Ein Baum, Ein Juwel, Eine Familie - Kapitel 3 & 4
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Kapitel 3: Am Abgrund

Mit geschlossenen Augen stand Daath am ewigen Abgrund und hörte ihm zu. Früher kam er oft hierher. Um sich zu erinnern. Um zu vergessen. Um mit dem Abgrund zu reden. Dieses Mal jedoch stand er bewegungslos an der Kante des schwarzen Lochs und hörte zu. Er wollte wissen, was der Abgrund von dieser ganzen Sache hielt, ob er irgendwelche Ideen hatte, ob er Daath einen Rat geben konnte. Eine sanfte Melodie umkreiste Daath und ein schwacher, aber merkbarer Windstoß streichelte über sein Gesicht. Die Melodie erinnerte an ein Orchester aus kleinen Glöckchen, Tuben und… einem merkwürdigen, jedoch sanften und leichtherzigem xylophon-artigen Geräusch. Daath fragte sich, ob die Tuben wohl bloß der Wind waren, doch es würde nichts ändern. Mit geschlossenen Augen stand er da und hörte zu. Er erzählte dem Abgrund was in den letzten unruhigen Wochen alles passiert ist. Mit geschlossenen Augen spielte Daath mit seinen Gedanken, nicht wissend, ob der Abgrund ihn dazu zwingt, oder er selber es so wollte. Vertieft in den Erinnerungen, redete er mit dem Abgrund. Nein, von "Reden" konnte man hier wirklich nicht sprechen. "Kommunizieren", "sich verständigen". Nein, alles falsch. Es war nicht der Abgrund mit dem Daath da redete, keinesfalls, es war er selber.

Daath öffnete langsam seine Augen. Wie in einem Traum, zeigte sich vor ihm der Abgrund in seiner vollen Pracht. Tief, dunkel, grausam. Jedoch nicht erschreckend, wohl eher beruhigend. Nachdem er seine Erinnerungen und Gedanken wieder geordnet hat, blickte Daath tief in den Abgrund hinein. "Ich danke dir", sagte Daath flüsternd, "du schaffst es immer wieder mich zu beruhigen. Ich kann hier meine Gedanken immer gut ordnen. Gehst du jetzt wieder?" Ein starker Windstoß erfasste den jungen Mann mit der Grimasse, so, als ob der Abgrund ihm antworten wollte. "Verstehe…" Der Wind wurde stärker und zwinge Daath dazu, seine Hand vor seinem Gesicht zu halten und seine Augen zuzukneifen. Nachdem er diese wieder öffnete, war der schwarze Abgrund verschwunden. An seiner Stelle eine ewige, grüne Wiese. Nicht in der Lage ein sanftes Lächeln zu bilden, schloss Daath erneut seine Augen, und dankte dem Abgrund noch ein letztes, finales Mal.


Mit einer wie immer vorhandenen Grimasse, stand Daath vor der Tür zu Kethers Saal. Nicht ganz sicher, ob er das wirklich tun sollte, was er gerade vorhatte, stand er vor der großen steinernen Doppeltür des Saals. Die Dienerin nebenan schien es nicht zu stören, schließlich kommt sowas öfters vor. Daath atmete tief ein und aus. Er reichte nach dem Griff der steinernen Tür und stieß sie auf.

Der Ratssaal offenbarte sich Daath mit einem hellen Funkeln aus der Richtung der Glasfenster. Alles war an seinem vorherbestimmten Platz, die Vasen voll mit Rosen, am Tisch elf aus Stein gemeißelte Sitze und der kristalline Kronleuchter an der Decke. Jedoch… fehlte etwas. Etwas furchteinflössendes, kaltes und starres.

Kether war nirgendwo zu sehen.

Daath, verwirrt und nicht verstehend warum Kether abwesend war ohne es den Früchtern und Dienern zu sagen, trat dem großen Steintisch näher. In der Mitte des Tisches lag eine rote Rose, Daath erinnerte sich an das eine Mal, als er in Kethers kalte, orangefarbene Augen geblickt hat. Neben der Rose lag ein Papierzettel, ohne lang nachzudenken hob Daath diesen mit einer Handbewegung auf.

"Gut, dass du gekommen bist, Daath. Ich bin mir sicher, du hast einige Fragen an mich. Treffe mich an diesem Ort:"

Die schöne und altmodische Handschrift von Kether machte auf Daath einen ekelhaften Eindruck, so, als ob sich etwas hinter dieser Schönheit verstecken würde. Neben den Wörtern stand weiter unten eine Adresse, ebenfalls mit Hand geschrieben.

"Was zum…" Daath konnte nicht verstehen warum Kether seinem Besuch ausweichen sollte. Wie… Woher wusste er überhaupt dass er ihn aufsuchen wollte? Nichts machte Sinn, nichts passte als das letzte Puzzleteil in das große Bild. Kether war unvorhersehbar.

Daath knüllte den Zettel zusammen und steckte ihn in seine Hosentasche. Er drehte sich um und lief in Richtung Tür zurück.

"Meister Daath? Ist irgendwa—", die Dienerin konnte ihren Satz nicht vollenden, als sie Daaths Augen erblickte. Sein Blick hat sich in einen eiskalten Strahl verwandelt, die Dienerin, nicht in der Lage diesen durchbohrenden Blick auszuweichen, erstarr auf der Stelle. Kein einziges Wort wollte aus ihrem Mund entweichen. Daaths emotionsloses Gesicht unterstrich nur sein momentanes Aussehen. Ein schwarzer, langer Mantel und eine ebenso schwarze Hose, die man normalerweise mit Anzügen trägt. Seine Aura, sein ganzes Dasein, machte dem erbarmungslosen Kether Konkurrenz.

"Kether ist weg. Ich werde nach ihm suchen. Berichte den anderen Zweigen von Kethers Abwesenheit. Verstanden?", sagte Daath mit einer tiefen Stimme.

"J-Jawohl", die Dienerin verbeugte sich tief vor Daath. Daath wandte seinen Blick von der Dienerin ab und begann mit schweren Schritten den Gang entlang zu gehen. Die eingefrorene Dienerin blieb in ihrer Verbeugung für einige weitere Sekunden, nach denen sie endlich wieder ihren Kopf hob. Sie war nur eine simple Frucht, geboren um zu dienen, ohne Emotionen oder Gefühlen. Doch das, was sie gerade gefühlt hat, war unbestreitbare, tief sitzende Angst.


Das Schloss geriet ins Aufruhr. "Was soll das bedeuten, 'er ist nicht da'?", fragte der maskierte Gevurah mit eiserner Stimme die anderen, gerade anwesenden Zweige. "Die Krone sagt uns nichts und verschwindet einfach so aus dem Schloss?", fügte er hinzu.
"Das ist ungewöhnlich. Nicht normal", fing Binah an zu sprechen. "Was du nicht sagst, Verständnis. Niemals ist sowas zuvor passiert, wir werden wohl einen Rat einberufen müssen", sagte Hod und blickte in Richtung Binah.
Gevurah setzte seine Rede fort, "Bist du wahnsinnig, Majestät? Einen Rat ohne der Krone einberufen? Unerhört."
Irgendwas in Hods Inneren klapperte kurz. "Gut, was schlägst dann du vor, Gesetz?"
Gevurahs an seinem Mantel montierte Glöckchen fingen an zu läuten. Er wendete seinen Blick von Hod ab.
"Beruhigt euch zuerst, beide", sagte Binah mit einer ruhigen Stimme, "die einzigen die sich gerade noch im Schloss befinden sind wir drei, die Diener, andere Früchte und Blätter. Wo sich das Wissen aufhält wissen wir nicht, womöglich ist er der Krone nachgerannt."
"Daath…", murmelte Gevurah.
"Gesetz, du bist unhöflich gegenüber einem anderen Zweig."
"…Verzeihung, aber…", Gevurahs kleine Glöckchen wurden leiser, "… das Wissen benimmt sich in der letzten Zeit sehr komisch. Findet ihr nicht auch?" Gevurah bewegte sein mit der weißen Maske ohne Augen bedecktes Gesicht ein Stück nach rechts, dort, wo gerade Hod stand.
"…Möglich", flüsterte sie.
"Auf jeden Fall sollten wir nicht überstürzen, wir sind gerade nur zu dritt. Warten wir auf Cheseds und Tiferets Ankunft. Dann können wir unser weiteres Vorgehen besprechen. Ist das gut so, Gesetz, Majestät?"
Hod nickte, "Einverstanden". Gevurah überlegte kurz. "Ja, gut. Machen wir das so."


Kapitel 4: Absturz

Daath ging mit einem schnellen Tempo die dunkle Treppe von Binah herunter. Als er sich an der schwarzen Tür am Ende der Treppen befand, stieß er sie auf. Er befand sich in einer kleinen, leeren Nebenstraße. Daath schaute sich zuerst um, erkannte eine Hauptstraße voll mit Menschen in der Ferne und begab sich dort hin.

Er kannte diese Stadt nicht, ein Schild verriet ihm jedoch dass es sich um Frankfurt handelte. Die Hochhäuser verrieten ihm, dass er sich wohl in der Mitte der Stadt befinden muss. Er griff nach Kethers Notiz in seiner Hosentasche und las die Adresse ein weiteres Mal. Da er sich hier nicht auskannte, fragte er einige Passanten nach der Adresse.

Eine kurze Zeit später befand Daath sich vor einem der Wolkenkratzer mit dem Namen "Messeturm". "Verdammt", flüsterte Daath zu sich selber, "Was zum Teufel hat dieser Verrückte vor?". Nach kurzer Überlegung, versteckte sich Daath in einer dunklen Ecke des Gebäudes und wartete darauf bis eine passende Person aus dem Eingang austrat. Es musste ein Angestellter sein, denn wegen einigen Schildern konnte man erkennen, dass es sich um ein Bürogebäude handelte. Und Bürogebäude kann man als Zivilist nur schwer bis gar nicht betreten.

Es dauerte, doch nach etwa 20 Minuten trat ein Mann in einem Anzug mittleren Alters aus dem Gebäude. Er hatte eine Karte an seiner Hose hängen, wahrscheinlich eine mit der man das Gebäude betreten konnte. Daath verwandelte seine Gestalt kurzerhand in die des Mannes und konzentrierte sich dann auf das Kopieren der Karte. Es tat weh, aber es musste getan werden. Daath verwendete Stücke seines Fleisches und Haut und wandelte diese in die Karte um. Als alles abgeschlossen war, wartete er eine weitere halbe Stunde und trat dann aus seinem Versteck heraus. Er begab sich durch den Haupteingang des Messeturms und entdeckte einen kontrollierten Durchgang zu den Aufzügen und den Treppengang.

Als Daath gerade die Karte von einem am Eingang stehendem Gerät scannen lassen wollte, fuhr ihm ein kalter Schauer über den Rücken. "Oh, Herr Lieber. Haben Sie nicht eigentlich Feierabend? Oder haben Sie etwas vergessen?", sprach ihn ein Mitarbeiter hinter der Informationsstelle an. "Äh, ja ja, genau. Ich habe am meinem Arbeitsplatz etwas vergessen, deswegen bin ich wieder gekommen", antwortete Daath mit einer fremden Stimme. "Ah, verstehe", sagte der Mitarbeiter und setzte sich wieder auf seinen Stuhl hin. "Aber… haben Sie eigentlich Ihren Arbeitsplatz nicht hier, sondern wo anders? Ich dachte Sie waren nur wegen einer Kontrolle heute da…", fügte der junge Mann hinter der Informationsstelle hinzu. Daath ignorierte seine Aussage und trat so schnell wie möglich durch die Schranke. Er musste so schnell wie möglich weg von Menschen die ihn in seiner jetzigen Form erkennen könnten.

Daath ging mit schnellen Schritten in Richtung Treppenhaus. Die Aufzüge zu benutzen wäre gefährlich, da eine relativ hohe Chance bestand jemanden anzutreffen. Er wollte kein Risiko eingehen.

Ein weiteres Mal griff Daath nach Kethers Zettel. "64", eine einzige Zahl stand auf dem Blatt neben der Adresse. "Verdammt seist du, Kether", fluchte Daath in seinen Gedanken und fing damit an Treppe für Treppe die Etagen hinaufzulaufen. Hätte er die oberste Plattform schon besucht, hätte Daath sich dorthin teleportieren können…

Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Etage für Etage für Etage, es nahm einfach kein Ende. "Vierund…vierzig?" Die großen, weißen Zahlen an den Betonwänden verrieten, dass Daath noch 20 Etagen erwarteten. Kein Wunder dass er keine einzige Seele angetroffen hat. Da es nun langsam unangenehm und sehr ermüdend wurde, verwandelte sich Daath zurück in seine "normale" Gestalt.


Nach endlosem Keuchen, Schwitzen und Fluchen stand Daath nun endlich vor dem Eingang zu der obersten Etage des Gebäudes. Daath berührte den metallischen Griff und stieß die schwere Brandschutztür nach außen auf.

Er befand sich an der "Decke" des Messeturms, einer schmalen Plattform. In der Mitte dieser Plattform befand sich eine Pyramiden-artige Struktur die die Sicht auf die andere Seite der Plattform versperrte. Daath versuchte aufmerksam zu bleiben, aber der starke Wind machte es nicht gerade einfach. Daath schaute sich zuerst um und nachdem er festgestellt hat, dass auf dieser Seite des obersten Geschossen keiner war, fing er an zu laufen. Daath versuchte der Aussicht keine Beachtung zu schenken, er ist nicht hier her gekommen um die Aussicht auf Frankfurt am Main zu genießen, sondern um sich mit Kether zu treffen. Es war mittlerweile dunkel geworden, Lichter in den verschiedensten Farben leuchteten in der Stadt auf.

Nachdem Daath endlich die andere Seite der Plattform sehen konnte, erblickte er einen Mann in einem Ledermantel, an das Geländer mit beiden Armen angelehnt und in die weite Ferne schauend.

"Das hat aber ganz schön gedauert", sagte der Mann, ohne seinen Blick von der Ferne abzuwenden.
"Kether…", rutschte es Daath aus dem Mund, "…was… was machst du hier?"
"Hm? Na ich habe auf dich gewartet, natürlich."
"Das meinte ich nicht, warum hast du mich hier hin bestellt?", dass Kether sich dumm stellte gefiel Daath nicht.
Kether stütze sich nun nicht mehr an dem Geländer, "Daath, was weißt du eigentlich über die MTF-Einheiten der Foundation?"
Daath war über Kethers Frage erstaunt, "Bitte?", er wusste nicht recht was er antworten sollte.
"Ich frage dich wie viel du über die Mobile Task Forces der Foundation weißt, Daath, des deutschen Ablegers, um genau zu sein."
Daath stockte. "Ich…"
Kether drehte sich um und schaute in Daaths Gesicht. "Daath, vertraust du mir?"
Nun wusste Daath wirklich nicht mehr was hier vorging. "Inwiefern?"
"Würdest du mir mit deinem Leben vertrauen? Würdest du mit mir in die Hölle gehen, um ein Ziel zu erreichen?", spezifizierte Kether.
Lügen bringt nichts, nicht bei Kether. Jedes Körperzeichen seines Gegenüber wurde von Kethers Augen mit hoher Genauigkeit beobachtet. Nein, lügen bringt nichts.
"…Nein, das würde ich nicht", antwortete Daath.
Kether schien wenig überrascht, "…Verstehe" Er blickte wieder in die Ferne der Stadt. "Gefällt dir die Aussicht? Sowas kriegt man nicht alle Tage zu Gesicht", sagte Kether zu Daath.
Zum ersten Mal blickte Daath in die Richtung der Stadt. Eine unendliche schöne Sicht offenbarte sich ihm. Stadtlichter überall wohin man sah und der Main funkelte im hellen Licht des runden Mondes.
Nach einer Weile fing Daath wieder an zu sprechen, "Das erklärt trotzdem nicht warum du wolltest, dass ich hier her kam"
"Ach, tut es nicht?"
"Stell dich nicht dumm, Kether."
Stille. Für einen Moment dachte Daath, dass Kether es selber nicht wusste.
"Ich denke du hast einige Fragen an mich, Daath. Du kannst sie ruhig stellen."
Er ist seiner Frage wieder ausgewichen, aber Daath hatte tatsächlich eine Frage an Kether.
"Kether, du hast dich damals mit Malkuth getroffen, nicht wahr?"
"Möglich, was wäre wenn das stimmen würde?"
"Malkuth ist tot, Kether."
"Ja, das ist er. Und was jetzt?"
Daath kam gleich zum Punkt, "Wer hat ihn getötet?"
Kethers Augenlider senkten sich um ein kleines Stück, "Auf was willst du hinaus?"
Daath war nicht dumm, und Kether wusste das, "Kether, hast du etwa…" Wieder Stille.
Daath setzte nach ein Paar Sekunden seine Rede fort, "Kether, beantwortete meine Frage ehrlich… Hast du Malkuth getötet?"
Ein weiteres Mal wurde es leise auf dem obersten Geschoss des Wolkenkratzers. Kether blickte immer noch in Daaths Augen. Wie aus dem Nichts erkannte Daath in diesen Augen einen Funken.
Kether neigte seinen Kopf etwas zur Seite und sprach mit einer ruhigen, gelassenen Stimme. "Ganz recht. Ich habe ihn mit meinen eigenen Händen getötet. Erschossen, wenn du es genauer wissen willst."
Daath wurde schlecht, "Wie kannst du das bloß mit so einer ruhigen Stimme sagen?"
"Das sagt ausgerechnet der Richtige. Du weißt genau dass wir beide, nein, alle Caecus Carneliana-Mitglieder keine Emotionen haben. Oder eher… sie nicht ausdrücken können."
"Erkennst du eigentlich was du da sagst? Du hast als Anführer deinen eigenen Untergebenen erschossen."
"Habe ich, ja."
Ekelhaft. "Und warum?", fragte Daath diesen für ihn mittlerweile fremden Mann, nein, 'Wesen'.
"Ich tue alles nur um das Ziel zu erreichen. Ich habe keinen anderen Existenzgrund", sagte Kether, mit der gleichen, tiefen Stimme wie zuvor, als er den Mord an Malkuth gestanden hat.
"Ziel? So wie ich das sehe, ist dein 'Ziel' wohl kaum die Befreiung der fühlenden Wesen die von der Foundation gefangen wurden, sondern was komplett anderes."
Daath hatte einen scharfen Verstand, er hat Kether ganz und gar durchschaut. "Hast du 'was dagegen?"
"Es ist mir egal was du vorhast, Kether, aber was es auch sein mag, deine Vorgehensweise gefällt mir nicht. Dir sind Leben egal, sie sind für dich nur ein Mittel zum Zweck. Du setzt das Ziel vor dem Weg, Kether! Verstehst du das?", Daaths Stimme wurde lauter.
Kether drehte sich um und trat zwei Schritte vor. "…und du willst mich aufhalten?" Kethers Stimme war rau und tief, so wie eine Stimme eines Anführers, nicht vergebend, nicht vergessend.
Daath wich in seinen Gedanken vor dieser Stimme zurück, "…", kein einziges Wort konnte er aus seinem trockenem Mund herausbringen.

Nach etwa einer halben Minute, die sich wie eine Ewigkeit anfühlte, brach Kether zuerst die Stille.
"Hm, ich glaube sie sind mittlerweile hier…", flüsterte er, noch laut genug damit es Daath verstehen konnte. Nicht verstehend was Kether eigentlich damit meint, stand Daath immer noch an der gleichen Stelle wie eine halbe Minute zuvor.
"Nun, Daath, ich glaube wir sind geliefert", sagte Kether.
"Wie bitte?"
"Wir sind geliefert. Aus. Ende. Finito", die Leichtsinnigkeit von Kether verstörte Daath.
"Hör bitte auf damit dich dumm darzustellen. Was meinst du damit, Kether?", Daath wiederholte seine Frage.
"Nun, wie sage ich das am besten…", Kether bewegte seine Hand zu seinem Mund und stand in einer nachdenkenden Pose da.
Auf ein Mal schnipste er mit den Fingern, "Ach ja! Die 'Lichterkette' ist hier!"
Daath erstarrte. "Lichterkette? Was? Das kann doch nicht sein!", solche Gedanken füllten seinen Kopf.
Im gleichen Moment erkannte er ein bekanntes Geräusch. Nach der Quelle suchend, blickte Daath nach oben und in alle anderen Richtungen.
"Ein… Hubschrauber…"
"Ganz recht. Die MTF-Einheiten haben wirklich was drauf, huh? Und das Kommunikationsnetz der Foundation erst. Alle Achtung!", Kether klatschte in die Hände und blickte nach oben, dort wo der Hubschrauber seine Runden drehte.
Ein kalter Schauer überrannte Daaths Körper. Von der Foundation gefangen wollte er ganz bestimmt nicht werden, nicht nachdem er erlebt hat was sie mit ihren "SCPs" alles so macht, und nachdem Brenner ihn befreit hat.
"Aber wie… haben sie es herausgefunden?", Daaths scharfe Sinne erkannten mehrere schwer bewaffnete Soldaten im Treppenhaus. Sie hatten nicht mehr viel Zeit.
Kether sprach einfach weiter, als ob nichts wäre, "Wahrscheinlich hat dich jemand gesehen. Vielleicht wie du dich verwandelt hast, vielleicht hat jemand etwas Unnatürliches gemerkt."
"Das ist doch…" Unmöglich. Das Wort blieb Daath im Hals stecken.
"Und? Was wirst du jetzt tun?", fragte ihn Kether, mit seinen Augen so leuchtend wie noch nie.
Daaths messerscharfer Verstand setzte wieder ein, es war vom Anfang an eine Falle gewesen.
"Du… hast mich doch nicht etwa hier hergelockt? Wolltest du meine Loyalität testen?", zwar war es unmöglich für Daath seine Emotionen auszudrücken, doch seine laute Stimme und seine blauen Augen veranschaulichten alle seine Gefühle die gerade in ihm brodelten.

Er stand vor einer Wahl. Kether war ein abscheuliches Wesen, doch sein "Tod" würde nichts ändern. Im Gegenteil, alle anderen Zweige würden zur seiner Befreiung eilen, und das würde nur eine unendlich große Blutlache hervorbringen.
Kether stieg über das Geländer, "Und? Hast du dich entschieden?" Sein Ledermantel flatterte im starken Wind. Daath erkannte, dass die Soldaten nun nur wenige Stufen von der Tür entfernt waren.
"Du hast mich reingelegt, Kether!"

Kether stand mit einem Schritt zum Abgrund entfernt. Er drehte sich um, in die Blickrichtung von Daath.
"Ach, habe ich das?", Kether sah Daath spöttisch an. Er streckte seine Arme aus, schloss seine Augen, trat einen Schritt zurück und…
Daath stieg noch vor Kethers spöttischem Gerede über das Geländer. Die Soldaten waren nun oben angekommen und stießen die Tür auf. "Verdammt seist du, Kether!" Mit diesen Worten sprang Daath von dem Rand ab und "tauchte" nach unten. "Verdammte Scheiße!! Lasst sie doch nicht entkommen!! Los, Beeilung!", hörte noch Daath als er absprang.

Daath berührte in der Luft Kethers Schulter.

"Verdammt seist du! Für immer und ewig!"

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