Brief an den O4-Rat
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> Zugriff auf Dokument der Sicherheitsfreigabe Stufe O4 angefordert. Sende Anfrage auf Zugriffsberechtigungsüberprüfung an KIRA…
> KIRA: Zugriff auf Standortsicherheitssystem angefordert…
> KIRA: Zugriff erhalten, greife auf sensorische Sicherheitssysteme und Aufzeichnungen aus Überprüfungszeitraum nach Protokoll 8 zu…
> KIRA: Äußere Erscheinung stimmt mit Freigabekatalog überein, bitte geben Sie Ihr persönliches Kennwort ein und sprechen Sie Ihren aktuellen Freigabesatz…
> KIRA: Kennwort und Freigabesatz positiv geprüft. Freigabe erteilt, Dokument wird entschlüsselt. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
> Zugriff gewährt:

Der folgende Brief wurde am ██.08.2018 im Briefkasten am Eingang zu Standort-DE1 gefunden. Kameraaufzeichnungen zeigten weder Hinweise darauf, wie der Brief in den Briefkasten gelangt war, noch Störungen in dem Zeitraum seit der vorangegangenen Leerung. Er ist auf normalem Briefpapier für Handschrift mit normalem Tintenfüller und normaler Tinte geschrieben. Die Analyse der Handschrift ergab, dass alle Buchstaben exakt gleich waren, als wären sie gedruckt, die Analyse des Tintenflusses und Abriebs auf dem Papier, sowie Hautzellen und Spuren von Hauttalg auf dem Papier legen nahe, dass der Brief tatsächlich von Hand geschrieben wurde. Die in den Hautzellen gefundene DNS ergab bei einem Abgleich mit vorhandenen Daten der Foundation und der Polizeien keine Ergebnisse, eine eingehende Analyse der DNS ergab keine brauchbaren Daten, die Rückschlüsse auf die Physiologie des Schreibers zugelassen hätten.




Sehr geehrte Damen und Herren O4-Ratsmitglieder,

dieser Brief ist nicht verzaubert oder sonstwie anomal, die Restenergie des Zaubers, mit welchem ich Ihnen diesen zugestellt habe, verfliegt nach spätestens 72 Stunden so weit, dass sie selbst für uns nicht mehr spürbar ist.

Ich hätte mir gewünscht, dass unser Erstkontakt weniger unerfreulich verläuft, doch nun ist es geschehen und wir müssen außerplanmäßig fortfahren. Zunächst möchte ich Ihnen versichern, dass wir keine bösen Absichten hegen, noch ist es unser Ziel, Sie an Ihrer Arbeit zu hindern oder gar Anomalien in Ihrem Gewahrsam zu befreien oder zu stehlen. Wäre das unser Ziel, hätten unsere in der Foundation eigebetteten Agenten das bereits mit Leichtigkeit tun können. Im Gegenteil. Wie Sie bereits von diesem Abschaum „Kraft” und den paar unserer Agenten, die Sie enttarnen konnten, erfahren haben, haben wir zahlreiche Agenten in die deutsche Foundation, aber auch teils in andere Ableger eingebettet. „Warum?” werden Sie sich fragen. Nun, um das zu erklären, muss ich weiter ausholen.

Die Magierakademie ist nicht die Akademie, sondern ein Zusammenschluss von einzelnen Bildungsinstituten, Magierzirkeln, okkulten Geheimbünden und so weiter, der bereits seit der Antike besteht und sich in ihrer Organisation modernen Bedingungen angepasst hat, aber das wissen Sie bereits. Wir haben Organisationen, die sich der Jagd auf Anomalien - und in der Vergangenheit insbesondere auf Hexen und Magier - verschrieben haben, immer gemieden. Die Inquisition der christlichen Kirche und vergleichbare Organisationen antiker Religionsgemeinschaften, Geheimbünde, die SS und das SKP, die Stasi, und schließlich auch Sie und andere moderne Gruppierungen. Unser primäres Ziel ist die Erforschung der Magie und das Studium derselben in kontrollierten Umgebungen. Wir sind Wissenschaftler und betreiben hier Grundlagenforschung. Wir glauben, dass „Anomalien” gar nicht anomal sind, sondern natürliche Bestandteile unserer Realität, die wir nur nicht begriffen haben und die unsere bisherigen modernen Naturwissenschaften nicht erklären können. Der Begriff ist eigentlich unsachlich, aber ich gebrauche ihn der Einfachheit halber im Folgenden.

Zu unserem Leidwesen sind alle anderen Organisationen, die sich dem Anomalen verschrieben haben, entweder egoistisch und unverantwortlich, wie R.T.I.; wahnsinnige Massenmörder, wie Rass und seine Spießgesellen, oder das SKP aus R-3378-DE; Leichtsinnige, die die Mächte, mit denen sie hantieren, nicht ernst nehmen, wie dieser Doktor Chaos; oder sie lehnen Anomalien insgesamt ab und scheuen nicht vor Gewalt, um ihre Ziele zu erreichen, wie die GOC oder eben die Foundation. Aber verstehen Sie mich nicht falsch, nur weil etwas natürlich ist, muss man es nicht willkommen heißen. Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis sind natürlich, aber dennoch muss man die Menschen davor schützen. Aber auch einfach Dinge wie Elektrizität oder das Getriebe einer Bohrmaschine sind gefährlich, deshalb haben wir Dinge wie Sicherungen oder Abdeckungen und Gehäuse. Wir stimmen mit Ihnen darin überein, dass Anomalien nicht in die Hände der Öffentlichkeit gehören, unabhängig davon, ob sie nun weltzerstörenden Ausmaßes sind oder eine Münze, die immer auf der Kante landet. Noch nicht. In der heutigen Zeit würde das glaubhafte Bekanntwerden des Anomalen eine weltweite Massenhysterie auslösen, mit katastrophalen Folgen.

Deshalb unterstützen wir Sie. Da wir aber nicht so brachial auftreten können, um uns zu behaupten, wie zum Beispiel die GOC es Ihnen gegenüber tut, haben wir Agenten in ihre Struktur eingebettet. Sie versorgen uns mit Informationen über Funde von Anomalien, über Details aus ihren Dokumentationen, und sorgen wiederum dafür, dass Informationen, die wir Ihnen zuspielen, auch ankommen beziehungsweise den richtigen Adressaten erreichen. Zum Beispiel hat die Akademie die deutsche Foundation in 6% ihrer Einsätze aktiv unterstützt. Durch Vorarbeit, das Fernhalten von Zivilisten, das Ablenken von Störern oder ihnen feindlich gesinnten Interessengruppen, das magische Amnesizieren von Zeugen, die Sie übersehen haben, und so weiter. Wir leisten aber auch passive Unterstützungen. Indem wir dafür sorgen, dass Sie auf eine Anomalie aufmerksam werden, indem wir dafür sorgen, dass ihre Forschungen bestimmte Schlüsselergebnisse hervorbringen, oder bestimmte Ereignisse in die Wege geleitet werden, die Ausbrüche und sonstige Zwischenfälle verhindern.

Sie werden jetzt gewiss erneut alle möglichen Kräfte mobilisieren und ihre KI auf Volllast nach unseren Agenten suchen lassen, aber seien Sie versichert, dass Sie unsere Agenten nicht finden werden. Alle Agenten die Sie bisher enttarnt haben, haben Sie enttarnen können, weil Sie von unseren gemeinsamen Feinden Tipps bekommen haben oder weil unsere Agenten leichtsinnig waren und sich nicht an unsere Vorgaben gehalten haben.

Mir und meinen Kollegen wäre es am Liebsten, wir könnten dieses Katz- und Mausspiel direkt überspringen und offen kooperieren. Indem wir uns verstecken und Sie uns suchen, schwächen wir uns gegenseitig und das ist genau das, was Rass wollte, als er unseren Agenten eine Falle gestellt hat, damit wir bei den Ereignissen um SCP-149-DE enttarnt werden. Zahlreiche Informationen und Funde in Bezug auf 4R haben Sie erst durch uns erlangen können. Rass ist die akuteste Bedrohung für die Integrität der Zivilgesellschaft im Einzugsbereich der deutschen Foundation und auch für die normale und anomale Umwelt ist er durch seinen rücksichtslosen Einsatz von Magie eine Gefahr.

Der Spruch „Der Feind meines Feindes ist mein Freund” ist zwar Quatsch, doch streben wir nun, da wir ohnehin aufgedeckt sind, nach einer engeren Kooperation. Wir können Ihnen weitaus genauere Analysen und wissenschaftliche Erklärungen bieten und Sie weitaus besser unterstützen, wenn wir das nicht im Geheimen tun müssen. Ich wünsche daher ein persönliches Treffen an einem Ort ihrer Wahl. Scranton Realitätsanker und Dergleichen sind für einen Magier meines Standes kein Problem, mir eine Falle zu stellen ist von daher obsolet.

Sie erreichen mich bis zu ihrer Entscheidung darüber unter „erzmagister-jaeger@de-mail.scp”. Da Sie sogar Datenverkehr über das Tor-Netzwerk zurückverfolgen können, habe ich diese Mailadresse verzaubern lassen; Alle Mails, die dahin geschickt werden, werden magisch zu mir geleitet, ohne dass Sie sie verfolgen können, auch nicht mit ihrer KI.


In der Hoffnung auf Zusammenarbeit,
und mit freundlichen Grüßen,
Oberster Erzmagister Jäger




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