Die Liebe Des Professor Alexander Voss
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Es kam selten vor, dass Herr Rass verärgert war. Genervt vielleicht, aber um ihn wahrhaft zu verärgern oder gar zornig zu machen, dazu brauchte es gewaltige Kräfte. Und jemanden, der lebensmüde genug war, um sie zu lenken.
Zorn galt es in einem gewaltigen Damm zu sammeln und nur im Notfall als einen eisenharten Strahl freizusetzen. Zorn war eine Waffe.
Doch dieser Mann hatte es zumindest geschafft, ihn etwas aufzuregen.
Die Person war der Chef des Instituts für Menschliche Weiterbildung und Entwicklung, ein Mann namens Professor Voss.
Rass hatte sich kundig gemacht, so wie er sich über jeden kundig machte, den er als potentiellen Verbündeten oder Gegner betrachtete.
Voss als Person war unangreifbar. Er hatte seine Kollegen und Untergebenen, aber niemanden, der ihm signifikant nahestand. Unmittelbare Familie hatte er auch keine. Er war alleinstehend, seine Frau und Kinder waren vor langer Zeit verschwunden.
Die okkulten Kräfte, die er befragt hatte, schwiegen auffällig zum Schicksal von Voss' Familie, aber ihm war klar, dass er sie innig geliebt hatte. Trotzdem, nichts, womit man bei ihm den Hebel ansetzen konnte.
Deshalb ärgerte es Rass, dass der Professor genau das bei ihm getan hatte.
Vor einer Weile hatte er einen Akolythen beim IMBW eingeschleust. Akolyth Stier. Junger Mann, herausragendes Talent im Umgang mit dem menschlichen Körper als Patient oder Versuchsobjekt. Direkt unter der Nase des Professors hatte er Ressourcen des IMBW abzweigen können, um sie den Zwecken des Vierten Reiches zukommen zu lassen.
Bis jetzt.
Anstatt von Stiers normalen Berichten war vor einer Woche auf demselben Weg ein wahrer Affront bei ihm reingekommen.
Er hatte einen Termin beim Professor.
Voss' Einladung hatte sehr herzlich geklungen. Er wollte das Genie kennenlernen, das hinter dem Vierten Reich steckt, so hieß es.
Rass war allerdings niemand der sich so einfach Honig um den Mund schmieren ließ. Vor allem, wenn die Art auf die ihn die Einladung erreicht hatte, darauf hindeutete, dass Voss seinen Akolythen in der Gewalt hatte.
Man kann Rass nicht als nahbaren Menschen bezeichnen. Wenn er gegenüber jemandem Zuneigung ausdrückte, so war das gespielt, kalkuliert, mit einem bestimmten Zweck versehen.
Aber er hatte mit der Zeit zumindest so etwas wie Kameradschaft zu seinen Akolythen entwickelt. Nicht genug um sie im Notfall nicht doch abzusägen, aber zumindest so viel, dass er nun gemessenen Schrittes zu Voss' Büro ging.
Der Mann experimentierte mit Vorliebe an Menschen. Er hatte einen derartigen Mangel an Ehrfurcht vor dem Leben selbst reiner Menschen, dass er sogar sich selbst immer wieder als Versuchskaninchen heranzog. Es war fast schon respektgebietend.
Und darum hoffte er, Stier einen längeren Aufenthalt in den Fängen des Professors zu ersparen.
Er klopfte an die Tür von Voss' Büro.
"Herein?"
Voss' Büro schien gleichzeitig auch so eine Art Versuchslabor zu sein. Neben randvollen Aktenschränken und papiergefüllten Vitrinen glänzten zahlreiche Werkzeuge, an den Wänden hingen fein säuberlich aufgereiht mehrere Arm- und Beinprothesen und auf einem kleinen Seziertisch schwamm ein menschliches Gehirn in einem Goldfischglas in einer undefinierbaren, gelben Flüssigkeit. Nadeln und Drähte ragten daraus hervor.
Hinter dem Schreibtisch saß ein dürrer Mann mit Fliege. Er strahlte und breitete die Arme aus, als Herr Rass eintraf.
"Pünktlich auf die Minute!", freute er sich.
"Sparen Sie sich das", sagte Herr Rass leise. "Wenn Sie schon mit mir reden wollen, tun Sie das persönlich und nicht mit Ihrem Puppentheater."
"Na gut, wenn Sie wünschen", sagte der Mann am Schreibtisch mit einem Seufzer. "Ich stehe hinter Ihnen."
Rass fuhr herum und musste den Kopf in den Nacken legen, um dem Mann mit dem Motorradhelm, der da hinter ihm stand, ins Gesicht, beziehungsweise ins Visier zu blicken. Voss ragte bedrohlich über ihm auf.
"Hallöchen", begrüßte er Rass quietschfidel.
Der Mann hinter dem Schreibtisch stand auf und verließ den Raum, während der Professor sich entspannt an selbigen lehnte.
"Oh bitte, setzen Sie sich doch", bat er höflich und deutete auf einen roten Plastikstuhl, der vor seinem Tisch stand.
"Danke, ich stehe lieber", erwiderte der Anführer des Vierten Reiches kurz angebunden.
"Wie Sie wünschen", entgegnete der IMBW-Chef. "Ich hoffe, Sie sind gut hergekommen."
"Ihr Personal wusste, das ich komm, ihre Wegweisungen haben mir geholfen", entgegnete Rass trocken.
Professor Voss versprühte einen eigenartigen Charme, selbst wenn man sein Gesicht nicht sehen konnte. Naivere Menschen konnte er sicher problemlos in seinen Bann ziehen, aber niemanden, der so viel erfahren und gesehen hatte, wie Rass.
"Warum haben Sie mich herbestellt? Und wo ist Stier?"
"Oh, Herr Schultrig? Der ist hier im Gebäude. Brillanter Kerl, aber dazu später", winkte der Professor ab. "Ich habe Sie wegen Ihnen hierherbestellt."
Er legte die Hände zusammen wie zu Gebet.
"Ich wollte den Mann kennenlernen, der solch immense und fantastische Kräfte nutzen kann, als würde er Kaffee kochen. Ich will wissen, was macht Sie zu dem, was Sie sind?"
"Was wird das hier? Ein Interview?", fragte Rass unwirsch.
"Eine Diskussion, Herr Rass", korrigierte Voss. "Schauen Sie, auch wenn Sie und Ihre absolut überragenden Mitarbeiter mehr und mehr sinnverwirrende Meisterwerke schaffen, so bin ich nicht umhingekommen, zu bemerken, dass Ihr Augenmerk zwar auf der Erhebung des Menschen auf ein neues Niveau liegt, aber meines Erachtens haben Sie den falschen Ansatz. Sicherlich, Eugenik mag ein erprobtes Werkzeug sein, aber ich halte das für die Verschwendung und vor allem Fehlanwendung menschlichen Potentials."
"Mir ist bewusst, dass vor Ihnen alle Menschen gleich sind, aber es gibt nun mal Rassen, die anderen überlegen sind. In der Natur regelt die natürliche Auslese, dass Minderwertiges ausgesondert wird. Aber der Mensch als globaler Spitzenprädator bedarf anderer Mechanismen und Methoden. Sonst setzt eine schleichende Degeneration ein, wir sehen bereits erste Anzeichen."
"Ah, ich verstehe die Richtung, aus der Sie kommen", entgegnete Voss verständnisvoll. "Meines Erachtens aber sind das Probleme, die sich mit genetischer Veränderung direkt beheben lassen. Aber ich nehme an, dass Sie derartige Methoden nur bestimmten Bevölkerungsgruppen vorbehalten wollen, wenn überhaupt."
"Allerdings."
Rass spielte im Moment mit, um Voss in Sicherheit zu wiegen. Er war sicher, dass sie bald an den Punkt waren, wo Akolyth Stier zur Sprache kam.
"Verstehe, hm. Ich weiß nicht, ob wir uns einig werden können. Schauen Sie, ich hege eine tiefe Liebe und Bewunderung für alles Menschliche. Denken Sie sich, einstmals hatte eine Vulkankatastrophe uns auf fünftausend Leute dezimiert, und doch sind wir heute die dominierende Spezies des Planeten. So. Viel. Potential… deswegen war ich ehrlichgesagt geschockt, als ich davon gehört habe, was Herr Schultrig mit unseren Erfindungen angestellt hat. Zum Glück ist der Foundation Alpha entwischt, sonst hätten wir es nie mitbekommen. Unsere Agentin war ganz schön verdutzt, als er Ihren Einsatzkräften begegnet ist. Besonders als sie rausgefunden hat, dass die Jungs Hörner hatten. Erstaunlich hitzefest, da hatte Magma-M richtige Schwierigkeiten. Ich hoffe, dass ich das irgendwann auf Menschen übertragen kann."
Rass war sich darüber im Klaren, dass die Beweissicherung fehlgeschlagen war, dennoch hatte er gehofft, dass das IMBW nichts merken würde. Er hatte aber offenbar Voss' Ermittlungsfähigkeiten unterschätzt.
"Nun, wo ist er eigentlich? Ich bin ehrlich gesagt erstaunt, dass er noch hier ist. Eigentlich hätten Sie ihn doch feuern müssen."
"Sicherlich, an meinen Forschungen kann ich ihn nicht mehr ohne Sorge wirken lassen", bestätigte der Professor. "Aber der Mann ist mir mit seiner Art sehr ans Herz gewachsen, ich konnte ihn nicht einfach gehen lassen. Und wo Potential ist, sollte es genutzt werden…"
"Bringen Sie mich zu ihm!", befahl Rass mit einer bösen Vorahnung.
"Jetzt schon? Aber Sie sind doch gerade erst angekommen…"
Rass ließ einen magischen Funken von seinem Daumen springen.
"Hm, ich sehe schon", bemerkte Voss höflich. "Sehr schade, dabei hatte ich gehofft, mehr über Sie lernen zu können. Kommen Sie mit."
Er griff hinter seinen Schreibtisch und holte eine karierte Geschenktüte hervor, damit in der Hand gebot er Rass, ihm zu folgen.
Es ging weit nach unten. Rass zählte drei Untergeschosse, bevor sie an einer Tür am Ende einer langen Treppe anlangten.
ZUTRITT NUR FÜR AUTORISIERTE stand darauf geschrieben.
"Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass Sie nun einen Bereich betreten, der sogar der großen Mehrheit der IMBW-Mitarbeiter verwehrt ist", bemerkte der Professor eindringlich. "Fühlen Sie sich geehrt."
Rass zog es vor zu schweigen, während die Tür aufschwang.
Die Tür führte in einen gemauerten und weiß verputzten Flur mit zahlreichen Türen an beiden Wänden. Er mündete weiter hinten an einen weiteren Korridor mit noch mehr Tür, durch den Voss ihn führte.
"Was ist das für ein Ort?", fragte Rass.
Er meinte, irgendwo ein Platschen zu hören. Vermutlich ein Rohrbruch oder sowas.
"Das hier sind die Wohntrakte für unsere Versuchspersonen, also diejenigen, deren Experimente ein gewisser Erfolg oder auch Fehlschlag gewesen waren. Es ist verblüffend, was wir selbst aus Fehlern alles lernen können."
"Also ist hinter jeder dieser Türen jemand eingesperrt?", fragte Rass.
"Was? Oh nein, alle Türen sind unverschlossen, außer wenn der Bewohner sie von innen zusperrt. Wir haben in die andere Richtung einen Freizeitraum. Die Kinder mögen vor allem die Bauklötzer."
"Hm", machte Rass nur.
Einem normalen Menschen wäre vermutlich bei Experimenten an Kindern die Galle hochgekommen, aber Rass traf sowas nicht sehr hart. Auch wenn es ihn störte, dass mit Sicherheit auch reine Kinder darunter waren…
Der Professor derweil hielt von einer bestimmten Tür.
"Mal sehen, wie es ihm heute geht. Er kommt kaum vom Bett hoch."
Rass trat ein.
Er wusste nicht, was er erwartet hatte. Er starrte nur stumm auf das Ding, was da auf dem Bett lag.
Es musste mal ein Mensch gewesen sein, aber das sah man größtenteils nur noch, wenn man sich etwas mit Osteologie auskannte. Zahlreiche Knochen stachen aus der zuckenden Masse hervor. Der Autor sieht an dieser Stelle aus Gründen der Pietät von einer weiteren Beschreibung ab…
Ein einzelnes Auge schaute Rass flehend an.
"Ouh… Ough…"
"Was haben Sie mit ihm angestellt!?", sagte Rass schließlich.
Trotz des Anblicks, der sich ihm bot, blieb er ruhig. Wie bereits erwähnt, fühlte er Kameraderie zu seinen Akolythen, aber nicht übermäßig viel…
"Wir haben versucht, seine Form der Manipulation des menschlichen Körpers mit der Hemomantie des Nälkä zu verknüpfen", erklärte Voss sachlich. "Zugegeben, der kosmetische Aspekt muss noch ausgetüftelt werden, aber dieses Experiment hat uns viel gelehrt. Schultrig hat keinen Bedarf an Nahrung mehr. Und wir haben noch keinen Weg gefunden, ihn dauerhaft zu verletzen. Der Mann hat sich selbst von einem Plasmabrenner erholt. Eine wahre Kämpfernatur, das sage ich Ihnen. Ich bin sehr beeindruckt."
Rass wollte etwas erwidern, aber brach ab.
Irgendwas knabberte an seinem Schuh…
Als er hinuntersah, merkte er, dass eine Art zähflüssige Masse aus Fleisch in den Raum geflossen war. Zwei Augen in dem undefinierbaren Haufen schauten ihn mit der Intelligenz einer Mikrobe an.
Rass bemerkte, dass von diesem Ding das Platschen ausging, das er gehört hatte. Es nagte mit den Überresten eines Mundes mit einigen wenigen Zähnen an seinem Fuß.
Kinderzähne.
"Rebekka!", sagte Voss lachend und beugte sich zu der Abscheulichkeit herunter. "Ärgere doch nicht unseren Gast so. Guck mal, ich habe dir sogar was mitgebracht."
Er nahm seine Geschenktüte und holte einen Plüschhasen daraus hervor.
"Waaah…", kam es leise von der Masse.
Sie formte Spitzen in der vagen Form von Fingern, um nach dem Stofftier zu greifen. Voss gab es ihr mit einem freundlichen Kichern.
"So, und jetzt geh wieder zu Mama, ja? Papa schaut später nach euch- Ah, hallo, Schatz."
Ein zweiter, undefinierbarer Organismus war unbemerkt von Rass, der ohne zu blinzeln auf das bizarre Schauspiel starrte, in den Raum gekrochen (geflossen?). Sie war etwa doppelt so groß wie Rebekka und besaß im Gegensatz zu ihr noch eine Hand mit etwas Arm dran und zumindest die Front eines Schädelknochens. Die Augen allerdings schwammen an anderen Stellen in der Masse herum. Ihn ihnen zeigte sich ebenso viel Geist wie in dem anderen Ding.
Rass hatte gedacht, nach allem was er in seinem Leben gesehen hatte, würde ihn nichts mehr anheben, aber zum ersten Mal seit langem wurde ihm vor Grauen schlecht.
"Das- das ist… Ihre Familie?"
Die größere Masse bewegte sich auf Voss zu und rieb sich sanft an seinem Fuß. Voss streichelte ihr liebevoll den Schädel.
"Allerdings, darf ich vorstellen, meine Tochter Rebekka und das da ist Rosa, meine Frau. Kevin scheint nicht hier zu sein, vermutlich klebt er wieder irgendwo an der Decke…"
"Sie haben Ihre eigene Familie… Zu dem hier gemacht?"
"Ich verstehe Ihren Ton nicht. Rosa hatte immer an einer schwachen Körperkonstitution gelitten. Herzfehler. Unsere Kinder haben das leider von ihr geerbt. Ich habe sie für meine Experimente herangezogen in der Hoffnung, etwas herauszufinden, das es ermöglich würde zu helfen und es hat funktioniert. Sie sind jetzt biologisch unsterblich. Ein voller Erfolg."
Rass hatte Schwierigkeiten zu verarbeiten, was er da hörte.
"Sie haben sie in diese… Suppe verwandelt und bezeichnen das als Erfolg!? Sie bezeichnen das, was Akolyth Stier passiert ist, als Erfolg!? Sie haben ihnen jede Menschlichkeit genommen!"
"Menschlichkeit ist von jeher Definitionssache, Herr Rass", erklärte Professor Voss ruhig und stand wieder auf. "Sie selbst sollten das am besten wissen."
Die beiden Wesen am Boden drängten sich an seinen Füßen zusammen. Der Stoffhase wippte auf Rebekkas Oberfläche hin und her.
Sie mussten instinktgetrieben sein, stellte Rass fest. Kein Mensch würde Zuneigung zu dem Monster zeigen, das ihnen das angetan hatte.
Draußen auf dem Gang war ein Schleifen zu hören. Eine weitere Abscheulichkeit zog sich auf zwei verkümmerten Armen über den Boden.
"Oh, Jamal, wieder topfit heute, wie ich sehe, Sie machen große Fortschritte!", freute sich Voss über den Neuankömmling.
"Das ist übrigens Jamal. Er ist aus Syrien nach Deutschland geflohen. Er wollte schon immer ein Bäcker werden, hat er mir gesagt."
"Jamal" gab ein gruseliges Ächzen von sich.
Der Kerl baut Beziehungen zu seinen Opfern auf, dachte sich Rass. Er merkt sich ihre Namen und Persönlichkeiten. Er fühlt ehrliche Liebe, aber er hat nie begriffen, dass das mit Tabus verknüpft ist…
Er fühlte sich an Joseph Mengele erinnert, den Todesengel. Er hatte gesehen, wie der Mann absolut freundlich und zuvorkommend zu den KZ-Häftlingen gewesen war, selbst wenn sie einige Stunden später auf seinem Obduktionstisch landeten. Aber Professor Voss hier schlug seinen Wahn um Längen!
"Nun, Herr Rass, wie Sie gesehen haben, ist Herr Schultrig am Leben und wenn auch nicht ganz er selbst, trotzdem wohlauf. Ich schätze, wenn ich nur genug weiterforsche, kann ich ihn auf ein paar kosmetische Eingriffe zukommen lassen, damit er wieder wie er selbst aussieht. Würden Sie ihn so lange in meiner Obhut lassen?"
Gleich darauf musste er einem Blitz ausweichen, den Rass auf ihn abgefeuert hatte.
"Ah, ich hatte mir schon gedacht, dass das so ausgehen kann", bemerkte Voss traurig.
Unter seinem Mantel wandte sich ein massiger, langer, spitz zulaufender Schwanz hervor und überzog sich mit Metallplatten.
"Ich vermute allerdings, dass Herr Schultrig Sie über meine Fertigkeiten im Falle körperlicher Auseinandersetzungen informiert hat. Solange Sie sich in diesen Korridoren hier aufhalten, sind sie leider im Nachteil. Ich werde Sie erreichen, bevor Sie ihre Magie wirken können, auch wenn ich gerne sehen würde, wozu Sie fähig sind."
"Ich würde sogar so weit gehen, zu vermuten, dass Sie Vorkehrungen getroffen haben, um mich daran zu hindern, überhaupt Magie zu nutzen", entgegnete Rass und ergriff seinen Akolythen mit sichtlicher Überwindung.
Der wimmerte ob der Behandlung.
"Zum Glück wirkt das nicht auf gespeicherte Energie."
Er griff in seine Tasche und holte einen kleinen Amethyst heraus, den er auf den Boden warf.
Dampf quoll heraus, während sich der Dämon erhob, den Rass in dem Stein versigelt hatte. Er überragte sogar Voss und musste sich vorbeugen, um nicht an die Decke zu stoßen.
"Töte ihn", sagte Rass nur.
Der Dämon knurrte zur Bestätigung und rammte Voss frontal. Rebekka und Rosa wurden mit einem überraschten Quietschen beiseite geschleudert. Der Professor wurde gegen die Wand des Ganges gepresst.
Sein Schwanz zuckte hervor und stach dem Unhold mit seiner Spitze am Ende in den Hals. Er drang allerdings nicht sehr tief ein.
"Interessant. Ich frage mich, ob ich diese Zähigkeit der Haut auf den Menschen übertragen kann", wunderte sich Voss fasziniert, während er die Wunde betrachtete.
Während Rass mit seinem Akolythen die Zelle verließ und dabei aus purem Ekel heraus versuchte, nicht auf Jamal zu treten, fixierte der Dämon Voss mit der Rechten und formte mit der Linken einen Feuerball.
Voss derweil legte ihm die linke Handfläche auf die Brust.
Heiße Luft umspülte Rass, während er dieses Gruselkabinett verließ. Hinter sich hörte er nur Zischen und Knallen und das gelegentliche Kreischen des Dämons.
"Plasmafest ist er auch noch!", hörte er Voss erfreut rufen. "Was für ein faszinierendes Abschiedsgeschenk Sie mir doch gemacht haben, Herr Rass, ich danke Ihnen!"
Der Beifall des Professors erfüllte Rass mit Zorn.
Normalerweise hatte er keine Probleme damit, mit gewissenlosen und wahnsinnigen Individuen Geschäftsbeziehungen einzugehen.
Aber selbst er hatte Standards…

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