10 Mr Mission
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Die Zeit: Mitternacht. Der Ort: Eines der düsteren Etablissements, welche die Stadt zu bieten hat. Die Person: Ich selbst, natürlich. Für den besseren Teil einer Stunde saß ich hier, nahm gelegentlich einen Schluck von dem Sea Fizz, den ich gekauft habe, was eine Ewigkeit lang her zu sein scheint. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, die ich hier in dem dunkel-beleuchteten Raum sitze, während der Bass des Nachtclubs im Takt mit dem kollektiven Herz der Unterschicht pulsierte um die Welt mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Ich blickte zur Bardame.

,,Kein Glück, Süße?‘‘

,,Nein Sir, Mr. Mission!‘‘

Ich schüttelte den Kopf und lehnte mich auf dem Barhocker nach vorne. Die schattige Form der Clubbewohner bewegte und verformte sich um mich, während die rote Uhr über der Bar weitertickte. Nichts. Ich wartete auf den Kontakt, wartete etwas länger. Anscheinend haben sie auf den letzten Drücker kalte Füße bekommen. Kalte Füße, oder Betonschuhe, wie man hier sagt. Die Spur, die ich verfolgte, war ein echter Bastard insofern, dass er bekanntermaßen meine Kontakte beseitigte, bevor ich die Chance hatte, sie ausfindig zu machen. Zeit verging, ich schüttelte meinen Kopf. Noch einer, verschwunden. Eine andere verdammte Seele in unserer armseligen Welt, einer, einer langsam verschwindenden Zahl. Aber ich war stark. Ich musste. Bald, sagte ich mir selbst, bald werde ankommen, wo ich hinging, um das zu finden, was ich suchte, um einen anderen vor dem trostlosen Schicksal zu retten, dem wir alle ausgesetzt wurden.
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Das rhythmische Stampfen der Stadt auf den Straßen. Mir nicht unbekannt, seit ich durch die volle Stadt ging, meinen Weg durch die Mengen, die die Straßen und Wege füllten wie Blut die Adern, geschlagen habe. Meinen Weg durch düstere Straßen unter hohen Mauern ging, während ich meinen Hut herunterzog, um meine Augen zu verdecken. Die Wahrscheinlichkeit, in so einer Menge erkannt zu werden, ist gering, aber ich bin jemand, der kein Risiko eingeht.

Nein, Risiko würde diese langen Finger an meine Kehle bringen.

Der Nachtclub endete fruchtlos. Niemand, der mich begrüßte und mir auf meinem Weg half, aber ich kenne andere Möglichkeiten, um den Weg zum finalen Ziel zu finden. Ich machte Fortschritte, wenn auch langsam, und ich musste nach vorne schauen. Die nächste Spur war die Straße runter, eine französische Konditorei, die eine sicher Sache war, sollte der Nachtclub fehlschlagen. Der Kontakt arbeitete hier, sollte ich ihn dort nicht finden, so finde ich wenigstens seinen letzten Aufenthaltsort, verdammt noch mal.

Die Nachmittagssonne brannte auf die Straßencafés und Märkte, die Menge bewegte sich ziellos durch ihr Leben, ohne Richtung und verloren. Aber ich, Ich kannte den Weg. Der Weg zum Ziel war nicht klar, weniger geradeaus, aber er war da. Man musste ihn nur finden. Man musste ihn nur kennen. Ich? Ich kannte den Weg. Oder zumindest einen Weg. Ich war engagiert. Ich war vorbereitet.

Ich war auf meiner Mission.
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Ich lehnte mich im Stuhl zurück, das Flugzeug durchbrach endlich den Wolkenteppich und ist nun im hellen Licht der Sonne. Erste Klasse, mit viel Beinfreiheit und viel Platz für einen selbst. Die anderen Fluggäste waren überwiegend reiche Kaufleute welche zu reich waren, um sich mit der unteren Klasse zu verbrüdern. Niemand von denen würdigte mich eines zweiten Blickes, mir war das aber recht. Arschlöcher mit ihren Nasen im Himmel und Silberlöffeln in ihren Taschen, zu viele.

Der Nachtclub ist durchgefallen, aber ich musste die Spur wieder aufnehmen um das Rattenloch zu finden, in das der Mörder meines Kontaktes untergetaucht ist. Und ich war wieder im Rhythmus, kam langsam dem mörderischen Bastard auf die Fersen.

Auf meinem Weg, ein weiterer Schritt näher zur Erlösung, in Richtung meines ultimativen und wahrscheinlich letzten Falls. Ich kam näher und näher, ein Schritt näher und ein Schritt tiefer.

Während ich durch ein Magazin blätterte, irgendein Gefasel über die Wirtschaft, was ich am Flughafen mitgenommen habe, wanderten meine Gedanken hin und her. Nahezu ohne Überlegung nahm ich meine Taschenuhr und machte sie auf. Die uralten Zeiger klickten umher in einem endlosen Rennen um das Ziffernblatt, fast so endlos und ziellos wie mein Weg zu sein schien. Eine Vorahnung, um genau zu sein, aber nicht so wie das Bild vor meinen Augen.

Die eine Frau, in die ich mich immer verlieben werde.

Ms. Sweetie.

Ich klappte die Uhr zusammen und ballte sie in meiner Faust, während die bittersüßen Erinnerungen zusammenflossen mit Wut, Trauer, Freude und Reue, die zwangsläufig mit ihnen kamen, während ich mich erneut entschloss, meine Reise zu vollenden. Redd. Redd. Wenn ich nur an den Namen dachte, stieg mein Puls an und meine Zähne knirschten vor Wut. Redd, die einzige Person, die ein größerer Bastard war, als meine Spur.

Ich schüttelte meinen Kopf, steckte die Uhr wieder in die Brusttasche meines Nadelstreifenanzuges. Ich war auf meinem Weg, nach dem Wirrwarr der Stadt, direkt auf dem Weg zu meinem Ziel. Bald werde ich mein Ziel erreichen und alles wird vorüber sein. Auf den einen oder anderen Weg werde ich endlich die Erinnerungen an Ms. Sweetie beilegen können. Auf die eine oder andere Art werden wir endlich diese lange, sinnlose Reise um unsere hoffnungslose Erde beenden.

Auf die eine oder andere Art, jemand wird dafür bezahlen.

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