Am Schluss bleiben nur wir - Teil 2
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Anmerkung:
Dies ist eine mögliche Zukunft, die aus der Sicht dreier Überlebenden erzählt wird.


Ich sah zu, wie Jolanda auf allen Vieren wie ein Frosch über den sandigen Boden schlich. Sie hielt inne, nur um mit der flachen Hand auf den Boden zu schlagen.
Wütend zischend schoss eine fast zwei Meter lange Schlange heraus. Bevor sie aber etwas anderes tun konnte, packte die ehemalige SCP-F.-Agentin das Tier. In einer fließenden Bewegung riss sie den Kopf ab, verschloss die Wunde und verwandelte den körperlosen Kopf mit Nälkä-Magie zu einer ganzen.
Das Kriechtier machte sich ohne eine zweite Warnung davon.
Stolz zeigte sie den schlafen Schlauch.
Ich sah auf die fünf Oasen-Krebse, die ich gefangen hatte. Ich konnte das nicht auf mir sitzen lassen. Also stand ich auf, zeigte auf einen Punkt über uns. „Diesen Adler werde ich herunterholen.“
So gesprochen, pikste ich mir mit einem Stein in die Hand, formte aus meinem Blut einen Speer.
Der Vogel starb mehr vom Aufprall, als vom Loch, das in seinem Flügel war.
„Einigen wir uns auf ein Unentschieden? Meine Beute ist größer, deine nicht so verschleißend.“
„Du hast recht. Wenn wir weiter machen, traut sich kein Tier mehr hierhin.“
Sie zeigte auf einen farbigen Hügel in der Ferne. „Wollen wir ein Wettrennen machen?“
Ich zuckte die Schultern. „Lass mir aber einen Vorsprung, ich habe den Adler.“
„Nichts da!“, rief sie und rannte los.

Von weitem sahen wir wahrscheinlich wie ein Sandsturm aus, mit dem Tempo, das wir hatten.
Wir fielen in den Schatten unserer Jurte, dabei schwer atmend.
„Das … war … aufregend“, nuschelte Jolanda in den Sand.
Ich rollte mich auf den Rücken. „Aber … wieder … Unentschieden?“
„Nichts … da. … ich war … schneller.“
Sie rappelte sich auf und ging in das Innere unseres gemeinsamen Unterschlupfs. „Ich gehe baden“, erläuterte sie, während sie ungeniert die Kleider auszog, die ich ihr gemacht hatte. Ich sah errötend weg.

Jolanda preschte immer noch vom Bad triefend auf mich zu. Ein Pfeil ragte aus ihrem linken Oberarm, doch sie schien nichts davon zu spüren.
„Wir werden angegriffen“, fauchte sie mir zu, während sie ins Zeltinnere rutschte.
Ich duckte mich hinter einem der Pfosten.
Sie riss sich das Projektil aus dem Arm, etwas die Zähne zusammenbeißend.
„Nicht vergiftet. Seltsam.“ Sie stutzte. Dann zeigte sie mir die Spitze. Krakelig war eine Rune eingeritzt, die ich vage von einem Buch der Clockwork Orthodox Church erkannte. Wäre sie korrekt formuliert worden, hätte es Jolanda Heilfaktor zu einem Teil eingeschränkt.
Dies bedeutete, dass der Schütze von Jolanda rudimentäres Wissen über Nälkä-Magie besaß.

„Komm raus und kämpfe!“
Auf der Anhöhe stand eine Gestalt. Sie war von oben bis unten mit verschiedenen Tüchern verhüllt, so dass nur teilweise eine dunkle Haut sichtbar war. Aus einem Schlitz auf Gesichtshöhe funkelten zwei Augen. Die Stimme war eindeutig weiblich und mehr als nur ein wenig zornig.
„Komm raus, du Feigling! Ich weiß, dass du da drin bist, Jolanda!“
Die Nennung ihres Namens traf meine Mitbewohnerin scheinbar wie ein Schlag. Ihr gebräuntes Gesicht wurde kreidebleich.
Stotternd kam aus ihrem Mund: „I-i-ich glaube, ich ke-kenne diese Frau …“
Sie ging nach draußen, bevor ich es verhindern konnte.
„Asther? Asther Jasmin Meloa …?“
„Nimm. Meinen. Namen. Nicht. In. Deinen. …“, bevor Asther ihre Verwünschungen beendete, hob sie ihre beiden Hände. Die paar Steine, die wir nicht weggeräumt hatten, erhoben sich. Blind vor Wut schwang sie die Steine in Jolandas Richtung.
Ich sprang ebenfalls aus der Deckung. Ich konnte mich nie für Kampfzauber begeistern, was ich mit meinen Eltern teilte. Aber dies hieß nicht, dass ich keine Kampfkraft hatte, wenn sie sich auch stark auf die Defensive beschränkte.
Jolanda war aber nicht wirklich in Gefahr. Die Steine kamen teilweise nicht mal in ihre Nähe, und die paar, die es taten, wischte sie etwas abwesend aus der Luft.
Ich dagegen musste schauen, dass die Querschläger mich nicht köpften oder löcherten. Ich wollte meine Freundin zurückreißen, was sich aber als fast unmöglich erwies.
Asther hatte plötzlich aufgehört Steine auf Jolanda zu werfen, was wahrscheinlich mehr daran lag, dass ihr die Munition ausging. Ich machte wieder Ansätze zu Jolanda zu robben, doch sie lief los.
„Jolanda! Was machst du?“ Doch sie beachtete mich nicht.
Als sie nur noch Meter von ihrer ehemaligen Kindheitsfreundin entfernt war, rannte diese los. Sie schlug mit ihren nackten Fäusten auf sie ein.
Jolanda wurde auf den Boden geschleudert. Asther hieb weiter auf sie ein, jeder Schlag wurde schwächer, bis sie endgültig aufhörte.
Die ganze Zeit leistete Jolanda keinen Widerstand.
„Warum? Warum?“, schluchzte Asther, „Warum wehrst du dich jetzt nicht? Du hast dich damals auch nicht so gescheut.“
Das zerschlagene Gesicht verheilte langsam und Jolanda nahm ihre Angreiferin in die Arme. Sie versuchte mehrmals etwas zu sagen, doch war gezwungen zu schweigen.
Ich versuchte mir verzweifelt zusammenzureimen, wovon ich Zeuge wurde.

 


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