6. Mr. Stripes
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Ich habe sehr lange Beine. Sehr lang. Lang genug, um eine Schlucht zu überspannen, wenn ich will, dass sie das tun. Wenn ich verlange, dass sie das tun. Und auch lange Finger. Die Finger eines Pianisten, oder eines Erwürgers. Lang und dünn. Zum Erdrosseln geschaffen. Kein Pianist.

Ich lache, was mich überrascht. Es gibt dieser Tage so wenig Anlass zu lachen, vor allem seit Ms. Sweetie in der Mülltonne gelandet ist. Sie war freundlich zu mir gewesen. Nur wenige der Anderen waren freundlich zu mir gewesen. Hatten mich als lästiges Anhängsel bezeichnet. Doch sie war zu allen freundlich gewesen. Aber jetzt nicht mehr.

Meine Beine dehnen sich aus beim Erklimmen des Vorgebirges, die langen Finger umschlingen Bäume und ziehen mich vorwärts. Ich nehme nur beiläufig wahr, dass die Äste dort, wo ich sie umschlinge absterben, doch daran bin gewöhnt. Das ist schließlich das, was ich tue. Töten. Beseitigen. Zerstören.

Ich korrigiere die Fehler, die mein Schöpfer begangen hat. Und zwar alle. Ich habe sie abgehakt auf meinem Weg. Ich habe fast alle erledigt. Alle neunzehn.

Ich dehne und verzerre mich, weiß, dass ich irgendwo hingehe, aber kenne das Ziel nicht. Naja, obwohl. Ich kenne das Ziel. Zu ihnen. Zu ihnen allen. Einen nach dem anderen. Doch jetzt sammeln sie sich. Ziehen sich dicht zusammen. So nah…

Ich frage mich, ob Mr. Redd dort sein wird. Wir haben eine Rechnung offen. Und ich besitze sehr, sehr lange Finger. Finger, die zum Erdrosseln geschaffen sind, rufe ich mir ins Gedächtnis.

Lange Finger. Sehr, sehr lang. Sehr bereit. Bereit, zu würgen. Bereit, das Leben aus jedem anderen zu quetschen. Zu allem bereit. Dinge wiederherzustellen. Alles wiederherzustellen, was zerstört wurde.

Mr. Redd und ich hatten schließlich noch eine Rechnung offen.

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