Der seltsame Fall des Dr. Schmitz'
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Sondereinrichtungsdirektorat, Sondereinrichtung-14, Stockholm, Großdeutsches Reich

17.08.2011, 17:56

In Dr. von Jungens Büro herrschte dicke Luft.

"Also, wenn ich das jetzt richtig verstehe, wollen Sie, dass wir einer T-Klasse SKP-963-US geben, nur weil Ihr Arm gebrochen ist?"

Dr. von Jungen konnte Schmitz' Idee nicht ganz nachvollziehen.

"Hören Sie zu. Suchen sie mir eine muskulöse, arische T-Klasse raus und dann hat sich die Sache. Ich verpass mir einfach eine Kugel in den Kopf. Ist ja nicht das erste Mal. Was sollen wir denn sonst tun?"

"Wie wäre es mit Panazee?"

Dieser Vorschlag schockierte Dr. Schmitz. Panazee? War Dr. von Jungen von Sinnen? Panazee einzusetzen, war ein Zeichen der Schwäche. Sich Panazee verschreiben zu lassen, ist würdelos.

"Dr. von Jungen, das ist erbärmlich. Panazee? Sind sie außer sich?"

Dr. Ulrich von Jungen, Sondereinrichtungsdirektor von Sondereinrichtung-14, dachte darüber noch einmal nach.

"Nun … gut. Von Vorschrifts wegen her müssen Sie aber einen Antrag stellen."

Antrag "SKP-963-US"

An den Sondereinrichtungsdirektor von Sondereinrichtung-14, Dr. von Jungen

Sehr geehrter Dr. von Jungen,
Da mein rechter Ellenbogenknochen momentan auf eine Weise gebrochen ist, bei der eine Operation mehrere hunderte Reichsmark kosten würde, wünsche ich hiermit um die Erlaubnis zu bitten, eine arischen T-Klasse durch SKP-963-US psychisch zu mir werden zu lassen, und anschließend meinen derzeitigen Körper zu liquidieren.

Dr. Schmitz, Senior-Forscher, Sondereinrichtung-14.

"Nun gut."

Dr. von Jungen stempelte den von Dr. Schmitz geschrieben Antrag ab.,

Er nahm sein Walkie Talkie aus der Tasche, stellte es auf die Frequenz der MEK-Einheiten und wurde mit einem freundlichem, schwedischen "Johansson, inte vifta" begrüßt, auf welches Dr. von Jungen mit einem strengen "MEKs, tala tyska. Tack." antwortete. Dr. Schmitz stammte aus Bonn, daher sprach er kein Schwedisch.

Nach einem ausgiebigen Gespräch voller "inkompetenten MEKs" und "Beeilt euch!", kam nach ca. 10 Minuten eine MEK-Einheit mit einer T-Klasse an. "Bitte sehr, Herr. Mir tut die Verspätung sehr leid, jedoch hat sich General Andersson mal wieder über Sie hinweggesetzt und uns trotz ihres Befehls andere Aufträge gegeben. Als auszubildende MEK-Einheit kann ich nicht riskieren, so was abzulehnen, wissen Sie." "Natürlich, natürlich, Nu är vi framgång 963-US. Und nächstes Mal erwarte ich bessere Ausreden für eure Faulheit."


Flügel-3, Sondereinrichtung-14, Stockholm, Großdeutsches Reich

17.08.2011, 18:23

Dr. Schmitz, Dr. von Jungen, die T-Klasse und die MEK-Einheit gingen hurtig in Richtung SKP-963-US.

"MEK-Einheit, erzählen Sie mir mehr über die T-Klasse." befahl Dr. Schmitz der MEK-Einheit.

"Självklart. Onni Virtanen. T-8168, freiwillige T-Klasse aus Helsinki. Zweiunddreißig Jahre alt, arisch, Eltern verstorben, drei Ex-Frauen und ein Kind, vor zwei Monaten im Alter von 7 an Hautkrebs verstorben." Die MEK-Einheit stockte, da selbst ihr bewusst war, dass Onnis Leben eine einzige Tragödie gewesen sein musste.

"Scheiße. Kein Wunder, dass er sich freiwillig als T-Klasse gemeldet hat."

T-8168, der sehr muskulöse Onni, gab ein lautes, hörbares Grunzen von sich, bei dem Dr. Schmitz Gänsehaut bekam.

Die Türen, an denen sie vorbeigingen, waren kaum zu erkennen.

Das Büro von Dr. Andersson, das von Dr. Olsson, das von Dr. Lindström, das von Dr. Karl Büro, das von Dr. Berg Büro und schließlich, am Ende des Ganges, eine rotorange Tür mit der Aufschrift "Büro Dr. Schmitz"


Dr. Schmitz' Büro, Sondereinrichtung-14, Stockholm, Großdeutsches Reich

17.08.2011, 18:31

Dr. von Jungen lies sich auf den zweiten Stuhl für Doktoren nieder, während sich die MEK-Einheit und die T-Klasse auf Besucher-Stühle setzten. Dr. Schmitz öffnete ein kleines Kabinett seines Schreibtisches, in dem sich eine Zange, eine Pistole mit einem Schuss, sowie SKP-963-US befand. Da SKP-963-US bei ihm ja nichts ausrichtete, nahm er es in die Hand.

"Irgendwelche letzten Worte, Onni?"

"Fahrt zur Hölle." Mit diesen Worten beendete Onni Virtanen, Großdeutscher Reichsbürger, sein Leben. Seine Stimme war angsteinflößend, schrill, doch gleichzeitig auch irgendwie tief. Kratzig, wie wenn jemand Sandpapier über eine Tafel reibt.

Dr. Schmitz nahm die Pistole in seine rechte Hand, während sein gebrochener linker Arm schlaff herabbaumelte, und beendete damit das Leben seiner jetzigen Hülle, T-9123, Karl Hannes, Strafgefangener aus Warschau. Er verließ diese Hülle nun.


SKP-040-US' Isolierzelle, Flügel-5, Sondereinrichtung-14, Stockholm, Großdeutsches Reich

19.08.2011, 14:26

"Guten Morgen, Fyrtio."

Dr. Schmitz betrat den Sicherheitsbereich der Isolierzelle von SKP-040-US.

"Wer sind Sie? Ihre Stimme klingt anders." SKP-040-US war durchaus verwundert, da nur Dr. Schmitz, Dr. Olsson und Dr. von Jungen mit ihr reden durften, und SKP-040-US noch nie miterlebt hatte, wie Dr. Schmitz seine Körpere wechselte.

"Ich bin Dr. Schmitz, Liebes. Zwar klingt meine Stimme anders, aber du kannst mir vertrauen."

"Ich glaube Ihnen nicht."

SKP-040-US sieht zwar aus, wie eine kleines Mädchen, aber sie lernt dazu.

"Wenn du mir nicht glaubst, kann ich Dr. Olsson holen, un-"

"Nein!"

SKP-040-US sprang aufgewühlt auf. SKP-040-US-1J krabbelte in die Ecke, und seine Beine bewegten sich, als wäre es in Schock.

"Liebes, was ist denn mit Dr. Olsson?"

"Er schreit mich immer an und ist ganz böse zu mir!"

Man konnte in SKP-040-US' Stimme ihre Angst vor Dr. Olsson hören.

"Nun gut, ich werde Dr. Olsson bald fragen, ob das wahr ist. Wenn wir mehr darüber herausfinden, können wir jemand holen, der Dr. Olsson ersetzt. Jetzt die Routinefragen. Wie geht es dir heute?"

"Ich beantworte nur Fragen von Leuten, die ich kenne."

"O-… gut, ich hole Dr. von Jungen."

Dr. Schmitz zückte sein SKP-Walkie Talkie und stellte es auf die Direktor-Frequenz.

"Dr. von Jungen, könnten sie bitte zu SK-"

"Wer spricht da? Wer sind sie? Diese Frequenz ist für Senior-Forschern reserviert! Identifizieren Sie sich!"

Dr. von Jungen war außer sich.

"Dr. Schmitz, im Körper von T-8168, erinnern Sie sich?"

Dr. von Jungen stöhnte.

"Scheiße, ich … tut mir leid. Ich war nur gerade nicht bei Sinnen. Was wollten Sie sagen?"

"Könnten Sie kurz zu SKP-040-US kommen? Sie glaubt mir nicht, dass ich, nun ja, ich bin."

"Natürlich. Schon auf dem Weg."


ICA-Markt, Stockholm, Großdeutsches Reich

27.08.2011, 20:19

Dr. Schmitz wartete an der Kasse des ICA-Marktes, bei dem er jeden Samstag seine abendlichen Einkäufe tätigte. Vor ihm auf dem Fließband lagen drei Joghurts1, drei PET-Flaschen Wasser, eine Flasche Champagner und drei Tüten Süßigkeiten.

Vor ihm stand ein ca. 1,85m großer Arier, welcher zwei 1,5 Liter Flaschen Berlin-Adler Wodka, dem höchstprozentigen Wodka aus Großdeutschland, auf dem Band liegen hatte.

Auf einmal hörte Dr. Schmitz eine Stimme hinter sich.

"Onni! Bist du es wirklich?"

Scheiße.

Dr. Schmitz drehte sich um und erblickte eine 1,40m große Frau in ihren Sechzigern.

"Onni! Ich dachte, du hast dich als Freiwillige T-Klasse für das SKP gemeldet! Ich war doch dabei, wie du dich als T-Klasse gemeldet hast! Wie kann es sein, dass du lebst? Du lebst! Was machst du denn hier? Warum hast du dich nicht bei mir gemeldet?"

Dr. Schmitz wurde schwarz vor Augen. Ein Blackout. Er wusste nicht, was er erwidern sollte. Schweiß rann seine Stirn hinab.

"H-hey, d-d-d-dich h-ha-hab i-i-ich hier j-ja nicht e-e-e-erwartet, hm?"

"Oh, mein armer kleiner Junge ist von dem, was das SKP mit ihm gemacht hat, verstört! Komm mit mir nach Hause, Bonnie wird sich sicherlich freuen, dich zu sehen. Sie liegt die ganze Zeit nur auf ihrem Kratzbaum und ist traurig, weißt du."

"N-Nein, i-i…"

"Das macht dann 1 Reichsmark und 55 Pfennig."

Dr. Schmitz packte seine Sachen so schnell er nur konnte in seine Tüte, gab der Kassiererin das Geld und rannte eiligst zu seinem Auto. Er hörte, wie die Frau versuchte, ihm nachzurennen, und dabei die Wort "Onni! Bleib doch bei mir!" ausstieß.

Er stieg in sein VW Eos und rief der Frau ein rasches "Onni ist tot!" hinterher. Dann düste er auf schnellstem Wege zu Sondereinrichtung-14.

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