Auf Ein Neues
Bewertung (rating): +1+x

Es gibt zwei grundsätzliche Unterschiede zwischen einem Menschen und einer Maschine. Der Mensch hat einen Willen und eine Seele. Diese hat der Mensch von Geburt an, was ist jedoch wenn ein Mensch nie geboren wurde? Hat er einen Willen? Hat er eine Seele? Ist er überhaupt noch ein Mensch, vielleicht eine Maschine, oder vielleicht doch etwas ganz anderes? Und wie kann ein Mensch nie geboren werden und doch leben?

Diese Fragen sind etwas was ein normaler Mensch niemals beantworten kann, nicht ohne ein Mal gestorben zu sein. Doch was ist mit einem Menschen, der bereits mehrmals gestorben ist?


Er befand sich in einem wie es schien grenzenlosen, komplett schwarzem Raum ohne einer Lichtquelle, jedoch konnte er auch ohne Licht alles erkennen. Der Raum war komplett leer, es war eine komplett schwarze, unendliche Welt. Er entschied sich anzufangen zu laufen, und das tat er auch. Er lief und lief bis er etwas in der Ferne erblickte. War es… ein Mensch?

Er lief weiter, bis er gefühlt fünf Meter vom Mensch entfernt war. Es war ein Mann mit braunen, kurzen Haaren. Er trug etwas was einem Ledermantel sehr nahe kam, das Kleidungsstück ging bis zu seinen Füßen und hatte einen hohen Kragen der fast den ganzen Hals bedeckte, auf dem Kragen war ein hexagonales Symbol. Der Mann saß auf irgendetwas, doch der Besucher konnte es nicht erkennen. Der Mann hatte seine Hände ineinander verschränkt und blickte nach unten, sodass der Besucher das Gesicht nicht erblicken konnte.

Mit einer ruhigen, kalten und tiefen Stimme fing der Mann an zu sprechen, "Und? Was führt Sie hier her?"

"Ich? Ich… Ich weiß nicht mehr… Ich kann mich erinnern, dass ich 065-DE-A aktiviert habe, um eine Nachricht zu schicken… aber… ich kann mich nicht mehr ganz erinnern was passiert ist.", antwortete der Besucher und versuchte sich an seine Vergangenheit zu erinnern.

"Das heißt dass Sie einer von ihnen sind.", sagte der Mann.

"Ihnen? Wen… meinen Sie?"

Der Mann hob langsam seinen Kopf, "Das ist hier unwichtig."

Das Gesicht vom Mann kam dem Besucher sehr müde vor, tiefe Augenringe, die Augen halb geschlossen und ein Blick der den Gast förmlich aufspießte.

"Was ist mit Ihnen?", fing der ungebetene Gast an wieder zu sprechen.

"Ich bin öfters hier, für mich ist es mittlerweile nichts besonderes mehr. Viel zu lange habe ich hier über meine Taten nachgedacht, was passiert ist, was noch passieren wird… Was ich nun tun soll.", antwortete der Mann.

"Ihre Taten?"

"Ja, meine Taten."

Der Besucher fragte weiter, "Und… was sind Ihre Taten?"

In diesem Raum funktionierte das Gehirn ganz anderes, man hatte andere Gedanken, man akzeptierte Dinge die normalerweise nicht normal wären.

"Ich habe gemordet, getötet, Leben beendet. Immer wieder und immer wieder und immer wieder. Ich habe die Welt verändert, ich habe sie rot gefärbt. Und doch reicht es nicht, es reicht noch immer nicht.", der Mann öffnete seine Hände und schaute sie an, "Ich habe meine Hände mit Blut besudelt, ich habe gelogen, betrogen und hintergangen. Ich habe diese ganze Welt ins Chaos gestür—… Nein, diese noch nicht. Doch wie oft bin ich eigentlich schon gestorben? Wie oft muss ich dies noch ertragen? Sagen Sie mir, wie oft?", die Person hob seinen Kopf und blickte den Gast in die Augen.

"…", der Besucher verblieb ruhig und hörte zu.

Der Mann senkte wieder seinen Kopf, "Ich habe eine Gruppierung in die Welt gesetzt, dessen Mitglieder von allen gehasst und verabscheut werden. Sie werden gejagt, eingesperrt und gefoltert. Und es ist meine Schuld. Allein meine Schuld. Ich habe sie mit hineingezogen, ich habe sie zu Zielscheiben gemacht. Nur wegen mir."

"Und doch reicht es noch nicht, es reicht immer noch nicht. Wie oft muss ich noch sterben bis das Ganze endlich vorbei ist? Wie lange muss ich noch leiden?"

Der Mann richtete seinen Blick nach oben, in die unendliche Weite des Raumes, "Ich habe es langsam satt." Er seufzte und sah den Gast an, "Wenn Sie hier sind, heißt es dass Sie auch schon öfters gestorben sind, jedoch haben Sie immer noch eine Seele… Sagen Sie, können Sie sich wirklich nicht erinnern was passiert ist bevor Sie hier herkamen?"

"Nein, ich erinnere mich an nichts außer dass ich als Forscher irgendwo gearbeitet habe… Ich… glaube in einer Anlage mit der Bezeichnung "SCP-… SCP-…065-DE…A"… glaube ich. Dann ist irgendetwas passiert und ich habe die Anlage benutzt… Signal Beta war es… Ja… Ja, genau Signal Beta!", antwortete der Besucher aufgeregt, "Etwas hat uns angegriffen, ein… Objekt… Nein, Wesen… Ich kann mich an Licht erinnern, einen Lichwasserfall… weiter… weiß ich nicht."

"Hört sich wie eines eurer alltäglichen Probleme a—"

"…Was ist los?", fragte der Besucher.

Der Mann schloss seine Augen, "Hören Sie nicht? Sie sind da."

"…Bitte?"

"Schließen Sie Ihre Augen und hören Sie zu…"

Der ungebetene Gast schloss seine Augen und versuchte sich auf jegliche Geräusche zu konzentrieren. Gerade als er aufgeben wollte, erkannte er ein leises… Läuten. Es ähnelte einem tiefen und weit entferntem Xylophon das in einem Rhythmus spielte. Das Geräusch war angenehm und beruhigte den Besucher. Es kam ihm… wie ein Gesang vor.

Auf ein Mal erkannte er ein zweites Geräusch, dieses Mal ein Klopfen dass im gleichen Rhythmus zum Gesang beitrug. Es entstand eine nette Melodie.

Es kamen immer mehr dazu, und immer mehr und immer mehr. Die Melodie wurde langsam zu einem Tanz der Töne, ein Lied des leeren Raumes.

Der Mann öffnete seine Augen und stand auf, "Es ist Zeit für uns zu gehen. Sie mögen es nicht wenn man hier zu lange bleibt."

"Wohin werden Sie jetzt gehen?"

"Ich werde zurück gehen, zurück in diesen Wahnsinn.", antwortete der Mann. Er fing an zu laufen. "Gehen Sie einfach nur geradeaus und Sie werden schon ankommen. Wenn Sie es schafften hier überhaupt herzukommen, dann werden Sie dies auch wieder tun. Bis zum nächsten Mal, auch wenn Sie sich an mich nicht mehr erinnern werden können."

Der Gast machte mehrere Schritte nach vorne, jedoch stoppte dieser, "Ach ja! Ich habe vergessen zu fragen! Wie ist Ihr Name?", schrie er in die Richtung von dem Mann. Dieser stoppte ebenfalls und ohne sich umzudrehen antwortete er:

"Meinen Namen kennen Sie sehr gut! Ich bin eine Krone die ihren König verloren hat!" Der Mann fing wieder an zu laufen und entweichte dem Sichtfeld des Gastes.

"Nun denn, auf ein Neues.", murmelte sich der Besucher zu und verschwand in dem tiefen Schwarz des nie endenden Raumes.

Sofern nicht anders angegeben, steht der Inhalt dieser Seite unter Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License