Ein Furchtbarer Traum
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Fortsetzung zu Ein dummer Traum

Dr. Hannes Stein lief durch die sich windenden Korridore an Standort-DE6.
"Schutzraum … wo ist der Schutzraum?", fragte er sich selbst.
Er wusste, dass es ihn verfolgte. Es würde nicht stoppen. Es machte keinen Laut, doch jedesmal, wenn den Kopf nach hinten drehte, während er lief, sah er eine schwarze Masse, weder Gas noch Flüssigkeit noch Körper und doch alles zugleich, mit langen, spitzen Zähnen. Und wenn er den Kopf wieder nach vorne wandte, schien sich der Korridor vor ihm verändert zu haben.
Wachen liefen an ihm vorbei, darunter ein Mann, an dessen Uniform Hannes einen Namensschild bemerkte: "Tom Raab".
Der Name sagte ihm etwas, doch Hannes lief einfach weiter. Und die Wachen starben. Und er hörte ihre Schreie … unmenschliche Schreie in einer Tonlage, die der menschliche Körper nicht einmal erreichen können sollte.
Er lief weiter, die Kreatur verfolgte ihn noch immer, und die Schreie hallten noch immer durch die Gänge, verfolgten Hannes, bohrten sich in sein Gehör und sein Gehirn und seine Seele. Er wandte den Kopf noch einmal zu der Kreatur um … und die Schreie waren verstummt, und Paul stand dort auf einer Wiese, lächelte Hannes an.
"Paul?"
Paul ging langsam und gemächlich über die Wiese auf Hannes zu. "Alles in Ordnung. Wir sind sicher."
Hannes schüttelte den Kopf. Irgendetwas stimmte nicht … und auf Pauls Bein krabbelte eine Vogelspinne.
"Gah! Auf deinem Bein!", rief Hannes aus.
Paul sah nach unten. "So ein süßes Ding."
Die Vogelspinne kletterte nach oben, über Pauls Knie auf seinen Oberschenkel.
"Bitte töte das Vieh!", flehte Hannes mit Tränen in den Augen.
Paul zuckte mit den Schultern. "Aber du liebst es."
"Ich hasse es!"
Enttäuscht schüttelte Paul den Kopf. "Nicht doch."
Die Vogelspinne kletterte bis zu Pauls Brustkorb, ehe sie stoppte. Zwischen ihren Fangzähnen kam ein weiteres Spinnenbein hervor, aber es war lang und hatte keine Haare und keine Glieder, und schlang sich um Pauls Hals wie ein Tentakel.
"Sieh doch, es mag dieses Gesicht. Und dieses Leben. Und dich, vor allem dich will es."
Hannes schüttelte wild den Kopf. "Es kann mich nicht haben!"
"Bist du sicher?", fragte Paul, ehe er zur Vogelspinne hinabsah. "Das müssen wir ändern."
Und alle Spinnenbeine wurden zu Tentakeln, und die Tentakel waren grün und zuckten wie Blitze, während schwarzer Nebel aufstieg, der die Wiese und den Korridor und alles bedeckte.

Dr. Hannes Stein schlug die Augen auf. Er lag in seinem Bett, neben ihm sein Verlobter Paul, und die Welt schien wieder in Ordnung.
"Alles gut?", fragte Paul verschlafen, ohne die Augen zu öffnen. "Du hast im Schlaf gezuckt."
Hannes seufzte. "Hatte 'nen … verwirrenden Traum."
Paul schlug die Augen auf, drehte sich zu Hannes hinüber und fragte: "Worum ging es?"
Stein zuckte mit den Schultern. "Egal, ist ja vorbei."
"Hannes."
"Na gut … es ging um 092-DE-04."
Pauls Augen weiteten sich. "Oh." Dann nahm er Stein in die Arme und strich ihm über die Stirn, aber Hannes drückte Pauls Hand sanft zur Seite.
"Lass das. Das beruhigt mich immer, aber es wird mir nicht helfen."
Paul gluckste. "Da bin ich anderer Meinung, aber wenn du drauf bestehst."
Erneut seufzte Hannes. "Es ist nur … das Ding hat hundert Leute ermordet. Kollegen, Freunde, und es ist immer noch da draußen. Irgendwo …"
"Aber ohne das Monster hätten wir Beide nie zueinander gefunden."
Hannes schüttelte den Kopf. "Paul … es hat Tom getötet."
"Und? Ich habe Tom geliebt, ja … aber nicht so wie dich. Du bist besser."
Stein löste sich aus den Armen seines Verlobten und setzte sich auf. "Das ist etwas … kalt, findest du nicht?"
Paul zuckte mit den Schultern, und mit einem schiefen Lächeln sagte er: "Kann nicht jeder so warm sein wie du."
Und Hannes konnte nicht anders, als zu lächeln. "Du bist so doof. Ich liebe dich."

"Dr. Alexandre Rana verbrachte Jahre damit, die Auswirkungen realitätsverändernder Effekte auf das Unterbewusstsein zu erforschen. Er stellte die These auf, das selbst eine Realitätsveränderung die den Verstand verändert - Erinnerungen, Persönlichkeit, etc. - immer eine Spur im Unterbewusstsein hinterlässt. Eine winzige Spur, nicht wie ein verdrängtes Trauma, sondern noch kleiner, sodass es nahezu unmöglich ist, eine Spur dieser Spur zu finden, und diese Spur nur sehr selten, durch einen zufälligen, äußeren Einfluss oder eine winzigste Geste aktiviert wird und im Betroffenen Gefühle von Traumata, die in direkter oder indirekter Beziehung zu der Art und/oder den Umständen der Realitätsveränderung stehen, die stattgefunden hat. Die außerordentlich niedrige Wahrscheinlichkeit, dass diese Spur sich einen Weg an die Oberfläche des Unterbewusstseins bahnt, steigt mit jeder Realitätsveränderung, sofern diese Veränderungen unter ähnlichen Umständen geschehen."
Paul räusperte sich vernehmlich. "Ähm, ich sags nur ungern, aber -"
"Es ist zum einschlafen", unterbrach Dr. Hannes Stein seinen Verlobten. "Ich weiß."
Paul gluckste. "Ich hätte es diplomatischer ausgedrückt, aber es stimmt."
Stein nickte. "Ich wusste es. Wieso kann der Typ nicht seinen Arsch hier raufschwingen und den Vortrag selber halten?"
"Ahm … er ist Franzose und spricht kein Wort Deutsch, oder?"
"Dann soll er es lernen!", rief Hannes, woraufhin Paul vergebens versuchte, sein Lachen zu verstecken.
"Wie lange hast du noch, bis du den Vortrag halten musst?", fragte er schließlich.
"Eine Woche", erwiderte Stein, "hoffentlich hab ichs bis dahin irgendwie interessant gemacht."

"Es war nur ein Traum", sagte Dr. Klanic kauend, mit einem Sandwich in der Hand. "Ich würde mir keine Gedanken machen."
"Das ist es ja gerade", erwiderte Stein kopfschüttelnd. "Wenn ich mich nicht auf irgendwas konzentriere, kann ich an nichts anderes denken."
Klanic nickte, schluckte hinunter und sagte: "Ich versteh's. Wir haben hier nicht gerade den angenehmsten und sichersten Job, und das Monster hätte dich beinah gefressen."
"Aber wieso war dann plötzlich Paul da? Und 'ne Spinne und 'ne Wiese?"
Klanic biss genüßlich von seinem Sandwich ab, ehe er kauend antwortete: "Die Wiese? Weil Träume nicht immer logisch sind? Paul, weil er auch hätte sterben können, und die Spinne, weil du Arachnophobiker bist und Spinnen ein Symbol für deine Angst sind."
Hannes seufzte. "Du wirst noch zu 'nem besseren Psychologen als ich."
"Bloß nicht", erwiderte Klanic, während er hinunterschluckte, "sonst muss ich mich noch mit irren, beinlosen Typen herumschlagen, die auf unschuldige Ärztinnen losgehen."
Hannes gluckste. "Die liebe Frau Doktor ist nicht unschuldig, und du bist nicht irre."
Klanic begann, schief zu lächeln, und erwiderte: "Wer sagt, dass ich von mir rede? Ihr Zweibeiner seid alle gleich, immer glaubt ihr, dass alle, die im Rollstuhl sitzen, nur von sich selbst reden. Ich würd' dir in den Arsch treten, wenn ich könnte."
"Wärs dir recht, wenn ich solche Rollstuhlfahrer-Witze mache?"
"Nein, das ist ein Privileg der Entbeinten." Damit brachen beide in schallendes Gelächter aus.

"Das war jetzt unsere wievielte Stunde?", fragte Dr. Hannes Stein.
Dr. Vligel sah auf seine Uhr. "Keine Ahnung." Er blickte wieder Stein an. "Nach zwei Jahren höre ich auf, zu zählen."
"Aber es waren viele."
"Sehr viele."
"Warum träume ich dann noch immer von 092-DE-4?"
Vligel seufzte. "Wie ich Ihnen die letzte halbe Stunde zu erklären versucht habe: Weil sie ein Trauma durchlebt haben. Es kann Jahrzehnte dauern, über sowas hinwegzukommmen."
Stein schnaubte. "Ich hätte ein Amnesikum nehmen sollen."
"Dann wären Sie aber nie in den Gruppentherapiestunden gewesen, in denen Sie Paul kennen gelernt haben, und wären jetzt vermutlich nicht verlobt."
Hannes starrte Vligel entgeistert an. "Wieso versteift sich jeder darauf, dass ich nur wegen 'nem Monster mit Paul zusammen bin?"
"Ich weiß nicht, wen Sie mit 'jeder' meinen, aber ich sage das, weil Sie endlich lernen müssen, dass die ganze Angelegenheit auch zu etwas Gutem geführt hat."
Die Eieruhr auf Vligels Schreibtisch läutete. "Und damit ist unsere heutige Therapiestunde zu Ende. Mittagspause."
Hannes nickte. "Endlich."
Er stand auf und wandte sich zum Gehen um, aber Vligel sagte: "Warten Sie."
Stein drehte sich wieder um, Vligel sah ihm verunsichert in die Augen.
"Haben Sie … jemals von einem Dr. Markal gehört?"
Hannes wollte 'nein' sagen, aber irgendetwas hielt ihm zurück. Irgendetwas in den hintersten Winkeln seines Verstandes begann zu vibrieren, und die Haare in seinem Nacken stellten sich auf.
"Der Name … sagt mir irgendwas, aber …"
Vligel nickte. "Mir auch."
Stein sah seinen Therapeuthen mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Vligel öffnete eine Schublade seines Tisches und holte ein Blatt Papier hervor. Es wirkte alt, vergilbt, und die Schrift darauf war kaum noch lesbar.
"Das hier habe ich vor vier Monaten gefunden. Es ist nicht mehr viel zu entziffern, abgesehen von fünf Begriffen: Einstufung, Stein, Realität, gefährlich, und Dr. Markal - Markal an der Stelle, wo sich gewöhnlich das 'mit freundlichen Grüßen, Doktor so-und-so befindet."
Hannes schüttelte den Kopf. "Ich kann mich nicht erinnern, je von einem Doktor Markal gehört zu haben."
Vligel nickte. "Ich auch nicht. Deshalb war ich sehr überrascht, als ich dieses Dokument im Papierausgang meines Drucker fand."
Stein strich sich nachdenklich mit der Hand über die Stirn. "Haben Sie das gemeldet? Vielleicht ist das ein Anzeichen, dass die Eindämmung eines SCPs versagt. Vielleicht kommt uns der Name Markal bekannt vor, weil das Dokument einen memetischen Effekt hat."
Vligel nickte. "Dachte ich auch. Habe es gemeldet, nachdem ich eine Kopie gemacht habe-"
"Sie haben was?"
"Ich weiß, potenziell memetische Schriftstücke zu kopieren ist ein Sicherheitsrisiko und ein Regelverstoß. Aber nachdem ich das Original abgegeben hatte und es eindringlich untersucht wurde, wurde es als anomales Objekt eingestuft - eine Kuriosität, weil es auf magische Weise in meinem Drucker aufgetaucht ist und weil der Name vereinzelten Mitarbeitern vertraut vorkommt, aber keinerlei gefährlichen oder besorgniserregenden Effekte."
Hannes nickte. "Und weiter?"
"Nun, ich habe etwas interessantes festgestellt. Dieses Blatt, dieses alte, vergilbte Blatt … das ist eine Kopie."
"Eine Farbkopie also?", sagte Stein mit einem Lächeln.
Vligel drückte Hannes das Papier zur Antwort in die Hand. Stein bemerkte nicht gleich, worauf Vligel damit hinauswollte, bis ihm auffiel, dass sich das Papier … alt anfühlte. Es war alt, zerknittert, eingerissen, vergilbt … als ob es Jahrzehnte alt wäre.
"Wann haben Sie diese Kopie angefertigt?"
"Diese Kopie? Vor zwei Stunden."
Stein schüttelte den Kopf. "Das Dokument zersetzt sich, wenn es kopiert wird?"
"Ja. Ich habe versucht, den Effekt zu rekreiren - die Worte händisch aufgeschrieben, am Computer geschrieben, ausgedruckt, kopiert - aber es zerfallen nur Kopien dieses Dokuments, bis sie den gleichen Zersetzungsgrad wie das Original erreicht haben."
Hannes fuhr sich nachdenklich mit der Hand über die Stirn. "Haben Sie das auch gemeldet?"
"Musste ich nicht, sie wissen es. Einer der Typen die in der Memetik-Abteilung arbeiten hat kürzlich seine Gattin verloren, kam ein paar mal zu mir um darüber zu reden, dabei sind wir ins Gespräch gekommen-"
"Wird das untersucht?", unterbrach Stein.
Vligl schüttelte den Kopf. "Es wird als Kuriosität angesehen, mehr nicht."
Hannes setzte sich wieder. "Vielleicht ist es auch so. Nur eine Kuriosität."
"Wollte ich auch glauben", sagte Vligl, "aber ich hatte in letzter Zeit … Träume, in denen ich mich mit jemandem unterhalten habe."
Stein zog die Augenbrauen hoch. "Sie glauben, dass Sie mit Markal geredet haben?"
"Das ist das Verrückte." Vligl fuhr sich mit zittriger Hand übers Kinn. "Ich bin mir sicher, dass es Markal war."

Als Hannes an diesem Abend nach Hause kam, dachte er noch immer über diesen Dr. Markal nach. Er war sich sicher, den Mann nie getroffen oder auch nur von ihm gehört zu haben … aber tief in seinem Gehirn vibrierte etwas, wie eine einzelne Gehirnzelle, in der das Wissen über Markal eingesperrt war, doch diese Gehirnzelle weigerte sich, die entsprechenden Neuronen zünden zu lassen.
"Hannes?", drang es verwirrt aus Richtung des Badezimmers.
"Ja, ich bin zuhause."
Paul kam mit verwirrtem Blick aus dem Bad. "Du wolltest doch heute in deinem Büro übernachten?"
Stein sah verwirrt seinen Verlobten an. "Was?"
"Weil ich Nachtschicht habe, damit ich in der Pause mit dir plaudern kann?"
Stein nickte, es war ihm wieder eingefallen. "Entschuldige. Ich habs vergessen."
"Alles in Ordnung?", fragte Paul, während er auf seinen Verlobten zuging.
Hannes zuckte mit den Schultern. "Heute in der Therapie haben wir über etwas … Seltsames gesprochen."
"Worum ging es?", fragte Paul, ehe er Hannes seine Hand auf die Schulter legte.
Steins Nackenhaare stellten sich auf, die Vibration in seinem Gehirn wurde so stark, dass er sie förmlich hören konnte, und er wich instinktiv zurück.
Paul wich ebenfalls zurück, mit verwirrtem Gesichtsausdruck. "Was ist los?"
Hannes schüttelte den Kopf. Sein Herz raste, er spürte, wie sich Schweißperlen auf seiner Stirn bildeten, und ihm war eiskalt.
"Nichts … Paul. Ich hatte nur … nur 'nen anstrengenden Tag." Er log, ohne Paul in die Augen zu sehen. Er wusste nicht warum, aber Hannes hatte Angst, panische Angst.

Anschließend ging Hannes duschen, und blieb unter der Dusche, bis er sicher war, dass Paul zu Standort-DE6 losgefahren war, um seine Nachtschicht zu beginnen. Während er aus der Dusche stieg und begann, sich abzzutrocknen, rasten seine Gedanken. Zwar hatte er sich inzwischen beruhigt, aber er hatte Angst gehabt. Vor Paul, vor seinem Paul, und er konnte keinen Grund dafür sehen.
Bald ging Hannes zu Bett. Er hoffte, dass er bald einschlafen und dadurch den Kopf freikriegen würde, und dass am nächsten Tag irgendetwas einen Sinn ergeben würde - Markal, seine Angst vor Paul, oder der Traum, der noch immer durch seinen Kopf raste.

Dr. Petr Klanic fuhr mit seinem Rollstuhl in Richtung seines Büros, den Pappbecher Kaffee, den er sich vom Automaten geholt hatte, sorgfältig zwischen seinen Beinstumpen balancierend. Er hätte sich schon lange eine Kaffeemaschine ins Büro stellen können, aber er mochte den Automatenkaffee.
"Dr. Klanic! Darf ich Ihnen helfen?"
Klanic wandte den Kopf und sah Sicherheitswache Paul Enns auf sich zukommen.
"Ausnahmsweise, Paul."
Klanic nahm die Hände von seinen Rädern und nahm den Pappbecher fest zwischen seine Hände. Wenn ihm schon jemand half, würde er dabei bestimmt nicht seinen Kaffee verlieren.
"Dr. Klanic … wissen Sie, was mit Hannes los ist?"
Klanic schüttelte den Kopf. "Nein, ist denn etwas los?"
Paul seufzte. "Nun, er war völlig zerstreut, als er nach Hause kam, dann hat er was von seiner Therapie erwähnt, und dann … dann war er plötzlich völlig verstört."
Klanic zuckte mit den Schultern. "Ich fürchte, der Albtraum, den er vor ein paar Tagen hatte, geht ihm noch im Kopf 'rum."
"Ja, aber direkt nach dem Traum war er nicht so … ängstlich."
"Vielleicht hat auch die Therapie irgendwas über den Traum zutage gefördert, was ihn verwirrt oder verstört hat. Ich würde mir an Ihrer Stelle keine Sorgen machen, Paul, morgen wird Hannes wieder frisch wie eh und je sein."
Paul nickte. "Wahrscheinlich haben Sie recht."

Als Paul Dr. Klanic zu seinem Büro gebracht und sich verabschiedet hatte, sah Klanic auf die Uhr. 22:07 Uhr. Petr arbeitete zwar lieber tagsüber, aber er musste noch ein paar Berichte seiner Assisstenten überprüfen, und er hatte eine Gesprächsanfrage von seinem ehemaligen Assisstenten Dr. Dremel bekommen … die würde er aber auf morgen verschieben. Jetzt musste er sich erstmal um diese Berichte kümmern. Stundenlang las er einen Bericht nach dem anderen, manche stempelte er zur Bestätigung ab, andere zerriss er, wieder andere versah er mit Anmerkungen zur Korrektur und legte sie zur Seite, damit er sie den Assisstenten zur Ausbesserung geben konnte. Als er endlich alle Berichte durch hatte, sah er auf die Uhr. 3:23. Zeit, um ins Bett zu gehen.
"Petr…"
Petr Klanic blickte erschrocken auf. Hannes stand in der Bürotür, mit zerzausten Haaren, Schweißperlen auf der Stirn und geröteten Augen.
"Hannes? Was ist los?"
"Ist … ist Paul in der Nähe?"
Klanic schüttelte den Kopf. "Er hat vorhin erwähnt, dass er ab Mitternacht auf Ebene 5 Dienst hat."
Hannes trat ein, schloss die Tür hinter sich, und wandte sich zitternd Klanic zu.
"Hannes … was ist los?"
Stein zuckte mehrmals mit den Schultern und blickte sich beinah hilfesuchend im Büro um, ehe er sagte: "Ich - ich hatte noch einen Traum und - und haben Sie von einem Doktor Markal gehört, der war dort und Paul - und es ergab Sinn und ich wusste es - also ich weiß es jetzt - glaube ich - und ich weiß nicht, an wen ich mich wenden kann und ich habe Angst - und Markal gibt es nicht mehr - und als Paul das Dokument zeriss - in meinem Traum -da habe ich einen Teil lesen können - und es ergibt Sinn - es ergibt Sinn -"
"Hannes!", unterbrach Klanic seinen Freund und Kollegen mit einem lauten Ruf. "Hol tief Luft und erklär mir, was los ist."
Und Hannes Stein schloss seine Augen, atmete tief durch, öffnete seine Augen wieder, die nun Tränen herausließen, und er sagte: "Ich glaube, Paul ist ein realitätsveränderndes SCP. Und ich glaube, er hat einen Mann, der dahinter kam, aus der Existenz gelöscht und alle Erinnerungen an diesen Mann ebenso. Und ich glaube, ich liebe ihn nur, weil er mich mit seinen Fähigkeiten dazu zwingt."
Und Dr. Hannes Stein fiel weinend auf die Knie, während Dr. Petr Klanic bewusst wurde, dass das Geheimnis, welches er Paul versprochen hatte, zu hüten, nun entdeckt worden war.


Objekt-Nr.: SCP-███-█E

Klassifizierung: Thaumiel

Sicherheitsmaßnahmen: [DATEN BESCHÄDIGT] zwischen den Missionen. Seine K[DATEN BESCHÄDIGT]chätzbar ist.

Beschreibung: [DATEN BESCHÄDIGT] junger, weißer Mann im Alter von 22 Jahren. Er verfügt über die Fähigkeit, die Re[DATEN BESCHÄDIGT]en anzupassen. Nachdem er Kontakt mit der Foundation [DATEN BESCHÄDIGT] wurde er inzwischen M[DATEN BESCHÄDIGT] zugeteilt.

Nachtrag: [DATEN BESCHÄDIGT]r Auflösung von MT[DATEN BESCHÄDIGT] Anzeichen von Depressionen und regelmäßige Wutausbrüche, was sich bei seinen Fähigkeiten als [DATEN BESCHÄDIGT] unbedingt verhindert werden. Mögliche Neutralisierungsprozeduren werden derzeit erforscht.

Notiz von Dr. ███n██: Es ist so weit. Es ist bedauerlich, solche einen charakterstarken, jungen Mann [DATEN BESCHÄDIGT]licherweise notwendig. Die Prozedur wird von mir, Standortleiter Dr. ██████ und [ZENSIERT] überwacht. Die Durchführung hat Dr. S[DATEN BESCHÄDIGT] nur ein Fehler passiert, und das E[DATEN BESCHÄDIGT]

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