr. Daraufhin rennt Adam in geduckter Haltung und springt mit seinem Kolben gegen das Mündungsfeuer. Die Pistole wird aus der Hand geschlagen, woraufhin Adam dem Angreifer in schwarzer Kampfmontur gegenübersteht, der eine Klinge hält. Die darauffolgenden Messerangriffe wehrt Adam mit seinem Gewehr ab, bis er plötzlich entwaffnet wird und der Angreifer auf ihm sitzt. Seine Beine kann er nicht aus dem Sitz seines Angreifers befreien. Dafür drückt Adam mit aller Kraft, mit seinen Händen, gegen die Hände des Angreifers, die das Kampfmesser runterdrücken, welches sich beständig Adams Hals nähert. Seine Augen wandern weg von der Messerspitze, hoch zu der ballistischen Maske seines Angreifers, die vom Licht eines am Boden liegenden Gewehrs beleuchtet wird.
„Scheiße, Adam!“, platz es aus dem Angreifer heraus, der das Kampfmesser wegreißt und es neben dem Hals von Adam auf den Boden haut.
„Jan? Jan Berlinski!“, stellt Adam entsetzt fest, woraufhin die beiden sich aufrichten und sich wie eingefroren gegenüberstehen. Wenige Sekunden lang, die sich aber wie eine Ewigkeit anfühlen. Dann fällt allerdings aus Jans taktische Weste ein brauner Schnellhefter, mit dem roten Stempelaufdruck "Geheime Reichssache", und keiner der Beiden weiß so recht ob er sein Gegenüber jetzt wieder anspringen oder weiter ansprechen sollte. Doch die immer häufigeren Salven und Schreie, die durch die Tunnel durchhallen, reißen die Beiden wieder aus ihrer Starre. Adam bewegt sich allmählich in seiner Kampfhaltung und umkreist sein Gegenüber, bis die beiden Männer die Seiten gewechselt haben. Die Blicke der beiden Männer lassen sich nicht voneinander abbringen, weil jeder dem anderen unterstellt ihn gleich anzuspringen. Mit einer langsamen Handbewegung zeigt Adam auf die daliegende Akte und macht einen Schritt zurück. Zögerlich beugt sich Jan vor, um die Akte und seine Pistole aufzuheben.
„Verschwinde“, kommt es aus dem Mund von Adam. Jan geht ohne zu zögern rückwärts, bis es in ein Laufen mündet und er sich umdreht, um wegzurennen. Fassungslos, dass er seinen Kindheitsfreund hier begegnet hat, setzt sich Adam auf den Steinboden und blickt zu der Leiche seines Legionärs.
„Herr Unteroffizier, geht es Ihnen gut?“, fragt ein herbeigeeilter Legionär, woraufhin Adam seinen Untergebenen antwortlos anschaut.


Sachsen, auf dem Berg von Czorneboh, am Opferbecken

Inmitten einer kleinen Lichtung, die von hohen Tannen umrundet ist und vom kalten Licht des Vollmonds beleuchtet wird, befindet sich eine flache Gesteinserhebung mit einer größeren sowie einer kleineren Mulde. Zwölf Gestalten, die aus dem Tannenwald hervortreten, beenden die nächtliche Idylle. Sieben von denen tragen Sturmmasken und Zivilkleidung in Tarnfarben. Die restlichen Fünf sind uniformiert, allerdings sind deren Augen verbunden und die Hände gefesselt.
„Auf die Knie, ihr Edelslawen!“, brüllt einer der Tarnfarbigen zu den Uniformierten, die daraufhin an der größeren Ausrundung der Felsplatte zum Knien gezwungen werden und sogleich legt der Redner von eben einen kleinen Beutel in die kleinere Mulde.
„Ihr solltet jetzt die Götter eurer Vorfahren beschwören aber ich bezweifle, dass sie euch gehör schenken werden“, sagt der Redner und als nächstes wird an den Hälsen der Uniformierten jeweils ein Kampfmesser durch die Tarnfarbigen angelegt, die ihnen kurzerhand die Kehle aufschneiden. Sofort fließt Blut über deren olivfarbige Uniform und fast zeitgleich werden alle Uniformierten, mit Tritten in den Rücken, in die vor ihnen liegende Mulde befördert.
„Grenze, los, wir haben nicht die ganze Nacht Zeit“, sagt der Redner zu dem abseitsstehenden Tarnfarbigen, welcher auf "Grenze" hört, der prompt seinen bei sich geführten Kanister aufdreht. Wenig später wird mit einem hörbaren Gluckern eine farblose Flüssigkeit über die todesröchelnden Uniformierten gegossen und anschließend der leere Kanister zur Seite geworfen. Danach zieht Grenze aus seiner rechten Hosentasche eine Streichholzschachtel heraus, aus der er zwei Streichhölzer rausnimmt und durch die rote Schachtelseite anzündet. Eines der Beiden Streichhölzer wirft Grenze in die kleinere Mulde und das zweite brennende Streichholz tut er zurück in die Schachtel, die er in die größere Einsenkung wirft. Es dauert nur ein Augenblick bis sich ein Feuer in den beiden Vertiefungen der Felsplatte ausbreitet und in die Höhe schlägt.
„Czorneboh, wir opfern ihre Seelen zu deinem Ehren. Wir bitten dich, gewähre uns deine Kraft! Denn der Glaube an dich ist noch nicht verloren, solange einer von uns am Leben bleibt“, beschwört der Redner in den Nachthimmel hinein. Auf einmal fühlt Grenze in seinem Brustkorb ein unerträgliches Brennen. Jedes Geräusch, das Atmen seiner Kameraden, den Wind zwischen den Tannen und den eignen Puls, hört er überdeutlich. Seine Haut fühlt jedes Haar an seinem Körper, jedes Stück Stoff, dass ihn umhüllt. Das Mondlicht blendet ihn und seine geschlossenen Augenlider rufen bei ihm Angst aus. Jeden Reiz, den er Wahrnimmt, reizt ihn in einem Maß, welches er noch nie verspürte. In seinem Magen fühlt er wie sich eine unaussprechliche Menge an Wut ansammelt. Er schaut zu seinen Kameraden, die anfangen um sich zu schlagen und schlussendlich fallen sie aufeinander her.
„Wach … auf … Krieger“, dröhnt eine unmenschliche Stimme durch den Kopf von Grenze, der sofort seine Augen aufreißt. Er erblickt den Himmel über sich, der zur Morgendämmerung übergeht. Sogleich wird ihm klar, dass er auf dem Rücken liegt. Verwirrt reibt er sich mit seinen Händen das Gesicht. Ihm steigt ein süßlicher, rostiger Geruch in die Nase. Da merkt er, dass an seinen Händen getrocknetes Blut klebt. Orientierungslos aber erholt und mit einem merkwürdigen Gefühl richtet er sich im Sitzen auf. Ihm stockt der Atem und entsetzt schlägt er seine Hände über seinen Kopf und betrachtet das Bild, dass sich ihm präsentiert. Er befindet sich immer noch auf der Lichtung, aus der größeren Felsvertiefung steigt Rauch auf und um sowie auf der Felsspalte liegen seine Kameraden, sichtlich totgeprügelt.
„Ein Blutbad … aus dem nur einer … siegreich … hervorgehen konnte.“ 


Universum-3378, Standort-DE3-EX

„Ich habe gut mehr als die Hälfte meines Lebens damit verbracht, ein guter Slawe zu sein … Nach der Definition der Deutschen, aus meiner Welt“, sagt Adam zu einer Lautsprecheranlage an einer Panzerglasscheibe.
„Haben die Deutschen, aus Ihrer Welt, Sie dazu gebracht eine militärische Karriere einzuschlagen?“, fragt eine schwarzhaarige Brillenträgerin, mittleren Alters, die ein Notizheft vor sich liegen hat.
„Das Leben in der Slawenlegion kann riskant sein … Aber glauben Sie wirklich, ich würde es lieber vorziehen, bis zum Euthanasie-Alter auf Panzerschokolade in einer Fabrik zu versauern?“, trotz flapsiger Tonlage, verliert Adam nicht seine militärische Haltung beim Sitzen.
„Herr Görlitzski, ich möchte in Erfahrung bringen wie es dazu kam, dass Sie Ihre Unteroffizierslaufbahn abbrachen, um sich dem Panslawischen Widerstand anzuschließen“, fordernd schaut die Frau den Mann im rotorangen Overall an, der die Aufschrift SCP-057-DE trägt.
„Sie kennen meine Welt … Meine Rasse wird unterdrückt und gedemütigt“, kommentiert Adam, während er auf seine Hände schaut, die an einen Tisch angekettet sind.
„Wenn die Lebenssituation der Slawen Sie dazu verleitet hat sich dem Widerstand anzuschließen; wieso haben Sie dann davor seit Ihrem 16. Lebensjahr neun Jahrelang in der Slawenlegion gedient?“, hakt die attraktive Schwarzhaarige nach und schreibt parallel stichwortartige Notizen in ihr Heft.
„Ich war ein Edelslawe, der jeden deutschen Befehl befolgte … Ohne etwas zu hinterfragen. Mir wurde ja seit Kindesbeinen auf eingetrichtert, dass slawisches Leben nichts zählt und ich mich höchstens als Edelslawe nützlich machen könnte“, dabei schaut Adam zu einer analogen Wanduhr, dessen Zeiger sich verdächtig langsam bewegen.
„Aber wie kam es zum Bruch Ihrer damaligen Hörigkeit gegenüber dem GDR?“, erwartungsvoll blickt die Schwarzhaarige zu Adam, der ihren Augenkontakt weiterhin meidet.
„Als der Widerstand an mich herantrat, fing mein Weltbild an zu bröckeln … Letztlich bin ich ein Slawe, also habe ich slawische Verpflichtungen … Gegenüber dem Slawentum, nicht wahr?“, ein müdes Lächeln überkommt Adam, der gleich wieder ein emotionsloses Gesicht bekommt.
„Und ist der Panslawische Widerstand in den Köpfen der Slawen präsent?“, der Interviewerin fällt nun auf, dass Adam über die gesamte Zeit sein Wasserglas unberührt ließ.
„Die breite Masse weiß meist nicht viel mehr als das wir existieren. In der Regel werden wir medial kleingeredet oder als Schreckgespenst dargestellt, wie es dem Propagandaministerium grade passt“, nach diesem Satz fängt Adam an, abwechselnd seine Hände zu Fäusten zu formen.
„Kommen wir zurück zu Ihrer Desertion; Wer hat Sie konkret für den Widerstand abgeworben?", der Fragestellerin stockt der Atem, da diese Frage Adam dazu bringt ihr eiskalt in die Augen zuschauen.
Frau Dr. Bauer, Detailfragen zu Personen, Operationen oder gar Orten, die den PSW betreffen, werde ich Ihnen ganz sicherlich nicht beantworten.“

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